13, 14[1-227] Frühjahr 1888

14 [1]

Kunst. Vorrede

Über Kunst zu reden verträgt sich bei mir nicht mit sauertöpfischen Gebärden: ich will von ihr reden, wie ich mit mir selber rede, auf wilden und einsamen Spaziergängen, wo ich mitunter ein frevelhaftes Glück und Ideal in mein Leben herunter erhasche. Sein Leben zwischen zarten und absurden Dingen verbringen; der Realität fremd; halb Künstler, halb Vogel und Metaphysikus; ohne Ja und Nein für die Realität, es sei denn daß man sie ab und zu in der Art eines guten Tänzers mit den Fußspitzen anerkennt; immer von irgend einem Sonnenstrahle des Glücks gekitzelt; ausgelassen und ermuthigt selbst durch Trübsal—denn Trübsal erhält den Glücklichen—; einen kleinen Schwanz von Posse auch noch dem Heiligsten anhängend—dies, wie sich von selbst versteht, das Ideal eines schweren, zentnerschweren Geistes, eines Geistes der Schwere ...

14 [2]

Homoeopathica

Die Wirkung von Infinitesimal-Dosen ist spezifisch bei Nervenkranken: ego.

“man ist um so unglücklicher als man intelligent ist”

Schopenhauer

14 [3]

Die unbemerkbaren Phasen: die der Erregung, bald die der Erschöpfung

Der hypnotische Schlummer kann durch alle Sorten sensorieller Erregungen (des Gesichts, Gehörs, Geruchs) herbeigeführt werden, nur müssen sie genügend stark und lang sein: der erste Effekt ist immer der einer allgemeinen Steigerung der Beweglichkeit. Endlich aber Erschöpfung de l’influx cérébral. Die Erregung setzt eine Kraft in Spiel, die sich erschöpft ...

14 [4]

Psychologica

Die Begierde, angenehm, wenn man sich stark genug glaubt, die Objekte zu erreichen

als Vorstellung von dem, was unser Gefühl von Macht mehren wird: erster Anfang des Vergnügens

sonst unangenehm; und bald gegen sich einnehmend. Die Begierde wird ein Nothstand: wie bei Schopenhauer.

14 [5]

Religion. décadence

Die Gefährlichkeit des Christenthums

Trotzdem daß das Christenthum die Lehre von der Uneigennützigkeit und Liebe in den Vordergrund gerückt hat, bleibt seine eigentliche historische Wirkung die Steigerung des Egoismus des Individual-Egoismus bis in sein äußerstes Extrem—das Extrem ist der Glaube an eine Individual-Unsterblichkeit. Der Einzelne war so wichtig geworden, daß man ihn nicht mehr opfern konnte: vor Gott waren die “Seelen” gleich. Das heißt aber das Leben der Gattung auf die gefährlichste Weise in Frage stellen: das begünstigte eine Praxis, welche der Gegensatz des Gattungs-Interesses ist. Der Altruismus des Christenthums ist eine lebensgefährliche Conception: es setzt jeden einander gleich ...

Damit ist aber der natürliche Gang der Entwickl ... und alle natürlichen Werthe umgestoßen. Wenn der Kranke so viel Werth haben soll wie der Gesunde (oder gar noch mehr, nach Pascal)

Diese allgemeine Menschenliebe, in praxi die Bevorzugung aller Leidenden, Schlechtweggekommenen, Kranken

hat thatsächlich die Kraft, Menschen zu opfern, abgeschwächt: sie hat die Verantwortlichkeit darauf reduziren wollen, sich zu opfern:—aber gerade dieser absurde persönliche Altruismus hat, vom Standpunkte der Züchtung aus, gar keinen Werth. Wenn man darauf warten wollte, wie viele sich selber opfern zur Erhaltung der Gattung, so wäre man genarrt ...

alle großen Bewegungen, Kriege usw. bringen die Menschen dazu, sich zu opfern: es sind die Starken, die auf diese Weise fortwährend ihre Zahl vermindern ...

dagegen haben die Schwachen einen erschrecklichen Instinkt, sich zu schonen, sich zu erhalten, sich gegenseitig zu halten ...

diese “Gegenseitigkeit der Erhaltung” soll beinahe die Tugend und jedenfalls die Menschenliebe sein! ... typisch: sie wollen vom Staate geschützt sein, sie meinen, das “sei dessen oberste Pflicht!”

unter dem allgemeinen Lobe des “Altruismus” verbirgt sich der Instinkt, daß wenn alle für einander sorgen, der Einzelne am besten bewahrt bleibt ... es ist der Egoismus der Schwachen, der das Lob, das ausschließliche Lob des Altruismus geschaffen hat ...

Die gefährliche Antinatürlichkeit des Christenthums:

— sie kreuzt die Selektion

1)sie erfindet einen imaginären Werth der Person, so ausschweifend und wichtig, daß ungefähr jeder gleich werth ist
2)sie stellt den Schutz-Selbsterhaltungstrieb der Schwachen unter sich als höchstes Werthmaß hin, sie befeindet nichts mehr als was wie die Natur mit Schwachen und Schlechtweggekommenen handelt: schädigend, ausnützend, zerstörend ...
3)sie will nicht Wort haben, daß der höchste Typus Mensch der wohlgerathene und glückliche ist ... sie ist die Verleumdung, die Vergiftung, die Anbröckelung aller Natur-Werthung

14 [6]

Wille zur Macht als Moral

Die Zusammengehörigkeit aller Corruptions-Formen zu begreifen; und dabei nicht die christliche Corruption zu vergessen

Pascal als Typus

ebensowenig die socialistisch-communistische Corruption (eine Folge der christlichen)

höchste Societäts-Conception der Socialisten die niederste in der Rangordnung der Societäten

die “Jenseits”-Corruption: wie als ob es außer der wirklichen Welt, der des Werdens, eine Welt des Seienden gäbe

Hier darf es keinen Vertrag geben: hier muß man ausmerzen, vernichten, Krieg führen—man muß das christlich-nihilistische Werthmaß überall noch hinausziehen und es unter jeder Maske bekämpfen ... Aus der jetzigen Sociologie zum Beispiel, aus der jetzigen Musik z.B. aus dem jetzigen Pessimismus (—alles Formen des christlichen Werthideals—)

Entweder Eins oder das Andere ist wahr: wahr d.h. hier den Typus Mensch emporhebend ...

Der Priester, der Seelsorger, als verwerfliche Daseins-Formen

die gesammte Erziehung bisher hülflos, haltlos, ohne Schwergewicht, mit dem Widerspruch der Werthe behaftet —

14 [7]

Zur Modernität.

Die Feigheit vor der Consequenz—das moderne Laster.

Romantik: die Feindschaft

gegen die Renaissance (Chateaubriand, R. Wagner)
gegen das antike Werthideal
gegen die dominirende Geistigkeit
gegen den klassischen Geschmack, den einfachen, den strengen, den großen Stil
gegen die “Glücklichen”
gegen die “Kriegerischen”

14 [8]

Werth ..

Das höchste Quantum Macht, das der Mensch sich einzuverleiben vermag

der Mensch: nicht die Menschheit ...

die Menschheit ist viel eher noch ein Mittel, als ein Ziel. Es handelt sich um den Typus: die Menschheit ist bloß das Versuchsmaterial, der ungeheure Überschuß des Mißrathenen, ein Trümmerfeld ...

14 [9]

Nihilismus

Nichts wäre nützlicher und mehr zu fördern als ein consequenter Nihilismus der That

: so wie ich alle Phänomene des Christenthums, des Pessimismus verstehe, so drücken sie aus “wir sind reif, nicht zu sein; für uns ist es vernünftig, nicht zu sein”

diese Sprache der “Vernunft” wäre in diesem Falle auch die Sprache der selektiven Natur

Was über alle Begriffe dagegen zu verurtheilen ist, das ist die zweideutige und feige Halbheit einer Religion, wie die des Christenthums: deutlicher, der Kirche: welche, statt zum Tode und zur Selbstvernichtung zu ermuthigen, alles Mißrathene und Kranke schützt und sich selbst fortpflanzen macht —

Problem: mit was für Mitteln würde eine strenge Form des großen contagiösen Nihilism erzielt werden: eine solche, welche, mit wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit, den freiwilligen Tod lehrt und übt ... (und nicht das schwächliche Fortvegetiren mit Hinsicht auf eine falsche Postexistenz—)

Man kann das Christenthum nicht genug verurtheilen, weil es den Werth einer solchen reinigenden großen Nihilismus-Bewegung, wie sie vielleicht im Gange war, durch den Gedanken der unsterblichen Privat-Person entwerthet hat: insgleichen durch die Hoffnung auf Auferstehung: kurz, immer durch ein Abhalten von der That des Nihilismus, dem Selbstmord ... Es substituirte den langsamen Selbstmord; allmählich ein kleines armes aber dauerhaftes Leben; allmählich ein ganz gewöhnliches bürgerliches mittelmäßiges Leben usw.

14 [10]

Religion als décadence

Kritik des Christenthums

Es bedarf großer Selektions- und Reinigungs-Krisen: jedenfalls durch nihilistische Religionen und Philosophien eingeführt.

Man begreift, daß das Christenthum etwas unsterblich Verfehltes und Mißrathenes ist: aus einem Mittel der Zuchtwahl wurde es deren Gegner, Hemmschuh und Giftgewächs

14 [11]

die Jasagenden Affecte

Der Stolz
die Freude
die Gesundheit
die Liebe der Geschlechter
die Feindschaft und der Krieg
die Ehrfurcht
die schönen Gebärden, Manieren, Gegenstände
der starke Wille
die Zucht der hohen Geistigkeit
der Wille zur Macht
die Dankbarkeit gegen Erde und Leben
: alles, was reich ist und abgeben will und das Leben beschenkt und vergoldet und verewigt und vergöttlicht—die ganze Gewalt verklärender Tugenden ... alles Gutheißende, Jasagende, Jathuende —

14 [12]

Priester und andere Tintenwischer, Tintenfische —

14 [13]

Physiologie der nihilistischen Religionen

ein typischer Krankheits-Verlauf

NB die nihilistischen Religionen allesammt: systematis Krankheits-Geschichten unter einer religiös-moral Nomenklatur.

— in dem heidnischen Cultus ist es der große Jahreskreislauf, um dessen Ausdeutung sich der Cultus dreht

— im christlichen Cultus ein Kreislauf paralytischer Phänomene, um die sich der Cultus dreht ...

 
“der Glaube,” eine Form der Geisteskrankheit
die Reue 
die Erlösungalles neurasthenisch 
das Gebet 
die Sünde, eine fixe Idee
der Haß gegen die Natur, gegen die Vernunft
Die Christlichkeit als Krankheit
Das Christenthum als Symptom physiologischer décadence

14 [14]

Gegenbewegung Kunst

Geburt der Tragoedie

III

Diese beiden Kunst-Naturgewalten: werden von Nietzsche als das Dionysische und das Apollinische einander entgegengesetzt: er behauptet, daß Mit dem Wort “dionysisch” ist ausgedrückt: ein Drang zur Einheit, ein Hinausgreifen über Person, Alltag, Gesellschaft, Realität, als Abgrund des Vergessens, das leidenschaftlich-schmerzliche Überschwellen in dunklere vollere schwebendere Zustände; ein verzücktes Jasagen zum Gesammt-Charakter des Lebens, als dem in allem Wechsel Gleichen, Gleich-Mächtigen, Gleich-Seligen; die große pantheistische Mitfreudigkeit und Mitleidigkeit, welche auch die furchtbarsten und fragwürdigsten Eigenschaften des Lebens gutheißt und heiligt, aus einem ewigen Willen zur Zeugung, zur Fruchtbarkeit, zur Ewigkeit heraus: als Einheitsgefühl von der Nothwendigkeit des Schaffens und Vernichtens ... Mit dem Wort apollinisch ist ausgedrückt: der Drang zum vollkommenen Für-sich-sein, zum typischen “Individuum,” zu Allem, was vereinfacht, heraushebt, stark, deutlich, unzweideutig, typisch macht: die Freiheit unter dem Gesetz.

An ihren Antagonismus ist die Fortentwicklung der Kunst eben so nothwendig geknüpft, als die Fortentwicklung der Menschheit an den Antagonismus der Geschlechter. Die Fülle der Macht und die Mäßigung, die höchste Form der Selbstbejahung in einer kühlen, vornehmen, spröden Schönheit: der Apollinismus des hellenischen Willens

der Ursprung der Tragödie und Komödie als ein Gegenwärtig-sehen eines göttlichen Typus im Zustand einer Gesammt-Verzückung, als ein Miterleben der Ortslegende, des Besuchs, Wunders, Stiftungsakts, des “Dramas” ( —

Diese Gegensätzlichkeit des Dionysischen und Apollinischen innerhalb der griechischen Seele ist eines der großen Räthsel, von dem N sich angesichts des griechischen Wesens angezogen fühlte. Nietzsche bemühte sich im Grunde um nichts als um zu errathen, warum gerade der griechische Apollinismus aus einem dionysischen Untergrund herauswachsen mußte: der dionysische Grieche nöthig hatte, apollinisch zu werden, das heißt: seinen Willen zum Ungeheuren, Vielfachen, Ungewissen, Entsetzlichen zu brechen an einem Willen zum Maaß, zur Einfachheit, zur Einordnung in Regel und Begriff. Das Maßlose, Wüste, Asiatische liegt auf seinem Grunde: die Tapferkeit des Griechen besteht im Kampfe mit seinem Asiatismus: die Schönheit ist ihm nicht geschenkt, sowenig als die Logik, als die Natürlichkeit der Sitte—sie ist erobert, gewollt, erkämpft—sie ist sein Sieg ...

14 [15]

Dies Buch ist antipessimistisch: es lehrt eine Gegenkraft gegen alles Neinsagen und Neinthun, ein Heilmittel der großen Müdigkeit

14 [16]

Typus Gottes nach dem Typus des schöpferischen Geistes, des “großen Menschen”

14 [17]

Geburt der Tragödie.

2.

Anfang des Abschnitts zwei Seiten später: II.

Die Kunst gilt hier als einzige überlegene Gegenkraft gegen allen Willen zur Verneinung des Lebens: als das Antichristliche, Antibuddhistische, Antinihilistische par excellence ...

Sie ist die Erlösung des Erkennenden—dessen, der den furchtbaren und fragwürdigen Charakter des Lebens sieht, sehen will, des tragischen Erkennenden.

Sie ist die Erlösung des Handelnden—dessen,der den furchtbaren und fragwürdigen Charakter des Lebens nicht nur sieht, sondern lebt, leben will, des tragischen Menschen, des Helden ..

Sie ist die Erlösung des Leidenden—als Weg zu Zuständen, wo das Leiden gewollt, verklärt, vergöttlicht wird, wo das Leiden eine Form der großen Entzückung ist ...

14 [18]

III

Es giebt zwei Zustände, in denen die Kunst selber als eine Art Naturgewalt im Menschen auftritt: einmal als Vision, andrerseits als der dionysische Orgiasmus. Dieselben sind physiologisch vorgebildet im Traum und im Rausch: ersterer als Einübung jener Kraft zur Vision verstanden, als eine Lust am Gestalten-sehen, Gestalten-bilden.

Der Wille zum Schein, zur Illusion, zur Täuschung, zum Werden und Wechseln ist tiefer, “metaphysischer” als der Wille zur Wahrheit, zur Wirklichkeit, zum Sein: die Lust ist ursprünglicher als der Schmerz; der letztere ist selbst nur die Folge eines Willens zur Lust (—zum Schaffen, Gestalten, zu-Grunde-richten, Zerstören) und, in der höchsten Form, eine Art der Lust ...

14 [19]

6.

Diese Schrift ist antimodern: sie glaubt an die moderne Kunst, sonst an nichts, und im Grunde auch nicht an die moderne Kunst, sondern an die moderne Musik, und im Grunde nicht an die moderne Musik überhaupt, sondern nur an Wagner ... Und im Grunde vielleicht nicht einmal an Wagner, es sei denn faute de mieux.

p. 116. “Was wüßten wir sonst zu nennen, heißt es mit einer schmerzlichen Gebärde

Schopenhauer, Dürer.

Es glaubt daran, daß eine Musik kommen wird .. an eine dionysische Musik ...

14 [20]

7.

Diese Schrift gebärdet sich deutsch, selbst reichstreu—sie glaubt selbst noch an den deutschen Geist! ... Ihre nuance ist, daß sie deutsch-antichristlich ist: “das Schmerzlichste, heißt es in ihr auf S. 142, ist für uns die lange Entwürdigung, unter der der deutsche Geist, entfremdet von Haus und Heimat, im Dienst tückischer Zwerge lebte.” Diese tückischen Zwerge sind die Priester.— An einer anderen Stelle wird die Frage aufgeworfen, ob der deutsche Geist noch stark genug sei, sich auf sich selbst zurückzubesinnen; ob er mit der Ausscheidung fremder Elemente noch Ernst machen könne; oder fortfahren werde, sich wie ein sieches, verkümmertes Gewächs in krankhaftem Mühen zu verzehren. In diesem Buche gilt die Überpflanzung eines tief widerdeutschen Mythos, des christlichen in’s deutsche Herz als das eigentlich deutsche Verhängniß.

14 [21]

4.

Dieses Buch ist dergestalt sogar antipessimistisch: nämlich in dem Sinn, daß es etwas lehrt, das stärker ist als der Pessimismus, das göttlicher ist als “Wahrheit”: die Kunst.

Niemand würde, wie es scheint, einer radikalen Verneinung des Lebens, einem wirklichen Neinthun noch mehr als Neinsagen zum Leben so sehr das Wort reden, wie der Verfasser dieses Buchs: nur weiß er,—er hat es erlebt, er hat vielleicht nichts andres erlebt—daß die Kunst mehr werth ist als die “Wahrheit”.

In der Vorrede bereits, mit der Richard Wagner wie zu einem Zwiegespräch eingeladen wird, erscheint das Glaubensbekenntniß, das Artisten-Evangelium: “die Kunst als die eigentliche Aufgabe des Lebens, die Kunst als metaphysische Thätigkeit” ...

14 [22]

5.

Was muß, unter solcher Voraussetzung, aus der Wissenschaft werden? Wie steht sie da? In einem bedeutenden Sinne beinahe als Gegnerin der Wahrheit: denn sie ist optimistisch, denn sie glaubt an die Logik. Es wird physiologisch nachgerechnet, daß es die Niedergangs-Zeiten einer starken Rasse sind, wo der Typus des wissenschaftlichen Menschen in ihr reif wird. Die Kritik des Socrates macht den Haupttheil des Buches aus: Socrates als Gegner der Tragödie, als Auflöser jener dämonisch-prophylaktischen Instinkte der Kunst; der Sokratismus als das große Mißverständniß von Leben und Kunst: die Moral, Dialektik, Genügsamkeit des theoretischen Menschen eine Form der Ermüdung; die berühmte griechische Heiterkeit nur eine Abendröthe ... Die starken Rassen, so lange sie reich und überreich noch an Kraft sind, haben den Muth dazu die Dinge zu sehen, wie sie sind: tragisch ... Für sie ist die Kunst mehr als eine Unterhaltung und Ergötzlichkeit; sie ist eine Kur ...

Das Buch lehrt, “allen modernen Ideen und Vorurtheilen des demokratischen Geschmacks zum Trotz,” daß die Griechen—p. X der Vorrede.

14 [23]

II

Das Wesentliche an dieser Conception ist der Begriff der Kunst im Verhältniß zum Leben: sie wird, ebenso psychologisch als physiologisch, als das große Stimulans aufgefaßt, als das, was ewig zum Leben, zum ewigen Leben drängt ...

14 [24]

3.

Man sieht, daß in diesem Buche der Pessimismus, sagen wir deutlicher, der Nihilismus als die “Wahrheit” gilt: aber die Wahrheit gilt nicht als ein oberstes Werthmaß, noch weniger als oberste Macht.

Der Wille zum Schein, zur Illusion, zur Täuschung, zum Werden und Wechseln gilt hier als tiefer und ursprünglicher “metaphysischer” als der Wille zur Wahrheit, zur Wirklichkeit zum Sein:—letzterer ist selbst bloß eine Form des Willens zur Illusion. Ebenso gilt die Lust als ursprünglicher als der Schmerz: der Schmerz ist nur bedingt als eine Folge des Willens zur Lust (des Willens zum Werden, Wachsen, Gestalten, folglich zur Überwältigung, zum Widerstand, zum Krieg, zur Zerstörung) Es wird ein höchster Zustand der Daseins-Bejahung concipirt, in dem sogar der Schmerz, jede Art von Schmerz als Mittel der Steigerung ewig einbegriffen ist: der tragisch-dionysische Zustand.

14 [25]

ZurGeburt der Tragödie.”

VIII.

Die neue Conception der Griechen ist das Auszeichnende dieses Buches; wir haben bereits seine beiden anderen Verdienste angedeutet—die neue Conception der Kunst, als das große Stimulans des Lebens, zum Leben; insgleichen die Conception des Pessimismus, eines Pessimismus der Stärke, eines klassischen Pessimismus: das Wort klassisch hier nicht zur historischen, sondern zur psychologischen Abgrenzung gebraucht. Der Gegensatz des klassischen Pessimismus ist der romantische: jener in dem sich die Schwäche, die Ermüdung, die Rassen-décadence in Begriffen und Werthungen formulirt: der Pessimismus Schopenhauers z.B., insgleichen der de Vigny’s, Dostoijevsky’s, Leopardi’s, Pascals, der aller großen nihilistischen Religionen (des Brahmanismus, Buddhismus, Christenthums—sie dürfen nihilistisch genannt werden, weil sie alle den Gegensatzbegriff des Lebens, das Nichts, als Ziel, als höchstes Gut, als “Gott” verherrlicht haben)

Was Nietzsche auszeichnet: die Spontaneität seiner psychologischen Vision, eine schwindelerregende Weite der Umschau, des Erlebten, Errathenen, Erschlossenen, der Wille zur Consequenz, die Furchtlosigkeit vor der Härte und gefährlichen Consequenz.

14 [26]

Geburt der Tragödie

Aber kommen wir zur Hauptsache, zu dem, was das Buch auszeichnet und bei Seite stellt, zu seiner Originalität: es enthält drei neue Conceptionen. Die erste haben wir bereits genannt: die Kunst als das große Stimulans des Lebens, zum Leben. Die zweite: es bringt einen neuen Typus des Pessimismus, den klassischen. Zu dritt: es stellt ein Problem der Psychologie neu, das griechische.

14 [27]

Philosophie als décadence

Zur Psychologie des Psychologen

Psychologen, wie sie erst vom 19ten Jahrhundert möglich sind: nicht mehr jene Eckensteher, die drei, vier Schritt vor sich blicken und beinahe zufrieden sind, in sich hinein zu graben. Wir Psychologen der Zukunft—wir haben wenig guten Willen zur Selbstbeobachtung: wir nehmen es fast als ein Zeichen von Entartung, wenn ein Instrument “sich selbst zu erkennen” sucht: wir sind Instrumente der Erkenntniß und möchten die ganze Naivetät und Präcision eines Instrumentes haben;—folglich dürfen wir uns selbst nicht analysiren, nicht “kennen.” Erstes Merkmal eines Selbsterhaltungs-Instinkts des großen Psychologen: er sucht sich nie, er hat kein Auge, kein Interesse, keine Neugierde für sich ... Der große Egoismus unseres dominirenden Willens will es so von uns, daß wir hübsch vor uns die Augen schließen,—daß wir als “unpersönlich,” “désintéressé,” “objektiv” erscheinen müssen ... oh wie sehr wir das Gegentheil von dem sind! Nur weil wir in einem excentrischen Grade Psychologen sind

14 [28]

Der Psycholog.

1) Wir sind keine Pascals, wir sind nicht sonderlich am “Heil der Seele,” am eigenen Glück, an der eigenen Tugend interessirt ... —

2) Wir haben weder Zeit noch Neugierde genug, uns dergestalt um uns selbst zu drehn. Es steht, tiefer angesehn, sogar noch anders: wir mißtrauen allen Nabelbeschauern aus dem Grunde, weil uns die Selbstbeobachtung als eine Entartungsform des psychologischen Genies gilt, als ein Fragezeichen am Instinkt des Psychologen: so gewiß ein Maler-Auge entartet ist, hinter dem der Wille steht, zu sehn, um zu sehn

14 [29]

Ursprung der Moral-Werthe.

Der Egoismus ist so viel werth als der physiologisch werth ist, der ihn hat.

Jeder Einzelne ist die ganze Linie der Entwicklung noch (und nicht nur, wie ihn die Moral, etwas das mit der Geburt beginnt): stellt er das Aufsteigen der Linie Mensch dar, so ist sein Werth in der That außerordentlich; und die Sorge um Erhaltung und Begünstigung seines Wachsthums darf extrem sein. (Es ist die Sorge um die in ihm verheißene Zukunft, welche dem wohlgerathenen Einzelnen ein so außerordentliches Recht auf Egoismus giebt) Stellt er die absteigende Linie dar, den Verfall, die chronische Erkrankung: so kommt ihm wenig Werth zu: und die erste Billigkeit ist, daß er so wenig als möglich Platz, Kraft und Sonnenschein den Wohlgerathenen wegnimmt. In diesem Falle hat die Gesellschaft die Niederhaltung des Egoism (—der mitunter absurd, krankhaft, aufrührerisch sich äußert—) zur Aufgabe: handle es sich nun um Einzelne oder um ganze verkommende verkümmerte Volks-Schichten. Eine Lehre und Religion der “Liebe,” der Niederhaltung der Selbstbejahung, des Duldens, Tragens, Helfens, der Gegenseitigkeit in That und Wort kann innerhalb solcher Schichten vom höchsten Werthe sein, selbst mit den Augen der Herrschenden gesehn: denn sie hält die Gefühle der Rivalität, des ressentiment, des Neides nieder, die allzu natürlichen Gefühle der Schlechtweggekommenen,—sie vergöttlicht ihnen selbst unter dem Ideal der Demuth und des Gehorsams das Sklave-sein, das Beherrschtwerden, das Armsein, das Kranksein, das Unten-stehn. Hieraus ergiebt sich, warum die herrschenden Classen oder Rassen und Einzelnen jeder Zeit den Cultus der Selbstlosigkeit, das Evangelium der Niedrigen, “den Gott am Kreuze” aufrecht erhalten haben.

Das Übergewicht einer altruistischen Werthungsweise ist die Folge eines Instinktes für Mißrathen-sein. Das Werthurtheil auf unterstem Grunde sagt hier: “ich bin nicht viel werth”: ein bloß physiologisches Werthurtheil, noch deutlicher: das Gefühl der Ohnmacht, der Mangel der großen bejahenden Gefühle der Macht (in Muskeln, Nerven, Bewegungscentren). Dies Werthurtheil übersetzt sich, je nach der Cultur dieser Schichten, in ein moralisches oder religiöses Urtheil (—die Vorherrschaft religiöser und moralischer Urtheile ist immer ein Zeichen niedriger Cultur—): es sucht sich zu begründen, aus Sphären, woher ihnen der Begriff “Werth” überhaupt bekannt ist. Die Auslegung, mit der der christliche Sünder sich zu verstehen glaubt, ist ein Versuch, den Mangel an Macht und Selbstgewißheit berechtigt zu finden: er will lieber sich schuldig finden, als umsonst sich schlecht fühlen: an sich ist es ein Symptom von Verfall, Interpretationen dieser Art überhaupt zu brauchen. In andern Fällen sucht der Schlechtweggekommene den Grund dafür nicht in seiner “Schuld” (wie der Christ), sondern in der Gesellschaft: der Socialist, der Anarchist, der Nihilist, indem sie ihr Dasein als etwas empfinden, an dem Jemand schuld sein soll, ist damit immer noch der Nächstverwandte des Christen, der auch das Sichschlechtbefinden und Mißrathen besser zu ertragen glaubt, wenn er Jemanden gefunden hat, den er dafür verantwortlich machen kann. Der Instinkt der Rache und des ressentiment ist in beiden Fällen, erscheint hier als Mittel, es auszuhalten, als Instinkt der Selbsterhaltung: ebenso wie die Bevorzugung der altruistischen Theorie und Praxis. Der Haß gegen den Egoismus, sei es gegen den eigenen, wie beim Christen, sei es gegen den fremden, wie beim Socialisten, ergiebt sich dergestalt als ein Werthurtheil unter der Vorherrschaft der Rache; andrerseits als eine Klugheit der Selbsterhaltung Leidender durch Steigerung ihrer Gegenseitigkeits- und Solidaritätsgefühle ... Zuletzt ist, wie schon angedeutet, auch jene Entladung des Ressentiment im Richten, Verwerfen, Bestrafen des Egoism (des eigenen oder eines fremden) noch ein Instinkt der Selbsterhaltung bei Schlechtweggekommenen. In summa: der Cultus des Altruismus ist eine spezifische Form des Egoismus, die unter bestimmten physiologischen Voraussetzungen regelmäßig auftritt.

14 [30]

Wenn der Socialist mit einer schönen Entrüstung “Gerechtigkeit,” “Recht,” “gleiche Rechte” verlangt, so steht er nur unter dem Druck seiner ungenügenden Cultur, welche nicht zu begreifen weiß, warum er leidet: andrerseits macht er sich ein Vergnügen damit; befände er sich besser, so würde er sich hüten, so zu schreien: er fände dann anderswo sein Vergnügen. Dasselbe gilt vom Christen: “die Welt” wird von ihm verurtheilt, verleumdet, verflucht—er nimmt sich selbst nicht aus. Aber das ist kein Grund, sein Geschrei ernst zu nehmen. In beiden Fällen sind wir immer noch unter Kranken, denen es wohlthut, zu schreien, denen die Verleumdung eine Erleichterung ist.

14 [31]

Werth ...

Der Begriff “verwerfliche Handlung” macht uns Schwierigkeit: es kann nichts an sich Verwerfliches geben. Nichts von Alledem, was überhaupt geschieht, kann an sich verwerflich sein: denn man dürfte es nicht weghaben wollen: denn Jegliches ist so mit Allem verbunden, daß irgend Etwas ausschließen wollen, Alles ausschließen heißt. Eine verwerfliche Handlung: heißt eine verworfene Welt überhaupt ..

Und selbst dann noch: in einer verworfenen Welt würde auch das Verwerfen verwerflich sein ... Und die Consequenz einer Denkweise, welche Alles verwirft, wäre eine Praxis, die Alles bejaht ... Wenn das Werden ein großer Ring ist, so ist Jegliches gleich werth, ewig, nothwendig ...

In allen Correlationen von Ja und Nein, von Vorziehen und Abweisen, Lieben und Hassen drückt sich nur eine Perspektive, ein Interesse bestimmter Typen des Lebens aus: an sich redet Alles, was ist, das Ja.

14 [32]

Werth ...

eine nihilistische Werthschätzung sagt: “ich bin werth, nicht zu sein.” Geht sie weiter und sagt: “du bist werth, nicht zu sein.”

14 [33]

Was das tragische Pathos angeht, so nimmt Nietzsche nicht das alte Mißverständniß des Aristoteles wieder auf —

als Transfiguration von Wollust und Grausamkeit ins Griechische: Elemente, welche in den orgiastischen Festen

das Dionysische als eine Überströmung und Einheit vielfacher, zum Theil schrecklicher Erregungen

14 [34]

Drama

das Drama ist nicht, wie die Halbgelehrten glauben, die Handlung, sondern, gemäß der dorischen Herkunft vom Wort “Drama,” auch dorisch-hieratisch zu verstehen: es ist das Begebniß, das “Ereigniß,” die heilige Geschichte, die Gründungs-Legende, das “Nachsinnen,” die Vergegenwärtigung der Aufgabe des Hieratischen.

14 [35]

Kunst als Gegenbewegung.

Das orgiastische Element in der Kunst der Griechen war bisher unterschätzt worden; daß aber der Orgiasmus eine der tiefsten Bewegungen und Krisen für die griechische Seele selbst bedeutet

Man erinnert sich vielleicht der frivolen und kalten Art, mit der Lobeck sich das ganze Gebiet von Riten, Mythen und Geheimnissen vom Leibe hielt p. 564. 565.

Man möchte sagen, daß der Begriff “klassisch”—, wie ihn Winckelmann und Goethe gebildet hatten, jenes dionysische Element nicht nur nicht erklärte, sondern von sich ausschloß: und

es gab eine Zeit, wo man unter Philologen mit besonderer Dankbarkeit Lobeck

14 [36]

Apollinisch, dionysisch

III

Es giebt zwei Zustände, in denen die Kunst selbst wie eine Naturgewalt im Menschen auftritt, über ihn verfügend, ob er will oder nicht: einmal als Zwang zur Vision, andrerseits als Zwang zum Orgiasmus. Beide Zustände sind auch im normalen Leben, nur schwächer, im Traum und im Rausch, wie in

Aber derselbe Gegensatz besteht noch zwischen Traum und Rausch: beide entfesseln in uns künstlerische Gewalten, jeder aber verschieden: der Traum die des Sehens, Verknüpfens, Dichtens; der Rausch die der Gebärde, der Leidenschaft, des Gesangs, des Tanzes.

14 [37]

Zur Modernität.

Was uns Ehre macht.

Wenn irgend etwas uns Ehre macht, so ist es dies: wir haben den Ernst wo andershin gelegt: wir nehmen die von allen Zeiten verachteten und bei Seite gelassenen niedrigen Dinge wichtig—wir geben dagegen die “schönen Gefühle” wohlfeil ...

Giebt es eine gefährlichere Verirrung, als die Verachtung des Leibes? Als ob nicht mit ihr die ganze Geistigkeit verurtheilt wäre krankhaft zu werden, zu den vapeurs des “Idealismus”!

Es hat Alles nicht Hand und Fuß, was von Christen und Idealisten ausgedacht worden ist: wir sind radikaler. Wir haben die “kleinste Welt” als das überall-Entscheidende entdeckt: wir sind auf eine gefährliche Weise in die

Straßenpflaster, gute Luft im Zimmer, die Bude nicht vergiftet, die Speisen auf ihren Werth begriffen, wir haben Ernst gemacht mit allen Necessitäten des Daseins und verachten alles “Schönseelenthum” als eine Art der “Leichtfertigkeit und Frivolität.”

Das bisher Verachtetste ist in die erste Linie gerückt.

ich füge die Unmoralität hinzu: Moralität ist nur eine Form der Unmoralität, welche in Hinsicht auf den Vortheil, den eine bestimmte Art davon hat,

14 [38]

TypusJesus” ...

Jesus ist das Gegenstück eines Genies: er ist ein Idiot. Man fühle seine Unfähigkeit, eine Realität zu verstehn: er bewegt sich im Kreise um fünf, sechs Begriffe, die er früher gehört und allmählich verstanden, d.h. falsch verstanden hat—in ihnen hat er seine Erfahrung, seine Welt, seine Wahrheit,—der Rest ist ihm fremd. Er spricht Worte, wie sie Jedermann braucht—er versteht sie nicht wie Jedermann, er versteht nur seine fünf, sechs schwimmenden Begriffe. Daß die eigentlichen Manns-Instinkte—nicht nur die geschlechtlichen, sondern auch die des Kampfes, des Stolzes, des Heroismus—nie bei ihm aufgewacht sind, daß er zurückgeblieben ist und kindhaft im Alter der Pubertät geblieben ist: das gehört zum Typus gewisser epilepsoider Neurosen.

Jesus ist in seinen tiefsten Instinkten unheroisch: er kämpft nie: wer etwas wie einen Held in ihm sieht, wie Renan, hat den Typus vulgärisirt ins Unerkenntliche.

man fühle andererseits seine Unfähigkeit, etwas Geistiges zu verstehen: das Wort Geist wird in seinem Munde zum Mißverständniß! Nicht der entfernteste Hauch von Wissenschaft, Geschmack, geistiger Zucht, Logik hat diesen heiligen Idioten angeweht: so wenig als ihn das Leben berührt hat.— Natur? Gesetze der Natur?— Niemand hat ihm verrathen daß es eine Natur giebt. Er kennt nur moralische Wirkungen: Zeichen der untersten und absurdesten Cultur. Man muß das festhalten: er ist Idiot inmitten eines sehr klugen Volkes ... Nur daß seine Schüler es nicht waren—Paulus war ganz und gar kein Idiot!—daran hängt die Geschichte des Christenthums.

14 [39]

Kritik des Christenthums.
Moral als Circe der Philosophen
Der Kampf ums
Ich.”

14 [40]

Die unbewußte Wirkung der décadence auf die Ideale der Wissenschaft

Es giebt eine tiefe und vollkommen unbewußte Wirkung der décadence selbst auf die Ideale der Wissenschaft: unsere ganze Sociologie ist der Beweis für diesen Satz. Ihr bleibt vorzuwerfen, daß sie nur das Verfalls-Gebilde der Societät aus Erfahrung kennt und unvermeidlich die eigenen Verfalls-Instinkte als Norm des sociologischen Urtheils nimmt.

Das niedersinkende Leben im jetzigen Europa formulirt in ihnen seine Gesellschafts-Ideale: sie sehen alle zum Verwechseln dem Ideal alter überlebter Rassen ähnlich ...

Der Heerdeninstinkt sodann—eine jetzt souverän gewordene Macht—ist etwas Grundverschiedenes vom Instinkt einer aristokratischen Societät: und es kommt auf den Werth der Einheiten an, was die Summe zu bedeuten hat ...

Unsere ganze Sociologie kennt gar keinen anderen Instinkt als den der Heerde, d.h. der summirten Nullen ... wo jede Null “gleiche Rechte” hat, wo es tugendhaft ist, Null zu sein ...

Die Werthung, mit der heute die verschiedenen Formen der Societät beurteilt werden, ist ganz und gar eins mit jener, welche dem Frieden einen höheren Werth zuertheilt als dem Krieg: aber dies Urtheil ist antibiologisch, ist selbst eine Ausgeburt der décadence des Lebens ... Herr Herbert Spencer ist als Biologe ein décadent,—meist auch als Moralist (—er sieht im Sieg des Altruismus etwas Wünschenswerthes!!!). Das Leben ist eine Folge des Krieges, die Gesellschaft selbst ein Mittel zum Krieg.

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Renan, der das mit den Weibern gemeinsam hat, daß er nur lebensgefährlich wird, wenn er liebt; er der niemals ohne kleine mörderische Nebenabsichten einen alten Götzen von Ideal umarmt hat, immer neugierig, ob das, was er umarmt, nicht bereits wackelt ...

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— Deutsch =

(4) Religion in der Musik.

Wie viel uneingeständliche und selbst unverstandene Befriedigung aller religiösen Bedürfnisse ist noch in der Wagnerschen Musik! Wie viel Gebet, Tugend, Salbung, “Jungfräulichkeit” “Erlösung” redet da noch mit! .. Daß die Musik vom Worte vom Begriffe absehen darf—oh wie sie daraus ihren Vortheil zieht, diese arglistige Heilige, die zu allem zurückführt, zurückverführt, was einst geglaubt wurde! .. Unser intellekt Gewissen braucht sich nicht zu schämen,—es bleibt außerhalb—wenn irgend ein alter Instinkt mit zitternden Lippen aus verbotenen Bechern trinkt ... Das ist klug, gesund und, insofern es Scham vor der Befriedigung des religiösen Instinktes verräth, sogar ein gutes Zeichen ... Heimtückische Christlichkeit: Typus der Musik des “letzten Wagner.”

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Durch Alkohol und Musik bringt man sich auf Stufen der Cultur und Unkultur zurück, welche unsere Voreltern überwunden haben: insofern ist nichts lehrreicher, nichts “wissenschaftlicher” als sich zu berauschen ... Auch manche Speisen enthalten Offenbarungen über etwas, woraus wir herkommen. Wie viel Geheimniß steckt zum Beispiel in der Correlation der deutschen Knödel und des deutschen “kindlichen Gemüthes”! ... Wenn man erstere im Leibe hat, regt sich sofort das Letztere: man beginnt zu ahnen! ... Oh wie fern man alsbald vom “Verstand der Verständigen” ist! —

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Gegen diese Verderbniß der Musik wehre ich mich mit allen Mitteln, und wie ein schöner Teufel

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Was hat der deutsche Geist aus dem Christenthum gemacht!— Und daß ich beim Protestantismus stehen bleibe, wie viel Bier ist wieder in der protestantischen Christlichkeit! Ist eine geistig verdumpftere, faulere, gliederstreckendere Form des Christen-Glaubens noch denkbar! als die eines deutschen Durchschnitts-Protestanten? .. Das nenne ich mir ein bescheidenes Christenthum! eine Homöopathie des Christenthums nenne ich’s!— Man erinnert mich daran, daß es heute auch einen unbescheidenen Protestantismus giebt, den der Hofprediger und antisemitischen Spekulanten: aber Niemand hat noch behauptet, daß irgend ein “Geist” auf diesen Gewässern “schwebe” ... Das ist bloß eine unanständigere Form der Christlichkeit, durchaus noch keine verständigere ...

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Im dionysischen Rausche ist die Geschlechtlichkeit und die Wollust: sie fehlt nicht im apollinischen. Es muß noch eine tempo-Verschiedenheit in beiden Zuständen geben ... Die extreme Ruhe gewisser Rauschempfindungen (strenger: die Verlangsamung des Zeit- und Raumgefühls) spiegelt sich gern in der Vision der ruhigsten Gebärden und Seelen-Arten. Der klassische Stil stellt wesentlich diese Ruhe, Vereinfachung, Abkürzung, Concentration dar—das höchste Gefühl der Macht ist concentrirt im klassischen Typus. Schwer reagiren: ein großes Bewußtsein: kein Gefühl von Kampf:

Der Naturrausch:

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Gegenbewegung der Kunst.

Pessimismus in der Kunst? —

der Künstler liebt allmählich die Mittel um ihrer selber willen, in denen sich der Rauschzustand zu erkennen giebt: die extreme Feinheit und Pracht der Farbe, die Deutlichkeit der Linie, die nuance des Tons: das Distinkte, wo sonst, im Normalen, alle Distinktion fehlt

—: alle distinkten Sachen, alle Nuancen, insofern sie an die extremen Kraftsteigerungen erinnern, welche der Rausch erzeugt, wecken rückwärts dieses Gefühl des Rausches.

—: die Wirkung der Kunstwerke ist die Erregung des kunstschaffenden Zustandes, des Rausches ...

—: das Wesentliche an der Kunst bleibt ihre Daseins-Vollendung, ihr Hervorbringen der Vollkommenheit und Fülle

Kunst ist wesentlich Bejahung, Segnung, Vergöttlichung des Daseins ...

—: Was bedeutet eine pessimistische Kunst? Ist das nicht eine contradictio?— Ja.

Schopenhauer irrt, wenn er gewisse Werke der Kunst in den Dienst des Pessimism stellt. Die Tragödie lehrt nicht “Resignation” ...

— Die furchtbaren und fragwürdigen Dinge darstellen ist selbst schon ein Instinkt der Macht und Herrlichkeit am Künstler: er fürchtet sie nicht ...

Es giebt keine pessimistische Kunst .. Die Kunst bejaht. Hiob bejaht.

Aber Zola? Aber de Goncourt?

— die Dinge sind häßlich, die sie zeigen: aber daß sie dieselben zeigen, ist aus Lust an diesem Häßlichen ...

— hilft nichts! ihr betrügt euch, wenn ihr’s anders behauptet

Wie erlösend ist Dostoiewsky!

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Überschriften über einem modernen Narrenhaus.

“Denknothwendigkeiten sind Moralnothwendigkeiten.”

Herbert Spencer.

 
“Der letzte Prüfstein für die Wahrheit eines Satzes ist die Unbegreiflichkeit ihrer Verneinung.”

Herbert Spencer.

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Modernität.

Die Verhäßlichung der Musik.

die Herrschaft des Abstrakten: “das bedeutet”: gleichgültig gegen den “Sumpf,” zu dem die Sinne gar nicht Ja sagen sollen ...

Musik soll durchaus etwas bedeuten, was nicht Musik ist: dabei wird aus ihr

der Rhythmus
die Melodie
die Farbe
der Bau

der falsche Tiefsinn als Stille der Gedanken; die Wuth, die Reue, der Krampf, die Ekstase—alles leichte Dinge, Spielereien, die man noch immer vermischen kann bis zur Vollendung

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5.Die Mittel, mit denen der Schauspieler obenauf kommt
6.Die Gefahr des Theaters als Ort der Verderbniß aller Künste.
7.Das Überflüssige aller Neuerungen Wagner’s selbst in der Oper
8.Carmen: und die deprimirende Wirkung Wagner’s: physiologische Einsprache gegen Wagner
9.die große Zweideutigkeit der tragischen Tendenz bei Wagner: mein realismus in aestheticis ...
10.Wiederherstellung des Begriffs “tragisch”
11.Die Bedeutung dieses psychologisch-aesthetischen Phänomens für die Geschichte der “modernen Seele.”
12. : wesentlich undeutsch,—darin liegt seine Auszeichnung ...
13. : Kritik der “Romantik.”

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Wagner als Problem.
Ein Wort zur Aufklärung.
Von
Friedrich Nietzsche.

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dessen Klugheit zur rechten Zeit mit dem deutschen Wesen Frieden machte, den Kaisermarsch dichtete, General-Kapellmeister-Stellungen ambitionirte

der zu jedem Schmutz condescendirte, mit dem sich der deutsche Geist, dieser so corrupte deutsche Geist, befleckt hat

der mit seinem Parsifal allen Feigheiten der modernen Seele zuredete.

Diese sehr zweideutig gewordene Personnage, auf deren Grab nichtsdestoweniger ein Wagner-Verein—der Münchener—einen Kranz mit der Inschrift niederlegte:

Erlösung dem Erlöser!

... Man sieht, das Problem ist groß, das Mißverständniß ungeheuer.

Wenn Wagner zum Erlöser werden konnte,

Wer erlöst uns von dieser Erlösung?

wer erlöst uns von diesem Erlöser? ...

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Es giebt Instrumente, mit denen man die Eingeweide überredet, andere haben ihren Erfolg im Rückenmark ... Man hat mir verrathen, daß die Wirkung Wagnerischer Musik am stärksten nach einer Kur in Carlsbad ist ...

14 [54]

Aber Wagner ist nicht nur hier ein Vorbild ... Und man hat ihn in der ganzen Welt verstanden ... Man macht seit Wagner eine neue Musik, man macht sie in Rußland, in Paris, in Südamerika, man macht sie selbst in Deutschland ... Ich selbst wüßte Unterricht zu geben, wie man diese neue Musik macht. Will man eine kleine Lektion? ...

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Unter Musikern.

Wir sind späte Musiker. Eine ungeheure Vergangenheit ist in uns vererbt. Unser Gedächtniß citirt beständig. Wir dürfen unter uns auf eine fast gelehrte Weise anspielen: wir verstehen uns schon. Auch unsere Zuhörer lieben es, daß wir anspielen: es schmeichelt ihnen, sie fühlen sich dabei gelehrt.

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Erster Satz aller Theater-Optik: was als wahr wirken soll, darf nicht wahr sein.

Der Schauspieler hat das Gefühl nicht, das er darstellt; er wäre verloren, wenn er es hätte

Man kennt, wie ich hoffe, die berühmten Ausführungen Talmas

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Überzeugung

Zur Psychologie des Paulus.

Das Faktum ist der Tod Jesu. Dies bleibt auszulegen ...

Daß es eine Wahrheit und einen Irrthum in der Auslegung giebt, ist gar nicht solchen Leuten in den Sinn gekommen: eines Tages steigt ihnen eine sublime Möglichkeit in den Kopf, “es könnte dieser Tod das und das bedeuten”

und sofort ist er das! Eine Hypothese beweist sich durch den sublimen Schwung, welchen sie ihrem Urheber giebt ...

“Der Beweis der Kraft”: d.h. ein Gedanke wird durch seine Wirkung bewiesen,—(“an seinen Früchten,” wie die Bibel naiv sagt)

was begeistert, muß wahr sein —

wofür man sein Blut läßt, muß wahr sein —

* *

Hier wird überall das plötzliche Machtgefühl, das ein Gedanke in seinem Urheber erregt, diesem Gedanken als Werth zugerechnet:—und da man einen Gedanken gar nicht anders zu ehren weiß, als indem man ihn als wahr bezeichnet, so ist das erste Prädikat, das er zu seiner Ehre bekommt, er sei wahr .. Wie könnte er sonst wirken? Er wird von einer Macht imaginirt: gesetzt sie wäre nicht real, so könnte sie nicht wirken ... Er wird als inspirirt aufgefaßt: die Wirkung, die er ausübt, hat etwas von der Übergewalt eines dämonischen Einflusses —

Ein Gedanke, dem ein solcher décadent nicht Widerstand zu leisten vermag, dem er vollends verfällt, ist als wahr “bewiesen”!!!

Alle diese heiligen Epileptiker und Gesichte-Seher besaßen nicht ein Tausendstel von jener Rechtschaffenheit der Selbstcritik, mit der heute ein Philologe einen Text liest oder ein historisches Ereigniß auf seine Wahrheit prüft ...

es sind, im Vergleich zu uns, moralische Cretins ...

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Carlyle ...

Die Herkunft der Wissenschaft: man gebe Acht. Sie entsteht nicht bei den Priestern und den Philosophen, ihren natürlichen Gegnern. Sie entsteht bei den Söhnen von Handwerkern und Geschäftsleuten aller Art, bei Advokaten usw.: solchen, welchen die Tüchtigkeit des Handwerks und dessen Voraussetzung sich auch auf solche Fragen und deren Beantwortung übertrug.

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Überzeugung und Lüge.
Die “Besserung.”
Wie man die Tugend zur Macht bringt.
Mitleiden.
“Altruismus.”
Entsagung.
Entsinnlichung

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Ein Glaube der behauptet “selig” zu machen, nachdem er krank machte. Ein Glaube, der sich auf Bücher beruft,—ein Glaube, der eine Offenbarung für sich in Anspruch nimmt—ein Glaube, der den Zweifel an sich als “Sünde” betrachtet, ein Glaube, der sich durch Märtyrertode beweist

Ein anderes Abzeichen des Theologen ist sein Unvermögen zur Philologie. Ich verstehe hier das Wort Philologie in einem sehr allgemeinen Sinne: Thatsachen ablesen können ohne sie durch Interpretation zu fälschen, ohne

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Wille zur Macht als Kunst

Musik”—und der große Styl

Die Größe eines Künstlers bemißt sich nicht nach den “schönen Gefühlen” die er erregt: das mögen die Weiblein glauben. Sondern nach dem Grade, in dem er sich dem großen Stile nähert, in dem er fähig ist des großen Stils. Dieser Stil hat das mit der großen Leidenschaft gemein, daß er es verschmäht zu gefallen; daß er es vergißt zu überreden; daß er befiehlt; daß er will ... Über das Chaos Herr werden das man ist; sein Chaos zwingen, Form zu werden; Nothwendigkeit werden in Form: logisch, einfach, unzweideutig, Mathematik werden; Gesetz werden—: das ist hier die große Ambition. Mit ihr stößt man zurück; nichts reizt mehr die Liebe zu solchen Gewaltmenschen—eine Einöde legt sich um sie, ein Schweigen, eine Furcht wie vor einem großen Frevel ...

Alle Künste kennen solche Ambitiöse des großen Stils: warum fehlen sie in der Musik? Noch niemals hat ein Musiker gebaut, wie jener Baumeister, der den Palazzo Pitti schuf? .. Hier liegt ein Problem. Gehört die Musik vielleicht in jene Cultur, wo das Reich aller Art Gewaltmenschen schon zu Ende gieng? Widerspräche zuletzt der Begriff großer Stil schon der Seele der Musik,—dem “Weibe” in unserer Musik? ...

Ich berühre hier eine Cardinal-Frage: wohin gehört unsere ganze Musik? Die Zeitalter des klassischen Geschmacks kennen nichts ihr Vergleichbares: sie ist aufgeblüht, als die Renaissance-Welt ihren Abend erreichte, als die “Freiheit” aus den Sitten und selbst aus den Wünschen davon war: gehört es zu ihrem Charakter, Gegenrenaissance zu sein? Und anders ausgedrückt eine Décadence-Kunst zu sein? etwa wie der Barockstil eine Décadence-Kunst ist? Ist sie die Schwester des Barockstils, da sie jedenfalls seine Zeitgenossin ist? Ist Musik, moderne Musik nicht schon décadence? ...

Die Musik ist Gegenrenaissance in der Kunst: sie ist auch décadence als Gesellschafts-Ausdruck

Ich habe schon früher einmal den Finger auf diese Frage gelegt: ob unsere Musik nicht ein Stück Gegenrenaissance in der Kunst ist? ob sie nicht die Nächstverwandte des Barockstils ist? ob sie nicht im Widerspruch zu allem klassischen Geschmack gewachsen ist, so daß sich in ihr jede Ambition der Classicität von selbst verböte? ...

Auf diese Werthfrage ersten Ranges würde die Antwort nicht zweifelhaft sein dürfen, wenn die Thatsache richtig abgeschätzt worden wäre, daß die Musik als Romantik ihre höchste Reife und Fülle erlangt—noch einmal als Reaktions-Bewegung gegen die Classicität ...

Mozart—eine zärtliche und verliebte Seele, aber ganz achtzehntes Jahrhundert, auch noch in seinem Ernste ... Beethoven der erste große Romantiker, im Sinne des französischen Begriffs Romantik, wie Wagner der letzte große Romantiker ist ... beides instinktive Widersacher des klassischen Geschmacks, des strengen Stils,—um vom “großen” hier nicht zu reden ... beides

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Modernität

die deutsche romantische Musik, ihre Ungeistigkeit, ihr Haß gegen dieAufklärungundVernunft

Verkümmerung der Melodie das Gleiche, wie das Verkümmern der “Idee,” der Dialektik, der Freiheit geistigster Bewegung,—wie viel Kampf gegen Voltaire ist in der deutschen Musik! ...

wie viel Plumpheit, Gestopftheit, was sich zu neuen Begriffen und selbst zu Principien entwickelt —

man hat immer die Principien seiner Begabung

gegen die höhere Tragödie und spöttische Geistigkeit, gegen das Buffo

ich habe Biertrinker und Militärärzte gesehen, die Wagner “verstanden” ...

Wagners Ehrgeiz, auch die Idioten zu zwingen, Wagner zu verstehen

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Der Held, wie ihn Wagner concipirt, wie modern! wie kühn! wie geistreich-complex hat er ihn concipirt! Wie verstand Wagner, den drei Grundbedürfnissen der modernen Seele mit seinen Helden entgegenzukommen—sie will das Brutale, das Krankhafte und das Unschuldige ...

diese prachtvollen Ungethüme, mit Leibern aus Vorzeiten und Nerven von Übermorgen; diese blonden Heiligen, deren kaum präexistente Sinnlichkeit den Frauen so viel zarte Neugierde inspirirt und so viel Entgegenkommen erlaubt ... Beaumarchais hat Cherubin, Wagner hat Parsifal den schönen Frauen zum Geschenk gemacht:

Und was die hysterisch-heroischen Wesen angeht, die Wagner als Weib concipirt hat, vergöttlicht hat, den Typus Senta, Elsa, Isolde, Brünnhilde, Kundry: so sind sie im Theater interessant genug—aber wer möchte sie? ...

daß dieser Typus selbst in Deutschland nicht gänzlich degoutirt hat, hat darin seinen Grund (wenn auch noch lange nicht sein Recht:) daß bereits ein unvergleichlich größerer Dichter als Wagner, der edle Heinrich von Kleist, ihm daselbst die Fürsprache des Genies gegeben hatte

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Frage: ist das Entpersönlichung durch eine Wahrheit, wenn man sich in einen Gedanken versenkt?

... Herzen behauptet das: er meint, es sei etwas ganz Gewöhnliches, daß man sein moi vergesse und fahren lasse —

Frage: ob auch da nicht bloße Scheinbarkeit ist; ob das, was eine Frage interessant findet, nicht unser ganzes vielfaches Ich ist ...

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décad

Was sich vererbt, das ist nicht die Krankheit, sondern die Krankhaftigkeit: die Unkraft im Widerstande gegen die Gefahr schädlicher Einwanderungen usw.; die gebrochene Widerstandskraft—moralisch ausgedrückt: die Resignation und Demuth vor dem Feinde.

Ich habe mich gefragt, ob man nicht alle diese obersten Werthe der bisherigen Philosophie Moral und Religion mit den Werthen der Geschwächten, Geisteskranken und Neurastheniker vergleichen kann: sie stellen, in einer milderen Form, dieselben Übel dar ...

der Werth aller morbiden Zustände ist, daß sie in einem Vergrößerungsglas gewisse Zustände, die normal aber als normal schlecht sichtbar sind, zeigen ...

Gesundheit und Krankheit sind nichts wesentlich Verschiedenes, wie es die alten Mediziner und heute noch einige Praktiker glauben. Man muß nicht distinkte Principien, oder Entitäten daraus machen, die sich um den lebenden Organismus streiten und aus ihm ihren Kampfplatz machen. Das ist altes Zeug und Geschwätz, das zu nichts mehr taugt. Thatsächlich giebt es zwischen diesen beiden Arten des Daseins nur Gradunterschiede: die Übertreibung, die Disproportion, die Nicht-Harmonie der normalen Phänomene constituiren den krankhaften Zustand. Claude Bernard.

So gut das Böse betrachtet werden kann als Übertreibung, Disharmonie, Disproportion, so gut kann das Gute eine Schutzdiät gegen die Gefahr der Übertreibung, Disharmonie und Disproportion sein

Die erbliche Schwäche, als dominirendes Gefühl: Ursache der obersten Werthe.

NB. Man will Schwäche: warum? ... meistens, weil man nothwendig schwach ist ...

Die Schwächung als Aufgabe: Schwächung der Begehrungen, der Lust- und Unlustgefühle, des Willens zur Macht, zum Stolzgefühl, zum Haben und Mehr-haben-wollen; die Schwächung als Demuth; die Schwächung als Glaube; die Schwächung als Widerwille und Scham an allem Natürlichen, als Verneinung des Lebens, als Krankheit und habituelle Schwäche ...

die Schwächung als Verzichtleisten auf Rache, auf Widerstand, auf Feindschaft und Zorn.

der Fehlgriff in der Behandlung: man will die Schwäche nicht bekämpfen durch ein système fortifiant, sondern durch eine Art Rechtfertigung und Moralisirung: d.h. durch eine Auslegung ...

Die Verwechslung zweier gänzlich verschiedener Zustände: z.B. die Ruhe der Stärke, welche wesentlich Enthaltung der Reaktion ist, der Typus der Götter, welche nichts bewegt ...

und die Ruhe der Erschöpfung, die Starrheit, bis zur Anaesthesie.

: alle philosophisch-asketischen Prozeduren streben nach der zweiten, aber meinen in der That die erste ... Denn sie legen dem erreichten Zustande die Prädikate bei, wie als ob ein göttlicher Zustand erreicht sei.

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Moral als décadence

Warum die Schwäche nicht bekämpft, sondern nur “gerechtfertigt” wird

Die Abnahme des Heilkraft-Instinktes bei den Geschwächten: so daß sie als remedium begehren, was ihren Untergang beschleunigt. Z.B. die meisten Vegetarier hätten eine corroborirende Kost nöthig, um der erschlafften Faser wieder Energie zu geben: aber sie halten ihr penchant zum Milden und Sanften für einen Wink der Natur:—und schwächen sich noch ...

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Das Weib reagirt langsamer als der Mann, der Chinese langsamer als der Europäer ...

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Religion als décadence

Das gefährlichste Missverständniss.

Es giebt einen Begriff, der anscheinend keine Verwechslung, keine Zweideutigkeit zuläßt: das ist der der Erschöpfung. Diese kann erworben sein; sie kann vererbt sein—in jedem Falle verändert sie den Aspekt der Dinge, den Werth der Dinge ...

Im Gegensatz zu dem, der, aus der Fülle, welche er darstellt und fühlt, unfreiwillig abgiebt an die Dinge, sie voller, mächtiger, zukunftsreicher sieht—der jedenfalls schenken kann, verkleinert und verhunzt der Erschöpfte alles was er sieht,—er verarmt den Werth: er ist schädlich ...

Hierüber scheint kein Fehlgriff möglich: trotzdem enthält die Geschichte die schauerliche Thatsache, daß die Erschöpften immer verwechselt worden sind mit den Vollsten—und die Vollsten mit den Schädlichsten.

Der Arme an Leben der Schwache verarmt noch das Leben: der Reiche an Leben der Starke bereichert es ...

Der Erste ist dessen Parasit; der Zweite ein Hinzuschenkender ...

Wie ist eine Verwechslung möglich? ...

Wenn der Erschöpfte mit der Gebärde der höchsten Aktivität und Energie auftritt: wenn die Entartung einen Exceß der geistigen oder nervösen Entladung bedingt, dann verwechselte man ihn mit dem Reichen ... Er erregte Furcht ...

der Cultus des Narren ist immer noch der Cultus des An-Leben-Reichen des Mächtigen

der Fanatiker, der Besessene, der religiöse Epileptiker, alle Excentrischen sind als höchste Typen der Macht empfunden worden

: als göttlich

diese Art Stärke, die Furcht erregt, galt vor allem als göttlich: hierher nahm die Autorität ihren Ausgangspunkt, hier interpretirte, hörte, suchte man Weisheit ...

Hieraus entwickelte sich, überall beinahe, ein Wille zur “Vergöttlichung,” d.h. zur typischen Entartung von Geist, Leib und Nerven: ein Versuch, den Weg zu dieser höheren Art Sein zu finden

sich krank, sich toll machen: die Symptome der Zerrüttung provociren—das hieß stärker, übermenschlicher, furchtbarer, weiser werden:

— man glaubte damit so reich an Macht zu werden, daß man abgeben konnte: überall, wo angebetet worden ist, suchte man einen, der abgeben kann.



daß man den Narren für etwas Übermenschliches nahm

daß man in den Nervenkranken und Epileptikern furchtbare Mächte thätig glaubte

Hier war irreführend die Erfahrung des Rausches ...

dieser vermehrt im höchsten Grade das Gefühl der Macht

folglich, naiv beurtheilt, die Macht

auf der höchsten Stufe der Macht mußte der Berauschteste stehen, der Ekstatische

es giebt zwei Ausgangspunkte des Rausches: die übergroße Fülle des Lebens und einen Zustand von krankhafter Ernährung des Gehirns



Nichts hat sich theurer bezahlt gemacht, als die Verwechslung im Physiologischen. —

14 [69]

Die physiologischen Mißverständnisse.

1. die Krankheit als höhere Form des Lebens mißverstanden
2. der Rausch
3. die Impassibilität.

14 [70]

Die Lust tritt auf, wo Gefühl der Macht

Das Glück in dem herrschend gewordenen Bewußtsein der Macht und des Siegs

Der Fortschritt: die Verstärkung des Typus, die Fähigkeit zum großen Wollen: alles andere ist Mißverständniß, Gefahr,

14 [71]

Wille zur Macht als “Naturgesetz”
Wille zur Macht als Leben
Wille zur Macht als Kunst.
Wille zur Macht als Moral.
Wille zur Macht als Politik
Wille zur Macht als Wissenschaft.
Wille zur Macht als Religion

14 [72]

Wille zur Macht.

Morphologie.

Wille zur Machtals “Natur”
als Leben
als Gesellschaft
als Wille zur Wahrheit
als Religion
als Kunst
als Moral
als Menschheit

Die Gegenbewegung
Wille zum Nichts

die Überwundenen. Der Abfall, die Entarteten

14 [73]

Folgen der décadence.

Das Laster, die Lasterhaftigkeit
die Krankheit, die Krankhaftigkeit
das Verbrechen, die Criminalität
das Coelibat, die Sterilität
der Hysterismus, die Willensschwäche, der Alkoholismus
der Pessimismus
der Anarchismus

14 [74]

Die Degenerescenz:

Erster Grundsatz: was man bisher als Ursachen der Degeneration ansah, sind deren Folgen.

:das Laster: als Folge;
:die Krankheit die Sterilität
:das Verbrechen
die VerleumderScepsis
UntergraberAsketik
AnzweiflerNihilismus
ZerstörerJenseitigkeit

: die libertinage (auch die geistige)—Coelibat.

: die Willensschwäche: der Pessimismus; der Anarchismus;


Aber auch, was man als Heilmittel gegen die Entartung betrachtet, sind nur Palliative gegen gewisse Wirkungen derselben: die “Geheilten” sind nur ein Typus der Degenerirten.

14 [75]

Begriffdécadence

Der Abfall, Verfall, Ausschuß ist nichts, was an sich zu verurtheilen wäre: er ist eine nothwendige Consequenz des Lebens, des Wachsthums an Leben. Die Erscheinung der décadence ist so nothwendig, wie irgend ein Aufgang und Vorwärts des Lebens: man hat es nicht in der Hand sie abzuschaffen. Die Vernunft will umgekehrt, daß ihr ihr Recht wird ...

Es ist eine Schmach für alle socialistischen Systematiker, daß sie meinen, es könnte Umstände geben, gesellschaftliche Combinationen, unter denen das Laster, die Krankheit, das Verbrechen, die Prostitution, die Noth nicht mehr wüchse ... Aber das heißt das Leben verurtheilen ... Es steht einer Gesellschaft nicht frei, jung zu bleiben. Und noch in ihrer besten Kraft muß sie Unrath und Abfallsstoffe bilden. Je energischer und kühner sie vorgeht, um so reicher wird sie an Mißglückten, an Mißgebilden sein, um so näher dem Niedergang sein ... Alter schafft man nicht durch Institutionen ab. Die Krankheit auch nicht. Das Laster auch nicht.

14 [76]

Ehemals sagte man von jeder Moral: “an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen”; ich sage von jeder Moral: sie ist eine Frucht, an der ich den Boden erkenne, aus dem sie wuchs.

14 [77]

Wir Hyperboreer.
Eine Vorrede.

Der Wille zur Macht.
Erster Theil.

Psychologie der décadence.
Theorie der décadence.
Zweiter Theil.

Kritik des Zeitgeistes.
Dritter Theil.

Der große Mittag.
Vierter Theil.

Die Starken.
Die Schwachen.
Wohin gehören wir?
Die große Wahl.

14 [78]

Der Wille zur Macht.
Versuch einer Umwerthung aller Werthe.

Erster Theil.
Was aus der Stärke stammt.

Zweiter Theil.
Was aus der Schwäche stammt.

Dritter Theil.
Und woraus stammen wir? —

Vierter Theil.
Die grosse Wahl.

14 [79]

Wille zur Macht

Philosophie

Machtquanta. Kritik des Mechanismus

entfernen wir hier die zwei populären Begriffe “Nothwendigkeit” und “Gesetz”: das erste legt einen falschen Zwang, das zweite eine falsche Freiheit in die Welt. “Die Dinge” betragen sich nicht regelmäßig, nicht nach einer Regel: es giebt keine Dinge (—das ist unsere Fiktion) sie betragen sich ebensowenig unter einem Zwang von Nothwendigkeit. Hier wird nicht gehorcht: denn daß etwas so ist, wie es ist, so stark, so schwach, das ist nicht die Folge eines Gehorchens oder einer Regel oder eines Zwanges ...

Der Grad von Widerstand und der Grad von Übermacht—darum handelt sich bei allem Geschehen: wenn wir, zu unserem Hausgebrauch der Berechnung, das in Formeln von “Gesetzen” auszudrücken wissen, um so besser für uns! Aber wir haben damit keine “Moralität” in die Welt gelegt, daß wir sie gehorsam fingiren —

Es giebt kein Gesetz: jede Macht zieht in jedem Augenblick ihre letzte Consequenz. Gerade, daß es kein mezzo termine giebt, darauf beruht die Berechenbarkeit.

Ein Machtquantum ist durch die Wirkung, die es übt und der es widersteht, bezeichnet. Es fehlt die Adiaphorie: die an sich denkbar wäre. Es ist essentiell ein Wille zur Vergewaltigung und sich gegen Vergewaltigungen zu wehren. Nicht Selbsterhaltung: jedes Atom wirkt in das ganze Sein hinaus,—es ist weggedacht, wenn man diese Strahlung von Machtwillen wegdenkt. Deshalb nenne ich es ein Quantum “Wille zur Macht”: damit ist der Charakter ausgedrückt, der aus der mechanischen Ordnung nicht weggedacht werden kann, ohne sie selbst wegzudenken.

Eine Übersetzung dieser Welt von Wirkung in eine sichtbare Welt—eine Welt für’s Auge—ist der Begriff “Bewegung.” Hier ist immer subintelligirt, daß etwas bewegt wird,—hierbei wird, sei es nun in der Fiktion eines Klümpchen-Atoms oder selbst von dessen Abstraktion, dem dynamischen Atom, immer noch ein Ding gedacht, welches wirkt,—d.h. wir sind aus der Gewohnheit nicht herausgetreten, zu der uns Sinne und Sprache verleiten. Subjekt, Objekt, ein Thäter zum Thun, das Thun und das, was es thut, gesondert: vergessen wir nicht, daß das eine bloße Semiotik und nichts Reales bezeichnet. Die Mechanik als eine Lehre der Bewegung ist bereits eine Übersetzung in die Sinnensprache des Menschen.

Wir haben Einheiten nöthig, um rechnen zu können: deshalb ist nicht anzunehmen, daß es solche Einheiten giebt. Wir haben den Begriff der Einheit entlehnt von unserem “Ich” begriff,—unserem ältesten Glaubensartikel. Wenn wir uns nicht für Einheiten hielten, hätten wir nie den Begriff “Ding” gebildet. Jetzt, ziemlich spät, sind wir reichlich davon überzeugt, daß unsere Conception des Ich-Begriffs nichts für eine reale Einheit verbürgt. Wir haben also, um den Mechanismus der Welt theoretisch aufrecht zu erhalten, immer die Clausel zu machen, in wie fern wir sie mit zwei Fiktionen durchführen: dem Begriff der Bewegung (aus unserer Sinnensprache genommen) und dem Begriff des Atoms = Einheit (aus unserer psychischen “Erfahrung” herstammend): sie hat ein Sinnen-Vorurtheil und ein psychologisches Vorurtheil zu ihrer Voraussetzung.

Die mechanistische Welt ist so imaginirt, wie das Auge und das Getast sich allein eine Welt vorstellen (als “bewegt”)

so, daß sie berechnet werden kann,—daß Einheiten fingirt sind,

so daß ursächliche Einheiten fingirt sind, “Dinge” (Atome), deren Wirkung constant bleibt (—Übertragung des falschen Subjektbegriffs auf den Atombegriff)

Zahlbegriff.
Dingbegriff (Subjektbegriff
Thätigkeitsbegriff (Trennung von Ursache-sein und Wirken)
Bewegung (Auge und Getast)
: daß alle Wirkung Bewegung ist
: daß wo Bewegung ist, etwas bewegt wird

Phänomenal ist also: die Einmischung des Zahlbegriffs, des Subjektbegriffs, des Bewegungsbegriffs: wir haben unser Auge, unsere Psychologie immer noch darin.

Eliminiren wir diese Zuthaten: so bleiben keine Dinge übrig, sondern dynamische Quanta, in einem Spannungsverhältniß zu allen anderen dynamischen Quanten: deren Wesen in ihrem Verhältniß zu allen anderen Quanten besteht, in ihrem “Wirken” auf dieselben—der Wille zur Macht nicht ein Sein, nicht ein Werden, sondern ein Pathos ist die elementarste Thatsache, aus der sich erst ein Werden, ein Wirken ergiebt ...

die Mechanik formulirt Folgeerscheinungen noch dazu semiotisch in sinnlichen und psychologischen Ausdrucksmitteln, sie berührt die ursächliche Kraft nicht ...

14 [80]

Wenn das innerste Wesen des Seins Wille zur Macht ist, wenn Lust alles Wachsthum der Macht, Unlust alles Gefühl, nicht widerstehen und Herr werden zu können, ist: dürfen wir dann nicht Lust und Unlust als Cardinal-Thatsachen ansetzen? Ist Wille möglich ohne diese beiden Oscillationen des Ja und des Nein? Aber wer fühlt Lust? ... Aber wer will Macht? ... Absurde Frage: wenn das Wesen selbst Machtwille und folglich Lust- und Unlust-fühlen ist. Trotzdem: es bedarf der Gegensätze, der Widerstände, also, relativ, der übergreifenden Einheiten ... Lokalisirt

wenn A auf B wirkt, so ist A erst lokalisirt getrennt von B

14 [81]

Kritik des BegriffsUrsache

Psychologisch nachgerechnet: so ist der Begriff “Ursache” unser Machtgefühl vom sogenannten Wollen—unser Begriff “Wirkung” der Aberglaube, daß das Machtgefühl die Macht selbst ist, welche bewegt ...

ein Zustand, der ein Geschehen begleitet, und schon eine Wirkung des Geschehens ist, wird projicirt als “zureichender Grund” desselben

das Spannungsverhältniß unseres Machtgefühls: die Lust als Gefühl der Macht: des überwundenen Widerstandes—sind das Illusionen?

übersetzen wir den Begriff “Ursache” wieder zurück in die uns einzig bekannte Sphäre, woraus wir ihn genommen haben: so ist uns keine Veränderung vorstellbar, bei der es nicht einen Willen zur Macht giebt. Wir wissen eine Veränderung nicht abzuleiten, wenn nicht ein Übergreifen von Macht über andere Macht statt hat.

Die Mechanik zeigt uns nur Folgen, und noch dazu im Bilde (Bewegung ist eine Bilderrede)

Die Gravitation selbst hat keine mechanische Ursache, da sie der Grund erst für mechanische Folgen ist



Der Wille zur Accumulation von Kraft als spezifisch für das Phänomen des Lebens, für Ernährung, Zeugung, Vererbung,

für Gesellschaft, Staat, Sitte, Autorität

sollten wir diesen Willen nicht als bewegende Ursache auch in der Chemie annehmen dürfen?

und in der kosmischen Ordnung?

nicht bloß Constanz der Energie: sondern Maximal-Ökonomie des Verbrauchs: so daß das Stärker-werden-wollen von jedem Kraftcentrum aus die einzige Realität ist,—nicht Selbstbewahrung, sondern Aneignung, Herr-werden-, Mehr-werden-, Stärker-werden-wollen.



Daß Wissenschaft möglich ist, das soll uns ein Causalitäts-Princip beweisen?

“aus gleichen Ursachen gleiche Wirkungen”:

“ein permanentes Gesetz der Dinge”

“eine invariable Ordnung”

weil etwas berechenbar ist, ist es deshalb schon nothwendig?

wenn etwas so und nicht anders geschieht, so ist darin kein “Princip,” kein “Gesetz,” keine “Ordnung”

Kraft-Quanta, deren Wesen darin besteht, auf alle anderen Kraft-Quanta Macht auszuüben

Beim Glauben an Ursache und Wirkung ist die Hauptsache immer vergessen: das Geschehen selbst.

man hat einen Thäter angesetzt, man hat das Gethane wieder hypothesirt

14 [82]

Können wir ein Streben nach Macht annehmen, ohne eine Lust- und Unlust-Empfindung d.h. ohne ein Gefühl von der Steigerung und Verminderung der Macht?

der Mechanismus ist nur eine Zeichensprache für die interne Thatsachen-Welt kämpfender und überwindender Willens-Quanta?

alle Voraussetzungen des Mechanismus, Stoff, Atom, Druck und Stoß, Schwere sind nicht “Thatsachen an sich,” sondern Interpretationen mit Hülfe psychischer Fiktionen.

das Leben als die uns bekannteste Form des Seins ist spezifisch ein Wille zur Accumulation der Kraft

: alle Prozesse des Lebens haben hier ihren Hebel

: nichts will sich erhalten, alles soll summirt und accumulirt werden

Das Leben, als ein Einzelfall: Hypothese von da aus auf den Gesammtcharakter des Daseins.

: strebt nach einem Maximal-Gefühl von Macht

: ist essentiell ein Streben nach Mehr von Macht

: Streben ist nichts anderes als Streben nach Macht

: das Unterste und Innerste bleibt dieser Wille: Mechanik ist eine bloße Semiotik der Folgen.

14 [83]

Problem des Philosophen und des

wissenschaftlichen Menschen.

Aufgangs-Typus
Stärke in der Ruhe. In der relativen Gleichgültigkeit und Schwierigkeit, zu reagiren.
Die großen Affekte, alle, und wunderbar einander zu Hülfe kommend ...
 
Einfluß des Alters
depressive Gewohnheiten (Stubenhocken à la Kant)
Überarbeitung
unzureichende Ernährung des Gehirns
Lesen

Wesentlicher: ob nicht ein Décadence-Symptom schon in der Richtung auf solche Allgemeinheit gegeben ist: Objektivität als Willens-Disgregation (so fern bleiben können ...

dies setzt eine große Adiaphorie gegen die starken Triebe voraus:

eine Art Isolation
Ausnahme-Stellung
Widerstand
gegen die Normal-Triebe

Typus: die Loslösung von der Heimat, in immer weitere Kreise, der wachsende Exotismus, das Stummwerden der alten Imperative— —gar dieses beständige Fragen “wohin?” (“Glück”) ist ein Zeichen der Herauslösung aus Organisations-Formen, Herausbruch.

Problem: ob der wissenschaftliche Mensch eher noch ein Décadence-Symptom ist als der Philosoph —

er ist als Ganzes nicht losgelöst, nur ein Theil von ihm ist absolut der Erkenntniß geweiht, dressirt für eine Ecke und Optik —

— er hat hier alle Tugenden einer starken Rasse und Gesundheit nöthig

— große Strenge, Männlichkeit, Klugheit —

— hier könnte man von einer Arbeitstheilung und Dressur reden, die sehr zum Nutzen des Ganzen und nur bei einem sehr hohen Grad von Cultur möglich ist. Er ist mehr ein Symptom hoher Vielfachheit der Cultur als von deren Müdigkeit.

Der décadence-Gelehrte ist ein schlechter Gelehrter. Während der décadence-Philosoph bisher wenigstens als der typische Philosoph galt.

14 [84]

Verglichen mit dem Künstler ist das Erscheinen des wissenschaftlichen Menschen in der That ein Zeichen einer gewissen Eindämmung und Niveau-Erniedrigung des Lebens.

Aber auch einer Verstärkung, Strenge, Willenskraft.

: inwiefern die Falschheit, die Gleichgültigkeit gegen Wahr und Nützlich beim Künstler Zeichen von Jugend, von “Kinderei” sein mögen ...

: ihre habituelle Art, ihre Unvernünftigkeit, ihre Ignoranz über sich, ihre Gleichgültigkeit gegen ewige Werthe, Ernst im “Spiele” ... ihr Mangel an Würde; Hanswurst und Gott benachbart; der Heilige und die canaille ...

: das Nachmachen als Instinkt, commandirend

Die bejahenden, die Niedergangs-Künstler.

Aufgangs-Künstler—Niedergangs-Künstler: ob sie nicht allen Phasen zugehören ... Ja

14 [85]

Pyrrho, ein griechischer Buddhist

Plato, vielleicht bei den Juden in die Schule gegangen

14 [86]

Zum Begriff “Décadence” —

1.die Skepsis ist eine Folge der décadence: ebenso wie die libertinage des Geistes.
2.die Corruption der Sitten ist eine Folge der décadence: Schwäche des Willens, Bedürfniß starker Reizmittel ...
3.die Kurmethoden, die psychologischen, moralischen, verändern nicht den Gang der décadence, sie halten nicht auf, sie sind physiologisch null

: Einsicht in die große Nullität dieser anmaaßlichen “Reaktionen”

: es sind Formen der Narkotisirung gegen gewisse fatale Folge-Erscheinungen, sie bringen das morbide Element nicht heraus

: sie sind oft heroische Versuche, den Menschen der décadence zu annulliren, ein Minimum seiner Schädlichkeit durchzusetzen.

4.der Nihilism ist keine Ursache, sondern nur die Logik der décadence
5.der “Gute” und der “Schlechte” sind nur zwei Typen der décadence: sie halten zu einander in allen Grundphänomenen.
6.die sociale Frage ist eine Folge der décadence
7.die Krankheiten, vor allen die Nerven- und Kopfkrankheiten sind Anzeichen, daß die Defensiv-Kraft der starken Natur fehlt; ebendafür spricht die Irritabilität, so daß Lust und Unlust die Vordergrunds-Probleme werden.

14 [87]

der antike Philos von Socrates hat die Stigmata der décadence: Moralismus und Glück.

Höhepunkt Pyrrho. Stufe des Buddhismus erreicht



Epicureismus im Christenthum



Wege zum Glück: Zeichen, daß alle Hauptkräfte des Lebens erschöpft sind

14 [88]

Die accumulativen Zeiten und Einzelnen

die verschwenderischen: die genialen, die siegreichen, die erobernden, die entdeckenden, die abenteuerlichen

nach letzteren folgt nothwendig der décadent

14 [89]

Gegenbewegung: Religion

Die zwei Typen:
Dionysos und der Gekreuzigte.

Festzuhalten: der typische religiöse Mensch—ob eine décadence-Form?

Die großen Neuerer sind sammt und sonders krankhaft und epileptisch

: aber lassen wir nicht da einen Typus des religiösen Menschen aus, den heidnischen? Ist der heidnische Cult nicht eine Form der Danksagung und Bejahung des Lebens? Müßte nicht sein höchster Repräsentant eine Apologie und Vergöttlichung des Lebens sein?

Typus eines vollgerathenen und entzückt-überströmenden Geistes ...

Typus eines die Widersprüche und Fragwürdigkeiten des Daseins in sich hineinnehmenden und erlösenden Typus?

— Hierher stelle ich den Dionysos der Griechen:

die religiöse Bejahung des Lebens, des ganzen, nicht verleugneten und halbirten Lebens

typisch: daß der Geschlechts-Akt Tiefe, Geheimniß, Ehrfurcht erweckt

Dionysos gegen den “Gekreuzigten”: da habt ihr den Gegensatz. Es ist nicht eine Differenz hinsichtlich des Martyriums,—nur hat dasselbe einen anderen Sinn. Das Leben selbst, seine ewige Fruchtbarkeit und Wiederkehr bedingt die Qual, die Zerstörung, den Willen zur Vernichtung ...

im anderen Fall gilt das Leiden, der “Gekreuzigte als der Unschuldige,” als Einwand gegen dieses Leben, als Formel seiner Verurtheilung.

Man erräth: das Problem ist das vom Sinn des Leidens: ob ein christlicher Sinn, ob ein tragischer Sinn ... Im ersten Falle soll es der Weg sein zu einem seligen Sein, im letzteren gilt das Sein als selig genug, um ein Ungeheures von Leid noch zu rechtfertigen

Der tragische Mensch bejaht noch das herbste Leiden: er ist stark, voll, vergöttlichend genug dazu

Der christliche verneint noch das glücklichste Los auf Erden: er ist schwach, arm, enterbt genug, um in jeder Form noch am Leben zu leiden ...

“der Gott am Kreuz” ist ein Fluch auf Leben, ein Fingerzeig, sich von ihm zu erlösen

der in Stücke geschnittene Dionysos ist eine Verheißung ins Leben: es wird ewig wieder geboren und aus der Zerstörung heimkommen

14 [90]

Die physiologische Falschheit auf den Bildern Raffaels.

Ein Weib mit normalen Sekretionen hat kein Bedürfniß nach Erlösung. Daß all diese wohlgerathenen und vortheilhaften Naturen sich ewig um jenen anämischen Heiligen von Nazareth bekümmern, geht wider die Naturgeschichte. Der gehörte unter eine andere Species: eine solche, wie sie Dostoiewsky kennt,—rührende, verderbte und verdrehte Mißgeburten mit Idiotismus und Schwärmerei, mit Liebe ...

14 [91]

die Religion als décadence

Buddha gegen denGekreuzigten

Innerhalb der nihilistischen Bewegung darf man immer noch die christliche und die buddhistische scharf auseinander halten

: die buddhistische drückt einen schönen Abend aus, eine vollendete Süßigkeit und Milde,—es ist Dankbarkeit gegen alles, was hinten liegt, mit eingerechnet, es fehlt die Bitterkeit, die Enttäuschung, die Rancune

: zuletzt, die hohe geistige Liebe, das Raffinement des physiologischen Widerspruchs ist hinter ihm, auch davon ruht es aus: aber von diesem hat es noch seine geistige Glorie und Sonnenuntergangs-Gluth. (—Herkunft aus den obersten Kasten. —

: die christliche Bewegung ist eine Degenerescenz-Bewegung aus Abfalls- und Ausschuß-Elementen aller Art: sie drückt nicht den Niedergang einer Rasse aus, sie ist von Anfang an eine Aggregat-Bildung aus sich zusammendrängenden und sich suchenden Krankheits-Gebilden ... Sie ist deshalb nicht national, nicht rassebedingt: sie wendet sich an die Enterbten von Überall

sie hat die Rancune auf dem Grunde gegen alle Wohlgerathene und Herrschende, sie braucht ein Symbol, welches den Fluch auf die Wohlgerathenen und Herrschenden darstellt ...

sie steht im Gegensatz auch zu aller geistigen Bewegung, zu aller Philosophie: sie nimmt die Partei der Idioten und spricht einen Fluch gegen den Geist aus. Rancune gegen die Begabten, Gelehrten, Geistig-Unabhängigen: sie erräth in ihnen das Wohlgerathene, das Herrschaftliche

14 [92]

Das Problem des Socrates.

Die beiden Gegensätze:

die tragische Gesinnung
die sokratische Gesinnung
gemessen an dem
Gesetz des Lebens

: in wiefern die sokratische Gesinnung ein Phänomen der décadence ist

: in wiefern aber noch eine starke Gesundheit und Kraft im ganzen Habitus, in der Dialektik und Tüchtigkeit, Straffheit des wissenschaftlichen Menschen sich zeigt (—die Gesundheit des Plebejers dessen Bosheit, esprit frondeur dessen Scharfsinn dessen Canaille au fond im Zaum gehalten durch die Klugheit: “häßlich”

Verhäßlichung:
die Selbstverhöhnung
die dialektische Dürre
die Klugheit als Tyrann gegen “den Tyrannen” (den Instinkt)
 
es ist alles übertrieben, excentrisch, Carikatur an Sokrates, ein buffo, mit den Instinkten Voltaires im Leibe;
 
er entdeckt eine neue Art Agon
er ist der erste Fechtmeister in den vornehmen Kreisen Athens
er vertritt nichts als die höchste Klugheit: er nennt sie “Tugend” (—er errieth sie als Rettung: es stand ihm nicht frei, klug zu sein, es war de rigueur
sich in Gewalt haben, um mit Gründen und nicht mit Affekten in den Kampf zu treten—die List des Spinoza—das Aufdröseln der Affekt-Irrthümer ... entdecken, wie man Jeden fängt, den man in Affekt bringt, daß der Affekt unlogisch prozedirt ... Übung in der Selbstverspottung, um das Rancune-Gefühl in der Wurzel zu schädigen
  

Ich suche zu begreifen, aus welchen partiellen und idiosynkratischen Zuständen das sokratische Problem abzuleiten ist: seine Gleichsetzung von Vernunft = Tugend = Glück. Mit diesem Absurdum von Identitäts-Lehre hat er bezaubert: die antike Philosophie kam nicht wieder los ...



Problem des Sokrates. Die Klugheit, Helle, Härte und Logicität als Waffe wider die Wildheit der Triebe. Letztere müssen gefährlich und untergangdrohend sein: sonst hat es keinen Sinn, die Klugheit bis zu dieser Tyrannei auszubilden. Aus der Klugheit einen Tyrannen machen: aber dazu müssen die Triebe Tyrannen sein. Dies das Problem.— Es war sehr zeitgemäß damals. Vernunft wurde = Tugend = Glück.



absoluter Mangel an objektiven Interessen: Haß gegen die Wissenschaft: Idiosynkrasie, sich selbst als Problem fühlen



Akustische Hallucinationen bei Socrates: morbides Element



Mit Moral sich abgeben widersteht am meisten, wo der Geistreich und unabhängig ist. Wie kommt es, daß Socrates Moral-Monoman ist?



Alle “praktische” Philosophie tritt in Nothlagen sofort in den Vordergrund. Moral und Religion als Hauptinteressen sind Nothstands-Zeichen



Lösung: die griechischen Philosophen stehen auf der gleichen Grundthatsache ihrer inneren Erfahrungen, wie Sokrates: 5 Schritt weit vom Exceß, von der Anarchie, von der Ausschweifung, alles Décadence-Menschen. Sie empfinden ihn als Arzt:



Lösung: Die Wildheit und Anarchie der Instinkte bei Sokrates ist ein décadence-Symptom. Die Superfötation der Logik und der Vernunft-Helligkeit insgleichen. Beide sind Abnormitäten, beide gehören zu einander



Logik als Wille zur Macht, zur Selbstherrschaft, zum “Glück”



Kritik. Die décadence verräth sich in dieser Präoccupation des “Glücks” (d.h. des “Heils der Seele” d.h. seinen Zustand als Gefahr empfinden)

ihr Fanatismus des Interesses für “Glück” zeigt die Pathologie des Untergrundes: es war ein Lebensinteresse. Vernünftig sein oder zu Grunde gehen war die Alternative vor der sie alle standen

der Moralismus der griechischen Philosophen zeigt, daß sie sich in Gefahr fühlten ...

14 [93]

Wille zur Macht als Erkenntniss
Kritik des Begriffs “wahre und scheinbare Welt”

von diesen ist die erste eine bloße Fiktion, aus lauter fingirten Dingen gebildet

die “Scheinbarkeit” gehört selbst zur Realität: sie ist eine Form ihres Seins d.h.

in einer Welt, wo es kein Sein giebt, muß durch den Schein erst eine gewisse berechenbare Welt identischer Fälle geschaffen werden: ein tempo, in dem Beobachtung und Vergleichung möglich ist usw.

“Scheinbarkeit” ist eine zurechtgemachte und vereinfachte Welt, an der unsere praktischen Instinkte gearbeitet haben: sie ist für uns vollkommen recht: nämlich wir leben, wir können in ihr leben: Beweis ihrer Wahrheit für uns ...

: die Welt, abgesehen von unserer Bedingung, in ihr zu leben, die Welt, die wir nicht auf unser Sein, unsere Logik, und psychologischen Vorurtheile reduzirt haben

existirt nicht als Welt “an sich”

sie ist essentiell Relations-Welt: sie hat, unter Umständen, von jedem Punkt aus ihr verschiedenes Gesicht: ihr Sein ist essentiell an jedem Punkte anders: sie drückt auf jeden Punkt, es widersteht ihr jeder Punkt—und diese Summirungen sind in jedem Falle gänzlich incongruent.

Das Maß von Macht bestimmt, welches Wesen das andre Maß von Macht hat: unter welcher Form, Gewalt, Nöthigung es wirkt oder widersteht

Unser Einzelfall ist interessant genug: wir haben eine Conception gemacht, um in einer Welt leben zu können, um gerade genug zu percipiren, daß wir noch es aushalten ...

14 [94]

Philosophie als décadence
Zur Kritik des Philosophen

Es ist ein Selbstbetrug der Philosophen und Moralisten, damit aus der décadence herauszutreten, daß sie gegen dieselbe ankämpfen.

Das steht außerhalb ihres Willens: und, so wenig sie esanerkennen, später entdeckt man, wie sie zu den kräftigsten Förderern der décadence gehört haben.

Die Philosophen Griechenlands z.B.: Plato, der Mann des Guten—aber er löste die Instinkte ab von der Polis, vom Wettkampfe, von der militärischen Tüchtigkeit, von der Kunst und Schönheit, von den Mysterien, von dem Glauben an Tradition und Großväter ...

— er war der Verführer der nobles: er selbst verführt durch den Roturier Sokrates ...

— er negirte alle Voraussetzungen des “vornehmen Griechen” von Schrot und Korn, nahm Dialektik in die Alltags-Praxis auf, conspirirte mit den Tyrannen, trieb Zukunfts-Politik und gab das Beispiel der vollkommensten Instinkt-Ablösung vom Alten.

Er ist tief, leidenschaftlich in allem Antihellenischen ...



Sie stellen der Reihe nach die typischen Décadence-Formen dar, diese großen Philosophen:

die moralisch-religiöse Idiosynkrasie 
den Anarchismus 
den Nihilismus
den Cynismus 
 die Verhärtung
den Hedonismus, 
den Reaktionismus 

die Frage vom “Glück” von der “Tugend,” vom “Heil der Seele” ist der Ausdruck der physiologischen Widersprüchlichkeit in diesen Niedergangsnaturen: es fehlt in den Instinkten das Schwergewicht, das Wohin?

: warum wagt Keiner, die Freiheit des Willens zu leugnen? Sie sind alle präoccupirt durch ihr “Heil der Seele”—was liegt ihnen an der Wahrheit?

14 [95]

Zwei aufeinander folgende Zustände: der eine Ursache, der andere Wirkung

: ist falsch.

der erste Zustand hat nichts zu bewirken den zweiten hat nichts bewirkt.

: es handelt sich um einen Kampf zweier an Macht ungleichen Elemente: es wird ein Neuarrangement der Kräfte erreicht, je nach dem Maß von Macht eines jeden.

der zweite Zustand ist etwas Grundverschiedenes vom ersten (nicht dessen “Wirkung”): das Wesentliche ist, daß die im Kampf befindlichen Faktoren mit anderen Machtquanten herauskommen.

14 [96]

Sie verachten den Leib: sie ließen ihn außer Rechnung: mehr noch, sie behandelten ihn wie einen Feind. Ihr Wahnwitz war zu glauben, man könne eine “schöne Seele,” in einer Mißgeburt von Cadaver herumtragen ... Um das auch Anderen glaublich zu machen, hatten sie nöthig, den Begriff “schöne Seele” anders anzusetzen, den natürlichen Werth umzuwerthen, bis endlich ein bleiches, krankhaftes, idiotisch-schwärmerisches Wesen als Vollkommenheit, als “englisch,” als Verklärung, als höherer Mensch empfunden wurde.

14 [97]

“Wille zur Macht”

“Der Wille zur Macht” wird in demokratischen Zeitaltern dermaaßen gehaßt, daß deren ganze Psychologie auf seine Verkleinerung und Verleumdung gerichtet scheint ...

Der Typus des großen Ehrgeizigen: das soll Napoleon sein! Und Caesar! Und Alexander! ... Als ob das nicht gerade die größten Verächter der Ehre wären! ...

Und Helvétius entwickelt uns, daß man nach Macht strebt,um die Genüsse zu haben, welche dem Mächtigen zu Gebote stehen ...: er versteht dieses Streben nach Macht als Willen zum Genuß, als Hedonismus ...

Stuart Mill:

14 [98]

Wille zur Macht principiell

Kritik des BegriffsUrsache

Ich brauche den Ausgangspunkt “Wille zur Macht” als Ursprung der Bewegung. Folglich darf die Bewegung nicht von außen her bedingt sein—nicht verursacht ...

Ich brauche Bewegungsansätze und -Centren, von wo aus der Wille um sich greift ...



Wir haben absolut keine Erfahrung über eine Ursache

: psychologisch nachgerechnet, kommt uns der ganze Begriff aus der subjektiven Überzeugung, daß wir Ursache sind, nämlich, daß der Arm sich bewegt ... Aber das ist ein Irrthum

: wir unterscheiden uns, die Thäter, vom Thun und von diesem Schema machen wir überall Gebrauch,—wir suchen nach einem Thäter zu jedem Geschehen ..

: was haben wir gemacht? wir haben ein Gefühl von Kraft, Anspannung, Widerstand, ein Muskelgefühl, das schon der Beginn der Handlung ist, als Ursache mißverstanden

: oder den Willen, das und das zu thun, weil auf ihn die Aktion folgt, als Ursache verstanden—Ursache, d.h.

“Ursache” kommt gar nicht vor: von einigen Fällen, wo sie uns gegeben schien und von wo aus wir sie projicirt haben zum Verständniß des Geschehens, ist die Selbsttäuschung nachgewiesen.

Unser “Verständniß eines Geschehens” bestand darin, daß wir ein Subjekt erfanden welches verantwortlich wurde dafür, daß etwas geschah und wie es geschah.

Wir haben unser Willens-Gefühl, unser “Freiheits-Gefühl,” unser Verantwortlichkeits-Gefühl und unsere Absicht von einem Thun in den Begriff “Ursache” zusammengefaßt:

: causa efficiens und finalis ist in der Grundconception Eins.

Wir meinten, eine Wirkung sei erklärt, wenn ein Zustand aufgezeigt würde, in dem sie bereits inhärirt

Thatsächlich erfinden wir alle Ursachen nach dem Schema der Wirkung: letztere ist uns bekannt ... Umgekehrt sind wir außer Stande, von irgend einem Ding voraus zu sagen, was es “wirkt.”

Das Ding, das Subjekt, der Wille, die Absicht—alles inhärirt der Conception “Ursache.”

Wir suchen nach Dingen, um zu erklären, weshalb sich etwas verändert hat. Selbst noch das Atom ist ein solches hinzugedachtes “Ding” und “Ursubjekt” ..

Endlich begreifen wir, daß Dinge, folglich auch Atome nichts wirken: weil sie gar nicht da sind ... daß der Begriff Causalität vollkommen unbrauchbar ist — Aus einer nothwendigen Reihenfolge von Zuständen folgt nicht deren Causal-Verhältniß (—das hieße deren wirkende Vermögen von 1 auf 2, auf 3, auf 4, auf 5 springen zu machen)

Die Causalitäts-Interpretation eine Täuschung ...

die Bew ist ein Wort, die Bew ist keine Ursache —

ein “Ding” ist eine Summe seiner Wirkungen, synthetisch gebunden durch einen Begriff, Bild ...

Es giebt weder Ursachen, noch Wirkungen.

Sprachlich wissen wir davon nicht loszukommen. Aber daran liegt nichts. Wenn ich den Muskel von seinen “Wirkungen” getrennt denke, so habe ich ihn negirt ...

In summa: ein Geschehen ist weder bewirkt, noch bewirkend

Causa ist ein Vermögen zu wirken, hinzu erfunden zum Geschehen ..

es giebt nicht was Kant meint, keinen Causalitäts-Sinn

man wundert sich, man ist beunruhigt, man will etwas Bekanntes, woran man sich halten kann ...

sobald im Neuen uns etwas Altes aufgezeigt wird, sind wir beruhigt.

Der angebliche Causalitäts-Instinkt ist nur die Furcht vor dem Ungewohnten und der Versuch, in ihm etwas Bekanntes zu entdecken

ein Suchen nicht nach Ursachen sondern nach Bekanntem ...

Der Mensch ist sofort beruhigt, wenn er zu einem Neuen er bemüht sich nicht, zu verstehen, in wiefern das Streichhölzchen Feuer verursacht



Thatsächlich hat die Wissenschaft den Begriff Causalität seines Inhalts entleert und ihn übrig behalten zu einer Gleichnißformel, bei der es im Grunde gleichgültig geworden ist, auf welcher Seite Ursache oder Wirkung. Es wird behauptet, daß in zwei Complexen Zuständen (Kraftconstellationen) die Quanten Kraft gleich blieben.

Die Berechenbarkeit eines Geschehens liegt nicht darin, daß eine Regel befolgt wurde

oder einer Nothwendigkeit gehorcht wurde

oder ein Gesetz von Causalität von uns in jedes Geschehen projicirt wurde:

sie liegt in der Wiederkehr identischer Fälle

14 [99]

Philosophie als décadence
Die weise Müdigkeit. Pyrrho. Der Buddhist. Vergleich mit Epikur.

Pyrrho. Unter den Niedrigen leben, niedrig. Kein Stolz. Auf die gemeine Art leben; ehren und glauben, was Alle glauben. Auf der Hut gegen Wissenschaft und Geist, auch Alles, was bläht ... Einfach: unbeschreiblich geduldig, unbekümmert, mild.

, mehr noch.

Ein Buddhist für Griechenland, zwischen dem Tumult der Schulen aufgewachsen; spät gekommen; ermüdet; der Protest des Müden gegen den Eifer der Dialektiker; der Unglaube des Müden an die Wichtigkeit aller Dinge. Er hat Alexander gesehen, er hat die indischen Büßer gesehen. Auf solche Späte und Raffinirte wirkt alles Niedrige, alles Arme, alles Idiotische selbst verführerisch. Das narkotisirt: das macht ausstrecken: Pascal. Sie empfinden andrerseits, mitten im Gewimmel und verwechselt mit Jedermann, ein wenig Wärme: sie haben Wärme nöthig, diese Müden ...

Den Widerspruch überwinden; kein Wettkampf; kein Wille zur Auszeichnung: die griechischen Instinkte verneinen.— Pyrrho lebte mit seiner Schwester zusammen, die Hebamme war. —

Die Weisheit verkleiden, daß sie nicht mehr auszeichnet; ihr einen Mantel von Armut und Lumpen geben; die niedrigsten Verrichtungen thun: auf den Markt gehen und Milchschweine verkaufen ...

Süßigkeit; Helle; Gleichgültigkeit; keine Tugenden, die Gebärden brauchen. Sich auch in der Tugend gleichsetzen: letzte Selbstüberwindung, letzte Gleichgültigkeit.

Pyrrho, gleich Epikur, zwei Formen der griechischen décadence: verwandt, im Haß gegen die Dialektik und gegen alle schauspielerischen Tugenden—Beides zusammen hieß damals Philosophie—; absichtlich das, was sie lieben, niedrig; die gewöhnlichen, selbst verachteten Namen dafür wählend; einen Zustand darstellend, wo man weder krank, noch gesund, noch lebendig, noch todt ist ... Epikur, naiver, idyllischer, dankbarer; Pyrrho, gereister, verlebter, nihilistischer ...

Sein Leben war ein Protest gegen die große Identitätslehre (Glück = Tugend = Erkenntniß).

Das rechte Leben findet man nicht durch Wissenschaft: Weisheit macht nicht “weise” ..

Das rechte Leben will nicht Glück, sieht ab von Glück ...

14 [100]

Die eigentlichen Philosophen der Griechen sind die vor Sokrates: mit Sokrates verändert sich etwas

das sind Alles vornehme Personnagen, abseits sich stellend von Volk und Sitte, gereist, ernst bis zur Düsterkeit, mit langsamem Auge, den Staatsgeschäften und der Diplomatie nicht fremd. Sie nehmen den Weisen alle großen Conceptionen der Dinge vorweg: sie stellen sie selber dar, sie bringen sich in System.

Nichts giebt einen höheren Begriff vom griechischen Geist, als diese plötzliche Fruchtbarkeit an Typen, als diese ungewollte Vollständigkeit in der Aufstellung der großen Möglichkeiten philosophischen Ideals.

Ich sehe nur noch Eine originale Figur in den Kommenden: einen Spätling, aber nothwendig den letzten ... den Nihilisten Pyrrho, ... er hat den Instinkt gegen alles das, was inzwischen obenauf, die Sokratiker, Plato

Pyrrho greift über Protagoras zu Demokrit zurück ...

der Artisten-Optimismus Heraklits,

14 [101]

die décadence überhaupt

Wenn Lust und Unlust sich auf das Gefühl der Macht beziehen, so müßte Leben ein Wachsthum von Macht darstellen, so daß die Differenz des “Mehr” ins Bewußtsein träte ... Ein Niveau von Macht festgehalten: würde sich die Lust nur an Verminderungen des Niveaus zu messen haben, an Unlustzuständen,—nicht an Lustzuständen ... Der Wille zum Mehr liegt im Wesen der Lust: daß die Macht wächst, daß die Differenz in’s Bewußtsein tritt ...

Von einem gewissen Punkte an, bei der décadence tritt die umgekehrte Differenz ins Bewußtsein, die Abnahme: das Gedächtniß der starken Augenblicke von ehedem drückt die gegenwärtigen Lustgefühle herab,—der Vergleich schwächt jetzt die Lust ...

14 [102]

Zur Hygiene derSchwachen.”— Alles, was in der Schwäche gethan wird, mißräth. Moral: nichts thun. Nur ist das Schlimme, daß gerade die Kraft, das Thun auszuhängen, nicht zu reagiren, am stärksten krank ist unter dem Einfluß der Schwäche: daß man nie schneller, nie blinder reagirt als dann, wenn man gar nicht reagiren sollte ...

Die Stärke einer Natur zeigt sich im Abwarten und Aufschieben der Reaktion: eine gewisse ist ihr so zu eigen, wie der Schwäche die Unfreiheit der Gegenbewegung, die Plötzlichkeit, Unhemmbarkeit der “Handlung” ...

der Wille ist schwach: und das Recept, um dumme Sachen zu verhüten, wäre, starken Willen zu haben, und nichts zu thun ...

Contradictio ...

Eine Art Selbstzerstörung, der Instinkt der Erhaltung ist compromittirt ... Der Schwache schadet sich selber ... das ist der Typus der décadence ...

Thatsächlich finden wir ein ungeheures Nachdenken über Praktiken, die Impassibilität zu provociren. Der Instinkt ist insofern auf richtiger Spur als nichts-thun nützlicher ist als etwas thun ...

Alle Praktiken der Orden, der solitären Philosophen, der Fakirs sind von dem richtigen Werthmaße eingegeben, daß eine gewisse Art Mensch sich noch am meisten nützt, wenn sie sich so viel wie möglich hindert, zu handeln ...

Erleichterungsmittel: der absolute Gehorsam

die machinale Thätigkeit

die Separation von Menschen und Dingen, welche ein sofortiges Entschließen und Handeln fördern würden

14 [103]

1.

Ich sehe mit Erstaunen, daß die Wissenschaft sich heute resignirt, auf die scheinbare Welt angewiesen zu sein: eine wahre Welt—sie mag sein, wie sie will, gewiß haben wir kein Organ der Erkenntniß für sie.

Hier dürfte man nun schon fragen: mit welchem Organ der Erkenntniß setzt man auch diesen Gegensatz nur an? ...

Damit daß eine Welt, die unseren Organen zugänglich ist, auch als abhängig von diesen Organen verstanden wird, damit daß wir eine Welt als subjektiv bedingt damit ist nicht ausgedrückt, daß eine objektive Welt überhaupt möglich. Wer wehrt uns zu denken, daß die Subjektivität real, essentiell ist?

das “An sich” ist sogar eine widersinnige Conception: eine “Beschaffenheit an sich” ist Unsinn: wir haben den Begriff “Sein,” “Ding” immer nur als Relationsbegriff ...

Das Schlimme ist—daß mit dem alten Gegensatz “scheinbar” und “wahr” sich das correlative Werthurtheil fortgepflanzt: geringer an Werth und absolut “werthvoll”

die scheinbare Welt gilt uns nicht als eine “werthvolle” Welt; der Schein soll eine Instanz gegen die oberste Werthheit sein. Werthvoll an sich kann nur eine “wahre” Welt sein ...



Erstens: man behauptet, sie existirt

zweitens: man hat eine ganz bestimmte Werthvorstellung von ihr



Vorurtheil der Vorurtheile!
Erstens wäre an sich möglich, daß die wahre Beschaffenheit der Dinge dermaßen den Voraussetzungen des Lebens schädlich wäre, entgegengesetzt wäre, daß eben der Schein noth thäte, um leben zu können ... Dies ist ja der Fall in so vielen Lagen: z.B. in der Ehe

Unsere empirische Welt wäre aus den Instinkten der Selbsterhaltung auch in ihren Erkenntnißgrenzen bedingt: wir hielten für wahr, für gut, für werthvoll, was der Erhaltung der Gattung frommt ...

a.wir haben keine Kategorien, nach denen wir eine wahre und eine scheinbare Welt scheiden dürften. Es könnte eben bloß eine scheinbare Welt geben, aber nicht nur unsere scheinbare Welt ...
b.die wahre Welt angenommen, so könnte sie immer noch die geringere an Werth für uns sein: gerade das Quantum Illusion möchte in seinem Erhaltungswerth für uns höheren Ranges sein. Es sei denn, daß der Schein an sich ein Verwerfungsurtheil begründete?
c.daß eine Correlation besteht zwischen den Graden der Werthe und den Graden der Realität, so daß die obersten Werthe auch die oberste Realität hätten: ist ein metaphysisches Postulat von der Voraussetzung ausgehend, daß wir die Rangordnung der Werthe kennen: nämlich daß diese Rangordnung eine moralische ist ... Nur in dieser Voraussetzung ist die Wahrheit nothwendig für die Definition alles Höchstwerthigen

der “Schein” wäre ein Einwand gegen einen Werth überhaupt

2.

Es ist von kardinaler Wichtigkeit, daß man die wahre Welt abschafft. Sie ist die große Anzweiflerin und Werthverminderung der Welt, die wir sind: Sie war bisher unser gefährlichstes Attentat auf das Leben

Krieg gegen alle Voraussetzungen, auf welche hin man eine wahre Welt fingirt hat. Zu diesen Voraussetzungen gehört, daß die moralischen Werthe die obersten sind

Die moralische Werthung als oberste wäre widerlegt, wenn sie bewiesen werden könnte als die Folge einer unmoralischen Werthung

: als ein Spezialfall der realen Unmoralität

: sie reduzirte sich damit selbst auf einen Anschein

und als Anschein hätte sie, von sich aus, kein Recht mehr, den Schein zu verurtheilen.

3.

“Der Wille zur Wahrheit” wäre sodann psychologisch zu untersuchen: er ist keine moralische Gewalt, sondern eine Form des Willens zur Macht. Dies wäre damit zu beweisen, daß er sich aller unmoralischen Mittel bedient: der Metaphysik voran —

: die Methodik der Forschung ist erst erreicht, wenn alle moralischen Vorurtheile überwunden sind ... sie stellte einen Sieg über die Moral dar ...

NB. Wir sind heute vor die Prüfung der Behauptung gestellt, daß die moralischen Werthe die obersten Werthe sind.

14 [104]

Die Moralwerthe als Scheinwerthe, verglichen mit den physiologischen.

14 [105]

Unsere Erkenntniß ist in dem Maaße wissenschaftlich geworden, als sie Zahl und Maaß anwenden kann ...

Der Versuch wäre zu machen, ob nicht eine wissenschaftliche Ordnung der Werthe einfach auf eine Zahl- und Maßscala der Kraft aufzubauen wäre ...

— alle sonstigen “Werthe” sind Vorurtheile, Naivetäten, Mißverständnisse ...

— sie sind überall reduzirbar auf jene Zahl- und Maß-Scala der Kraft

— das Aufwärts in dieser Scala bedeutet jedes Wachsen an Werth:

das Abwärts in dieser Skala bedeutet Verminderung des Werths

Hier hat man den Schein und das Vorurtheil wider sich.



eine Moral, eine durch lange Erfahrung und Prüfung erprobte, bewiesene Lebensweise kommt zuletzt als Gesetz zum Bewußtsein, als dominirend ..

und damit tritt die ganze Gruppe verwandter Werthe und Zustände in sie hinein: sie wird ehrwürdig, unangreifbar, heilig, wahrhaft

es gehört zu ihrer Entwicklung, daß ihre Herkunft vergessen wird ... Es ist ein Zeichen, daß sie Herr geworden ist ...

* * *

Ganz dasselbe könnte geschehen sein mit den Kategorien der Vernunft: dieselben könnten, unter vielem Tasten und Herumgreifen, sich bewährt haben durch relative Nützlichkeit ... Es kam ein Punkt, wo man sie zusammenfaßte, sich als Ganzes zum Bewußtsein brachte,—und wo man sie befahl ... d.h. wo sie wirkten als befehlend ...

Von jetzt ab galten sie als a priori ..., als jenseits der Erfahrung, als unabweisbar ...

Und doch drücken sie vielleicht nichts aus als eine bestimmte Rassen- und Gattungs-Zweckmäßigkeit,—bloß ihre Nützlichkeit ist ihre “Wahrheit” —

Von der Herkunft der Vernunft
A.
Die obersten Werthe waren bisher die moralischen.
B.
Kritik dieser Werthe.
C.

14 [106]

Vorschrift für den jungen Theologen:

1. daß er sich des Weibes enthalte und überhaupt jeder gegorenen Substanz; daß er weder Stiefeln, noch Sonnenschirm trage; daß er sich jedes Sinnenreizes (Gesang, Tanz und Musik) enthalte

2. Wenn der Candidat unfreiwillig eine Befleckung während seines Schlummers empfängt, so soll er sich bei dem Aufgang der Sonne drei Mal in den heiligen Sumpf tauchen, mit den Worten “daß Das, was wider Willen von mir gegangen ist, zu mir zurückkomme!”

3. Wenn sein Lehrer ihn unterbricht, so soll er ihm weder liegend, noch sitzend, noch essend, noch laufend, noch von fern, noch mit einem Seitenblick antworten:

4. Vielmehr soll er zu ihm kommen und, aufrecht, respektvoll, ihn ansehen und Antwort geben.

Wenn er im Wagen ist und seinen Lehrer bemerkt, soll er sofort aussteigen, um ihm seine honneurs zu machen.

Der Schüler darf das Weib seines Lehrers nicht beim Baden bedienen, noch sie parfümiren, noch sie massiren, noch ihren Haar-Aufputz arrangiren, noch sie salben

Er darf sich auch nicht vor der jungen Gattin seines Lehrers niederwerfen und respectvoll ihre Füße berühren, gesetzt nämlich, daß er durch sein Alter bereits das Wissen von Gut und Böse hat.

Es liegt in der Natur des Weibes daß es den Männern gefalle und sie versuchen will. Aber die Weisen lassen sich niemals so weit gehen, dieser Anziehungskraft nachzugeben, nämlich in Fällen, wo dies tadelnswerth ist.

Man soll nicht an einsamen Orten allein mit seiner Mutter, seiner Schwester, seiner Tochter und anderen Verwandtinnen weilen: die durch Einsamkeit aufgeregten Sinne sind so mächtig daß sie bisweilen über die Weisesten Recht bekommen.

Dies war der Fall mit dem weisen Vasta, der, um vor der Bosheit der Leute von Gotha zu fliehen, sich mit seinen 2 Töchtern in eine Höhle zurückzog: woselbst er sie alle beide zu Müttern machte.

14 [106]

Vorschrift für den jungen Theologen:

1. daß er sich des Weibes enthalte und überhaupt jeder gegorenen Substanz; daß er weder Stiefeln, noch Sonnenschirm trage; daß er sich jedes Sinnenreizes (Gesang, Tanz und Musik) enthalte

2. Wenn der Candidat unfreiwillig eine Befleckung während seines Schlummers empfängt, so soll er sich bei dem Aufgang der Sonne drei Mal in den heiligen Sumpf tauchen, mit den Worten “daß Das, was wider Willen von mir gegangen ist, zu mir zurückkomme!”

3. Wenn sein Lehrer ihn unterbricht, so soll er ihm weder liegend, noch sitzend, noch essend, noch laufend, noch von fern, noch mit einem Seitenblick antworten:

4. Vielmehr soll er zu ihm kommen und, aufrecht, respektvoll, ihn ansehen und Antwort geben.

Wenn er im Wagen ist und seinen Lehrer bemerkt, soll er sofort aussteigen, um ihm seine honneurs zu machen.

Der Schüler darf das Weib seines Lehrers nicht beim Baden bedienen, noch sie parfümiren, noch sie massiren, noch ihren Haar-Aufputz arrangiren, noch sie salben

Er darf sich auch nicht vor der jungen Gattin seines Lehrers niederwerfen und respectvoll ihre Füße berühren, gesetzt nämlich, daß er durch sein Alter bereits das Wissen von Gut und Böse hat.

Es liegt in der Natur des Weibes daß es den Männern gefalle und sie versuchen will. Aber die Weisen lassen sich niemals so weit gehen, dieser Anziehungskraft nachzugeben, nämlich in Fällen, wo dies tadelnswerth ist.

Man soll nicht an einsamen Orten allein mit seiner Mutter, seiner Schwester, seiner Tochter und anderen Verwandtinnen weilen: die durch Einsamkeit aufgeregten Sinne sind so mächtig daß sie bisweilen über die Weisesten Recht bekommen.

Dies war der Fall mit dem weisen Vasta, der, um vor der Bosheit der Leute von Gotha zu fliehen, sich mit seinen 2 Töchtern in eine Höhle zurückzog: woselbst er sie alle beide zu Müttern machte.

14 [107]

Theorie und Praxis
Kritik vom Werth der Moral

Gefährliche Unterscheidung zwischentheoretischundpraktisch” z.B. bei Kant, aber auch bei den Alten

— sie thun, als ob die reine Geistigkeit ihnen die Probleme der Erkenntniß und Metaphysik vorlege

— sie thun, als ob, wie auch die Antwort der Theorie ausfalle, die Praxis nach eigenem Werthmaße zu beurtheilen sei.

Gegen das Erste richte ich meine Psychologie der Philosophen: ihr entfremdetster Calcul und “Geistigkeit” bleibt immer nur der letzte blasseste Abdruck einer physiologischen Thatsache; es fehlt absolut die Freiwilligkeit darin, Alles ist Instinkt, Alles ist von vorn herein in bestimmte Bahnen gelenkt ...

— gegen das Zweite frage ich, ob wir eine andere Methode kennen, um gut zu handeln als immer gut zu denken: letzteres ist ein Handeln, und ersteres setzt Denken voraus. Haben wir ein Vermögen, den Werth einer Lebensweise anderswie zu beurtheilen als den Werth einer Theorie durch Induktion, durch Vergleichung? ... Die Naiven glauben, hier wären wir besser daran, hier wüßten wir, was “gut” ist,—die Philosophen reden’s nach. Wir schließen, daß hier ein Glaube vorhanden ist, weiter nichts ...

“Man muß handeln; folglich bedarf es einer Richtschnur”—sagten selbst die antiken Skeptiker

die Dringlichkeit einer Entscheidung als Argument, irgend etwas hier für wahr zu halten! ...

Man muß nicht handeln:—sagten ihre consequenteren Brüder, die Buddhisten und ersannen eine Richtschnur, wie man sich losmachte vom Handeln ...

Sich einordnen, leben wie der “gemeine Mann” lebt, gut und recht halten, was er recht hält: das ist die Unterwerfung unter den Herdeninstinkt.

Man muß seinen Muth und seine Strenge so weit treiben, eine solche Unterwerfung wie eine Scham zu empfinden

Nicht mit zweierlei Maß leben! .. Nicht Theorie und Praxis trennen! —

14 [108]

Wille zur Macht als Moral

Die Vorherrschaft der moralischen Werthe.

Folgen dieser Vorherrschaft, die Verderbniß der Psychologie usw.

das Verhängniß überall, das an ihr hängt

Was bedeutet diese Vorherrschaft? Worauf weist sie hin?

— eine gewisse größere Dringlichkeit eines bestimmten Ja und Nein auf diesem Gebiete

— man hat alle Arten Imperative darauf verwendet, um die moralischen Werthe als fest erscheinen zu lassen: sie sind am längsten commandirt worden:—sie scheinen instinktiv wie innere Commandos ...

— es drücken sich Erhaltungsbedingungen der Societät darin aus, daß die moralischen Werthe als undiskutirbar empfunden werden

— die Praxis: das will heißen, die Nützlichkeit, mit einander sich über die obersten Werthe zu verstehen, hat hier eine Art Sanktion erlangt

— wir sehen alle Mittel angewendet, wodurch das Nachdenken und die Kritik auf diesem Gebiete lahm gelegt wird:—welche Attitüde nimmt noch Kant, nicht zu reden von denen, welche es als unmoralisch ablehnen, hier zu “forschen” —

Wie man die Moral zur Herrschaft gebracht hat

14 [109]

Wissenschaft und Philosophie

Alle diese Werthe sind empirisch und bedingt. Aber der, der an sie glaubt, der sie verehrt, will eben diesen Charakter nicht anerkennen ...

die Philosophen glauben allesammt an diese Werthe und eine Form ihrer Verehrung war die Bemühung, aus ihnen a priori Wahrheiten zu machen

fälschender Charakter der Verehrung ...

die Verehrung ist die hohe Probe der intellektuellen Rechtschaffenheit: aber es giebt in der ganzen Geschichte der Philosophie keine intellektuelle Rechtschaffenheit

sondern die “Liebe zum Guten” ...

: der absolute Mangel an Methode, um das Maaß dieser Werthe zu prüfen

zweitens: die Abneigung, diese Werthe zu prüfen, überhaupt sie bedingt zu nehmen

Bei den Moral-Werthen kamen alle antiwissenschaftlichen Instinkte zusammen in Betracht, um hier die Wissenschaft auszuschließen ...

Wie der unglaubliche Skandal, den die Moral in der Geschichte der Wissenschaft darstellt, zu erklären ..

14 [110]

Formel des “Fortschritts”-Aberglaubens eines berühmten Physiologen der cerebralen Thätigkeiten

“L’animal ne fait jamais de progrès comme espèce; l’homme seul fait de progrès comme espèce.”

Nein:

14 [111]

Philosophie als décadence

Die große Vernunft in aller Erziehung zur Moral war immer, daß man hier die Sicherheit eines Instinkts zu erreichen suchte: so daß weder die gute Absicht, noch die guten Mittel als solche erst ins Bewußtsein traten. So wie der Soldat exercirt, so sollte der Mensch handeln lernen. In der That gehört dieses Unbewußtsein zu jeder Art Vollkommenheit: selbst noch der Mathematiker handhabt seine Combinationen unbewußt ...

Was bedeutet nun die Reaktion des Sokrates, welcher die Dialektik als Weg zur Tugend anempfahl und sich darüber lustig machte, wenn die Moral sich nicht logisch zu rechtfertigen wußte? ... Aber eben das Letztere gehört zu ihrer Güte ... ohne sie taugt sie nichts! ... Scham erregen war ein nothwendiges Attribut des Vollkommenen! ...

Es bedeutet exakt die Auflösung der griechischen Instinkte, als man die Beweisbarkeit als Voraussetzung der persönlichen Tüchtigkeit in der Tugend voranstellte. Es sind selbst Typen der Auflösung, alle diese großen “Tugendhaften” und Wortemacher ...

In praxi bedeutet es, daß die moralischen Urtheile aus ihrer Bedingtheit, aus der sie gewachsen sind und in der allein sie Sinn haben, aus ihrem griechischen und griechisch-politischen Grund und Boden ausgerissen werden und, unter dem Anschein von Sublimirung, entnatürlicht werden. Die großen Begriffe “gut” “gerecht” werden losgemacht von den Voraussetzungen, zu denen sie gehören: und als frei gewordene “Ideen” Gegenstände der Dialektik. Man sucht hinter ihnen eine Wahrheit, man nimmt sie als Entitäten oder als Zeichen von Entitäten: man erdichtet eine Welt, wo sie zu Hause sind, wo sie herkommen ...

In summa: der Unfug ist aufeiner Spitze bereits bei Plato ...Und nun hatte man nöthig, auch den abstrakt-vollkommenen Menschen hinzuerfinden

gut, gerecht, weise, Dialektiker—kurz die Vogelscheuche des antiken Philosophen,

eine Pflanze, aus jedem Boden losgelöst; eine Menschlichkeit ohne alle bestimmten regulirenden Instinkte; eine Tugend, die sich mit Gründen “beweist.”

das vollkommen absurde “Individuum” an sich! die Unnatur höchsten Rangs ...

Kurz, die Entnatürlichung der Moralwerthe hatte zur Consequenz, einen entartenden Typus des Menschen zu schaffen—“den Guten,” “den Glücklichen,” “den Weisen”

Sokrates ist ein Moment der tiefsten Perversität in der Geschichte der Menschen

14 [112]

Es würde uns Zweifel gegen einen Menschen machen, zu hören, daß er Gründe nöthig hat, um anständig zu bleiben: gewiß ist, daß wir seinen Umgang meiden. Das Wörtchen “denn” compromittirt in gewissen Fällen; man widerlegt sich mitunter sogar durch ein einziges “denn.” Hören wir nun des Weiteren daß ein solcher Aspirant der Tugend schlechte Gründe nöthig hat, um respektabel zu bleiben, so giebt das noch keinen Grund ab, unseren Respekt vor ihm zu steigern. Aber er geht weiter, er kommt zu uns, er sagt uns ins Gesicht: “Sie stören meine Moralität mit Ihrem Unglauben, mein Herr Ungläubiger; so lange Sie nicht an meine schlechten Gründe, will sagen an Gott, an ein strafendes Jenseits, an eine Freiheit des Willens glauben, verhindern Sie meine Tugend ... Moral: man muß die Ungläubigen abschaffen, sie verhindern die Moralisirung der Massen.”

14 [113]

Moral als décadence

Heute, wo uns jedes “so und so soll der Mensch sein” eine kleine Ironie in den Mund legt, wo wir durchaus daran festhalten, daß man, trotz allem, nur das wird, was man ist (trotz allem: will sagen Erziehung, Unterricht, milieu, Zufälle und Unfälle), haben wir in Dingen der Moral auf eine curiose Weise das Verhältniß von Ursache und Folge umdrehen gelernt,—nichts unterscheidet uns vielleicht gründlicher von den alten Moralgläubigen. Wir sagen z.B. nicht mehr “das Laster ist die Ursache davon, daß ein Mensch auch physiologisch zu Grunde geht”; wir sagen ebenso wenig “durch die Tugend gedeiht ein Mensch, sie bringt langes Leben und Glück.” Unsere Meinung ist vielmehr, daß Laster und Tugend keine Ursachen, sondern nur Folgen sind. Man wird ein anständiger Mensch, weil man ein anständiger Mensch ist: das heißt weil man als Capitalist guter Instinkte und gedeihlicher Verhältnisse geboren ist ... Kommt man arm zur Welt, von Eltern her, welche in Allem nur verschwendet und nichts gesammelt haben, so ist man “unverbesserlich,” will sagen reif für Zuchthaus und Irrenhaus ... Wir wissen heute die moralische Degenerescenz nicht mehr abgetrennt von der physiologischen zu denken: sie ist ein bloßer Symptom-Complex der letzteren; ist nothwendig schlecht, wie man nothwendig krank ist ... Schlecht: das Wort drückt hier gewisse Unvermögen aus, die physiologisch mit dem Typus der Degenerescenz verbunden sind: z.B. die Schwäche des Willens, die Unsicherheit und selbst Mehrheit der “Person,” die Ohnmacht, auf irgend einen Reiz hin die Reaktion auszusetzen und sich zu “beherrschen,” die Unfreiheit vor jeder Art Suggestion eines fremden Willens. Laster ist keine Ursache; Laster ist eine Folge ... Laster ist eine ziemlich willkürliche Begriffs-Abgrenzung, um gewisse Folgen der physiologischen Entartung zusammenzufassen. Ein allgemeiner Satz, wie ihn das Christenthum lehrte, “der Mensch ist schlecht,” würde berechtigt sein, wenn es berechtigt wäre, den Typus des Degenerirten als Normal-Typus des Menschen zu nehmen. Aber das ist vielleicht eine Übertreibung. Gewiß hat der Satz überall dort ein Recht, wo gerade das Christenthum gedeiht und obenauf ist: denn damit ist ein morbider Boden bewiesen, ein Gebiet für Degenerescenz.

14 [114]

Wachsthum oder Erschöpfung

Kritik der christlichen Werthe.

Kritik der antiken Philosophie.

Zur Geschichte des europäischen Nihilismus.

das Christenthum nihilistisch

die Vorarbeit dazu: die antike Philosophie

14 [115]

Wissenschaft und Philosophie

Wie weit die Verderbniß der Psychologen durch die Moral-Idiosynkrasie geht:

Niemand der alten Philosophen hat den Muth zur Theorie des “unfreien Willens” gehabt (das heißt zu einer die Moral negirenden Theorie)

Niemand hat den Muth gehabt, das Typische der Lust, jeder Art Lust (“Glück”) zu definiren als Gefühl der Macht: denn die Lust an der Macht galt als unmoralisch

Niemand hat den Muth gehabt, die Tugend als eine Folge der Unmoralität (eines Machtwillens) im Dienste der Gattung (oder der Rasse oder der Polis) zu begreifen (denn der Machtwille galt als Unmoralität, denn damit wäre erkannt worden, was die Wahrheit daß Tugend nur Form der Unmoralität ist)

Es kommt in der ganzen Entwicklung der Moral keine Wahrheit vor: alle Begriffs-Elemente, mit denen gearbeitet wird, sind Fiktionen, alle Psychologica, an die man sich hält, sind Fälschungen; alle Formen der Logik, welche man in dies Reich der Lüge einschleppt, sind Sophismen. Was die Moral-Philosophen selbst auszeichnet: das ist die vollkommene Absenz jeder Sauberkeit, jeder Selbst-Zucht des Intellekts: sie halten “schöne Gefühle” für Argumente: ihr “geschwellter Busen” dünkt ihnen der Blasebalg der Gottheit ... Die Moral-Philosophie ist die scabreuse Partie in der Geschichte des Geistes.

Das erste große Beispiel: unter dem Namen der Moral, als Patronat der Moral ein unerhörter Unfug ausgeübt, thatsächlich eine décadence in jeder Hinsicht.

14 [116]

Philosophie als décadence

Man kann nicht streng genug darauf insistiren, daß die großen griechischen Philosophen die décadence jedweder griechischen Tüchtigkeit repräsentiren und contagiös machen ... Diese gänzlich abstrakt gemachte “Tugend” war die größte Verführung, sich selbst abstrakt zu machen: d.h. sich herauszulösen ...

Der Augenblick ist sehr merkwürdig: die Sophisten streifen an die erste Kritik der Moral, die erste Einsicht in die Moral ...

— sie stellen die Mehrheit (die lokale Bedingtheit) der moralischen Werthurtheile neben einander

— sie geben zu verstehen, daß jede Moral sich dialektisch rechtfertigen,—daß es keinen Unterschied mache: das heißt, sie errathen, wie alle Begründung einer Moral nothwendig sophistisch sein muß —

— ein Satz, der hinterdrein im allergrößten Stil durch die antiken Philosophen von Plato an (bis Kant) bewiesen worden ist

— sie stellen die erste Wahrheit hin, daß “eine Moral an sich,” ein “Gutes an sich” nicht existirt, daß es Schwindel ist, von “Wahrheit” auf diesem Gebiete zu reden

Wo war nur die intellektuelle Rechtschaffenheit damals?

die griechische Cultur der Sophisten war aus allen griechischen Instinkten herausgewachsen: sie gehört zur Cultur der Perikleischen Zeit, so nothwendig wie Plato nicht zu ihr gehört: sie hat ihre Vorgänger in Heraklit, in Demokrit, in den wissenschaftlichen Typen der alten Philosophie; sie hat in der hohen Cultur des Thukydides z.B. ihren Ausdruck

— und, sie hat schließlich Recht bekommen: jeder Fortschritt der erkenntnißtheoretischen und moralistischen Erkenntniß hat die Sophisten restituirt ...

unsere heutige Denkweise ist in einem hohen Grade heraklitisch, demokritisch und protagoreisch ... es genügte zu sagen, daß sie protagoreisch, weil Protagoras die beiden Stücke Heraklit und Demokrit in sich zusammennahm

Plato: ein großer Cagliostro,—man denke, wie ihn Epicur beurtheilte; wie ihn Timon, der Freund Pyrrhos, beurtheilte — —

Steht vielleicht die Rechtschaffenheit Platos außer Zweifel? ... Aber wir wissen zum Mindesten, daß er als absolute Wahrheit gelehrt wissen wollte, was nicht einmal bedingt ihm als Wahrheit galt: nämlich die Sonderexistenz und Sonder-Unsterblichkeit der “Seelen”

14 [117]

die Gegenbewegung: die Kunst

Das Rauschgefühl, thatsächlich einem Mehr von Kraft entsprechend:

am stärksten in der Paarungszeit der Geschlechter:

neue Organe, neue Fertigkeiten, Farben, Formen ...

die “Verschönerung” ist eine Folge der erhöhten Kraft

Verschönerung als nothwendige Folge der Kraft-Erhöhung

Verschönerung als Ausdruck eines siegreichen Willens, einer gesteigerten Coordination, einer Harmonisirung aller starken Begehrungen, eines unfehlbar perpendikulären Schwergewichts

die logische und geometrische Vereinfachung ist eine Folge der Krafterhöhung: umgekehrt erhöht wieder das Wahrnehmen solcher Vereinfachung das Kraftgefühl ...

Spitze der Entwicklung: der große Stil

Die Häßlichkeit bedeutet décadence eines Typus, Widerspruch und mangelnde Coordination der inneren Begehrungen

bedeutet einen Niedergang an organisirender Kraft, an “Willen” physiologisch geredet ...



der Lustzustand, den man Rausch nennt, ist exakt ein hohes Machtgefühl ...

die Raum- und Zeit-Empfindungen sind verändert: ungeheure Fernen werden überschaut und gleichsam erst wahrnehmbar

die Ausdehnung des Blicks über größere Mengen und Weiten

die Verfeinerung des Organs für die Wahrnehmung vieles Kleinsten und Flüchtigsten

die Divination, die Kraft des Verstehens auf die leiseste Hülfe hin, auf jede Suggestion hin, die “intelligente” Sinnlichkeit ...

die Stärke als Herrschaftsgefühl in den Muskeln, als Geschmeidigkeit und Lust an der Bewegung, als Tanz, als Leichtigkeit und Presto

die Stärke als Lust am Beweis der Stärke, als Bravourstück, Abenteuer, Furchtlosigkeit, gleichgültiges Wesen ...

Alle diese Höhen-Momente des Lebens regen sich gegenseitig an; die Bilder- und Vorstellungswelt der Einen genügt, als Suggestion, für die anderen ... Dergestalt sind schließlich Zustände in einander verwachsen, die vielleicht Grund hätten, sich fremd zu bleiben. Zum Beispiel

das religiöse Rauschgefühl und die Geschlechtserregung (zwei tiefe Gefühle, nachgerade fast verwunderlich coordinirt. Was gefällt allen frommen Frauen, alten und jungen? Antwort: ein Heiliger mit schönen Beinen, noch jung, noch Idiot ...)

die Grausamkeit in der Tragödie und das Mitleid (—ebenfalls normal coordinirt ...

Frühling, Tanz, Musik, alles Wettbewerb der Geschlechter—und auch noch jene Faustische “Unendlichkeit im Busen” ...

die Künstler, wenn sie etwas taugen, sind stark (auch leiblich) angelegt, überschüssig, Kraftthiere, sensuell; ohne eine gewisse Überheizung des geschlechtlichen Systems ist kein Raffael zu denken ... Musik machen ist auch noch eine Art Kindermachen; Keuschheit ist bloß die Ökonomie eines Künstlers:—und jedenfalls hört auch bei Künstlern die Fruchtbarkeit mit der Zeugungskraft auf ...

die Künstler sollen nichts so sehen, wie es ist, sondern voller, sondern einfacher, sondern stärker: dazu muß ihnen eine Art ewiger Jugend und Frühling, eine Art habitueller Rausch im Leibe sein.

Beyle und Flaubert, zwei unbedenkliche in solchen Fragen, haben in der That den Künstlern im Interesse ihres Handwerks Keuschheit anempfohlen: ich hätte auch Renan zu nennen der den gleichen Rath giebt, Renan ist Priester ...

14 [118]

die Epidemien‚die Hallucinationen,
‚die Tänze und Gebärden-Zeichen
‚das Lied (Überrest von Tanz
normale Funktionen:
sich übend
: der Traum (ein rauschartiger Zustand leitet ihn ein)
: die optischen Gesichtsbilder
: Gehörsbilder
: Tastbilder

14 [119]

Gegenbewegung

die Kunst

alle Kunst wirkt als Suggestion auf die Muskeln und Sinne, welche ursprünglich beim naiven künstlerischen Menschen thätig sind: sie redet immer nur zu Künstlern,—sie redet zu dieser Art von feiner Erreglichkeit des Leibes. Der Begriff “Laie” ist ein Fehlgriff. Der Taube ist keine Species des Guthörigen.

Alle Kunst wirkt tonisch, mehrt die Kraft, entzündet die Lust (d.h. das Gefühl der Kraft), regt alle die feineren Erinnerungen des Rausches an,—es giebt ein eigenes Gedächtniß, das in solche Zustände hinunterkommt: eine ferne und flüchtige Welt von Sensationen kehrt da zurück ...

Das Häßliche d.h. der Widerspruch zur Kunst, das, was ausgeschlossen wird von der Kunst, ihr Nein—jedes Mal, wenn der Niedergang, die Verarmung an Leben, die Ohnmacht, die Auflösung, die Verwesung von Fern nur angeregt wird, reagirt der aesthetische Mensch mit seinem Nein

Das Häßliche wirkt depressiv, es ist der Ausdruck einer Depression. Es nimmt Kraft, es verarmt, es drückt ...

Das Häßliche suggerirt Häßliches; man kann an seinen Gesundheitszuständen erproben, wie unterschiedlich das Schlechtbefinden auch die Fähigkeit der Phantasie des Häßlichen steigert. Die Auswahl wird anders, von Sachen, Interessen, Fragen: es giebt einen dem Häßlichen nächstverwandten Zustand auch im Logischen—Schwere, Dumpfheit ... Mechanisch fehlt dabei das Schwergewicht: das Häßliche hinkt, das Häßliche stolpert:—Gegensatz einer göttlichen Leichtfertigkeit des Tanzenden ...

Der aesthetische Zustand hat einen Überreichthum von Mittheilungsmitteln, zugleich mit einer extremen Empfänglichkeit für Reize und Zeichen. Er ist der Höhepunkt der Mittheilsamkeit und Übertragbarkeit zwischen lebenden Wesen,—er ist die Quelle der Sprachen.

die Sprachen haben hier ihren Entstehungsherd: die Tonsprachen, sogut als die Gebärden- und Blicksprachen. Das vollere Phänomen ist immer der Anfang: unsere Culturmensch-Vermögen sind subtrahirte aus volleren Vermögen. Aber auch heute hört man noch mit den Muskeln, man liest selbst noch mit den Muskeln.

Jede reife Kunst hat eine Fülle Convention zur Grundlage: insofern sie Sprache ist. Die Convention ist die Bedingung der großen Kunst, nicht deren Verhinderung ...

Jede Erhöhung des Lebens steigert die Mittheilungs-Kraft, insgleichen die Verständniß-Kraft des Menschen. Das Sichhineinleben in andere Seelen ist urspr nichts Moralisches, sondern eine physiologische Reizbarkeit der Suggestion: die “Sympathie” oder was man “Altruismus” nennt, sind bloße Ausgestaltungen jenes zur Geistigkeit gerechneten psychomotorischen Rapports (induction psycho-motrice meint Ch. Féré) Man theilt sich nie Gedanken mit, man theilt sich Bewegungen mit, mimische Zeichen, welche von uns auf Gedanken hin zurück gelesen werden ...

* * *

Ich setze hier eine Reihe psychologischer Zustände als Zeichen vollen und blühenden Lebens hin, welche man heute gewohnt ist, als krankhaft zu beurtheilen. Nun haben wir verlernt, inzwischen, zwischen gesund und krank von einem Gegensatze zu reden: es handelt sich um Grade, — meine Behauptung in diesem Falle ist, daß was heute “gesund” genannt wird, ein niedrigeres Niveau von dem darstellt, was unter günstigen Verhältnissen gesund wäre ... daß wir relativ krank sind ... Der Künstler gehört zu einer noch stärkeren Rasse. Was uns schon schädlich, was bei uns krankhaft wäre, ist bei ihm Natur



die Überfülle an Säften und Kräften kann so gut Symptome der Partiellen Unfreiheit von Sinnes-Hallucinationen, von Suggestions-Raffinements mit sich bringen, wie eine Verarmung an Leben ... der Reiz ist anders bedingt, die Wirkung bleibt sich gleich ...

Vor allem ist die Nachwirkung nicht dieselbe; die extreme Erschlaffung aller morbiden Natur nach ihren Nerven-Excentricitäten hat nichts mit den Zuständen des Künstlers gemein: der seine guten Zeiten nicht abzubüßen hat ...

Er ist reich genug dazu: er kann verschwenden, ohne arm zu werden ...



Wie man heute “Genie” als eine Form der Neurose beurtheilen dürfte, so vielleicht auch die künstlerische Suggestions-Kraft, — und unsere Artisten sind in der That den hysterischen Weiblein nur zu verwandt!!! Das aber spricht gegen “heute ” und nicht gegen die “Künstler”...



Aber man wendet uns ein, daß gerade die Verarmung der Maschine die extravagante Verständnißkraft über jedwede Suggestion ermögliche: Zeugniß unsere hysterischen Weiblein “unsere Jenseitsforscher”

* * *

Inspiration: Beschreibung.

* * *

Die unkünstlerischen Zustände: die der Objektivität, der Spiegelung, des ausgehängten Willens ...

das skandalöse Mißverständniß Schopenhauers, der die Kunst als Brücke zur Verneinung des Lebens nimmt ...

* * *

Die unkünstlerischen Zustände: die Verarmenden, Abziehenden, Ablassenden unter deren Blick das Leben leidet .. der Christ...

* * *

Problem der tragischen Kunst.

* * *

Die Romantiker: eine zweideutige Frage, wie alles Moderne.

* * *

der Schauspieler

14 [120]

Liebe

Will man den erstaunlichsten Beweis dafür, wie weit die Transfigurationskraft des Rausches geht? Die “Liebe” ist dieser Beweis, das, was Liebe heißt, in allen Sprachen und Stummheiten der Welt. Der Rausch wird hier mit der Realität in einer Weise fertig, daß im Bewußtsein des Liebenden die Ursache ausgelöscht und etwas Andres sich an ihrer Stelle zu finden scheint—ein Zittern und Aufglänzen aller Zauberspiegel der Circe ... Hier macht Mensch und Thier keinen Unterschied; noch weniger, Geist, Güte, Rechtschaffenheit ... Man wird fein genarrt, wenn man fein ist, man wird grob genarrt, wenn man grob ist: aber die Liebe, und selbst die Liebe zu Gott, die Heiligen-Liebe “erlöster Seelen,” bleibt in der Wurzel Eins: als ein Fieber, das Gründe, sich zu transfiguriren, ein Rausch, der gut thut, über sich zu lügen ... Und jedenfalls lügt man gut, wenn man liebt, vor sich und über sich: man scheint sich transfigurirt, stärker, reicher, vollkommener, man ist vollkommener ... Wir finden hier die Kunst als organische Funktion: wir finden sie eingelegt in den engelhaftesten Instinkt des Lebens: wir finden sie als größtes Stimulans des Lebens,—Kunst somit, sublim zweckmäßig auch noch darin, daß sie lügt ... Aber wir würden irren, bei ihrer Kraft zu lügen stehen zu bleiben: sie thut mehr als bloß imaginiren, sie verschiebt selbst die Werthe. Und nicht nur daß sie das Gefühl der Werthe verschiebt ... Der Liebende ist mehr werth, ist stärker. Bei den Thieren treibt dieser Zustand neue Stoffe, Pigmente, Farben und Formen heraus: vor allem neue Bewegungen, neue Rythmen, neue Locktöne und Verführungen. Beim Menschen ist es nicht anders. Sein Gesammthaushalt ist reicher als je, mächtiger ganzer als im Nichtliebenden. Der Liebende wird Verschwender: er ist reich genug dazu. Er wagt jetzt, wird Abenteurer, wird ein Esel an Großmuth und Unschuld; er glaubt wieder an Gott, er glaubt an die Tugend weil er an die Liebe glaubt: und andrerseits wachsen diesem Idioten des Glücks Flügel und neue Fähigkeiten und selbst zur Kunst thut sich ihm die Thüre auf. Rechnen wir aus der Lyrik in Ton und Wort die Suggestion jenes intestinalen Fiebers ab: was bleibt von der Lyrik und Musik übrig? ... L’art pour l’art vielleicht: das virtuose Gequak kaltgestellter Frösche, die in ihrem Sumpfe desperiren ... Den ganzen Rest schuf die Liebe ...

14 [121]

Wille zur Macht psychologisch

Einheitsconception der Psychologie.

Wir sind gewöhnt daran, die Ausgestaltung einer ungeheuren Fülle von Formen verträglich zu halten mit einer Herkunft aus der Einheit.

Daß der Wille zur Macht die primitive Affekt-Form ist, daß alle anderen Affekte nur seine Ausgestaltungen sind:

Daß es eine bedeutende Aufklärung giebt, an Stelle des individuellen “Glücks” nach dem jedes Lebende streben soll, zu setzen Macht: “es strebt nach Macht, nach Mehr in der Macht”—Lust ist nur ein Symptom vom Gefühl der erreichten Macht, eine Differenz-Bewußtheit —

— es strebt nicht nach Lust, sondern Lust tritt ein, wenn es erreicht, wonach es strebt: Lust begleitet, Lust bewegt nicht ...

Daß alle treibende Kraft Wille zur Macht ist, das es keine physische, dynamische oder psychische Kraft außerdem giebt ...

— in unserer Wissenschaft, wo der Begriff Ursache und Wirkung reduzirt ist auf das Gleichungs-Verhältniß, mit dem Ehrgeiz, zu beweisen, daß auf jeder Seite dasselbe Quantum von Kraft ist, fehlt die treibende Kraft: wir betrachten nur Resultate, wir setzen sie als gleich in Hinsicht auf Inhalt an Kraft, wir erlassen uns die Frage der Verursachung einer Veränderung ...

es ist eine bloße Erfahrungssache, daß die Veränderung nicht aufhört: an sich haben wir nicht den geringsten Grund zu verstehen, daß auf eine Ver eine andere folgen müsse. Im Gegentheil: ein erreichter Zustand schiene sich selbst erhalten zu müssen, wenn es nicht ein Vermögen in ihm gebe, eben nicht sich erhalten wollen ...

Der Satz des Spinoza von der Selbsterhaltung müßte eigentlich der Veränderung einen Halt setzen: aber der Satz ist falsch, das Gegentheil ist wahr. Gerade an allem Lebendigen ist am deutlichsten zu zeigen, daß es alles thut, um nicht sich zu erhalten, sondern um mehr zu werden ...

ist “Wille zur Macht” eine Art “Wille” oder identisch mit dem Begriff “Wille”? heißt es so viel als begehren? oder commandiren?

ist es der “Wille,” von dem Schopenhauer meint, er sei das “An sich der Dinge”?

: mein Satz ist: daß Wille der bisherigen Psychologie, eine ungerechtfertigte Verallgemeinerung ist, daß es diesen Willen gar nicht giebt, daß statt die Ausgestaltung Eines bestimmten Willens in viele Formen zu fassen, man den Charakter des Willens weggestrichen hat, indem man den Inhalt, das Wohin? heraus subtrahirt hat

: das ist im höchsten Grade bei Schopenhauer der Fall: das ist ein bloßes leeres Wort, was er “Wille” nennt. Es handelt sich noch weniger um einen “Willen zum Leben”: denn das Leben ist bloß ein Einzelfall des Willens zur Macht,—es ist ganz willkürlich zu behaupten, daß Alles danach strebe, in diese Form des Willens zur Macht überzutreten

14 [122]

Zur Erkenntnisstheorie: bloß empirisch:

Es giebt weder “Geist,” noch Vernunft, noch Denken, noch Bewußtsein, noch Seele, noch Wille, noch Wahrheit: alles Fiktionen, die unbrauchbar sind. Es handelt sich nicht um “Subjekt und Objekt” sondern um eine bestimmte Thierart, welche nur unter einer gewissen relativen Richtigkeit, vor allem Regelmäßigkeit ihrer Wahrnehmungen (so daß sie Erfahrung capitalisiren kann) gedeiht ...

Die Erkenntniß arbeitet als Werkzeug der Macht. So liegt es auf der Hand, daß sie wächst mit jedem Mehr von Macht ...

Sinn der “Erkenntniß”: hier ist, wie bei “gut” oder “schön,” der Begriff streng und eng anthropocentrisch und biologisch zu nehmen. Damit eine bestimmte Art sich erhält—und wächst in ihrer Macht—, muß sie in ihrer Conception der Realität so viel Berechenbares und Gleichbleibendes erfassen, daß darauf hin ein Schema ihres Verhaltens construirt werden kann. Die Nützlichkeit der Erhaltung, nicht irgend ein abstrakttheoretisches Bedürfniß, nicht betrogen zu werden, steht als Motiv hinter der Entwicklung der Erkenntnißorgane ... sie entwickeln sich so, daß ihre Beobachtung genügt, uns zu erhalten. Anders: das Maß des Erkennenwollens hängt ab von dem Maß des Wachsens des Willens zur Macht der Art: eine Art ergreift so viel Realität, um über sie Herr zu werden, um sie in Dienst zu nehmen.



der mechanistische Begriff der Bewegung ist bereits eine Übersetzung des Original-Vorgangs in die Zeichensprache von Auge und Getast.

der Begriff “Atom” die Unterscheidung zwischen einem “Sitz der treibenden Kraft und ihr selber” ist eine Zeichensprache aus unserer logisch-psychischen Welt her.

Es steht nicht in unserem Belieben, unser Ausdrucksmittel zu verändern: es ist möglich, zu begreifen, in wiefern es bloße Semiotik ist.

Die Forderung einer adäquaten Ausdrucksweise ist unsinnig: es liegt im Wesen einer Sprache, eines Ausdrucksmittels, eine bloße Relation auszudrücken ... Der Begriff “Wahrheit” ist widersinnig ... das ganze Reich von “wahr” “falsch” bezieht sich nur auf Relationen zwischen Wesen, nicht auf das “An sich” .. Unsinn: es giebt kein “Wesen an sich,” die Relationen constituiren erst Wesen, so wenig es eine “Erkenntniß an sich” geben kann ...

14 [123]

Gegenbewegung

Anti-Darwin.

Was mich beim Überblick über die großen Schicksale des Menschen am meisten überrascht ist, immer das Gegentheil vor Augen zu sehen von dem, was heute Darwin mit seiner Schule sieht oder sehen will: die Selektion zu Gunsten der Stärkeren, Besser-Weggekommenen, den Fortschritt der Gattung. Gerade das Gegentheil greift sich mit Händen: das Durchstreichen der Glücksfälle, die Unnützlichkeit der höher gerathenen Typen, das unvermeidliche Herr-werden der mittleren, selbst der untermittleren Typen. Gesetzt, daß man uns nicht den Grund aufzeigt, warum der Mensch die Ausnahme unter den Creaturen ist, neige ich zum Vorurtheil, daß die Schule Darwins sich überall getäuscht hat. Jener Wille zur Macht, in dem ich den letzten Grund und Charakter aller Veränderung wieder erkenne, giebt uns das Mittel in die Hand, warum gerade die Selektion zu Gunsten der Ausnahmen und Glücksfälle nicht statt hat: die Stärksten und Glücklichsten sind schwach, wenn sie organisirte Heerdeninstinkte, wenn sie die Furchtsamkeit der Schwachen, der Überzahl gegen sich haben. Mein Gesammtaspekt der Welt der Werthe zeigt, daß in den obersten Werthen, die über der Menschheit heute aufgehängt sind, nicht die Glücksfälle, die Selektions-Typen, die Oberhand: vielmehr die Typen der décadence—vielleicht giebt es nichts Interessanteres in der Welt als dies unerwünschte Schauspiel ....

So seltsam es klingt: man hat die Starken immer zu bewaffnen gegen die Schwachen; die Glücklichen gegen die Mißglückten; die Gesunden gegen die Verkommenden und Erblich-Belasteten. Will man die Realität zur Moral formuliren: so lautet diese Moral: die Mittleren sind mehr werth als die Ausnahmen, die Decadenz-Gebilde mehr als die Mittleren, der Wille zum Nichts hat die Oberhand über den Willen zum Leben—und das Gesammtziel ist

nun, christlich, buddhistisch, schopenhauerisch ausgedrückt:

besser nicht sein als sein

Gegen die Formulirung der Realität zur Moral empöre ich mich: deshalb perhorrescire ich das Christenthum mit einem tödtlichen Haß, weil es die sublimen Worte und Gebärden schuf, um einer schauderhaften Wirklichkeit den Mantel des Rechts der Tugend, der Göttlichkeit zu geben ...

Ich sehe alle Philosophen, ich sehe die Wissenschaft auf den Knien vor der Realität vom umgekehrten Kampf ums Dasein, als ihn die Schule Darwins lehrt—nämlich überall die obenauf, die übrigbleibend, die das Leben, den Werth des Lebens compromittiren.— Der Irrthum der Schule Darwins wurde mir zum Problem: wie kann man blind sein, um gerade hier falsch zu sehen? ... Daß die Gattungen einen Fortschritt darstellen, ist die unvernünftigste Behauptung von der Welt: einstweilen stellen sie ein Niveau dar, —

daß die höheren Organismen aus den niederen sich entwickelt haben, ist durch keinen Fall bisher bezeugt —

ich sehe, daß die niederen durch die Menge, durch die Klugheit, durch die List im Übergewicht sind—ich sehe nicht, wie eine zufällige Veränderung einen Vortheil abgiebt, zum Mindesten nicht für eine so lange Zeit, diese w wieder ein neues Motiv, zu erklären, w eine zufällige Veränderung derartig stark geworden ist —

— ich finde die “Grausamkeit der Natur,” von der man so viel redet, an einer anderen Stelle: sie ist grausam gegen ihre Glückskinder, sie schont und schützt und liebt les humbles—ganz wie

* * *

In summa: das Wachsthum der Macht einer Gattung ist durch die Präponderanz ihrer Glückskinder, ihrer Starken vielleicht weniger garantirt als durch die Präponderanz der mittleren und niederen Typen ... In letzteren ist die große Fruchtbarkeit, die Dauer; mit ersteren wächst die Gefahr, die rasche Verwüstung, die schnelle Zahl-Verminderung.

* * *

14 [124]

Gegenbewegung

Vom Ursprung der Religion

In derselben Weise, in der jetzt noch der ungebildete Mensch daran glaubt, der Zorn sei die Ursache davon, wenn er zürnt, der Geist davon, daß er denkt, die Seele davon, daß er fühlt, kurz so wie auch jetzt noch unbedenklich eine Masse von psychologischen Entitäten angesetzt wird welche Ursachen sein sollen: so hat der Mensch auf einer noch naiveren Stufe eben dieselben Erscheinungen mit Hülfe von psychologischen Personal-Entitäten erklärt. Die Zustände, die ihm fremd, hinreißend, überwältigend schienen, legte er sich als Obsession und Verzauberung unter der Macht einer Person zurecht. So führt der Christ, die heute am meisten naive und zurückgebildete Art Mensch, die Hoffnung, die Ruhe, das Gefühl der “Erlösung” auf ein psychologisches Inspiriren Gottes zurück: bei ihm, als einem wesentlich leidenden und beunruhigten Typus erscheinen billigerweise die Glücks- Erhebungs- und Ruhegefühle als das Fremde, als das der Erklärung Bedürftige. Unter klugen, starken und lebensvollen Rassen erregte am meisten der Epileptische die Überzeugung, daß hier eine fremde Macht im Spiel ist; aber auch jede verwandte Unfreiheit, z.B. die des Begeisterten, des Dichters, des großen Verbrechers, der Passionen wie Liebe und Rache dient zur Erfindung von außermenschlichen Mächten. Man concrescirt einen Zustand in eine Person: und behauptet, dieser Zustand, wenn er an uns auftritt, sei die Wirkung jener Person. Mit anderen Worten: in der psychologischen Gottbildung wird ein Zustand, um Wirkung zu sein, als Ursache personifizirt.

Die psychologische Logik ist die: das Gefühl der Macht, wenn es plötzlich und überwältigend den Menschen überzieht,—und das ist in allen großen Affekten der Fall—erregt ihm einen Zweifel an seiner Person: er wagt sich nicht als Ursache dieses erstaunlichen Gefühls zu denken—und so setzt er eine stärkere Person, eine Gottheit für diesen Fall an.

In summa: der Ursprung der Religion liegt in den extremen Gefühlen der Macht, welche als fremd den Menschen überraschen: und dem Kranken gleich, der ein Glied zu schwer und seltsam fühlt und zum Schluß kommt, daß ein anderer Mensch über ihm liege, legt sich der naive homo religiosus in mehrere Personen auseinander. Die Religion ist ein Fall der “altération de la personnalité.” Eine Art Furcht- und Schreckgefühl vor sich selbst ...

Aber ebenso ein außerordentliches Glücks- und Höhengefühl ...

unter Kranken genügt das Gesundheits-Gefühl, um an Gott, an die Nähe Gottes zu glauben

14 [125]

Rudimentäre Psychologie des religiösen Menschen

alle Veränderungen sind Wirkungen,

alle Wirkungen sind Willens-Wirkungen. Der Begriff “Natur,” “Naturgesetz” fehlt.

zu allen Wirkungen gehört ein Thäter

rudimentäre Psychologie: man ist selber nur in dem Falle Ursache, wo man weiß, daß man gewollt hat.

Folge: die Zustände der Macht imputiren dem Menschen das Gefühl, nicht die Ursache zu sein, unverantwortlich dafür zu sein

: sie kommen, ohne gewollt zu sein: folglich sind wir nicht die Urheber

: der unfreie Wille (d.h. das Bewußtsein einer Veränderung mit uns, ohne daß wir sie gewollt haben) bedarf eines fremden Willens

Consequenz: der Mensch hat alle seine starken und erstaunlichen Momente nicht gewagt, sich zuzurechnen,—er hat sie als “passiv,” als “erlitten” als Überwältigungen concipirt

: die Religion ist eine Ausgeburt eines Zweifels an der Einheit der Person, eine altération der Persönlichkeit

: insofern alles Große und Starke vom Menschen als übermenschlich als fremd concipirt wurde, verkleinerte sich der Mensch,—er legte die zwei Seiten, eine sehr erbärmliche und schwache und eine sehr starke und erstaunliche in zwei Sphären auseinander, hieß die erste “Mensch,” die zweite “Gott.”

Er hat das immer fortgesetzt, er hat, in der Periode der moral Idiosynkrasie, seine hohen und sublimen Moral-Zustände nicht als “gewollt,” als “Werk” der Person ausgelegt. Auch der Christ legt seine Person in eine mesquine und schwache Fiktion, die er Mensch nennt und eine andere, die er Gott (Erlöser, Heiland) nennt auseinander —

Die Religion hat den Begriff “Mensch” erniedrigt; ihre extreme Consequenz ist, daß alles Gute, Große, Wahre übermenschlich ist und nur durch eine Gnade geschenkt ...

14 [126]

Gegenbewegung: Religion

Moral als Versuch, den menschlichen Stolz herzustellen

Die Theorie vom “freien Willen” ist antireligiös. Sie will dem Menschen ein Anrecht schaffen, sich für seine hohen Zustände und Handlungen als Ursache denken zu dürfen; sie ist eine Form des wachsenden Stolzgefühls

Der Mensch fühlt seine Macht, sein “Glück,” wie man sagt: es muß “Wille” sein vor diesem Zustand,—sonst gehört er ihm nicht an

die Tugend ist der Versuch, ein Faktum von Wollen und Gewollt-haben, als nothwendiges Antecedens vor jedes hohe und starke Glücksgefühl zu setzen

wenn regelmäßig der Wille zu gewissen Handlungen im Bewußtsein vorhanden ist, so darf ein Machtgefühl als dessen Wirkung ausgelegt werden

Das ist eine bloße Optik der Psychologie: immer unter der falschen Voraussetzung, daß uns nichts zugehört, was wir nicht als gewollt im Bewußtsein haben

Die ganze Verantwortlichkeitslehre hängt an dieser naiven Psychologie, daß nur der Wille Ursache ist und daß man wissen muß, gewollt zu haben, um sich als Ursache glauben zu dürfen

der Mensch darf nur vor sich Achtung haben, sofern er tugendhaft ist.

Kommt die Gegenbewegung: die der Moralphilosophen, immer noch unter dem gleichen Vorurtheile, daß man nur für etwas verantwortlich ist das man gewollt hat.

Der Werth des Menschen als moralischer Werth angesetzt: folglich muß seine Moralität eine causa prima sein

folglich muß ein Princip im Menschen sein, ein “freier Wille” als causa prima

Hier ist immer der Hintergedanke: wenn der Mensch nicht causa prima ist als Wille, so ist er unverantwortlich,—folglich gehört er gar nicht vor das moralische Forum,—die Tugend oder das Laster wären automatisch oder machinal ...

In summa: damit der Mensch vor sich Achtung haben kann, muß er fähig sein, auch böse zu werden

14 [127]

Eine Form der Religion, um den Volks-Stolz herzustellen

Ein andrer Weg, den Menschen aus seiner Erniedrigung zu ziehen, welche der Abgang der hohen und starken Zustände, wie als fremder Zustände, mit sich brachte, war die Verwandtschafts-Theorie

: diese hohen und starken Zustände konnten wenigstens als Einwirkungen unserer Vorfahren ausgelegt werden, wir gehörten zu einander, solidarisch, wir wachsen in unseren eigenen Augen, indem wir nach uns bekannter Norm handeln.

Versuch, vornehmer Familien, die Religion mit ihrem Selbstgefühl auszugleichen

Die Transfiguration, die zeitweilige Metamorphose

— Dasselbe thun die Dichter und Seher, sie fühlen sich stolz, gewürdigt und auserwählt zu sein zu solchem Verkehre,—sie legen Werth darauf, als Individuen gar nicht in Betracht zu kommen, bloße Mundstücke zu sein (Homer)

Noch eine Form der Religion. Der Gott wählt aus, der Gott wird Mensch, oder Gott wohnt mit Menschen zusammen und hinterläßt große Wohlthaten, die Ortslegende, als “Drama” ewig dargestellt

Schrittweises Besitz-ergreifen von seinen hohen und stolzen Zuständen, Besitz-ergreifen von seinen Handlungen und Werken

— ehedem glaubte man sich zu ehren, wenn man für die höchsten Dinge, die man that, sich nicht verantwortlich wußte, sondern—Gott —

die Unfreiheit des Willens galt als das, was einer Handlung einen höheren Werth verlieh: damals war ein Gott zu ihrem Urheber gemacht ...

14 [128]

Wille zur Macht—Moral

Die Schauspielerei als Folge der Moral des “freien Willens”

Es ist ein Schritt in der Entwicklung des Machtgefühls selbst, seine hohen Zustände (seine Vollkommenheit) selber auch verursacht zu haben—folglich, schloß man sofort, gewollt zu haben ...

Kritik: alles vollkommene Thun ist gerade unbewußt und nicht mehr gewollt, das Bewußtsein drückt einen unvollkommenen und oft krankhaften Personalzustand aus. Die persönliche Vollkommenheit als bedingt durch Willen, als Bewußtheit, als Vernunft mit Dialektik ist eine Carikatur, eine Art von Selbstwiderspruch ... Der Grad von Bewußtsein macht ja die Vollkommenheit unmöglich ... Form der Schauspielerei.

14 [129]

Philosophie als décadence

Warum Alles auf Schauspielerei hinauskam.

Die rudimentäre Psychologie, welche nur die bewußten Momente des Menschen rechnete, als Ursachen, welche “Bewußtheit” als Attribut der Seele nahm, welche einen Willen (d.h. eine Absicht) hinter allem Thun suchte

: sie hatte nur nöthig zu antworten: erstens, was will der Mensch?

Antwort: das Glück (—man durfte nicht sagen “Macht”: das wäre unmoralisch gewesen)—folglich ist in allem Handeln des Menschen eine Absicht, mit ihm das Glück zu erreichen —

zweitens, wenn thatsächlich der Mensch das Glück nicht erreicht, woran liegt es? An den Fehlgriffen in Bezug auf die Mittel.

Welches ist unfehlbar das Mittel zum Glück? Antwort: die Tugend.

Warum die Tugend? Weil sie die höchste Vernünftigkeit, und weil Vernünftigkeit den Fehler unmöglich macht, sich in den Mitteln zu vergreifen

als Vernunft ist die Tugend der Weg zum Glück ...

die Dialektik ist das beständige Handwerk der Tugend, weil sie alle Trübung des Intellekts, alle Affekte ausschließt

Thatsächlich will der Mensch nicht das “Glück” ...

Lust ist ein Gefühl von Macht: wenn man die Affekte ausschließt, so schließt man die Zustände aus, die am höchsten das Gefühl der Macht, folglich Lust geben.

die höchste Vernünftigkeit ist ein kalter, klarer Zustand, der fern davon ist, jenes Gefühl von Glück zu geben, das der Rausch jeder Art mit sich bringt ...

die antiken Phil bekämpften alles, was berauscht,—was die absolute Kälte und Neutralität des Bewußtseins beeinträchtigt ...

sie waren consequent, auf Grund ihrer falschen Voraussetzung: daß Bewußtsein der hohe, der oberste Zustand sei, die Voraussetzung der Vollkommenheit,

während das Gegentheil wahr ist

Soweit gewollt wird, soweit gewußt wird, giebt es keine Vollkommenheit im Thun irgendwelcher Art. Die antiken Philosophen waren die größten Stümper der Praxis, weil sie sich theoretisch verurtheilten, zur Stümperei ... In praxi lief Alles auf Schauspielerei hinaus:—und wer dahinter kam, Pyrrho z.B., urtheilte wie Jedermann, nämlich daß in der Güte und Rechtschaffenheit die “kleinen Leute” den Philosophen weit über sind

Alle tieferen Naturen des Alterthums haben Ekel an den Philosophen der Tugend gehabt:

man sah Streithämmel und Schauspieler in ihnen.

Urtheil über Platoseitens Epikurs
 seitens Pyrrhos

Resultat: in der Praxis des Lebens, in der Geduld, Güte und gegenseitigen Förderung sind ihnen die kleinen Leute über: ungefähr das Urtheil, wie es Dostojewsky oder Tolstoi für seine Moujik’s in Anspruch nimmt: sie sind philosophischer in der Praxis, sie haben eine beherztere Art, mit dem Nothwendigen fertig zu werden ...

14 [130]

Gegenbewegung: Religion

Moral als décadence

Reaktion der kleinen Leute:

das höchste Gefühl der Macht giebt die Liebe

Zu begreifen, in wiefern hier nicht der Mensch überhaupt, sondern eine Art Mensch redet. Diese ist näher auszugraben

“wir sind göttlich in der Liebe, wir werden ‘Kinder Gottes,’ Gott liebt uns und will gar nichts von uns, als Liebe”

das heißt: alle Moral, alles Gehorchen und Thun, bringt nicht jenes Gefühl von Macht und Freiheit hervor, wie es die Liebe hervorbringt

— aus Liebe thut man nichts Schlimmes, man thut viel mehr als man aus Gehorsam und Tugend thäte —

— hier ist das Heerdenglück, das Gemeinschafts-Gefühl im Großen und Kleinen, das lebendige Eins-Gefühl als Summe des Lebensgefühls empfunden

— das Helfen und Sorgen und Nützen erregt fortwährend das Gefühl der Macht, der sichtbare Erfolg, der Ausdruck der Freude unterstreicht das Gefühl der Macht

— der Stolz fehlt nicht, als Gemeinde, als Wohnstätte Gottes, als “Auserwählte.” —

Thatsächlich hat der Mensch nochmals eine Alteration der Persönlichkeit erlebt: dies Mal nannte er sein Liebesgefühl Gott

man muß ein Erwachen eines solchen Gefühls sich denken, eine Art Entzücken, eine fremde Rede, ein “Evangelium” —

diese Neuheit war es, welche ihm nicht erlaubte, sich die Liebe zuzurechnen—: er meinte, daß Gott vor ihm wandele, und in ihm lebendig geworden sei —

“Gott kommt zu den Menschen,” der “Nächste” wird transfigurirt, in einen Gott (insofern an ihm das Gefühl der Liebe sich auslöst) Jesus ist der Nächste, so wie dieser zur Gottheit, zur Machtgefühl erregenden Ursache umgedacht wurde.

14 [131]

Wissenschaft und Philosophie

Wissenschaftlichkeit: als Dressur oder als Instinkt.

Bei den griechischen Philosophen sehe ich einen Niedergang der Instinkte: sonst hätten sie nicht dermaßen fehlgreifen können, den bewußten Zustand als den werthvolleren anzusetzen

die Intensität des Bewußtseins steht im umgekehrten Verhältniß zur Leichtigkeit und Schnelligkeit der cerebralen Übermittlung.

Dort regierte die umgekehrte Meinung über den Instinkt: was immer das Zeichen geschwächter Instinkte ist.

Wir müssen in der That das vollkommene Leben dort suchen, wo es am wenigsten mehr bewußt wird (d.h. seine Logik, seine Gründe, seine Mittel und Absichten, seine Nützlichkeit sich vorführt)

Die Rückkehr zur Thatsache des bon sens, des bon homme, der “kleinen Leute” aller Art

einmagazinirte Rechtschaffenheit und Klugheit seit Geschlechtern, die sich niemals ihrer Principien bewußt wird und selbst einen kleinen Schauder vor Principien hat

das Verlangen nach einer räsonnirenden Tugend ist nicht räsonnabel ... Ein Philosoph ist mit einem solchen Verlangen compromittirt.

14 [132]

Wenn durch Übung in einer langen Geschlechterkette genug Feinheit, Tapferkeit, Vorsicht und Mäßigung aufgesammelt ist, so strahlt die Instinkt-Kraft dieser einverleibten Tugend auch noch ins Geistigste aus—und jenes seltene Phänomen wird sichtbar, die intellektuelle Rechtschaffenheit. Dasselbe ist sehr selten: es fehlt bei den Philosophen.

man kann die Wissenschaftlichkeit oder moralisch ausgedrückt die intellektuelle Rechtschaffenheit eines Denkers, seine Instinkt gewordene Feinheit, Tapferkeit, Vorsicht, Mäßigung, die sich ins Geistigste noch übersetzt, auf eine Goldwage legen: man mache ihn Moral reden ...

und die berühmtesten Philosophen zeigen dann, daß ihre Wissenschaftlichkeit nur erst eine bewußte Sache, ein Ansatz, ein “guter Wille,” eine Mühsal ist—und daß eben im Augenblick, wo ihr Instinkt zu reden beginnt, wo sie moralisiren, es zu Ende mit der Zucht und Feinheit ihres Gewissens

die Wissenschaftlichkeit, ob bloße Dressur und Außenseite oder Endresultat einer langen Zucht und Moral-Übung:

im ersten Falle vikarirt sie sofort, wenn der Instinkt redet (z.B. der religiöse oder der Pflichtbegriffs-Instinkt)

im anderen Falle steht sie an Stelle dieser Instinkte und läßt sie nicht mehr zu, empfindet sie als Unsauberkeit und Verführungen ...

14 [132]

Wenn durch Übung in einer langen Geschlechterkette genug Feinheit, Tapferkeit, Vorsicht und Mäßigung aufgesammelt ist, so strahlt die Instinkt-Kraft dieser einverleibten Tugend auch noch ins Geistigste aus—und jenes seltene Phänomen wird sichtbar, die intellektuelle Rechtschaffenheit. Dasselbe ist sehr selten: es fehlt bei den Philosophen.

man kann die Wissenschaftlichkeit oder moralisch ausgedrückt die intellektuelle Rechtschaffenheit eines Denkers, seine Instinkt gewordene Feinheit, Tapferkeit, Vorsicht, Mäßigung, die sich ins Geistigste noch übersetzt, auf eine Goldwage legen: man mache ihn Moral reden ...

und die berühmtesten Philosophen zeigen dann, daß ihre Wissenschaftlichkeit nur erst eine bewußte Sache, ein Ansatz, ein “guter Wille,” eine Mühsal ist—und daß eben im Augenblick, wo ihr Instinkt zu reden beginnt, wo sie moralisiren, es zu Ende mit der Zucht und Feinheit ihres Gewissens

die Wissenschaftlichkeit, ob bloße Dressur und Außenseite oder Endresultat einer langen Zucht und Moral-Übung:

im ersten Falle vikarirt sie sofort, wenn der Instinkt redet (z.B. der religiöse oder der Pflichtbegriffs-Instinkt)

im anderen Falle steht sie an Stelle dieser Instinkte und läßt sie nicht mehr zu, empfindet sie als Unsauberkeit und Verführungen ...

14 [133]

Anti-Darwin

Die Domestikation des Menschen: welchen definitiven Werth kann sie haben? oder hat überhaupt eine Domestikation einen definitiven Werth?— Man hat Gründe, dies letztere zu leugnen.

Die Schule Darwins macht zwar große Anstrengung, uns zum Gegentheil zu überreden: sie will, daß die Wirkung der Domestikation tief, ja fundamental werden kann. Einstweilen halten wir am Alten fest: es hat sich Nichts bisher bewiesen, als eine ganz oberflächliche Wirkung durch Domestikation—oder aber die Degenerescenz. Und Alles, was der menschlichen Hand und Züchtung entschlüpft, kehrt fast sofort wieder in seinen Natur-Zustand zurück. Der Typus bleibt constant: man kann nicht “dénaturer la nature.”

Man rechnet auf den Kampf um die Existenz den Tod der schwächlichen Wesen und das Überleben der Robustesten und Bestbegabten; folglich imaginirt man ein beständiges Wachsthum der Vollkommenheit für die Wesen. Wir haben uns umgekehrt versichert, daß, in dem Kampfe um das Leben, der Zufall den Schwachen so gut dient, wie den Starken, daß die List die Kraft oft mit Vortheil sich supplirt, daß die Fruchtbarkeit der Gattungen in einem merkwürdigen Rapport zu den Chancen der Zerstörung steht ...

Man theilt der natürlichen Selection zugleich langsame und unendliche Metamorphosen zu: man will glauben, daß jeder Vortheil sich vererbt und sich in abfolgenden Geschlechtern immer stärker ausdrückt (während die Erblichkeit so capriciös ist ...); man betrachtet die glücklichen Anpassungen gewisser Wesen an sehr besondere Lebensbedingungen und man erklärt, daß sie durch den Einfluß der milieux erlangt sind. Man findet aber Beispiele der unbewußten Selection nirgendswo (ganz und gar nicht) Die disparatesten Individuen einigen sich, die extremen mischen sich in die Masse. Alles concurrirt, den Typus aufrecht zu erhalten; Wesen, die äußere Zeichen haben, die sie gegen gewisse Gefahren schützen, verlieren dieselben nicht, wenn sie unter Umstände kommen, wo sie ohne Gefahr leben ... Wenn sie Orte bewohnen, wo das Kleid aufhört, sie zu verbergen, nähern sie sich keineswegs dem Milieu an.

Man hat die Auslese der Schönsten in einer Weise übertrieben, wie sie weit über den Schönheitstrieb unserer eigenen Rasse hinausgeht! Thatsächlich paart sich das Schönste mit sehr enterbten Creaturen, das Größte mit dem Kleinsten. Fast immer sehen wir Männchen und Weibchen jeder zufälligen Begegnung profitiren und sich ganz und gar nicht wählerisch zeigen.

Modifikation durch Clima und Nahrung. Aber in Wahrheit absolut gleichgültig.

Es giebt keine Übergangsformen ..

Verschiedene Arten auf Eine zurückgeführt. Die Erfahrung sagt, daß die Einigung zur Sterilität verurtheilt und Ein Typus wieder Herr wird.

Man behauptet die wachsende Entwicklung der Wesen. Es fehlt jedes Fundament. Jeder Typus hat seine Grenze: über diese hinaus giebt es keine Entwicklung. Bis dahin absolute Regelmäßigkeit.

Die primitiven Wesen sollen die Vorfahren der jetzigen sein. Aber ein Blick auf die fauna und flora der Tertiärperiode erlaubt uns nur wie an ein noch unerforschtes Land zu denken, wo es Typen giebt, die anderwärts nicht existiren und einander verwandt und selbst die, die anderwärts existiren.

Meine Consequenzen

Meine Gesammtansicht.— Erster Satz: der Mensch als Gattung ist nicht im Fortschritt. Höhere Typen werden wohl erreicht, aber sie halten sich nicht. Das Niveau der Gattung wird nicht gehoben.

Zweiter Satz: der Mensch als Gattung stellt keinen Fortschritt im Vergleich zu irgend einem anderen Thier dar. Die gesammte Thier- und Pflanzenwelt entwickelt sich nicht vom Niederen zum Höheren ... Sondern Alles zugleich, und übereinander und durcheinander und gegeneinander.

Die reichsten und complexesten Formen—denn mehr besagt das Wort “höherer Typus” nicht—gehen leichter zu Grunde: nur die niedrigsten halten eine scheinbare Unvergänglichkeit fest. Erstere werden selten erreicht und halten sich mit Noth oben: letztere haben eine comprimittirende Fruchtbarkeit für sich.— Auch in der Menschheit gehen unter wechselnder Gunst und Ungunst die höheren Typen, die Glücksfälle der Entwicklung, am leichtesten zu Grunde.

Sie sind jeder Art von décadence ausgesetzt: sie sind extrem, und damit selbst beinahe schon décadents ... Die kurze Dauer der Schönheit, des Genies, des Caesar, ist sui generis: dergleichen vererbt sich nicht. Der Typus vererbt sich; ein Typus ist nichts Extremes, kein “Glücksfall” ...

Das liegt an keinem besonderen Verhängniß und “bösen Willen” der Natur, sondern einfach am Begriff “höherer Typus”: der höhere Typus stellt eine unvergleichlich größere Complexität,—eine größere Summe coordinirter Elemente dar: damit wird auch die Disgregation unvergleichlich wahrscheinlicher.

Das “Genie” ist die sublimste Maschine, die es giebt,—folglich die zerbrechlichste.

Dritter Satz: die Domestikation (“die Cultur”) des Menschen geht nicht tief ... Wo sie tief geht, ist sie sofort die Degenerescenz (Typus: der Christ) Der “wilde” Mensch (oder, moralisch ausgedrückt: der böse Mensch) ist seine Rückkehr zur Natur—und, in gewissem Sinne,—seine Wiederherstellung, seine Heilung von der “Cultur” ...

14 [134]

Philosophie als décadence

Warum die Philosophen Verleumder sind?

Die tückische und blinde Feindseligkeit der Philosophen gegen die Sinne

Die Sinne sind es nicht, die täuschen! —

— unsere Nase, von der, soviel ich weiß, noch nie ein Philosoph mit Ehrerbietung gesprochen hat, ist einstweilen das delikateste physikalische Instrument, das es giebt: es vermag noch Schwingungen zu constatiren, wo selbst das Spektroscop ohnmächtig ist.

Wie viel Pöbel und Biedermann ist in all diesem Haß!

Das Volk betrachtet einen Mißbrauch, von dem es schlechte Folgen fühlt, immer als Einwand gegen das, was mißbraucht worden ist: alle aufständischen Bewegungen gegen Principien, sei es im Gebiete der Politik, oder der Wirthschaft, argumentiren immer so, mit dem Hintergedanken, einen abusus als dem Princip nothwendig und inhärent darzustellen.

Das ist eine jammervolle Geschichte: der Mensch sucht nach einem Princip, von wo aus er den Menschen verachten kann,—er erfindet eine Welt, um diese Welt verleumden und beschmutzen zu können: thatsächlich greift er jedes Mal nach dem Nichts, und construirt das Nichts zum “Gott”, zur “Wahrheit”, und jedenfalls zum Richter und Verurtheiler dieses Seins ...

Wenn man einen Beweis dafür haben will, wie tief und gründlich die eigentlich barbarischen Bedürfnisse des Menschen auch noch in seiner Zähmung und “Civilisation” Befriedigung suchen: so sehe man die “Leitmotive” der ganzen Entwicklung der Philosophie an. Eine Art Rache an der Wirklichkeit, ein heimtückisches Zugrunderichten der Werthung, in der der Mensch lebt, eine unbefriedigte Seele, die die Zustände der Zähmung als Tortur empfindet und an einem krankhaften Aufdröseln aller Bande, die mit ihr verbinden, ihre Wollust hat.

Die Geschichte der Philosophie ist ein heimliches Wüthen gegen die Voraussetzungen des Lebens, gegen die Werthgefühle des Lebens, gegen das Parteinehmen zu Gunsten des Lebens. Die Philosophen haben nie gezögert, eine Welt zu bejahen, vorausgesetzt, daß sie dieser Welt widerspricht, daß sie eine Handhabe abgiebt, von dieser Welt schlecht zu reden. Es war bisher die große Schule der Verleumdung: und sie hat so sehr imponirt, daß heute noch unsere sich als Fürsprecherin des Lebens gebende Wissenschaft die Grundposition der Verleumdung acceptirt hat und diese Welt als scheinbar, diese Ursachenkette als bloß phänomenal handhabt. Was haßt da eigentlich? ...

Ich fürchte, es ist immer die Circe der Philosophen, die Moral, welche ihnen diesen Streich gespielt, zu allen Zeiten Verleumder sein zu müssen ... Sie glaubten an die moralischen “Wahrheiten”, sie fanden da die obersten Werthe,—was blieb ihnen übrig, als, je mehr sie das Dasein begriffen, um so mehr zu ihm Nein zu sagen? ... denn dieses Dasein ist unmoralisch ... Und dieses Leben ruht auf unmoralischen Voraussetzungen: und alle Moral verneint das Leben —

— Schaffen wir die wahre Welt ab: und, um dies zu können, haben wir die bisherigen obersten Werthe abzuschaffen, die Moral ...

Es genügt nachzuweisen, daß auch die Moral unmoralisch ist, in dem Sinne, in dem das Unmoralische bis jetzt verurtheilt worden ist. Ist auf diese Weise die Tyrannei der bisherigen Werthe gebrochen, haben wir die “wahre Welt” abgeschafft, so wird eine neue Ordnung der Werthe von selbst folgen müssen.

NB NB. Die scheinbare Welt und die erlogene Welt: ist der Gegensatz: letztere hieß bisher die “wahre Welt”, die “Wahrheit”, “Gott”. Diese haben wir abzuschaffen.

14 [135]

Logik meiner Conception:

1.Moral als oberster Werth (Herrin über alle Phasen der Philosophie, selbst der Skeptiker): Resultat: diese Welt taugt nichts, sie ist nicht die “wahre Welt”
2.Was bestimmt hier den obersten Werth? Was ist eigentlich Moral?

Der Instinkt der décadence, es sind die Erschöpften und Enterbten, die auf diese Weise Rache nehmen

Historischer Nachweis: die Philosophen sind immer décadents ... im Dienste der nihilistischen Religionen.
3.Der Instinkt der décadence, der als Wille zur Macht auftritt.

Beweis: die absolute Unmoralität der Mittel in der ganzen Geschichte der Moral.
  
IIWir haben in der ganzen Beweg nur einen Spezialfall des Willens zur Macht erkannt.

14 [136]

Der Wille zur Macht.
Versuch
einer Umwerthung aller Werthe.

I.
Kritik der bisherigen Werthe.

II.
Das neue Princip des Werths.
Morphologie des “Willens zur Macht”

III.
Frage vom Werthe unserer modernen Welt
: gemessen nach diesem Princip

IV.
Der grosse Krieg.

14 [137]

Erstes Buch.
welche Werthe bisher obenauf waren.

1. Moral als oberster Werth, in allen Phasen der Philosophie (selbst bei den Skeptikern)

Resultat: diese Welt taugt nichts, es muß eine “wahre Welt” geben

2. Was bestimmt hier eigentlich den obersten Werth? Was ist eigentlich Moral? Der Instinkt der décadence, es sind die Erschöpften und Enterbten, die auf diese Weise Rache nehmen und die Herren machen ...

Historischer Nachweis: die Philosophen immer décadents, immer im Dienste der nihilistischen Religionen.

3. Der Instinkt der décadence, der als Wille zur Macht auftritt. Vorführung seines Systems der Mittel: absolute Unmoralität der Mittel.

Gesammtansicht: die bisherigen obersten Werthe sind ein Spezialfall des Willens zur Macht; die Moral selbst ist ein Spezialfall der Unmoralität.

Zweites Buch.
warum die gegnerischen Werthe immer unterlagen.

1. Wie war das eigentlich möglich? Frage: warum unterlag das Leben, die physiologische Wohlgerathenheit überall? Warum gab es keine Philosophie des Ja, keine Religion des Ja? ... Die historischen Anzeichen solcher Bewegungen:

die heidnische Religion.Dionysos gegen den “Gekreuzigten”
die Renaissance.Die Kunst

2. Die Starken und die Schwachen: die Gesunden und die Kranken; die Ausnahme und die Regel. Es ist kein Zweifel, wer der Stärkere ist ...

Gesammtaspekt der Geschichte. Ist der Mensch damit eine Ausnahme in der Geschichte des Lebens?— Einsprache gegen den Darwinismus. Die Mittel der Schwachen, um sich oben zu erhalten, sind Instinkte, sind “Menschlichkeit” geworden, sind “Institutionen” ...

3. Nachweis dieser Herrschaft in unseren politischen Instinkten, in unseren socialen Werthurtheilen, in unseren Künsten, in unserer Wissenschaft.

Wir haben zwei “Willen zur Macht” im Kampfe gesehen; im Specialfall: wir haben ein Princip, dem Einen Recht zu geben, der bisher unterlag, und dem, der bisher siegte, Unrecht zu geben: wir haben die “wahre Welt” als eine “erlogene Welt” und die Moral als eine Form der Unmoralität erkannt. Wir sagen nicht: “der Stärkere hat Unrecht” ...

Drittes Buch

was die Ursache aller Werthe und Verschiedenheit der Werthe ist

1.die nihilistischen Werthe sind obenauf
2.die Gegenbewegung ist immer unterlegen,—alsbald entartet ..
3.Die Gegenbewegung bisher nur in halben und entarteten Formen bekannt.
 Reinigung und Wiederherstellung ihres Typus.
 Präciser Ausdruck des Systems:
Psychologie
Historie
Kunst
Politik

14 [138]

3. Reinigung der bisher unterlegenen Werthe

Wir haben begriffen, was bisher den obersten Werth bestimmt hat

und warum es Herr geworden ist über die gegnerische Werthung:

es war stärker ...

Reinigen wir jetzt die gegnerische Werthung von der Infektion und Halbheit, von der Entartung, in der sie uns allen bekannt ist.

Theorie ihrer Entnatürlichung und Wiederherstellung der Natur: moralinfrei



Erkenntnißtheorie, Wille zur Wahrheit
Theorie der Psychologie
Ursprung der Religion
Ursprung der Kunst
Theorie der Herrschaftsgebilde
Theorie des Lebens
Leben und Natur



Geschichte der Gegenbewegungen:
 Renaissance
 Revolution
 Emancipation der Wissenschaft

14 [139]

Der corrupte und gemischte Zustand der Werthe entspricht dem physiologischen Zustand der jetzigen Menschen: Theorie der Modernität

14 [140]

Die Niedergangs-Instinkte sind Herr über die Aufgangs-Instinkte geworden ...

der Wille zum Nichts ist Herr geworden über den Willen zum Leben ..

— ist das wahr? ist nicht vielleicht eine größere Garantie des Lebens, der Gattung in diesem Sieg der Schwachen und Mittleren?

— ist es vielleicht nur ein Mittel in der Gesammtbewegung zum Leben, eine tempo-Verzögerung? eine Nothwehr gegen etwas noch Schlimmeres?

— gesetzt, die Starken wären Herren, in Allem und auch in den Werthschätzungen geworden: ziehen wir die Consequenz, wie sie über Krankheit, Leiden, Opfer denken würden? Eine Selbstverachtung der Schwachen wäre die Folge; sie würden suchen, zu verschwinden und sich auszulöschen ... Und wäre dies vielleicht wünschenswerth? ...

— und möchten wir eigentlich eine Welt, wo die Nachwirkung der Schwachen, ihre Feinheit, Rücksicht, Geistigkeit, Biegsamkeit fehlte? ...

14 [141]

Wissenschaft

Wissenschaft bekämpft von den Philosophen

Das ist außerordentlich. Wir finden von Anfang der griechischen Philosophie an einen Kampf gegen die Wissenschaft, mit den Mitteln einer Erkenntnißtheorie, resp. Skepsis: und wozu? immer zu Gunsten der Moral ...

Der Haß gegen die Physiker und Ärzte

Sokrates, Aristipp, die Megariker, die Cyniker, Epikur, Pyrrho—General-Ansturm gegen die Erkenntniß zu Gunsten der Moral ...

Haß auch gegen die Dialektik ...

Es bleibt ein Problem: sie nähern sich der Sophistik, um die Wissenschaft los zu werden

Andererseits sind die Physiker alle so weit unterjocht, um das Schema der Wahrheit, des wahren Seins in ihre Fundamente aufzunehmen: z.B. das Atom, die 4 Elemente (Juxtaposition eines Seienden, um die Vielheit und Veränderung zu erklären—)

Verachtung gelehrt gegen die Objektivität des Interesses: Rückkehr zu dem praktischen Interesse, zur Personal-Nützlichkeit aller Erkenntniß ...

Der Kampf gegen die Wissenschaft richtet sich gegen
1) deren Pathos (Objektivität),
2) deren Mittel (d.h. gegen deren Nützlichkeit
3) deren Resultate (als kindisch

Es ist derselbe Kampf, der später wieder von Seiten der Kirche, im Namen der Frömmigkeit geführt wird:

: sie erbt das ganze antike Rüstzeug zum Kampfe.

Die Erkenntnißtheorie spielt dabei dieselbe Rolle, wie bei Kant, wie bei den Indern ...

Man will sich nicht drum zu bekümmern haben: man will die Hand behalten für seinen “Weg”

wogegen wehren sie sich eigentlich? Gegen die Verbindlichkeit, gegen die Gesetzlichkeit, gegen die Nöthigung, Hand in Hand zu gehen —

: ich glaube, man nennt das Freiheit ...

Darin drückt sich décadence aus: der Instinkt der Solidarität ist so entartet, daß die Solidarität als Tyrannei empfunden wird:

: sie wollen keine Autorität
 keine Solidarität
 keine Einordnung in Reih und Glied und unend Langsamkeit der Bewegung

sie hassen das Schrittweise, das tempo der Wissenschaft, sie hassen das Nicht-anlangen-wollen, den langen Athem, die Personal-Indifferenz des wissenschaftlichen Menschen —.

14 [142]

Theorie und Praxis

Verhängnißvolle Unterscheidung, wie als ob es einen eigenen Erkenntnißtrieb gäbe, der, ohne Rücksicht auf Fragen des Nutzens und Schadens, blindlings auf die Wahrheit los gienge: und dann, davon abgetrennt, die ganze Welt der praktischen Interessen ...

Dagegen suche ich zu zeigen, welche Instinkte hinter all diesen reinen Theoretikern thätig gewesen sind,—wie sie allesammt fatalistisch im Bann ihrer Instinkte auf Etwas losgiengen, was für sie “Wahrheit” war, für sie und nur für sie. Der Kampf der Systeme, sammt dem der erkenntnißtheoretischen Skrupel, ist ein Kampf ganz bestimmter Instinkte (Formen der Vitalität, des Niedergangs, der Stände, der Rassen usw.)

Der sogenannte Erkenntnißtrieb ist zurückzuführen auf einen Aneignungs- und Überwältigungstrieb: diesem Triebe folgend haben sich die Sinne, das Gedächtniß, die Instinkte usw. entwickelt ...

— die möglichst schnelle Reduktion der Phänomene, die Oekonomie, die Accumulation des erworbenen Schatzes an Erkenntniß (d.h. angeeigneter und handlich gemachter Welt



Die Moral ist deshalb eine so curiose Wissenschaft, weil sie im höchsten Grade praktisch ist: so daß die reine Erkenntnißposition, die wissenschaftliche Rechtschaffenheit sofort preisgegeben wird, sobald die Moral ihre Antworten fordert

Die Moral sagt: ich brauche manche Antworten,—Gründe, Argumente. Scrupel mögen hinterdrein kommen, oder auch nicht —

“Wie soll gehandelt werden?”

Denkt man nun nach, daß man mit einem souverän entwickelten Typus zu thun hat, von dem seit unzähligen Jahrtausenden “gehandelt” worden ist und alles Instinkt, Zweckmäßigkeit, Automatismus, Fatalität geworden ist, so kommt Einem die Dringlichkeit dieser Moral-Frage sogar ganz komisch vor.

“Wie soll gehandelt werden?”— Moral war immer ein Mißverständniß: thatsächlich wollte eine Art, die ein Fatum, so und so zu handeln, im Leibe hatte, sich rechtfertigen, indem sie ihre Norm als Universalnorm aufdekretiren wollte ...

“Wie soll gehandelt werden?” ist keine Ursache, sondern eine Wirkung. Die Moral folgt, das Ideal kommt am Ende.

— Andrerseits verräth das Auftreten der moralischen Skrupel, anders ausgedrückt: das Bewußtwerden der Werthe, nach denen man handelt, eine gewisse Krankhaftigkeit; starke Zeiten und Völker reflektiren nicht über ihr Recht, über Prinzipien zu handeln, über Instinkt und Vernunft —

das Bewußtwerden ist ein Zeichen davon, daß die eigentliche Moralität, d.h. Instinkt-Gewißheit des Handelns, zum Teufel geht ...

Die Moralisten sind, wie jedes Mal, daß eine neue Bewußtseins-Welt geschaffen wird, Zeichen einer Schädigung, Verarmung, Desorganisation —

die Tief-Instinktiven haben eine Scheu vor dem Logisiren der Pflichten: unter ihnen findet man pyrrhonistische Gegner der Dialektik und der Erkennbarkeit überhaupt ... Eine Tugend wird mit “um” widerlegt ...

Thesis: das Auftreten der Moralisten gehört in die Zeiten, wo es zu Ende geht mit der Moralität

Thesis: der Moralist ist ein Auflöser der moralischen Instinkte, so sehr er deren Wiederhersteller zu sein glaubt

Thesis: das, was den Moralisten thatsächlich führt, sind nicht moralische Instinkte, sondern die Instinkte der décadence, übersetzt in die Formeln der Moral: er empfindet das Unsicherwerden der Instinkte als Corruption: thatsächlich

Thesis: die Instinkte der décadence, die durch die Moralisten über die Instinkt-Moral starker Rassen und Zeiten Herr werden wollen, sind

1)die Instinkte der Schwachen und Schlechtweggekommenen
2)die Instinkte der Ausnahmen, der Solitären, der Ausgelösten, des abortus im Hohen und Geringen
3)die Instinkte der Habituell-Leidenden, welche eine noble Auslegung ihres Zustandes brauchen und deshalb so wenig als möglich Physiologen sein dürfen

Moral als décadence

14 [143]

Ein Philosoph ist klug, wenn er “unpraktisch” ist: er erweckt Glauben an seine Ächtheit, Einfalt, Unschuld im Verkehr mit Gedanken,—unpraktisch bedeutet in seinem Falle “objektiv”. Schopenhauer war klug, als er sich einmal mit falsch zugeknöpfter Weste photographiren ließ: er sagte damit: “ich gehöre nicht in diese Welt: was geht einen Philosophen die Convention paralleler Nähte und Knöpfe an! ... Ich bin zu objektiv dafür! ...”



Es genügt nicht zu beweisen, daß man unpraktisch ist: die meisten Philosophen glauben damit genug gethan zu haben, um die Objektivität und Reinheit der Vernunft über allen Zweifel zu erheben.



1. Der angeblich reine Erkenntnißtrieb aller Philosophen ist commandirt durch ihre Moral- “wahrheiten”,—ist nur scheinbar unabhängig ...

2. die “Moralwahrheiten” “so soll gehandelt werden” sind bloße Bewußtseins-Formen eines müde-werdenden Instinkts: “so und so wird bei uns gehandelt”. Das “Ideal” soll einen Instinkt wiederherstellen, stärken: es schmeichelt dem Menschen, gehorsam zu sein, wo er nur Automat ist.

14 [144]

Wo es eine gewisse Einheit in der Gruppirung giebt, hat man immer den Geist als Ursache dieser Coordination gesetzt: wozu jeder Grund fehlt. Warum sollte die Idee eines complexen Factums eine der Bedingungen dieses Factums sein? oder warum müßte einem complexen Factum die Vorstellung davon präcediren? —

Wir werden uns hüten, die Zweckmäßigkeit durch den Geist zu erklären: es fehlt jeder Grund, dem Geiste die Eigenthümlichkeit zu organisiren und zu systematisiren zuzuschreiben.

Das Nervensystem hat ein viel ausgedehnteres Reich: die Bewußtseinswelt ist hinzugefügt. Im Gesammtprozeß der Adaptation und Systematisation spielt es keine Rolle.



Nichts ist fehlerhafter als aus psychischen und physischen Phänomenen die zwei Gesichter die zwei Offenbarungen einer und derselben Substanz zu machen. Damit erklärt man nichts: der Begriff “Substanz” ist vollkommen unbrauchbar, wenn man erklären will.



Das Bewußtsein, in zweiter Rolle, fast indifferent, überflüssig, bestimmt vielleicht zu verschwinden, und einem vollkommenen Automatismus Platz zu machen —



Wenn wir nur die inneren Phänomene beobachten, so sind wir vergleichbar den Taubstummen, die aus der Bewegung der Lippen die Worte errathen, die sie nicht hören. Wir schließen aus den Erscheinungen des inneren Sinns auf sichtbare und andere Phänomene, welche wir wahrnehmen würden, wenn unsere Beobachtungs-Mittel zureichend wären und welche man den Nervenstrom nennt.

14 [145]

Daß eine Welt, für die uns alle feineren Organe abgehen, so daß wir eine tausendfache Complexität noch als Einheit empfinden, so daß wir eine Causalität hineinerfinden, wo jeder Grund der Bewegung und Veränderung uns unsichtbar bleibt (die Aufeinanderfolge von Gedanken, von Gefühlen ist ja nur das Sichtbar-werden derselben im Bewußtsein; daß diese Reihenfolge irgend etwas mit einer Causal-Verkettung zu thun habe, ist völlig unglaubwürdig: das Bewußtsein liefert uns nie ein Beispiel von Ursache und Wirkung)

14 [146]

Wissenschaft gegen Philosophie

Die ungeheuren Fehlgriffe:
1)die unsinnige Überschätzung des Bewußtseins, aus ihm eine Einheit gemacht, ein Wesen gemacht, “der Geist”, “die Seele”, etwas, das fühlt, denkt, will —
2)der Geist als Ursache, namentlich überall wo Zweckmäßigkeit, System, Coordination erscheinen
3)das Bewußtsein als höchste erreichbare Form, als oberste Art Sein, als “Gott”
4)der Wille überall eingetragen, wo es Wirkung giebt
5)die “wahre Welt” als geistige Welt, als zugänglich durch Bewußtseins-Thatsachen
6)die Erkenntniß absolut als Fähigkeit des Bewußtseins, wo überhaupt es Erkenntniß giebt
 
 
Folgerungen:
jeder Fortschritt liegt in dem Fortschritt zum Bewußtwerden; jeder Rückschritt im Unbewußtwerden.
Man nähert sich der Realität, dem “wahren Sein” durch Dialektik; man entfernt sich von ihm durch Instinkte, Sinne, Mechanismus ...
Den Menschen in Geist auflösen hieße ihn zu Gott machen: Geist, Wille, Güte —
Eins Alles Gute muß aus der Geistigkeit stammen, muß Bewußtseins-Thatsache sein
Der Fortschritt zum Besseren kann nur ein Fortschritt im Bewußtwerden sein
Das Unbewußtwerden galt als Verfallensein an die Begierden und Sinne—als Verthierung ...
 
 

Der Kampf gegen Sokrates, Plato, die sämmtlichen sokratischen Schulen geht von dem tiefen Instinkt aus, daß man den Menschen nicht besser macht, wenn man ihm die Tugend als beweisbar und als gründefordernd darstellt...



Zuletzt ist es die mesquine Thatsache, daß der agonale Instinkt alle diese geborenen Dialektiker dazu zwang, ihre Personal-Fähigkeit als oberste Eigenschaft zu verherrlichen, und alles übrige Gute als bedingt durch sie darzustellen. Der antiwissenschaftliche Geist dieser ganzen “Philosophie”: sie will Recht behalten.

14 [147]

Der Kampf der Wissenschaft

Sophisten

Die Sophisten sind nichts weiter als Realisten: sie formuliren die allen gang und gäben Werthe und Praktiken zum Range der Werthe,—sie haben den Muth, den alle starken Geister haben, um ihre Unmoralität zu wissen ...

Glaubt man vielleicht, daß diese kleinen griechischen Freistädte, welche sich vor Wuth und Eifersucht gern aufgefressen hätten, von menschenfreundlichen und rechtschaffenen Principien geleitet wurden? Macht man vielleicht dem Thukydides einen Vorwurf aus seiner Rede, die er den athenischen Gesandten in den Mund legt, als sie mit den Meliern über Untergang oder Unterwerfung verhandeln?

Inmitten dieser entsetzlichen Spannung von Tugend zu reden war nur vollendeten Tartuffes möglich—oder Abseits-Gestellten, Einsiedlern, Flüchtlingen und Auswanderern aus der Realität ... alles Leute, die negirten, um selber leben zu können —

Die Sophisten waren Griechen: als Sokrates und Plato die Partei der Tugend und Gerechtigkeit nahmen, waren sie Juden oder ich weiß nicht was— Die Taktik Grotes zur Verteidigung der Sophisten ist falsch: er will sie zu Ehrenmännern und Moral-Standarten erheben—aber ihre Ehre war, keinen Schwindel mit großen Worten und Tugenden zu treiben ...

14 [148]

Parmenides hat gesagt “man denkt das nicht, was nicht ist”—wir sind am anderen Ende und sagen “was gedacht werden kann, muß sicherlich eine Fiktion sein”. Denken hat keinen Griff auf Reales, sondern nur auf

14 [149]

Die Anhänger Pyrrho’s haben sich auch mit den Juden beschäftigt, namentlich der am aegyptischen Hofe lebende Hekatäus von Abdera, der über die Philosophie der Aegypter schrieb.

14 [150]

“Für das praktische Leben ist ein Glaube nothwendig”

14 [151]

die “Besserung”
Moral als décadence

Die allgemeine Täuschung und Täuscherei im Gebiete der sogenannten moralischen Besserung. Wir glauben nicht daran, daß ein Mensch ein Anderer wird, wenn er es nicht schon ist: d.h. wenn er nicht, wie es oft genug vorkommt, eine Vielheit von Personen, mindestens von Ansätzen zu Personen, ist. In diesem Falle erreicht man, daß eine andere Rolle in den Vordergrund tritt, daß “der alte Mensch” zurückgeschoben wird ... Der Anblick ist verändert, nicht das Wesen ... Selbst das ist nicht immer erreicht, daß es die Gewöhnung an ein gewisses Thun aufhebt, den besten Grund dazu nimmt. Wer fatum und Fähigkeit Verbrecher ist, verlernt nichts, sondern lernt immer hinzu: und eine lange Entbehrung wirkt sogar als tonicum auf sein Talent ... Daß Jemand aufhört, gewisse Handlungen zu thun, ist ein bloßes fatum brutum, das die verschiedenste Deutung zuläßt. Für die Gesellschaft freilich hat gerade das allein ein Interesse, daß Jemand gewisse Handlungen nicht mehr thut: sie nimmt ihn zu diesem Zwecke aus den Bedingungen heraus, wo er gewisse Handlungen thun kann: das ist jedenfalls weiser als das Unmögliche versuchen, nämlich die Fatalität seines So-und-So-seins zu brechen.

Die Kirche—und sie hat nichts gethan als die antike Philosophie hierin abzulösen und zu beerben—, von einem anderen Werthmaaße ausgehend und eine “Seele”, das “Heil” einer Seele retten wollend, glaubt einmal an die sühnende Kraft der Strafe und sodann an die auslöschende Kraft der Vergebung: beides sind Täuschungen des religiösen Vorurtheils—die Strafe sühnt nicht, die Vergebung löscht nicht aus, Gethanes wird nicht ungethan gemacht. Damit daß Jemand Etwas vergißt, ist bei weitem nicht erreicht, daß Etwas nicht mehr ist ... Eine That zieht ihre Consequenzen, im Menschen und außer dem Menschen, gleichgültig ob sie als bestraft, “gesühnt”, “vergeben” oder “ausgelöscht” gilt, gleichgültig ob die Kirche inzwischen ihren Thäter selbst zu einem Heiligen avancirt hat. Die Kirche glaubt an Dinge die es nicht giebt, an “Seelen”; sie glaubt an Wirkungen, die es nicht giebt, an göttliche Wirkungen; sie glaubt an Zustände, die es nicht giebt, an Sünde, an Erlösung, an das Heil der Seele; sie bleibt überall bei der Oberfläche stehen, bei Zeichen, Gebärden, Worten, Emblemen denen sie eine arbiträre Auslegung giebt: sie hat eine zu Ende gedachte Methodik der psychologischen Falschmünzerei.

14 [152]

Wille zur Macht als Erkenntniss

nicht “erkennen”, sondern schematisiren, dem Chaos so viel Regularität und Formen auferlegen, als es unserem praktischen Bedürfniß genug thut

In der Bildung der Vernunft, der Logik, der Kategorien ist das Bedürfniß maaßgebend gewesen: das Bedürfniß, nicht zu “erkennen”, sondern zu subsumiren, zu schematisiren, zum Zweck der Verständigung, der Berechnung ...

das Zurechtmachen, das Ausdichten zum Ähnlichen, Gleichen—derselbe Proceß, den jeder Sinneseindruck durchmacht, ist die Entwicklung der Vernunft!

Hier hat nicht eine präexistente “Idee” gearbeitet: sondern die Nützlichkeit, daß nur, wenn wir grob und gleich gemacht die Dinge sehen, sie für uns berechenbar und handlich werden ...

die Finalität in der Vernunft ist eine Wirkung, keine Ursache: bei jeder anderen Art Vernunft, zu der es fortwährend Ansätze giebt, mißräth das Leben,—es wird unübersichtlich—zu ungleich —

Die Kategorien sind “Wahrheiten” nur in dem Sinne, als sie lebenbedingend für uns sind: wie der Euklidische Raum eine solche bedingte “Wahrheit” ist. (An sich geredet, da Niemand die Nothwendigkeit, daß es gerade Menschen giebt, aufrecht erhalten wird, ist die Vernunft, so wie der Euklidische Raum eine bloße Idiosynkrasie bestimmter Thierarten und eine neben vielen anderen ...)

Die subjektive Nöthigung, hier nicht widersprechen zu können, ist eine biologische Nöthigung: der Instinkt der Nützlichkeit, so zu schließen wie wir schließen, steckt uns im Leibe, wir sind beinahe dieser Instinkt ... Welche Naivetät aber, daraus einen Beweis zu ziehen, daß wir damit eine “Wahrheit an sich” besäßen ...

Das Nicht-Widersprechen-können beweist ein Unvermögen, nicht eine “Wahrheit”.

* *

Man muß den Phänomenalismus nicht an der falschen Stelle suchen: nichts ist phänomenaler (oder deutlicher) nichts ist so sehr Täuschung, als diese innere Welt die wir mit dem berühmten “inneren Sinn” beobachten.

Wir haben den Willen als Ursache geglaubt, bis zu dem Maße, daß wir nach unserer Personal-Erfahrung überhaupt eine Ursache in das Geschehen hineingelegt haben (d.h. Absicht als Ursache von Geschehen—)

Wir glauben, daß Gedanke und Gedanke, wie sie in uns nacheinander folgen, in irgend einer causalen Verkettung stehen: der Logiker in Sonderheit, der thatsächlich von lauter Fällen redet, die niemals in der Wirklichkeit vorkommen, hat sich an das Vorurtheil gewöhnt, daß Gedanken Gedanken verursachen,—er nennt das—Denken ...

Wir glauben—und selbst unsere Physiologen glauben es noch—daß Lust und Schmerz Ursache sind von Reaktionen, daß es der Sinn von Lust und Schmerz ist, Anlaß zu Reaktionen zu geben. Man hat Lust und das Vermeiden der Unlust geradezu Jahrtausende lang als Motive für jedes Handeln aufgestellt. Mit einiger Besinnung dürften wir zugeben, daß Alles so verlaufen würde, nach genau derselben Verkettung der Ursachen und Wirkungen, wenn diese Zustände “Lust und Schmerz” fehlten: und man täuscht sich einfach, zu behaupten, daß sie irgend etwas verursachen:—es sind Begleiterscheinungen mit einer ganz anderen Finalität, als der, Reaktionen hervorzurufen; es sind bereits Wirkungen innerhalb des eingeleiteten Prozesses der Reaktion ...

In summa: alles, was bewußt wird, ist eine Enderscheinung, ein Schluß—und verursacht nichts—alles Nacheinander im Bewußtsein ist vollkommen atomistisch. Und wir haben die Welt versucht zu verstehen mit der umgekehrten Auffassung,—als ob nichts wirke und real sei als Denken, Fühlen, Wollen ...

14 [153]

die Wissenschaft

Capitel I
Ursprung der “wahren Welt

Die Verirrung der Philosophie ruht darauf, daß man, statt in der Logik und den Vernunftkategorien Mittel zu sehen, zum Zurechtmachen der Welt zu Nützlichkeits-Zwecken (also “principiell”, zu einer nützlichen Fälschung) man in ihnen das Criterium der Wahrheit resp. der Realität zu haben glaubte. Das “Kriterium der Wahrheit” war in der That bloß die biologische Nützlichkeit eines solchen Systems principieller Fälschung: und da eine Gattung Thier nichts Wichtigeres kennt als sich zu erhalten, so dürfte man in der That hier von “Wahrheit” reden. Die Naivetät war nur die, die anthropocentrische Idiosynkrasie als Maß der Dinge, als Richtschnur über “real” und “unreal” zu nehmen: kurz, eine Bedingtheit zu verabsolutiren. Und siehe da, jetzt fiel mit Einem Mal die Welt auseinander in eine wahre Welt und eine “scheinbare”: und genau die Welt, in der der Mensch zu wohnen und sich einzurichten seine Vernunft erfunden hatte, genau dieselbe wurde ihm diskreditirt. Statt die Formen als Handhabe zu benutzen, sich die Welt handlich und berechenbar zu machen, kam der verrückte Scharfsinn der Philosophen dahinter, daß in diesen Kategorien der Begriff jener Welt gegeben ist, dem die andere Welt, die in der man lebt, nicht entspricht ... Die Mittel wurden mißverstanden als Werthmaaß, selbst als Verurtheilung der Absicht ...

Die Absicht war, sich auf eine nützliche Weise zu täuschen: die Mittel dazu, die Erfindung von Formeln und Zeichen, mit deren Hülfe man die verwirrende Vielheit auf ein zweckmäßiges und handliches Schema reduzirte.

Aber wehe! jetzt brachte man eine Moral-Kategorie ins Spiel: kein Wesen will sich täuschen, kein Wesen darf täuschen,—folglich giebt es nur einen Willen zur Wahrheit. Was ist “Wahrheit”?

Der Satz vom Widerspruch gab das Schema: die wahre Welt, zu der man den Weg sucht, kann nicht mit sich in Widerspruch sein, kann nicht wechseln, kann nicht werden, hat keinen Ursprung und kein Ende.

Das ist der größte Irrthum, der begangen worden ist, das eigentliche Verhängniß des Irrthums auf Erden: man glaubte ein Kriterium der Realität in den Vernunftformen zu haben, während man sie hatte, um Herr zu werden über die Realität, um auf eine kluge Weise die Realität mißzuverstehen ...

Und siehe da: jetzt wurde die Welt falsch, und exakt der Eigenschaften wegen, die ihre Realität ausmachen, Wechsel, Werden, Vielheit, Gegensatz, Widerspruch, Krieg.

Und nun war das ganze Verhängniß da:

1) wie kommt man los von der falschen, der bloß scheinbaren Welt? (—es war die wirkliche, die einzige

2) wie wird man selbst möglichst der Gegensatz zu dem Charakter der scheinbaren Welt? (Begriff des vollkommenen Wesens als eines Gegensatzes zu jedem realen Wesen, deutlicher als Widerspruch zum Leben ...

3) die ganze Richtung der Werthe war auf Verleumdung des Lebens aus

4) man schuf eine Verwechslung des Ideal-Dogmatismus mit der Erkenntniß überhaupt: so daß die Gegenpartei immer nun auch die Wissenschaft perhorrescirte

der Weg zur Wissenschaft war dergestalt doppelt versperrt: einmal durch den Glauben an die wahre Welt und dann durch die Gegner dieses Glaubens.

Die Naturwissenschaft, Physiologie war 1) in ihren Objecten verurtheilt 2) um ihre Unschuld gebracht ...

In der wirklichen Welt, wo schlechterdings Alles verkettet und bedingt ist, heißt irgend Etwas verurtheilen und wegdenken, Alles wegdenken und verurtheilen.

Das Wort “das sollte nicht sein”, “das hätte nicht sein sollen” ist eine farce ... Denkt man die Consequenzen aus, so ruinirte man den Quell des Lebens, wenn man das abschaffen wollte, was in irgendeinem Sinne schädlich, zerstörerisch ist. Die Physiologie demonstrirt es ja besser!

14 [154]

Moral als décadence

Wir sehen, wie die Moral

a)die ganze Weltauffassung vergiftet
b)den Weg zur Erkenntniß, zur Wissenschaft abschneidet
c)alle wirklichen Instinkte auflöst und untergräbt (indem sie deren Wurzeln als unmoralisch empfinden lehrt

Wir sehen ein furchtbares Werkzeug der décadence vor uns arbeiten, das sich mit den heiligsten Namen und Gebärden aufrecht hält

14 [155]

décad

Religion als décadence

Gegen Reue und ihre rein-psychologische Behandlung
(Ich empfehle die Behandlung des Gewissenbisses mit der Mitchells-Kur — — )

Mit einem Erlebniß nicht fertig werden ist bereits ein Zeichen von décadence. Dieses Wieder-Aufreißen alter Wunden, das Sich-Wälzen in Selbstverachtung und Zerknirschung ist eine Krankheit mehr, aus der nimmermehr das “Heil der Seele”, sondern immer nur eine neue Krankheitsform derselben entstehen kann ...

diese “Erlösungs-Zustände” im Christen sind bloße Wechsel eines und desselben krankhaften Zustandes,—Auslegungen der epileptischen Crise unter einer bestimmten Formel, welche nicht die Wissenschaft, sondern der religiöse Wahn giebt

man ist auf eine krankhafte Manier gut, wenn man krank ist ... wir rechnen jetzt den größten Theil des Psychologischen Apparates, mit dem das Christenthum gearbeitet hat, unter die Formen der Hysterie und der Epilepsoidis.

diese ganze Praxis der seelischen Wiederherstellung muß auf eine physiologische Grundlage zurückgestellt werden: der “Gewissensbiß” als solcher ist ein Hinderniß der Genesung,—man muß Alles aufzuwiegen suchen durch neue Handlungen und möglichst schnell das Siechthum der Selbsttortur ...

man sollte die rein psychologische Praktik der Kirche und der Sekten als gesundheitsgefährlich in Verruf bringen ...

man heilt einen Kranken nicht durch Gebete, und Beschwörungen böser Geister: die Zustände der “Ruhe”, die unter solchen Einwirkungen eintreten, sind fern davon, im physiologischen Sinne Vertrauen zu erwecken ...

man ist gesund, wenn man sich über seinen Ernst und Eifer lustig macht, mit dem irgend eine Einzelheit unseres Lebens dergestalt uns hypnotisirt hat, wenn man beim Gewissensbiß Etwas fühlt wie beim Biß eines Hundes wider einen Stein,—wenn man sich seiner Reue schämt, —

Die bisherige Praxis, die rein psychologische und religiöse, war nur auf eine Veränderung der Symptome aus: sie hielt einen Menschen wiederhergestellt, wenn er vor dem Kreuze sich erniedrigte, und Schwüre that, ein guter Mensch zu sein ... Aber ein Verbrecher, der mit einem gewissen düsteren Ernst sein Schicksal festhält und nicht seine That hinterdrein verleumdet, hat mehr Gesundheit der Seele ... Die Verbrecher, mit denen D zusammen im Zuchthaus lebte, waren sammt und sonders ungebrochene Naturen, — sind sie nicht hundert Mal mehr werth als ein “gebrochener” Christ?

14 [156]

Der Wille zur Macht
Versuch
einer Umwerthung aller Werthe.

Erstes Capitel:

die wahre und die scheinbare Welt
 

Zweites Capitel:

wie ist ein solcher Fehlgriff möglich? Was bedeutet das Mißverstehenwollen des Lebens?
Critik der Philosophen, als Typen der décadence.
 

Drittes Capitel.

Die Moral als Ausdruck der décadence.
Kritik des Altruismus, des Mitleids, des Christenthums, der Entsinnlichung
 

Viertes Capitel.

Giebt es keine Ansätze einer gegentheiligen Stellung?
1. Heidnisches in der Religion
2. “die Kunst”
3. Staat
Der Krieg gegen sie: was sich immer gegen sie verschwört ...
 

Fünftes Capitel.

Kritik der Gegenwart: wohin gehört sie?
ihr nihilistisches Abzeichen
ihre jasagenden Typen: man muß das ungeheure Faktum begreifen, daß ein gutes Gewissen der Wissenschaft besteht ...
 

Sechstes Capitel.

Der Wille zur Macht, als Leben
 

Siebentes Capitel.

Wir Hyperboreer.
Lauter absolute Stellungen z.B. Glück!! z.B. Geschichte ungeheurer Genuß und Triumph am Schluß, lauter klare Jas und Neins zu haben ... Erlösung von der Ungewißheit!

14 [157]

Moral als décadence

décadence

Sinne,” “Leidenschaften

Die Furcht vor den Sinnen, vor den Begierden, vor den Leidenschaften, wenn sie so weit geht, dieselben zu widerrathen, ist ein Symptom bereits von Schwäche: die extremen Mittel kennzeichnen immer abnormale Zustände. Was hier fehlt, resp. angebröckelt ist, das ist die Kraft zur Hemmung eines Impulses: wenn man den Instinkt hat, nachgeben zu müssen d.h. reagiren zu müssen, dann thut man gut, den Gelegenheiten (“Verführungen”) aus dem Wege zu gehen.

Ein “Anreiz der Sinne” ist nur insofern eine Verführung, als es sich um Wesen handelt, deren System zu leicht beweglich und bestimmbar ist: im entgegengesetzten Falle, bei großer Schwerfälligkeit und Härte des Systems, sind starke Reize nöthig, um die Funktionen in Gang zu bringen ...

Die Ausschweifung ist uns nur ein Einwand gegen den, der zu ihr kein Recht hat; und fast alle Leidenschaften sind in schlechten Ruf derentwegen gebracht, die nicht stark genug sind, sie zu ihrem Nutzen zu wenden —

Man muß sich darüber verstehen, daß gegen Leidenschaft eingewendet werden kann, was gegen Krankheit einzuwenden ist: trotzdem — wir dürften der Krankheit nicht entbehren und noch weniger der Leidenschaften ...

Wir brauchen das Anormale, wir geben dem Leben einen ungeheuren choc durch diese großen Krankheiten ...

* * *

Im Einzelnen ist zu unterscheiden:

1) die dominirende Leidenschaft, welche sogar die supremste Form der Gesundheit überhaupt mit sich bringt: hier ist die Coordination der inneren Systeme und ihr Arbeiten in Einem Dienste am besten erreicht—aber das ist beinahe die Definition der Gesundheit!

2) das Gegeneinander der Leidenschaften, die Zweiheit, Dreiheit, Vielheit der “Seelen in Einer Brust”: sehr ungesund, innerer Ruin, auseinanderlösend, einen inneren Zwiespalt und Anarchismus verrathend und steigernd—: es sei denn, daß eine Leidenschaft endlich Herr wird. Rückkehr der Gesundheit

3) das Nebeneinander, ohne ein Gegeneinander und Füreinander zu sein: oft periodisch, und dann, sobald es eine Ordnung gefunden hat, auch gesund ... Die interessantesten Menschen gehören hierher, die Chamaeleons; sie sind nicht im Widerspruch mit sich, sie sind glücklich und sicher, aber sie haben keine Entwicklung,—ihre Zustände liegen neben einander, wenn sie auch siebenmal getrennt sind. Sie wechseln, sie werden nicht ..

14 [158]

Moral als décadence

Der “gute Mensch” als Tyrann

Die Menschheit hat immer denselben Fehler wiederholt: daß sie aus einem Mittel zum Leben einen Maßstab des Lebens gemacht hat

: daß sie, statt in der höchsten Steigerung des Lebens selbst, im Problem des Wachsthums und der Erschöpfung das Maaß zu finden, die Mittel zu einem ganz bestimmten Leben zum Ausschluß aller anderen Formen des Lebens, kurz zur Kritik und Selektion des Lebens benutzt hat

: d.h. der Mensch liebt endlich die Mittel um ihrer selbst willen und vergißt sie als Mittel: so daß sie jetzt als Ziele ihm ins Bewußtsein treten, als Maaßstäbe von Zwecken ...

: d.h. eine bestimmte Species Mensch behandelt ihre Existenzbedingungen als gesetzlich aufzuerlegende Bedingungen, als “Wahrheit”, “Gut”, “Vollkommen”: sie tyrannisirt ...

: es ist eine Form des Glaubens, des Instinkts, daß eine Art Mensch nicht die Bedingtheit ihrer eigenen Art, ihre Relativität im Vergleich zu anderen einsieht:

: wenigstens scheint es zu Ende zu sein mit einer Art Mensch (Volk, Rasse) wenn sie tolerant wird, gleiche Rechte zugesteht und nicht mehr daran denkt, Herr sein zu wollen—

14 [159]

Religion als décadence

Kritik des Glaubens
Überzeugung und Lüge.

1. “Zwischen einer Lüge und einer Überzeugung besteht ein Gegensatz”: es giebt keinen größeren ...

2. Aber es ist mit Recht gesagt worden, daß Überzeugungen gefährlichere Feinde der Wahrheit sind als Lügen (M.AM.)

3. Müßte vielleicht auch die vorangestellte Überzeugung unter die Feinde der Wahrheit gezählt werden? Und unter ihre gefährlichsten?

Eine jede Überzeugung hat ihre Geschichte, ihre Vorformen, ihre Tentativen und Fehlgriffe: sie wird Überzeugung, nachdem sie es lange nicht ist und noch länger kaum ist ...

könnte unter diesen Embryonal-Zuständen der Überzeugung nicht auch die Lüge sein? ...

sie bedarf oft eines Personen-Wechsels (—erst im Sohne wird Überzeugung, was im Vater noch Tendenz war—)

Was macht es, daß ein Lügner uns einen Irrthum für eine Wahrheit verkauft? Seine “praktische Vernunft” (—sein Vortheil, populärer geredet)

Was macht es, daß man zwischen verschiedenen Möglichkeiten sich entscheidet? Seine praktische Vernunft, sein Vortheil ...

Was macht es, daß man zwischen verschiedenen Hypothesen so und so wählt? Der Vortheil.

Welcher Unterschied bleibt zwischen einem Überzeugten und einem Belogenen? Keiner, wenn er gut belogen ist.

Was macht es, was alle Philosophen bestimmt, ihre Überzeugungen für Wahrheiten zu halten? Ihr Vortheil, ihre “praktische Vernunft”

Die Fiktion, die Nützlichkeit, die Vermuthung, die Wahrscheinlichkeit, die Gewißheit, die Überzeugung—eine Geschichte des inneren Pathos, an dessen Anfang die Lüge, deren Gott steht ...

“Ich will etwas für wahr halten”: ist das der Instinkt der Wahrheit oder nicht gerade ein anderer, der es sehr wenig streng nimmt mit der Wahrheit, aber den Vortheil kennt, den der Glaube mit sich bringt? ...

Gesetzt, man hat einen Vortheil davon, sich selbst zu belügen, worin unterscheidet sich das Pathos der Selbst-Belogenheit vom Pathos der Überzeugung? ...

Ist im Glauben, wie das Christenthum versteht, die Klugheit oder die Wahrheit zur Herrschaft gebracht? Der Beweis der Kraft (d.h. der Vortheile, welche ein Glaube mit sich bringt), oder der

Und was Märtyrer macht, ist das der Instinkt der Wahrheit, oder nicht umgekehrt eine Lücke der inneren Organisation, der Mangel eines solchen Instinkts? Wir betrachten Märtyrer als eine niedrigere Species: eine Überzeugung zu beweisen, hat gar keinen Sinn; sondern es gilt zu beweisen, daß man ein Recht hat, so überzeugt zu sein ... Die Überzeugung ist ein Einwand, ein Fragezeichen, ein défi, man hat zu beweisen, daß man nicht nur überzeugt ist—daß man nicht nur Narr ist ...

der Tod am Kreuze beweist keine Wahrheit, nur eine Überzeugung, nur eine Idiosynkrasie (—sehr populärer Irrthum: den Muth zu seiner Überzeugung haben—? aber den Muth zum Angriff auf seine Überzeugung haben!!!

14 [160]

Religion als décadence—die Überzeugung

Kritik des Opfertodes

Wir würden heute für manche Dinge in den Tod gehn, ohne dieses Opfer sehr feierlich zu nehmen, es liegt uns fern mit solchen Dingen Götzendienst zu treiben, bloß weil sie Menschen fordern ... Das berühmte “Vaterland” z.B., ein Begriff, der heute in Europa absonderlich theuer bezahlt wird: die noch berühmtere “Wissenschaft”, die, wie ich voraussetze, irgendwann einmal noch kostspieliger sogar werden dürfte, als der Begriff “Vaterland”

Ein Tod für ein



Ist es nöthig, Recht zu haben, um Recht zu behalten? Im Gegentheil! Und abgesehen davon heißt es unbescheiden sein. Man muß nicht zu viel Ehre wollen ... Aber alle diese großen Weisen waren bescheiden:—sie behielten bloß Recht ...



Ihr meint eine Sache wird dadurch ehrenhaft, daß ihr mit eurem Leben dafür bezahlt? ... Ein Irrthum, der ehrenhaft wird, ist ein Irrthum, der eine Verführungskunst mehr besitzt! glaubt ihr, daß wir wünschen werden euch zu einem Opfertod für eure “Wahrheit” zu ermuthigen? ... Genau das war die welthistorische Dummheit aller Verfolger: sie zwangen ihre Gegner, Heroen zu werden ... sie haben alle Dummheiten zu Fetischen für die Menschheit gemacht ... Das Weib liegt heute noch auf den Knien vor einer Lehre, deren Lehrer am Kreuz gestorben ist ... ist das Kreuz ein Beweis?



Ein gewisser Grad von Glaube genügt uns heute als Einwand gegen das Geglaubte, noch mehr als Fragezeichen an der geistigen Gesundheit des Gläubigen: die “felsenfesten Überzeugungen” gehören fast immer ins Irrenhaus.

14 [161]

Ich sehe durchaus nicht ab, wie Einer es wieder gut machen kann, der versäumt hat, zur rechten Zeit in eine gute Schule zu gehen. Ein solcher kennt sich nicht; er geht durchs Leben, ohne gehen gelernt zu haben; der schlaffe Muskel verräth sich bei jedem Schritt noch. Mitunter ist das Leben so barmherzig, diese harte Schule nachzuholen: jahrelanges Siechthum vielleicht, das die äußerste Willenskraft und Selbstgenugsamkeit herausfordert; oder eine plötzlich hereinbrechende Nothlage, zugleich noch für Weib und Kind, welche eine Thätigkeit erzwingt, die den erschlafften Fasern wieder Energie giebt und dem Willen zum Leben die Zähigkeit zurückgewinnt ... Das Wünschenswertheste bleibt unter allen Umständen eine harte Disciplin zur rechten Zeit, das heißt in jenem Alter noch, wo es stolz macht, viel von sich verlangt zu sehen. Denn dies unterscheidet die harte Schule als gute Schule von jeder anderen: daß Viel verlangt wird; daß streng verlangt wird; daß das Gute, das Ausgezeichnete selbst als normal verlangt wird; daß das Lob selten ist, daß die Indulgenz fehlt; daß der Tadel scharf, sachlich, ohne Rücksicht auf Talent und Herkunft laut wird. Eine solche Schule hat man in jedem Betracht nöthig: das gilt vom Leiblichsten wie vom Geistigsten: es wäre verhängnißvoll, hier trennen zu wollen! Die gleiche Disziplin macht den Militär und den Gelehrten tüchtig: und näher besehen, es giebt keinen tüchtigen Gelehrten der nicht die Instinkte eines tüchtigen Militärs im Leibe hat ... in Reih und Glied stehen, aber fähig jeder Zeit, voranzugehen; die Gefahr dem Behagen vorziehen; das Erlaubte und Unerlaubte nicht in einer Krämerwage wiegen; dem Mesquinen, Schlauen, Parasitischen mehr feind sein als dem Bösen ...

— Was lernt man in einer harten Schule? Gehorchen und Befehlen,

14 [162]

Philosoph

Pyrrho, der mildeste und geduldigste Mensch, der je unter Griechen gelebt hat, ein Buddhist obschon Grieche, ein Buddha selbst, wurde ein einziges Mal außer Rand und Band gebracht, durch wen?—durch seine Schwester, mit der er zusammenlebte: sie war Hebamme. Seitdem fürchteten sich am Allermeisten die Philosophen vor der Schwester—die Schwester! Schwester! ’s klingt so fürchterlich!—und vor der Hebamme! ... (Ursprung des Coelibats)

14 [163]

(Zum Capitel: Religion als décadence)

Die religiöse Moral

Der Affekt, die große Begierde, die Leidenschaften der Macht, der Liebe, der Rache, des Besitzes—: die Moralisten wollen sie auslöschen, herausreißen, die Seele von ihnen “reinigen”

Die Logik ist: diese Begierden richten oft großes Unheil an,—folglich sind sie böse, verwerflich. Der Mensch muß los von ihnen kommen: eher kann er nicht ein guter Mensch sein ...

Das ist dieselbe Logik wie: “ärgert dich ein Glied, so reiße es aus”. In dem besonderen Fall, wie es jene gefährliche “Unschuld vom Lande”, der Stifter des Christenthums, seinen Jüngern zur Praxis empfahl, im Fall der geschlechtlichen Irritabilität, folgt leider dies nicht nur, daß ein Glied fehlt, sondern daß der Charakter des M entmannt ist ... und das Gleiche gilt von dem Moralisten-Wahnsinn, welcher, statt der Bändigung, die Exstirpation der Leidenschaften verlangt. Ihr Schluß ist immer: erst der entmannte Mensch ist der gute Mensch.

Die großen Kraftquellen, jene oft so gefährlich und überwältigend hervorströmenden Wildwasser der Seele, statt ihre Macht in Dienst zu nehmen und zu ökonomisiren, will diese kurzsichtigste und verderblichste Denkweise, die Moral-Denkweise, versiegen machen.

14 [164]

Die christlichen Moral-Quacksalber

Mitleid und Verachtung folgen sich in schnellem Wechsel, und mitunter bin ich empört, wie beim Anblick eines schnöden Verbrechens. Hier ist der Irrthum zur Pflicht gemacht—zur Tugend—der Fehlgriff ist Handgriff geworden, der Zerstörer-Instinkt systematisirt als “Erlösung”; hier wird aus jeder Operation eine Verletzung, eine Ausschneidung selbst von Organen, deren Energie die Voraussetzung jeder Wiederkehr der Gesundheit ist. Und besten Falls, wird nicht geheilt, sondern nur eine Symptomen-Reihe des Übels in eine andere eingetauscht ... Und dieser gefährliche Unsinn, das System der Schändung und Verschneidung des Lebens gilt als heilig, als unantastbar; in seinem Dienste leben, Werkzeug dieser Heilkunst sein, Priester sein hebt heraus, macht ehrwürdig, macht heilig und unantastbar selbst. Nur die Gottheit kann die Urheberin dieser höchsten Heilkunst sein: nur als Offenbarung ist die Erlösung begreiflich, als Art der Gnade, als unverdientestes Geschenk, das der Creatur gemacht ist.



Erster Satz: die Gesundheit der Seele wird als Krankheit angesehen, mißtrauisch ...

Zweiter Satz: die Voraussetzungen für ein starkes und blühendes Leben, die starken Begehrungen und Leidenschaften, gelten als Einwände gegen ein starkes und blühendes Leben

Dritter Satz: Alles, woher dem Menschen Gefahr droht, Alles, was über ihn Herr werden und zu Grunde richten kann, ist böse, ist verwerflich,—ist mit der Wurzel aus seiner Seele auszureißen.

Vierter Satz: der Mensch, ungefährlich gemacht, gegen sich und Andere, schwach, niedergeworfen in Demuth und Bescheidenheit, seiner Schwäche bewußt, der “Sünder”—das ist der wünschbarste Typus, der, welchen man mit einiger Chirurgie der Seele auch herstellen kann ...

14 [165]

Der Muth.

1.

Ich unterscheide den Muth vor Personen, den Muth vor Sachen und den Muth vor dem Papier. Letzterer war zum Beispiel der Muth David Straußens. Ich unterscheide nochmals den Muth vor Zeugen und den Muth ohne Zeugen: der Muth eines Christen, eines Gottgläubigen überhaupt kann niemals Muth ohne Zeugen sein—er ist damit allein schon degradirt. Ich unterscheide endlich den Muth aus Temperament und den Muth aus Furcht vor der Furcht: ein Einzelfall der letzteren Species ist der moralische Muth. Hierzu kommt noch der Muth aus Verzweiflung.



Wagner als Verführer.

2.

Wagner hatte diesen Muth. Seine Lage hinsichtlich der Musik war im Grunde verzweifelt. Ihm fehlte Beides, was zum guten Musiker befähigt: Natur und Cultur, die Vorbestimmung für Musik und die Zucht und Schulung zur Musik. Er hatte Muth: er schuf aus diesem Mangel ein Princip,—er erfand sich eine Gattung Musik. Die “dramatische Musik”, wie er sie erfand, ist die Musik, welche er machen konnte ... ihr Begriff sind die Grenzen Wagner’s.

Und man hat ihn mißverstanden— Hat man ihn mißverstanden? ... Fünf Sechstel der modernen Künstler sind in seinem Falle. Wagner ist ihr Retter: fünf Sechstel sind übrigens die “geringste Zahl”. Jedesmal, wo die Natur sich unerbittlich gezeigt hat und wo andrerseits die Cultur ein Zufall, eine Tentative, ein Dilettantismus blieb, wendet sich jetzt der Künstler mit Instinkt, was sage ich? mit Begeisterung an Wagner: “halb zog er ihn, halb sank er hin”, wie der Dichter sagt.

2.

Der Erfolg Wagners ist ein großer Verführer. Setzen wir einmal den Fall, daß dieser Verführer reden lernt, daß er sich in Gestalt eines klugen Freundes und Gewissensraths zu jungen Musikern gesellt, die in der Tiefe ihres Ichs ein kleines Verhängniß tragen—und schon hören wir ihn reden, zutraulich, biedermännisch, von einer engelhaften Toleranz für alle “kleinen Verhängnisse” ...

14 [166]

Motiv zu einem Bild. Ein Fuhrmann. Winterlandschaft. Der Fuhrmann schlägt mit einem Ausdruck schnödesten Cynismus sein Wasser an seinem eigenen Pferde ab. Die arme geschundene Creatur blickt sich um dazu—dankbar, sehr dankbar ...

14 [167]

Wagner als Problem.
Wagner der Schauspieler.
Das was populär geworden ist
Wagner als Vorbild.
Wagner als Verführung.



Musik als Mimik. Jeder Gedanke

14 [168]

Die wahre und die scheinbare Welt

Entwurf des ersten Capitels

A.

Die Verführungen, die von diesem Begriff ausgehen, sind drei Art:

eine unbekannte Welt:—wir sind Abenteurer, neugierig,—das Bekannte scheint uns müde zu machen (—die Gefahr des Begriffs liegt darin, uns “diese” Welt als bekannt zu insinuiren ...

eine andere Welt, wo es anders ist:—es rechnet Etwas in uns nach, unsere stille Ergebung, unser Schweigen verliert dabei ihren Werth,—vielleicht wird Alles gut, wir haben nicht umsonst gehofft ... die Welt, wo es anders, wo wir selbst—wer weiß? anders sind ...

eine wahre Welt:—das ist der wunderlichste Streich und Angriff, der auf uns gemacht wird; es ist so Vieles an das Wort “wahr” ankrustirt, unwillkürlich machen wir’s auch der “Wahren Welt” zum Geschenk: die wahre Welt muß auch eine wahrhaftige sein, eine solche, die uns nicht betrügt, nicht zu Narren hat: an sie glauben ist beinahe glauben müssen (—aus Anstand, wie es unter zutrauenswürdigen Wesen geschieht—)

der Begriff die “unbekannte Welt” insinuirt uns diese Welt als “bekannt” (—als langweilig—)

der Begriff die “andere Welt” insinuirt, als ob die Welt anders sein könnte—hebt die Nothwendigkeit und das Faktum auf (—unnütz, sich zu ergeben, sich anzupassen—)

der Begriff die “wahre Welt” insinuirt diese Welt als eine unwahrhaftige, betrügerische, unredliche, unächte, unwesentliche—und folglich auch nicht unserem Nutzen zugethane Welt (—unrathsam, sich ihr anzupassen, besser: ihr widerstreben)

wir entziehen uns also in dreierlei Weise dieser Welt:

mit unserer Neugierde, wie als ob der interessantere Theil wo anders wäre

: mit unserer Ergebung, wie als ob es nicht nöthig sei, sich zu ergeben,—wie als ob diese Welt keine Nothwendigkeit letzten Ranges sei

: mit unserer Sympathie und Achtung: wie als ob diese Welt sie nicht verdiente, als unlauter, als gegen uns nicht redlich ...

In summa: wir sind auf eine dreifache Weise revoltirt: wir haben ein x zur Kritik der “bekannten Welt” gemacht.

Erster Schritt der Besonnenheit: zu begreifen, in wiefern wir verführt sind —

nämlich es könnte an sich exakt umgekehrt sein.

a)die unbekannte Welt könnte derartig beschaffen sein, um uns Lust zu machen zu dieser Welt,—als eine vielleicht stupide und geringere Form des Daseins
b)die andere Welt, geschweige daß sie unseren Wünschen, die hier keinen Austrag fänden, Rechnung trüge, könnte mit unter der Masse dessen sein, was uns diese Welt möglich macht: sie kennen lernen wäre ein Mittel, uns zufrieden zu machen
3)die wahre Welt: aber wer sagt uns eigentlich, daß die scheinbare Welt weniger Werth sein muß als die wahre? Widerspricht nicht unser Instinkt diesem Urtheile? Schafft sich nicht ewig der Mensch eine fingirte Welt, weil er eine bessere Welt haben will als die Realität? ...

Vor allem: wie kommen wir darauf, daß nicht unsere Welt die wahre ist? ... zunächst könnte doch die andere Welt die “scheinbare” sein ... in der That haben sich die Griechen z.B. ein Schattenreich, eine Scheinexistenz neben der wahren Existenz gedacht— Und endlich: was giebt uns ein Recht, gleichsam Grade der Realität anzusetzen? das ist etwas Anderes als eine unbekannte Welt, das ist bereits etwas-wissen-wollen von der unbekannten.

NB. Die “andere”, die unbekannte Welt—gut! aber sagen “wahre Welt” das heißt “etwas wissen von ihr”—das ist der Gegensatz zur Annahme einer x-Welt ...

In summa: die Welt x könnte langweiliger, unmenschlicher und unwürdiger in jedem Sinne sein als diese Welt.

Es stünde anders, wenn behauptet würde, es gäbe x Welten, d.h. jede mögliche Welt noch außer dieser. Aber das ist nie behauptet worden ...

Die “wahre” Welt = die wahrhaftige, die uns nicht belügt, die ehrlich ist
 = die rechte, auf die allein es ankommt
 = die ächte, im Gegensatz zu etwas Nachgemachtem und Gefälschtem

C.

Problem: warum die Vorstellung von der anderen Welt immer zum Nachtheil, resp. zur Kritik dieser Welt ausgefallen ist,—worauf das weist? —

Nämlich: ein Volk, das auf sich stolz ist, das im Aufgang des Lebens ist, denkt das Anders-sein immer als Niedriger-, Werthloser-sein; es betrachtet die fremde, die unbekannte Welt als seinen Feind, als seinen Gegensatz, es fühlt sich ohne Neugierde, in voller Ablehnung gegen das Fremde ...

ein Volk würde nicht zugeben, daß ein anderes Volk das “wahre Volk” wäre ...

schon daß ein solches Unterscheiden möglich ist—daß man diese Welt für die “scheinbare” und jene für die “wahre” nimmt, ist symptomatisch

Die Entstehungsheerde der Vorstellung: “andere Welt”
der Philosoph, der eine Vernunft-Welt erfindet, wo die Vernunft und die logischen Funktionen adaequat sind:—hierher stammt die “wahre” Welt
der religiöse Mensch, der eine “göttliche Welt”—hierher stammt die “entnatürlichte, widernatürliche” Welt
der moralische Mensch, der eine “freie Welt” fingirt—hierher stammt die “gute, vollkommene, gerechte, heilige,” Welt.
 
Das Gemeinsame der drei Entstehungsheerde ..
der psychologische Fehlgriff ... die physiologischen Verwechslungen

“die andere Welt”, wie sie thatsächlich in der Geschichte erscheint, mit welchen Prädikaten,—abgezeichnet mit den Stigmaten

des philosophischen 
des religiösenVorurtheils
des moralischen 

die andere Welt, wie sie aus diesen Thatsachen erhellt, als ein Synonym des Nicht-seins, des Nicht-lebens, des Nicht-leben-wollens ...



Gesammteinsicht: der Instinkt der Lebens-Müdigkeit und nicht der des Lebens hat die andere Welt geschaffen.



Consequenz: Philosophie, Religion und Moral
sind Symptome der décadence.

2tes Capitel

Historischer Nachweis, daß Religion, Moral und Philosophie décadence-Formen der Menschheit sind.

3tes Capitel

1. die Gründe, darauf hin “diese” Welt als “scheinbar” bezeichnet worden ist, begründen vielmehr ihre Realität:—eine andere Art Realität ist absolut unnachweisbar.

2. die Kennzeichen, welche man dem “wahren Sein” der Dinge gegeben hat, sind die Kennzeichen des Nicht-seins,—man hat die “wahre Welt” aus dem Widerspruch zur “wirklichen Welt” aufgebaut: eine “scheinbare Welt” in der That, eine solche, die eine optisch-moralische Täuschung ist

3. In summa: von einer andren Welt als dieser zu fabeln hat gar keinen Sinn,—vorausgesetzt, daß nicht ein Instinkt der Verleumdung, Verkleinerung, Verdächtigung des Lebens in uns mächtig ist: im letzteren Falle rächen wir uns am Leben mit der Phantasmagorie eines “besseren Lebens” ...

4. Die Welt scheiden in eine “wahre” und eine “scheinbare” ist eine Suggestion der décadence:—den Schein höher zu schätzen als die Realität, wie es der Künstler thut, ist kein Einwand dagegen. Denn der Schein bedeutet hier nur diese Realität noch einmal in der Auswahl, Verstärkung, Correktur ... Oder giebt es pessimistische Künstler?— Ist der tragische Künstler Pessimist? ...

14 [169]

1.Die wahre und die scheinbare Welt.
2.Der Philosoph als Typus der décadence.
3.Der religiöse Mensch als Typus der décadence.
4.Der gute Mensch als Typus der décadence.
5.Die Gegenbewegung: die Kunst.
Problem des Tragischen.
6.Das Heidnische in der Religion.
7.Die Wissenschaft gegen Philosophie.
8.Politica.
9.Kritik der Gegenwart.
10.Der Nihilismus und sein Gegenbild: die Wiederkünftigen.
11.Der Wille zur Macht.
  
1)Gesetzt, sie ist mehr werth, warum sollte sie mehr real sein als diese?
... ist die Realität eine Qualität der Vollkommenheit?— Aber das ist ja der ontologische Beweis Gottes ...
2)Gesetzt aber, sie ist wahr, so könnte sie weniger werth sein als unsere Welt ...

14 [170]

Die Gegenbewegungen: die Kunst.

Es sind die Ausnahme-Zustände, die den Künstler bedingen: alle die mit krankhaften Erscheinungen tief verwandt und verwachsen sind: so daß es nicht möglich scheint, Künstler zu sein und nicht krank zu sein.

Die physiologischen Zustände, welche im Künstler gleichsam zur “Person” gezüchtet sind, die an sich in irgend welchem Grade dem Menschen überhaupt anhaften:

1. der Rausch: das erhöhte Machtgefühl; die innere Nöthigung, aus den Dingen einen Reflex der eigenen Fülle und Vollkommenheit zu machen —

2. die extreme Schärfe gewisser Sinne: so daß sie eine ganz andere Zeichensprache verstehen—und schaffen ...— dieselbe, die mit manchen Nervenkrankheiten verbunden erscheint—die extreme Beweglichkeit, aus der eine extreme Mittheilsamkeit wird; das Redenwollen alles dessen, was Zeichen zu geben weiß ... ein Bedürfniß, sich gleichsam loszuwerden durch Zeichen und Gebärden; Fähigkeit von sich durch hundert Sprachmittel zu reden ... ein explosiver Zustand—man muß sich diesen Zustand zuerst als Zwang und Drang denken, durch alle Art Muskelarbeit und Beweglichkeit die Exuberanz der inneren Spannung loszuwerden: sodann als unfreiwillige Coordination dieser Bewegung zu den inneren Vorgängen (Bildern, Gedanken, Begierden)—als eine Art Automatismus des ganzen Muskelsystems unter dem Impuls von Innen wirkender starker Reize—Unfähigkeit, die Reaktion zu verhindern: der Hemmungsapparat gleichsam ausgehängt. Jede innere Bewegung (Gefühl, Gedanke, Affekt) ist begleitet von Vaskular-Veränderungen und folglich von Veränderungen der Farbe, der Temperatur, der Sekretion: die suggestive Kraft der Musik, ihre “suggestion mentale”;

3. das Nachmachen-Müssen: eine extreme Irritabilität, bei der sich ein gegebenes Vorbild contagiös mittheilt,—ein Zustand wird nach Zeichen schon errathen und dargestellt ... Ein Bild, innerlich auftauchend, wirkt schon als Bewegung der Glieder ... eine gewisse Willens-Aushängung ... (Schopenhauer!!!!)

Eine Art Taubsein, Blindsein nach außen hin,—das Reich der zugelassenen Reize ist scharf umgrenzt —

* * *

Dies unterscheidet den Künstler vom Laien (dem künstlerisch-Empfänglichen): letzterer hat im Aufnehmen seinen Höhepunkt von Reizbarkeit; ersterer im Geben—dergestalt, daß ein Antagonismus dieser beiden Begabungen nicht nur natürlich, sondern wünschenswerth ist. Jeder dieser Zustände hat eine umgekehrte Optik,—vom Künstler verlangen, daß er sich die Optik des Zuhörers (Kritikers,—) einübe, heißt verlangen, daß er sich und seine spezifische Kraft verarme ... Es ist hier wie bei der Differenz der Geschlechter: man soll vom Künstler, der giebt, nicht verlangen, daß er Weib wird—daß er “empfängt” ...

Unsere Aesthetik war insofern bisher eine Weibs-Aesthetik, als nur die Empfänglichen für Kunst ihre Erfahrungen “was ist schön?” formulirt haben. In der ganzen Philosophie bis heute fehlt der Künstler ... Das ist, wie das Vorhergehende andeutete, ein nothwendiger Fehler; denn der Künstler, der anfangen würde sich zu begreifen, würde sich damit vergreifen—er hat nicht zurück zu sehen, er hat überhaupt nicht zu sehen, er hat zu geben— Es ehrt einen Künstler, der Kritik unfähig zu sein ... andernfalls ist er halb und halb, ist er “modern”...

14 [171]

Religion als décadence

der Schlaf als Folge jeder Erschöpfung, die Erschöpfung als Folge jeder übermäßigen Reizung ...

das Bedürfniß nach Schlaf, die Vergöttlichung und Adoration selbst des Begriffs “Schlaf” in allen pessimistischen Religionen und Philosophien —

die Erschöpfung ist in diesem Fall eine Rassen-Erschöpfung; der Schlaf, physiologisch genommen, nur ein Gleichniß eines viel tieferen und längeren Ruhen-Müssens ... In praxi ist es der Tod, der hier unter dem Bilde seines Bruders, des Schlafes, so verführerisch wirkt ...

14 [172]

Die religiöse Monomanie erscheint gewöhnlich in der Form der folie circulaire, mit zwei contradiktorischen Zuständen, dem der Depression und dem der Tonicität.

Féré p 123.

14 [173]

Der Wille zur Macht als Leben

Psychologie des Willens zur Macht.

Lust Unlust

Der Schmerz ist etwas Anderes als die Lust,—ich will sagen, er ist nicht deren Gegentheil. Wenn das Wesen der Lust zutreffend bezeichnet worden ist als ein Plus-Gefühl von Macht (somit als ein Differenz-Gefühl, das die Vergleichung voraussetzt), so ist damit das Wesen der Unlust noch nicht definirt. Die falschen Gegensätze, an die das Volk und folglich die Sprache glaubt, sind immer gefährliche Fußfesseln für den Gang der Wahrheit gewesen. Es giebt sogar Fälle, wo eine Art Lust bedingt ist durch eine gewisse rhythmische Abfolge kleiner Unlust-Reize: damit wird ein sehr schnelles Anwachsen des Machtgefühls, des Lustgefühls erreicht. Dies ist der Fall z.B. beim Kitzel, auch beim geschlechtlichen Kitzel im Akt des coitus: wir sehen dergestalt die Unlust als Ingredienz der Lust thätig. Es scheint, eine kleine Hemmung, die überwunden wird und der sofort wieder eine kleine Hemmung folgt, die wieder überwunden wird—dieses Spiel von Widerstand und Sieg regt jenes Gesammtgefühl von überschüssiger überflüssiger Macht am stärksten an, das das Wesen der Lust ausmacht.— Die Umkehrung, eine Vermehrung der Schmerzempfindung durch kleine eingeschobene Lustreize, fehlt: Lust und Schmerz sind eben nichts Umgekehrtes.— Der Schmerz ist ein intellektueller Vorgang, in dem entschieden ein Urtheil laut wurde,—das Urtheil “schädlich”, in dem sich lange Erfahrung aufsummirt hat. An sich giebt es keinen Schmerz. Es ist nicht die Verwundung, die weh thut; es ist die Erfahrung, von welchen schlimmen Folgen eine Verwundung für den Gesammt-Organismus sein kann, welche in Gestalt jener tiefen Erschütterung redet, die Unlust heißt (bei schädigenden Einflüssen, welche der älteren Menschheit unbekannt geblieben sind, z.B. von Seiten neu combinirter giftiger Chemikalien, fehlt auch die Aussage des Schmerzes,—und wir sind verloren ...) Im Schmerz ist das eigentlich Spezifische immer die lange Erschütterung, das Nachzittern eines schreckenerregenden choc’s in dem cerebralen Heerde des Nervensystems:—man leidet eigentlich nicht an der Ursache des Schmerzes (irgend einer Verletzung zum Beispiel), sondern an der langen Gleichgewichtsstörung, welche in Folge jenes choc’s eintritt. Der Schmerz ist eine Krankheit der cerebralen Nervenheerde—die Lust ist durchaus keine Krankheit ...— Daß der Schmerz die Ursache ist zu Gegenbewegungen, hat zwar den Augenschein und sogar das Philosophen-Vorurtheil für sich; aber in plötzlichen Fällen kommt, wenn man genau beobachtet, die Gegenbewegung ersichtlich früher als die Schmerzempfindung. Es stünde schlimm um mich, wenn ich bei einem Fehltritt zu warten hätte, bis das Faktum an die Glocke des Bewußtseins schlüge und ein Wink, was zu thun ist, zurücktelegraphirt würde ... Vielmehr unterscheide ich so deutlich als möglich, daß erst die Gegenbewegung des Fußes, um den Fall zu verhüten, folgt und dann, in einer meßbaren Zeitdistanz, eine Art schmerzhafter Welle plötzlich im vorderen Kopfe fühlbar wird. Man reagirt also nicht auf den Schmerz. Der Schmerz wird nachher projicirt in die verwundete Stelle:—aber das Wesen dieses Lokal-Schmerzes bleibt trotzdem nicht der Ausdruck der Art der Lokal-Verwundung, es ist ein bloßes Ortszeichen, dessen Stärke und Tonart der Verwundung gemäß ist, welches die Nerven-Centren davon empfangen haben. Daß in Folge jenes choc’s die Muskelkraft des Organismus meßbar heruntergeht, giebt durchaus noch keinen Anhalt dafür, das Wesen des Schmerzes in einer Verminderung des Machtgefühls zu suchen ... Man reagirt, nochmals gesagt, nicht auf den Schmerz: die Unlust ist keine “Ursache” von Handlungen, der Schmerz selbst ist eine Reaktion, die Gegenbewegung ist eine andere und frühere Reaktion,—beide nehmen von verschiedenen Stellen ihren Ausgangspunkt. —

14 [174]

Der Wille zur Macht als Leben

Der Mensch sucht nicht die Lust und vermeidet nicht die Unlust: man versteht, welchem berühmten Vorurtheile ich hiermit widerspreche. Lust und Unlust sind bloße Folge, bloße Begleiterscheinung,—was der Mensch will, was jeder kleinste Theil eines lebenden Organismus will, das ist ein plus von Macht. Im Streben danach folgt sowohl Lust als Unlust; aus jenem Willen heraus sucht er nach Widerstand, braucht er etwas, das sich entgegenstellt. Die Unlust, als Hemmung seines Willens zur Macht, ist also ein normales Faktum, das normale Ingredienz jedes organischen Geschehens, der Mensch weicht ihr nicht aus, er hat sie vielmehr fortwährend nöthig: jeder Sieg, jedes Lustgefühl, jedes Geschehen setzt einen überwundenen Widerstand voraus.

Nehmen wir den einfachsten Fall, den der primitiven Ernährung: das Protoplasma streckt seine Pseudopodien aus, um nach etwas zu suchen, was ihm widersteht—nicht aus Hunger, sondern aus Willen zur Macht. Darauf macht es den Versuch, dasselbe zu überwinden, sich anzueignen, sich einzuverleiben:—das, was man “Ernährung” nennt, ist bloß eine Folge-Erscheinung, eine Nutzanwendung jenes ursprünglichen Willens, stärker zu werden

Es ist nicht möglich, den Hunger als primum mobile zu nehmen: ebenso wenig als die Selbsterhaltung: der Hunger als Folge der Unterernährung aufgefaßt, heißt: der Hunger als Folge eines nicht mehr Herr werdenden Willens zur Macht

die Zweiheit als Folge einer zu schwachen Einheit



es handelt sich durchaus nicht um eine Wiederherstellung eines Verlustes,—erst spät, in Folge Arbeitstheilung, nachdem der Wille zur Macht ganz andere Wege zu seiner Befriedigung einschlagen lernt, wird das Aneignungsbedürfniß des Organismus reduzirt auf den Hunger, auf das Wiederersatzbedürfniß des Verlorenen.



Die Unlust hat also so wenig nothwendig eine Verminderung unseres Machtgefühls zur Folge, daß, in durchschnittlichen Fällen, sie gerade als Reiz auf dieses Machtgefühl wirkt,—das Hemmniß ist der Stimulus dieses Willens zur Macht.

Man hat die Unlust verwechselt mit einer Art der Unlust, mit der der Erschöpfung: letztere stellt in der That eine tiefe Verminderung und Herabstimmung des Willens zur Macht, eine meßbare Einbuße an Kraft dar. Das will sagen: Unlust als Reizmittel zur Verstärkung der Macht und Unlust nach einer Vergeudung von Macht; im ersteren Fall ein stimulus, im letzteren die Folge einer übermäßigen Reizung ... Die Unfähigkeit zum Widerstand ist der letzteren Unlust zu eigen: die Herausforderung des Widerstehenden gehört zur ersteren ... Die Lust welche im Zustande der Erschöpfung allein noch empfunden wird, ist das Einschlafen; die Lust im anderen Fall ist der Sieg ...



Die große Verwechslung der Psychologen bestand darin, daß sie diese beiden Lustarten die des Einschlafens und die des Sieges nicht auseinanderhielten

die Erschöpften wollen Ruhe, Gliederausstrecken, Frieden, Stille —

es ist das Glück der nihilistischen Religionen und Philosophien

die Reichen und Lebendigen wollen Sieg, überwundene Gegner, Überströmen des Machtgefühls über weitere Bereiche als bisher:

alle gesunden Funktionen des Organismus haben dies Bedürfniß,—und der ganze Organismus, bis zum Alter der Pubertät, ist ein solcher nach Wachsthum von Machtgefühlen ringender Complex von Systemen

14 [175]

Plato:

aber Manu sagt: der Akt, durch den die Seele nach dem Unbekannten aspirirt, ist eine Erinnerung an das Swarga, von dem sie eine Spur zurückbehalten hat, wie man oft unsicher beim Erwachen die Bilder sieht, die uns in den Träumen getroffen haben

14 [176]

Alcoholismus.

Der Brahmane, der sich berauscht, in Vergessenheit der göttlichen Substanz, aus der seine Person gebildet ist, sinkt zum Rang des unreinen Sudra hinab.

Der dwidja, der sich gegorenen Getränken hingiebt, wird durch ihr Feuer innerlich verbrannt werden. Er reinige sich, indem er kochenden Urin der Kühe trinkt

14 [177]

Möge er eine Kuh retten: diese verdienstliche Handlung sühnt den Mord eines Brahmanen.

14 [178]

Priester

— Der Brahmane ist eine Autorität in dieser Welt und in der anderen; der Brahmane ist ein Objekt der Verehrung für die Götter.

Der Mörder einer Kuh soll drei Monate bedeckt bleiben mit der Haut dieser Kuh und dann drei Monate im Dienste eines Kuhhirten zubringen. Dann soll er den Brahmanen zehn Kühe und einen Stier zum Geschenk oder besser noch, Alles, was er besitzt: dann ist sein Fehler gebüßt.

Wer einen Beschnittenen tödtet, reinigt sich durch eine einfache Darbringung (während überhaupt ein Thier tödten sechs Monate Pönitenz im Wald, mit Wachsenlassen von Bart und Haar fordert.)

14 [179]

Von der christlichen Praxis.

Der Mensch kannte sich nicht physiologisch, die ganze Kette der Jahrtausende entlang: er kennt sich auch heute noch nicht. Zu wissen z.B., daß man ein Nervensystem habe (—aber keine “Seele”) bleibt immer noch das Vorrecht der Unterrichtetsten. Aber der Mensch beargwöhnt sich nicht, hier nicht zu wissen;—man muß sehr human sein, um zu sagen “ich weiß das nicht”, um sich Ignoranzen zu gönnen ... gesetzt, er leidet oder er ist in guter Laune, so zweifelt er nicht, den Grund dafür zu finden, wenn er nur sucht. Also sucht er ihn ... In Wahrheit kann er den Grund nicht finden, weil er nicht einmal argwöhnt, wo er zu suchen hätte ... Was geschieht? ... Er nimmt eine Folge seines Zustandes als dessen Ursache

z.B. ein Werk, in guter Laune unternommen (im Grunde unternommen, weil schon die gute Laune Muth dazu gab) geräth: ecco, das Werk ist der Grund, zur guten Laune ...

Thatsächlich war wiederum das Gelingen bedingt durch dasselbe, was die gute Laune bedingte,—durch die glückliche Coordination der physiologischen Kräfte und Systeme

Er befindet sich schlecht: und folglich wird er mit einer Sorge, einem Skrupel, einer Selbst-Kritik nicht fertig ... In Wahrheit glaubt der Mensch, sein schlechter Zustand sei die Folge seines Skrupels, seiner “Sünde”, seiner “Selbstkritik” ...

Aber der Zustand der Wiederherstellung, oft nach einer tiefen Erschöpfung und Prostration, kehrt zurück. “Wie ist das möglich, daß ich so frei, so gelöst bin? Das ist ein Wunder, das kann nur Gott mir gethan haben” Schluß: “er hat mir meine Sünde vergeben” ...

Daraus ergiebt sich eine Praktik: um Sündengefühle anzuregen, um Zerknirschungen vorzubereiten, hat man den Körper in einen krankhaften und nervösen Zustand zu bringen. Die Methodik dafür ist bekannt. Wie billig, argwöhnt man nicht, die causale Logik der Thatsachen—man hat eine religiöse Deutung für die Kasteiung des Fleisches, sie erscheint als Zweck an sich, während sie sich nur als Mittel ergiebt, um jene krankhafte Indigestion der Reue möglich zu machen (die “Idée fixe” der Sünde, die Hypnotisirung der Henne durch den Strich “Sünde”)

Die Mißhandlung des Leibes erzeugt den Boden für die Reihe der “Schuldgefühle” ... d.h. ein allgemeines Leiden, das erklärt sein wird ...

Andrerseits ergiebt sich ebenso die Methodik der “Erlösung”: man hat jede Ausschweifung des Gefühls durch Gebete, Bewegungen, Gebärden, Schwüre herausgefordert,—die Erschöpfung folgt, oft jäh, oft unter epileptischer Form. Und, hinter dem Zustand tiefer Somnolenz kommt der Schein der Genesung—religiös geredet: “Erlösung”

14 [180]

der Muhammedanismus, als eine Religion für Männer, hat eine tiefe Verachtung für die Sentimentalität und Verlogenheit des Christenthums ... einer Weibs-Religion, als welche er sie fühlt —

14 [181]

Der religiöse Mensch als Typus der décadence

die religiösen Zustände in ihrer Verwandtschaft mit dem Irrsinn, mit der Neurasthenie

der Zeitpunkt, wo die religiöse Krisis ein Volk ergreift—historisch —

die Phantasie des religiösen Menschen als die Phantasie des Entnervten und Überreizten

die “moralische Nervösität” des Christen.



Wir haben jetzt die Aufgabe, das schwierige nicht nur uns zweideutige Phänomen des Christenthums darzustellen.



Das ganze christliche Buß- und Erlösungs-training kann aufgefaßt als eine willkürlich erzeugte folie circulaire; wie billig nur in bereits prädestinirten (nämlich morbid angelegten) Individuen erzeugbar.

14 [182]

Warum die Schwachen siegen.

In summa: die Kranken und Schwachen haben mehr Mitgefühl, sind “menschlicher” —

: die Kranken und Schwachen haben mehr Geist, sind wechselnder, vielfacher, unterhaltender,—boshafter: die Kranken allein haben die Bosheit erfunden.

(eine krankhafte Frühreife häufig bei Rhachitischen, Skrofulosen und Tuberkulosen.—)

esprit: Eigenthum später Rassen (Juden, Franzosen, Chinesen) Die Antisemiten vergeben es den Juden nicht, daß die Juden “Geist” haben—und Geld: der Antisemitismus, ein Name der “Schlechtweggekommenen”)

: der Narr und der Heilige—die zwei interessantesten Arten Mensch ...

in enger Verwandtschaft das “Genie” die großen “Abenteurer und Verbrecher”

: die Kranken und Schwachen haben die Fascination für sich gehabt, sie sind interessanter als die Gesunden

und alle Menschen, die gesündesten voran, sind gewisse Zeiten ihres Lebens krank:—die großen Gemüthsbewegungen, die Leidenschaft der Macht, die Liebe, die Rache sind von tiefen Störungen begleitet ...

Und was die décadence betrifft: so stellt sie jeder Mensch, der nicht zu früh stirbt, in jedem Sinne beinahe dar:—er kennt also auch die Instinkte, welche zu ihr gehören, aus Erfahrung —

: für die Hälfte fast jedes Menschenlebens ist der Mensch décadent.

Endlich: das Weib! die Eine Hälfte der Menschheit ist schwach, typisch-krank, wechselnd, unbeständig—das Weib braucht die Stärke, um sich an sie zu klammern,—und eine Religion der Schwäche, welche es als göttlich verherrlicht, schwach sein, zu lieben, demüthig zu sein ...

oder, besser, es macht die Starken schwach,—es herrscht, wenn es gelingt, die Starken zu überwältigen ...

das Weib hat immer mit den Typen der décadence, den Priestern zusammen conspirirt gegen die “Mächtigen”, die “Starken”, die Männer

das Weib bringt die Kinder bei Seite für den Cultus der Pietät, des Mitleids, der Liebe—die Mutter repräsentirt den Altruismus überzeugend ...

Endlich: die zunehmende Civilisation, die zugleich nothwendig auch die Zunahme der morbiden Elemente, des Neurotisch-Psychiatrischen und des Criminalistischen mit sich bringt ...

eine Zwischen-species entsteht, der Artist, von der Criminalität der That durch Willensschwäche und sociale Furchtsamkeit abgetrennt, insgleichen noch nicht reif für das Irrenhaus, aber mit seinen Fühlhörnern in beide Sphären neugierig hineingreifend: diese spezifische Cultur-Pflanze, der moderne Artist, Maler, Musiker, vor allem romancier, der für seine Art zu sein das sehr uneigentliche Wort “naturalisme” handhabt ...

Die Irren, die Verbrecher und die “Naturalisten” nehmen zu: Zeichen einer wachsenden und jäh vorwärts eilenden Cultur—das heißt der Ausschuß, der Abfall, die Auswurfstoffe gewinnen Importanz,—das Abwärts hält Schritt ...

Endlich: der sociale Mischmasch, Folge der Revolution, der Herstellung gleicher Rechte, des Aberglaubens an “gleiche Menschen”. Dabei mischen sich die Träger der Niedergangs-Instinkte (des ressentiment, der unzufriedenheit, des Zerstörer-Triebs, des Anarchismus und Nihilismus), eingerechnet der Sklaven-Instinkte, der Feigheits-, Schlauheits- und Canaillen-Instinkte der lange unten gehaltenen Schichten in alles Blut aller Stände hinein: zwei, drei Geschlechter darauf ist die Rasse nicht mehr zu erkennen—Alles ist verpöbelt. Hieraus resultirt ein Gesammtinstinkt gegen die Auswahl, gegen das Privilegium jeder Art, von einer Macht und Sicherheit, Härte, Grausamkeit der Praxis, daß in der That sich alsbald selbst die Privilegirten unterwerfen:

— was noch Macht festhalten will, schmeichelt dem Pöbel, muß den Pöbel auf seiner Seite haben —

die “Genies” voran: sie werden Herolde der Gefühle, mit denen man Massen begeistert—die Note des Mitleids, der Ehrfurcht selbst vor Allem, was leidend, niedrig, verachtet, verfolgt gelebt hat, klingt über alle anderen Noten weg (Typen: V. Hugo und R. Wagner).

die Heraufkunft des Pöbels bedeutet noch einmal die Heraufkunft der alten Werthe ...

* *

Bei einer solchen extremen Bewegung in Hinsicht auf tempo und Mittel, wie sie unsere Civilisation darstellt, verlegt sich das Schwergewicht der Menschen: der Menschen, auf die am meisten ankommt, die es gleichsam auf sich haben, die ganze große Gefahr einer solchen krankhaften Bewegung zu compensiren;—es werden die Verzögerer par excellence, die Langsam-Aufnehmenden, die Schwer-Loslassenden, die Relativ-Dauerhaften inmitten dieses ungeheuren Wechselns und Mischens von Elementen sein. Das Schwergewicht fällt unter solchen Umständen nothwendig den Mediokren zu: gegen die Herrschaft des Pöbels und der Excentrischen (beide meist verbündet) consolidirt sich die Mediokrität, als die Bürgschaft und Trägerin der Zukunft. Daraus erwächst für die Ausnahme-Menschen ein neuer Gegner—oder aber eine neue Verführung. Gesetzt, daß sie sich nicht dem Pöbel anpassen und dem Instinkte der “Enterbten” zu Gefallen Lieder singen, werden sie nöthig haben, “mittelmäßig” und “gediegen” zu sein. Sie wissen: die mediocritas ist auch aurea,—sie allein sogar verfügt über Geld und Gold (—über Alles was glänzt ...) ... Und noch einmal gewinnt die alte Tugend, und überhaupt die ganze verlebte Welt des Ideals eine begabte Fürsprecherschaft ... Resultat: die Mediokrität bekommt Geist, Witz, Genie,—sie wird unterhaltend, sie verführt ...

* *

Resultat. Ich sage noch ein Wort von der dritten Kraft. Das Handwerk, der Handel, der Ackerbau, die Wissenschaft, ein großer Theil der Kunst—das Alles kann nur stehen auf einem breiten Boden, auf einer stark und gesund consolidirten Mittelmäßigkeit. In ihrem Dienste und von ihr bedient arbeitet die Wissenschaft—und selbst die Kunst. Die W kann es sich nicht besser wünschen: sie gehört als solche zu einer mittleren Art Mensch,—sie ist deplacirt unter Ausnahmen,—sie hat nichts Aristokratisches und noch weniger etwas Anarchistisches in ihren Instinkten.— Die Macht der Mitte wird sodann aufrecht gehalten durch den Handel, vor allem den Geldhandel: der Instinkt der Großfinanciers geht gegen alles Extreme,—die Juden sind deshalb einstweilen die conservirendste Macht in unserem so bedrohten und unsicheren Europa. Sie können weder Revolutionen brauchen, noch Socialismus, noch Militarismus: wenn sie Macht haben wollen und brauchen auch über die revolutionäre Partei, so ist dies nur eine Folge des Vorhergesagten und nicht im Widerspruch dazu. Sie haben nöthig, gegen andere extreme Richtungen gelegentlich Furcht zu erregen—dadurch daß sie zeigen, was Alles in ihrer Hand steht. Aber ihr Instinkt selbst ist unwandelbar conservativ—und “mittelmäßig” ... Sie wissen überall, wo es Macht giebt, mächtig zu sein: aber die Ausnützung ihrer Macht geht immer in Einer Richtung. Das Ehren-Wort für mittelmäßig ist bekannt das Wort “liberal” ...

etwas, das nicht witzig und nicht einmal wahr ist ...



Besinnung.— Es ist unsinnig, voraussetzen, daß dieser ganze Sieg der Werthe antibiologisch sei: man muß suchen, ihn zu erklären aus einem Interesse des Lebens

die Aufrechterhaltung des Typus “Mensch” selbst durch diese Methodik der Überherrschaft der Schwachen und Schlechtweggekommenen —

: im anderen Falle existirte der Mensch nicht mehr?

Problem

Die Steigerung des Typus verhängnißvoll für die Erhaltung der Art?

warum?

die Erfahrungen der Geschichte:

die starken Rassen dezimiren sich gegenseitig: Krieg, Machtbegierde, Abenteuer; ihre Existenz ist kostspielig, kurz,—sie reiben sich unter einander auf —

die starken Affekte: die Vergeudung—es wird Kraft nicht mehr kapitalisirt ...

die geistige Störung, durch die übertriebene Spannung—es treten Perioden tiefer Abspannung und Schlaffheit ein alle großen Zeiten werden bezahlt ...

die Starken sind hinterdrein schwächer, willenloser, absurder als die durchschnittlich-Schwachen

Es sind verschwenderische Rassen. —

Die “Dauer” an sich hätte ja keinen Werth: man möchte wohl eine kürzere, aber werthreichere Existenz der Gattung vorziehen.

Es bliebe übrig, zu beweisen, daß selbst so ein reicherer Werthertrag erzielt würde, als im Fall der kürzeren Existenz.

d.h. der Mensch als Aufsummirung von Kraft gewinnt ein viel höheres Quantum von Herrschaft über die Dinge, wenn es so geht, wie es geht ...

Wir stehen vor einem Problem der Oekonomie

14 [183]

Ich gebe meine Argumentation in allen wesentlichen Schritten, Punkt für Punkt. Mit etwas Logik in dem Leibe und einer mir verwandten Energie, mit einem Muth zu dem, was man eigentlich weiß ... hätte man diese Argumentation auch schon meinen früheren Schriften entnehmen können. Man hat das Umgekehrte gethan und sich darüber beschwert, daß es denselben an Consequenz fehle: dieses Mischmasch-Gesindel von heute wagt das Wort Consequenz in den Mund zu nehmen!

14 [184]

die “Scheinbarkeit” = spezifische Aktions-Reaktions-thätigkeit

die scheinbare Welt d.h. eine Welt, nach Werthen angesehen, geordnet, ausgewählt nach Werthen d.h. in diesem Falle nach dem Nützlichkeits-Gesichtspunkt in Hinsicht auf die Erhaltung und Macht-Steigerung einer bestimmten Gattung von Animal.

das Perspektivische also giebt den Charakter der “Scheinbarkeit” ab!

Als ob eine Welt noch übrig bliebe, wenn man das Perspektivische abrechnete! Damit hätte man ja die Relativität abgerechnet, das —

jedes Kraftcentrum hat für den ganzen Rest seine Perspektive d.h. seine ganz bestimmte Werthung, seine Aktions-Art, seine Widerstandsart

Die “scheinbare Welt” reduzirt sich als auf eine spezifische Art von Aktion auf die Welt, ausgehend von einem Centrum

Nun giebt es gar keine andere Art Aktion: und die “Welt” ist nur ein Wort für das Gesammtspiel dieser Aktionen

Die Realität besteht exakt in dieser Partikulär-Aktion und Reaktion jedes Einzelnen gegen das Ganze ...

Es bleibt kein Schatten von Recht mehr übrig, hier von Schein zu reden ...

Die spezifische Art zu reagiren ist die einzige Art des Reagirens: wir wissen nicht wie viele und was für Arten es Alles giebt.

Aber es giebt kein “anderes”, kein “wahres”, kein wesentliches Sein—damit würde eine Welt ohne Aktion und Reaktion ausgedrückt sein ...

Der Gegensatz der scheinbaren Welt und der wahren Welt reduzirt sich auf den Gegensatz “Welt” und “Nichts” —

14 [185]

Moral

Daß der Werth einer Handlung von dem abhängen soll, was ihr im Bewußtsein vorausgieng—wie falsch ist das!— Und man hat die Moralität danach bemessen, selbst die Criminalität ...

Man hat gemeint, man müsse ihre Folgen wissen: und die naiven Psych von ehedem sagten

Der Werth einer Handlung muß aus ihren Folgen bemessen werden—sagen die Utilitarier:—sie nach ihrer Herkunft zu messen, implicirt eine Unmöglichkeit, nämlich diese zu wissen.

Aber weiß man die Folgen? Fünf Schritt weit vielleicht. Wer kann sagen, was eine Handlung anregt, aufregt, wider sich erregt? Als Stimulans? als Zündfunke vielleicht für einen Explosivstoff? ... Die Utilitarier sind naiv ... Und zuletzt müßten wir erst wissen, was nützlich ist: auch hier geht ihr Blick nur fünf Schritt weit... Sie haben keinen Begriff von der großen Ökonomie, die des Übels nicht zu entrathen weiß—.

Man weiß die Herkunft nicht, und weiß die Folgen nicht:—hat folglich eine Handlung überhaupt einen Werth? ...

Bleibt die Handlung selbst: ihre Begleiterscheinungen im Bewußtsein, das Ja und das Nein, das ihrer Ausführung folgt: liegt der Werth einer Handlung in den subjektiven Begleiterscheinungen—? Sicherlich begleiten sie Werthgefühle, ein Macht- ein Zwang- ein Ohnmachtgefühl z.B., die Freiheit, die Leichtigkeit, anders gefragt: könnte man den Werth einer Handlung auf physiologische Werthe reduziren: ob sie ein Ausdruck des vollständigen oder gehemmten Lebens ist? der biologische Werth einer Handlung?

ist es erlaubt, ihren Werth nach Begleiterscheinungen abzumessen, nach Lust und Unlust, dem Spiel der Affekte, dem Gefühl der Entladung, Explosion, Freiheit ...

es mag sein, daß sich ihr biologischer Werth darin ausdrückt ...

das hieße den Werth der Musik nach dem Vergnügen oder Mißvergnügen abmessen, das sie uns macht ... das sie ihrem Componisten macht ...

Wenn also die Handlung weder nach ihrer Herkunft, noch nach ihren Folgen, noch nach ihren Begleiterscheinungen abwerthbar ist, so ist ihr Werth x, unbekannt ...

Also: hat eine Handlung keinen Werth.

In summa, in der Sprache des Kirchenliedes: “Kreuch fleug und schleich auf Gottes Wegen”

14 [186]

Philosophie

Die Physiker glauben an eine “wahre Welt” auf ihre Art: eine feste, für alle Wesen gleiche Atom-Systematisation in nothwendigen Bewegungen,—so daß für sie die “scheinbare Welt” sich reduzirt auf die jedem Wesen nach seiner Art zugängliche Seite des allgemeinen und allgemein nothwendigen Seins (zugänglich und auch noch zurechtgemacht—“subjektiv” gemacht) Aber damit verirren sie sich: das Atom, das sie ansetzen, ist erschlossen nach der Logik jenes Bewußtseins-Perspektivism,—ist somit auch selbst eine subjektive Fiktion. Dieses Weltbild, das sie entwerfen, ist durchaus nicht wesensverschieden von dem Subjektiv-Weltbild: es ist nur mit weitergedachten Sinnen construirt, aber durchaus mit unseren Sinnen ... Und zuletzt haben sie in der Constellation etwas ausgelassen, ohne es zu wissen: eben den nothwendigen Perspektivismus, vermöge dessen jedes Kraftcentrum—und nicht nur der Mensch—von sich aus die ganze übrige Welt construirt d.h. an seiner Kraft mißt, betastet, gestaltet ... Sie haben vergessen, diese Perspektiven-setzende Kraft in das “wahre Sein” einzurechnen ... In der Schulsprache geredet: das Subjekt-sein. Sie meinen, dies sei “entwickelt”, hinzugekommen —

Aber noch der Chemiker braucht es: es ist ja das Spezifisch-Sein, das bestimmt So-und-So-Agiren und -Reagiren, je nachdem

Der Perspektivismus ist nur eine complexe Form der Spezifität

Meine Vorstellung ist, daß jeder spezifische Körper darnach strebt, über den ganzen Raum Herr zu werden und seine Kraft auszudehnen (—sein Wille zur Macht:) und Alles das zurückzustoßen, was seiner Ausdehnung widerstrebt. Aber er stößt fortwährend auf gleiche Bestrebungen anderer Körper und endet, sich mit denen zu arrangiren (“vereinigen”), welche ihm verwandt genug sind:—so conspiriren sie dann zusammen zur Macht. Und der Prozeß geht weiter ...

14 [187]

Philosophie

Es giebt nichts Unveränderliches in der Chemie, das ist nur Schein, ein bloßes Schulvorurtheil. Wir haben das Unveränderliche eingeschleppt, immer noch aus der Metaphysik, meine Herren Physiker. Es ist ganz naiv von der Oberfläche abgelesen, zu behaupten, daß der Diamant, der Graphit und die Kohle identisch sind. Warum? Bloß weil man keinen Substanz-Verlust durch die Wage constatiren kann! Nun gut, damit haben sie noch etwas gemein, aber die Molekül-Arbeit bei der Verwandlung, die wir nicht sehen und wägen können, macht eben aus dem einen Stoff etwas Anderes,—mit spezifisch anderen Eigenschaften

14 [188]

Die neue Welt-Conception

1) Die Welt besteht; sie ist nichts, was wird, nichts, was vergeht. Oder vielmehr: sie wird, sie vergeht, aber sie hat nie angefangen zu werden und nie aufgehört zu vergehen—sie erhält sich in Beidem ... Sie lebt von sich selber: ihre Excremente sind ihre Nahrung ...

2) Die Hypothese einer geschaffenen Welt soll uns nicht einen Augenblick bekümmern. Der Begriff “schaffen” ist heute vollkommen undefinirbar, unvollziehbar; bloß ein Wort noch, rudimentär aus Zeiten des Aberglaubens; mit einem Wort erklärt man Nichts. Der letzte Versuch, eine Welt, die anfängt, zu concipiren, ist neuerdings mehrfach mit Hülfe einer logischen Prozedur gemacht worden—zumeist, wie zu errathen ist, aus einer theologischen Hinterabsicht

Die ewige Wiederkunft.

Philosophie

3 Man hat neuerdings mehrfach in dem Begriff Zeit-Unendlichkeit der Welt nach hinten einen Widerspruch finden gewollt: man hat ihn selbst gefunden, um den Preis freilich, dabei Kopf mit dem Schwanz zu verwechseln. Nichts kann mich hindern, von diesem Augenblick an rückwärts rechnend zu sagen “ich werde nie dabei an ein Ende kommen”: wie ich vom gleichen Augenblick vorwärts rechnen kann, ins Unendliche hinaus. Erst wenn ich den Fehler machen wollte—ich werde mich hüten, es zu thun—diesen correkten Begriff eines regressus in infinitum gleichzusetzen mit einem gar nicht vollziehbaren Begriff eines unendlichen progressus bis jetzt, wenn ich die Richtung (vorwärts oder rückwärts) als logisch indifferent setzte, würde ich den Kopf, diesen Augenblick, als Schwanz zu fassen bekommen: das bleibe Ihnen überlassen, mein Herr Dühring! ...

4) Ich bin auf diesen Gedanken bei früheren Denkern gestoßen: jedes Mal war er durch andere Hintergedanken bestimmt (—meistens theologische, zu Gunsten des creator spiritus) Wenn die Welt überhaupt erstarren, vertrocknen, absterben, Nichts werden könnte, oder wenn sie einen Gleichgewichtszustand erreichen könnte, oder wenn sie überhaupt irgend ein Ziel hätte, das die Dauer, die Unveränderlichkeit, das Ein-für-alle-Mal in sich schlösse (kurz, metaphysisch geredet: wenn das Werden in das Sein oder ins Nichts münden könnte) so müßte dieser Zustand erreicht sein. Aber er ist nicht erreicht: woraus folgt ... Das ist unsere einzige Gewißheit, die wir in den Händen halten, um als Correktiv gegen eine große Menge an sich möglicher Welt-Hypothesen zu dienen. Kann z.B. der Mechanismus der Consequenz eines Finalzustandes nicht entgehen, welche Thompson ihm gezogen hat, so ist damit der Mechanismus widerlegt.

Philosophie

5) Wenn die Welt als bestimmte Größe von Kraft und als bestimmte Zahl von Kraftcentren gedacht werden darf—und jede andere Vorstellung bleibt unbestimmt und folglich unbrauchbar—so folgt daraus, daß sie eine berechenbare Zahl von Combinationen, im großen Würfelspiel ihres Daseins, durchzumachen hat. In einer unendlichen Zeit würde jede mögliche Combination irgendwann einmal erreicht sein; mehr noch, sie würde unendliche Male erreicht sein. Und da zwischen jeder “Combination” und ihrer nächsten “Wiederkehr” alle überhaupt noch möglichen Combinationen abgelaufen sein müßten und jede dieser Combinationen die ganze Folge der Combinationen in derselben Reihe bedingt, so wäre damit ein Kreislauf von absolut identischen Reihen bewiesen: die Welt als Kreislauf der sich unendlich oft bereits wiederholt hat und der sein Spiel in infinitum spielt.

Diese Conception ist nicht ohne weiteres eine mechanistische: denn wäre sie das, so würde sie nicht eine unendliche Wiederkehr identischer Fälle bedingen, sondern einen Finalzustand. Weil die Welt ihn nicht erreicht hat, muß der Mechanismus uns als unvollkommene und nur vorläufige Hypothese gelten.

14 [189]

Der Philosoph als Weiter-Entwicklung des priesterlichen Typus

— hat dessen Erbschaft im Leibe

— ist, selbst noch als Rivale, genöthigt, um dasselbe mit denselben Mitteln zu ringen, wie der Priester seiner Zeit.

— er aspirirt die höchste Autorität

was giebt Autorität, wenn man nicht die physische Macht in den Händen hat (keine Heere, keine Waffen überhaupt ...)?

wie gewinnt man namentlich die Autorität über die, welche die physische Gewalt und die Autorität besitzen?

sie concurriren mit der Ehrfurcht vor dem Fürsten, vor dem siegreichen Eroberer, dem weisen Staatsmann.

* *

Nur, indem sie den Glauben erwecken, eine höhere, stärkere Gewalt in den Händen zu haben,—Gott

Es ist Nichts stark genug: man hat die Vermittlung und die Dienste des Priesters nöthig.

Sie stellen sich als unentbehrlich dazwischen:—sie haben als Existenzbedingung nöthig,

1) daß an die absolute Überlegenheit ihres Gottes, daß an ihren Gott geglaubt wird

2) daß es keine anderen direkten Zugänge zu Gott giebt

Die zweite Forderung allein schafft den Begriff der “Heterodoxie”; die erste den des “Ungläubigen” (d.h. der an einen anderen Gott glaubt — ).

* *

Was ist denn am Philosophen rückständig?

Daß er seine Qualitäten als nothwendige und einzige Qualitäten lehrt, um zum “höchsten Gut” zu gelangen (z.B. Dialektik, wie Plato

Daß er alle Arten Mensch gradatim aufsteigen läßt zu seinem Typus als dem höchsten

Daß sie geringschätzen, was sonst geschätzt wird,—daß sie eine Kluft aufreißen den obersten priesterlichen Werthen und den weltlichen

daß er weiß, was wahr ist, was Gott ist, was das Ziel ist, was der Weg ist ... der typische Philosoph ist hier absolut Dogmatiker;—wenn er Skepsis nöthig hat, so ist es, um von seiner Hauptsache dogmatisch reden zu dürfen

14 [190]

Das Problem der Unterdrückten

Ich sehe nicht ab, ob die Semiten nicht schon in sehr alten Zeiten unter der entsetzlichen Knechtschaft der Hindus gewesen sind: als Tschandala’s, so daß damals einige Eigenthümlichkeiten bereits festgewurzelt sind, die zum Typus des Geknechteten und Verachteten gehören (—wie später in Aegypten).

Später ennobliren sie sich, in dem Grade, in dem sie kriegerisch werden ... Und eigene Länder, eigene Götter sich erobern. Die semitische Götterbildung ist historisch zusammenfallend mit ihrem Eintritt in die Geschichte ...

Der “Geist”, die zähe Geduld, die verachteten Gewerbe

Der offizielle Begriff des Tschandala ist genau der eines Auswurfs und Excrements der vornehmen Classen ...

14 [191]

Plato ist ganz im Geiste Manu’s: man hat ihn in Aegypten eingeweiht. Die Moral der Kasten, der Gott der Guten, die “ewige einzige Seele”

— Plato der Brahmanist

— Pyrrho der Buddhist

copirt: der Typus des Philosophen.

die Kasten

die Trennung der Lehre in Esoterisch und Exoterisch

die “große Seele”

die Seelenwanderung als umgekehrter Darwinismus (—ist nicht griechisch)

14 [192]

BegriffEgoismus

Es gehört zum Begriff des Lebendigen, daß es wachsen muß,—daß es seine Macht erweitert und folglich fremde Kräfte in sich hineinnehmen muß. Man redet, unter der Benebelung durch die Moral-Narkose, von einem Recht des Individuums, sich zu vertheidigen: im gleichen Sinne dürfte man auch von seinem Rechte anzugreifen reden: denn Beides—und das Zweite noch mehr als das Erste—sind Necessitäten für jedes Lebendige—der aggressive und der defensive Egoismus sind nicht Sache der Wahl oder gar des “freien Willens”, sondern die Fatalität des Lebens selbst.

Hierbei gilt es gleich, ob man ein Individuum oder einen lebendigen Körper, eine aufwärtsstrebende “Gesellschaft” ins Auge faßt. Das Recht zur Strafe (oder die gesellschaftliche Selbstvertheidigung) ist im Grunde nur durch einen Mißbrauch zum Worte “Recht” gelangt: ein Recht wird durch Verträge erworben,—aber das Sich-wehren und Sich-vertheidigen ruht nicht auf der Basis eines Vertrags. Wenigstens dürfte ein Volk mit ebensoviel gutem Sinn sein Eroberungsbedürfniß, sein Machtgelüst, sei es mit Waffen, sei es durch Handel, Verkehr und Colonisation als Recht bezeichnen,—Wachsthums-Recht etwa. Eine Gesellschaft, die endgültig und ihrem Instinkt nach den Krieg und die Eroberung abweist, ist im Niedergang: sie ist reif für Demokratie und Krämerregiment ... In den meisten Fällen freilich sind die Friedensversicherungen bloße Betäubungsmittel

14 [193]

Im alten Strafrecht war ein religiöser Begriff mächtig: der der sühnenden Kraft der Strafe. Die Strafe reinigt: in der modernen Welt befleckt sie. Die Strafe ist eine Abzahlung: man ist wirklich das los, für was man so viel hat leiden wollen. Gesetzt daß an diese Kraft der Strafe geglaubt wird, so giebt es hinterdrein eine Erleichterung und ein Aufathmen, das wirklich einer neuen Gesundheit, einer Wiederherstellung nahe kommt. Man hat nicht nur seinen Frieden wieder mit der Gesellschaft gemacht, man ist vor sich selbst auch wieder achtungswürdig geworden,—“rein” ... Heute isolirt die Strafe noch mehr als das Vergehen; das Verhängniß hinter einem Vergehen ist dergestalt gewachsen, daß es unheilbar geworden ist. Man kommt als Feind der Gesellschaft aus der Strafe heraus ... Von jetzt ab giebt es einen Feind mehr ...

Das jus talionis kann diktirt sein durch den Geist der Vergeltung (d.h. durch eine Art Mäßigung des Rache-Instinkts); aber bei Manu z.B. ist es das Bedürfniß, ein Äquivalent zu haben, um zu sühnen, um religiös wieder “frei” zu sein

14 [194]

Der Philosoph gegen die Rivalen, z.B. gegen die Wissenschaft

: da wird er Skeptiker

: da behälter sich eine Form der Erkenntniß vor, die er dem wissenschaftlichen Menschen abstreitet

: da geht er mit dem Priester Hand in Hand, um den Verdacht des Atheismus, Materialismus zu erregen

: er betrachtet einen Angriff auf sich als einen Angriff auf die Moral, die Tugend, die Religion, die Ordnung—er weiß seine Gegner als “Verführer” und “Unterminirer” in Verruf zu bringen

— da geht er mit der Macht Hand in Hand

Der Philosoph im Kampf mit anderen Philosophen:

: er sucht sie dahin zu drängen, als Anarchisten, Ungläubige, Gegner der Autorität zu erscheinen

In summa: soweit er kämpft, kämpft er ganz wie ein Priester, wie eine Priesterschaft.

14 [195]

Wie eine Jasagende arische Religion, die Ausgeburt der herrschenden Classen, aussieht:

das Gesetzbuch Manu’s.

Wie eine Jasagende semitische Religion, die Ausgeburt der herrschenden Classen, aussieht:

das Gesetzbuch Muhammeds. Das alte Testament, in den älteren Theilen

Wie eine Nein-sagende semitische Religion, als Ausgeburt der unterdrückten Klassen, aussieht:

nach indisch-arischen Begriffen: das neue Testament—eine Tschandala-Religion

Wie eine Neinsagende arische Religion aussieht, gewachsen unter den herrschenden Ständen .

: der Buddhismus.

Es ist vollkommen in Ordnung, daß wir keine Religion unterdrückter arischer Rassen haben: denn das ist ein Widerspruch: eine Herrenrasse ist obenauf oder geht zu Grunde.

14 [196]

Egoismus

Grundsatz: nur Einzelne fühlen sich verantwortlich. Die Vielheiten sind erfunden, um Dinge zu thun, zu denen der Einzelne nicht den Muth hat.

Eben deshalb sind alle Gemeinwesen, Gesellschaften hundert Mal aufrichtiger und belehrender über das Wesen des Menschen als das Individuum, welches zu schwach ist, um den Muth zu seinen Begierden zu haben ...

Der ganze “Altruismus” ergiebt sich als Privatmann-Klugheit: die Gesellschaften sind nicht “altruistisch” gegen einander ...

Das Gebot der Nächstenliebe ist noch niemals zu einem Gebote der Nachbar-Liebe erweitert worden. Vielmehr gilt da noch, was bei Manu steht ...

Die “Toleranz”

Das Studium der Gesellschaft ist deshalb so unschätzbar, weil der Mensch als Gesellschaft viel naiver ist als der Mensch als “Einheit”.

Die “Gesellschaft” hat die Tugend nie anders angesehen als als Mittel der Stärke, der Macht, der Ordnung.

Wie einfältig und würdig sagt es Manu:

14 [197]

“Lohn und Strafe” ... Das lebt miteinander, das verfällt mit einander. Heute will man nicht belohnt sein, man will Niemanden anerkennen, der straft ...

Man hat den Kriegsfuß hergestellt: man will etwas, man hat Gegner dabei, man erreicht es vielleicht am vernünftigsten, wenn man sich verträgt,—wenn man einen Vertrag macht

Eine moderne Gesellschaft, bei der jeder Einzelne seinen “Vertrag” gemacht hat: der Verbrecher ist ein Vertragsbrüchiger ... Das wäre ein klarer Begriff. Aber dann könnte man nicht Anarchisten und principielle Gegner einer Gesellschaftsform innerhalb derselben dulden ...

14 [198]

“Bei Gott ist kein Ding unmöglich” denkt der Christ. Aber der Inder sagt: bei Frömmigkeit und Wissenschaft des Veda ist kein Ding unmöglich: die Götter sind denen unterworfen und gehorsam. Wo ist der Gott, der dem frommen Ernst und Gebet eines in den Wald zurückgezogenen Yati widerstehen könnte?

Wie ein Stein, den man in den See wirft, im Augenblick verschwindet, so tauchen die Sünden unter und verschwinden in der Wissenschaft des Veda.

14 [199]

Herkunft der Moral

Der Priester will durchsetzen, daß er als höchster Typus des Menschen gilt

daß er herrscht,—auch noch über die, welche die Macht in den Händen haben

daß er unverletzlich ist, unangreifbar ...

daß er die stärkste Macht in der Gemeinde ist, absolut nicht zu ersetzen und zu unterschätzen



Mittel.

Er allein ist der Wissende.

Er allein ist der Tugendhafte.

Er allein hat die höchste Herrschaft über sich

Er allein ist in einem gewissen Sinn Gott und geht zurück in die Gottheit

Er allein ist die Zwischenperson zwischen Gott und den Anderen

Die Gottheit straft jeden Nachtheil, jeden Gedanken wider einen Priester gerichtet



Mittel

Die Wahrheit existirt.

Es giebt nur eine Form, sie zu erlangen: Priester werden

Alles, was gut ist, in der Ordnung, in der Natur, in dem Herkommen, geht auf die Weisheit der Priester zurück.

Das heilige Buch ist ihr Werk. Die ganze Natur ist nur eine Ausführung der Satzungen darin

Es giebt keinen anderen Quell des Guten als den Priester.

Alle andere Art von Vortrefflichkeit ist rangverschieden von der des Priesters z.B. die des Kriegers



Consequenz:

wenn der Priester der höchste Typus sein soll: so muß die Gradation zu seinen Tugenden die Werthgradation der Menschen ausmachen.

Das Studium, die Entsinnlichung, das Nicht-Aktive, das Impassible, Affektlose, das Feierliche.— Gegensatz (die tiefste Gattung Mensch:



Das Furchteinflößen
die Gebärden, die hieratischen Manieren
der Exceß der Verachtung des Leibes und der Sinne
— die Widernatur als Anzeichen der Übernatur



Der Priester hat Eine Art Moral gelehrt: um selbst als höchster Typus empfunden zu werden

Er concipirt einen Gegensatz-Typus: den Tschandala. Diesen mit allen Mitteln verächtlich zu machen giebt die Folie ab für die Kasten-Ordnung

seine extreme Angst vor der Sinnlichkeit ist zugleich bedingt durch die Einsicht, daß hier die Kasten-Ordnung (d.h. die Ordnung überhaupt) am schlimmsten bedroht ist ... Jede “freiere Tendenz” in puncto puncti wirft die Ehegesetzgebung über den Haufen

14 [200]

An dieser Conception ist Einiges bewunderungswürdig: z.B. die absolute Abtrennung der Auswurf-Stoffe der Gesellschaft, mit der Tendenz, sie zu Grunde zu richten. Sie begriffen, was ein lebendiger Körper nöthig hat,—die kranken Glieder ausschneiden ...



1) Sie ist auf eine bewunderungswürdige Weise fern von der schlaffen Instinkt-Entartung, welche man jetzt “Humanität” nennt...

Sodann die Degradation aus einer Kaste in die andere ...



Sodann die Formulirung der Ehe: die Stellung der “Liebesheirath” (die Art der “himmlischen Musiker”:

2) der Kampf gegen den Alcoholismus ... p. 332.

3) ihre vollkommene Würdigung des hohen Alters, des Weibes p 127

4) sie gehen davon aus, den Menschen ehrwürdig zu machen, vor sich selber: sie haben nöthig, selbst das Natürlichste zu transfiguriren, dadurch daß sie die Pflicht, als heilige Observanz dem Gefühl entgegenführen

14 [200]

An dieser Conception ist Einiges bewunderungswürdig: z.B. die absolute Abtrennung der Auswurf-Stoffe der Gesellschaft, mit der Tendenz, sie zu Grunde zu richten. Sie begriffen, was ein lebendiger Körper nöthig hat,—die kranken Glieder ausschneiden ...



1) Sie ist auf eine bewunderungswürdige Weise fern von der schlaffen Instinkt-Entartung, welche man jetzt “Humanität” nennt...

Sodann die Degradation aus einer Kaste in die andere ...



Sodann die Formulirung der Ehe: die Stellung der “Liebesheirath” (die Art der “himmlischen Musiker”:

2) der Kampf gegen den Alcoholismus ... p. 332.

3) ihre vollkommene Würdigung des hohen Alters, des Weibes p 127

4) sie gehen davon aus, den Menschen ehrwürdig zu machen, vor sich selber: sie haben nöthig, selbst das Natürlichste zu transfiguriren, dadurch daß sie die Pflicht, als heilige Observanz dem Gefühl entgegenführen

14 [201]

Die Kasten begriffen als eine Arbeitstheilung, andrerseits als einzige Form, die vollkommene Leistung instinktiv zu machen ...

das Wesentliche ist die Tradition der Arbeit, die Mechanik, welche ebendamit, durch Geschlechter hindurch, vollkommen wird ...

14 [202]

Wenn die Einigung eines jungen Mannes und eines jungen Mädchens die Frucht einer gegenseitigen Wahl ist, so heißt diese Einigung, geboren, wie sie ist, aus der Liebe und die Liebe zum Zweck habend:

die Art der “himmlischen Musiker”

Die 4 letzteren Arten Ehe bringen nur Verschwender, Händelsuchende, Lügner als Kinder hervor, die die heilige Schrift und die Pflichten, welche sie vorschreibt, nicht kennen

Aus honnetten und lobenswerthen Ehen entstehen honnette und lobenswerthe Kinder; aber die schlechten Ehen sehen nur eine verächtliche Nachkommenschaft.

Das Lob der Jungfrau: p. 225

14 [202]

Wenn die Einigung eines jungen Mannes und eines jungen Mädchens die Frucht einer gegenseitigen Wahl ist, so heißt diese Einigung, geboren, wie sie ist, aus der Liebe und die Liebe zum Zweck habend:

die Art der “himmlischen Musiker”

Die 4 letzteren Arten Ehe bringen nur Verschwender, Händelsuchende, Lügner als Kinder hervor, die die heilige Schrift und die Pflichten, welche sie vorschreibt, nicht kennen

Aus honnetten und lobenswerthen Ehen entstehen honnette und lobenswerthe Kinder; aber die schlechten Ehen sehen nur eine verächtliche Nachkommenschaft.

Das Lob der Jungfrau: p. 225

14 [203]

Kritik Manus:

Reduktion der Natur auf die Moral: einen Strafzustand des Menschen: es giebt keine natürlichen Wirkungen—die Ursache ist das Brahman.

Reduktion der menschlichen Triebfedern auf die Furcht vor der Strafe und die Hoffnung auf Lohn: d.h. vor dem Gesetz, das Beides in der Hand hat ...

Man hat absolut conform dem Gesetz zu leben: das Vernünftige wird gethan, weil es befohlen ist; der naturgemäßeste Instinkt wird befriedigt, weil das Gesetz es vorgeschrieben hat.

Das ist eine Schule der Verdummung: in einer solchen Theologen-Brutanstalt (wo auch der junge Militär und Ackerbauer einen neunjährigen Cursus Theologie durchmachen muß, um “constant” zu werden—den neunjährigen “Militärdienst” der 3 obersten Kasten) müssen die Tschandala’s die Intelligenz und selbst das Interessante für sich gehabt haben. Sie waren die einzigen, welche die wahre Quelle des Wissens, die Empirie zugänglich hatten ... Hinzugerechnet die Inzucht der Kasten ...

Es fehlt die Natur, die Technik, die Geschichte, die Kunst, die Wissenschaft,

14 [204]

Man redet heute viel von dem semitischen Geiste des neuen Testaments: aber was man so nennt, ist bloß priesterlich,—und im arischen Gesetzbuche reinster Rasse, im Manu, ist diese Art “Semitismus” d.h. Priester-Geist schlimmer als irgendwo.

* * *

Die Entwicklung des jüdischen Priesterstaates ist nicht original: sie haben das Schema in Babylon kennen gelernt: das Schema ist arisch. Wenn dasselbe später wieder, unter dem Übergewicht des germanischen Bluts, in Europa dominirte, so war dies dem Geiste der herrschenden Rasse gemäß: ein großer Atavismus. Das germanische Mittelalter war auf Wiederherstellung der arischen Kasten-Ordnung aus.

* * *

Muhammedanismus hat von den Christen wiederum gelernt: die Benutzung des “Jenseits” als Straf-Organ.

* *

Das Schema eines unveränderlichen Gemeinwesens, mit Priestern an der Spitze: das älteste große Cultur-Produkt Asiens im Gebiete der Organisation—muß natürlich in jeder Beziehung zum Nachdenken und Nachmachen aufgefordert haben.

Noch Plato: aber vor allen die Aegypter.

14 [205]

Eins wird am schwersten verziehen: daß man sich selbst achtet. Ein solches Wesen ist einfach abominabel: er bringt ja an’s Licht, was es mit der Toleranz, der einzigen Tugend der Übrigen und Aller auf sich hat ...



Ich wollte, man fienge damit an, sich selbst zu achten: Alles Andere folgt daraus. Freilich hört man eben damit für die Anderen auf: denn das gerade verzeihen sie am letzten. Wie? Ein Mensch der sich selbst achtet?

Das ist etwas Anderes als der blinde Trieb, sich selbst zu lieben: nichts ist gewöhnlicher, in der Liebe der Geschlechter, wie in der Zweiheit, welche “ich” genannt wird, als Verachtung gegen das, was man liebt, der Fatalismus in der Liebe —

14 [206]

Gegen das Contagium der Neurose
Wahl der Orte, Sachen, Bücher,
Der Alkoholismus
und die Musik ...
das klimatische und meteorologische optimum wählen; insgleichen das Culinarische
Verminderung der Zahl der Eindrücke:
Zeiten reserviren wo kein Buch und kein Ding zu uns redet, — geschweige ein Mensch ...
Wiederherstellungs-Zeiten, régime Genua; der Gesündeste hat solche Zeiten heute nöthig:—Fasten-Zeiten —
Gegen den Vegetarismus:

14 [207]

Wir sind Tschandala: und unsere Künstler und Artisten voran ...

14 [208]

weshalb Alles Schauspielerei wird?

dem modernen Menschen fehlt:

der sichere Instinkt (Folge einer langen gleichartigen Thätigkeitsform einer Art Mensch)

die Unfähigkeit etwas Vollkommenes zu leisten ist bloß die Folge davon:—man kann als Einzelner die Schule nie nachholen

14 [209]

Die Zeiten, wo man mit Lohn und Strafe den Menschen lenkt, haben eine niedere noch primitive Art Mensch im Auge: das ist wie bei Kindern ...

Inmitten unserer späten Cultur ist die Fatalität und die Degenerescenz etwas, das vollkommen den Sinn von Lohn und Strafe aufhebt ...

— es setzt junge, starke, kräftige Rassen voraus, dieses wirkliche Bestimmen der Handlung durch Lohn- und Straf-Aussicht ...

in alten Rassen sind die Impulse so unwiderstehlich, daß eine bloße Vorstellung ganz ohnmächtig ist ...

nicht Widerstand leisten können, wo ein Reiz gegeben ist, sondern ihm folgen müssen: diese extreme Irritabilität der décadents macht solche Straf- und Besserungs-Systeme vollkommen sinnlos ...

* *

Der Begriff “Besserung” auf der Voraussetzung eines normalen und starken Menschen, dessen Einzel-Handlung irgendwie wieder ausgeglichen werden soll, um ihn nicht zu verlieren, um ihn nicht als Feind zu haben ...

14 [210]

Die Decadence-Moralen haben das eigenthümlich, daß sie eine Praxis, ein Regime, empfehlen, welche die décadence beschleunigt ...

— sowohl physiologisch, als psychologisch: der Instinkt der Reparation und Plastik fungirt nicht mehr ...

— sie glauben Heilung, Erlösung auch welche, an die das Nichts, die tiefste Erschöpfung stößt

— sie suchen das Gleichartige zusammen aus allen Dingen, Zuständen und Zeiten: Beispiel die Gebrüder Goncourt ...

14 [211]

Die Energie der Gesundheit verräth sich bei Kranken in dem brüsken Widerstande gegen die krankmachenden Elemente ...

einer Reaktion des Instinkts, z.B. gegen Musik bei mir —

14 [212]

Die Bestimmung des Weibes ist, die Familie durch Kinder fortzusetzen, die des Mannes diese zu zeugen: diese doppelte Pflicht, für die Mann und Weib zusammen thätig sind, hat ihre Heiligung durch die Schrift.



Welche sind zu betrachten als die Schuldigsten? Der Mörder eines Brahmanen, der Trinker von Spirituosen, der, welcher das Weib seines geistlichen Rathgebers verführt



Nach der vorgeschriebenen Sühnung soll er diese zum Tode oder zu anderen körperlichen Strafen verurtheilen. Er soll die Stirn dessen, der die Frau seines Rathgebers verführt hat, mit dem Bild des weiblichen Geschlechtstheils stigmatisiren, den Trinker von Spirituosen mit dem Zeichen des Destillations-Instrumentes, den Mörder eines Brahmanen mit dem Bilde eines Leibes ohne Kopf.

14 [212]

Die Bestimmung des Weibes ist, die Familie durch Kinder fortzusetzen, die des Mannes diese zu zeugen: diese doppelte Pflicht, für die Mann und Weib zusammen thätig sind, hat ihre Heiligung durch die Schrift.



Welche sind zu betrachten als die Schuldigsten? Der Mörder eines Brahmanen, der Trinker von Spirituosen, der, welcher das Weib seines geistlichen Rathgebers verführt



Nach der vorgeschriebenen Sühnung soll er diese zum Tode oder zu anderen körperlichen Strafen verurtheilen. Er soll die Stirn dessen, der die Frau seines Rathgebers verführt hat, mit dem Bild des weiblichen Geschlechtstheils stigmatisiren, den Trinker von Spirituosen mit dem Zeichen des Destillations-Instrumentes, den Mörder eines Brahmanen mit dem Bilde eines Leibes ohne Kopf.

14 [213]

Ein solches Gesetzbuch resümirt die Erfahrung, Klugheit und experimentelle Moral von langen Jahrhunderten: es schließt ab, es beendet eine Epoche, es schafft Nichts mehr —

Die Mittel, einer schwer und kostspielig erworbenen Wahrheit Autorität zu schaffen, sind grundverschieden von den Mitteln, mit denen man sie beweisen würde. Ein Gesetzbuch beweist niemals den Nutzen und den Nachtheil einer Vorschrift: es zeigt nur die schlimmen Folgen für das Individuum, wenn es ein Gesetz als Gesetz nicht hält,—wenn es ungehorsam ist.

Alle natürlichen schlimmen Folgen einer Gesetzes-Übertretung werden nie in Hinsicht auf diese Natürlichkeit in Betracht gezogen: sondern die schlimme Folge ist eine übernatürliche Strafe, für die Nicht-Befolgung einer Vorschrift.

Das Problem ist dies: in einem gewissen Moment der Geschichte des Volks erklärt die intelligenteste Schicht desselben die Erfahrung, wonach gelebt oder nicht gelebt werden darf, für abgeschlossen. Ihr Ziel geht darauf, die Ernte möglichst reich und vollständig heimzubringen von den langen Perioden des Experiments und der schlimmen Erfahrung ...

Was jetzt vor allem zu verhüten ist, das ist das Neu-Experimentiren, das Fortfahren-Wollen in der Prüfung und Auswahl: dem wird eine doppelte Mauer entgegengestellt 1) die Offenbarung 2) die Tradition. Beides sind heilige Lügen: der intelligente Stand der sie erfindet, versteht sie so gut als Plato sie verstand.

Die Offenbarung: das ist die Behauptung, daß die Vernunft jener Gesetze nicht menschlichen Ursprungs, nicht langsam und mit Fehlgriffen gesucht und gefunden ist, sondern daß sie mit Einem Mal von der Gottheit mitgetheilt wurde ...

Die Tradition: das ist die Behauptung, daß es bereits seit uralten Zeiten so gewesen wäre. Genug, eine principielle Umfälschung der ganzen Geschichte eines Volks. (Beispiel die jüdische Umdeutung nach dem Exil,—das Mißverstehen wollen ihrer Vergangenheit)

1) es ist gottlos, das Gesetz zu kritisiren

2) es ist pietätlos,—es ist ein Verbrechen an den Vorfahren—man reizt sie gegen sich auf —

14 [214]

Das Weib, das seinen Gatten von sich stößt, weil er die Passion des Spiels oder der geistigen Getränke hat, an Stelle, daß sie ihn wie einen Kranken pflegt, soll drei Monate in die inneren Gemächer eingesperrt werden, ohne jedweden Putz und Zierat (avis an George Eliot!)

14 [215]

Transfiguration der natürlichen Folgen einer Handlung

es giebt keine natürlichen Folgen mehr: sondern der Ungehorsam wird bestraft, und die Tugend wird belohnt.

das Glück, das lange Leben, die Nachkommenschaft—alles sind Folgen der Tugend, vermittelt durch die ewige Ordnung der Dinge —

die Unreinlichkeit z.B. wird verboten, nicht, weil ihre Folgen der Gesundheit schaden: sondern, weil sie verboten ist, schadet sie der Gesundheit ...

* *

Also, principiell: die natürliche Folge einer Handlung wird dargestellt, als Lohn oder Strafe, je nachdem etwas geboten oder verboten ist ...

dazu ist nöthig, daß die größte Menge der Strafen eben nicht natürliche sind, sondern übernatürliche, jenseitige, bloß zukünftige ...

* *

Also, principiell: jeder Nachtheil, jedes Unglück ist Beweis von Verschuldung: selbst jede niedrige Existenzform (die Thiere z.B.)

Die Welt ist vollkommen: vorausgesetzt, daß dem Gesetz Genüge geschieht. Die ganze Unvollkommenheit kommt vom Ungehorsam gegen das Gesetz.

* * *

Die oberste Kaste hat, als die vollkommene, auch das Glück darzustellen: deshalb ist nichts unangemessener als der Pessimismus und die Entrüstung ...

kein Zorn, keine Entgegnung im Schlimmen —

die Askese nur als Mittel zu höherem Glück, zur Erlösung von Vielem

die oberste Klasse hat ein Glück aufrecht zu erhalten, unter dem Preis, den unbedingten Gehorsam, jede Art von Härte, Selbstbezwingung und Strenge gegen sich darzustellen—sie will als die ehrwürdigste Art Mensch empfunden werden,—auch als die bewundernswertheste: folglich kann sie nicht jede Art Glück brauchen —

14 [216]

Kritik des Gesetzes.

Die höhere Vernunft einer solchen Prozedur ist, das Bewußtsein Schritt für Schritt von dem als richtig erkannten Leben zurückzudrängen: so daß ein vollkommener Automatismus des Instinktes erreicht wird

— d.h. die Voraussetzung jeder Art Meisterschaft

Es ist fromm, es ist üblich, es ist das Abzeichen braver und hochsinniger Menschen, so und so zu handeln:—das bleibt übrig:

die Herkunft, die Nützlichkeit, die Vernunft der Vorschrift wird aus dem Bewußtsein verdrängt.

Das wesentlichste Mittel zu dieser Verdrängung ist, daß zwei andere Begriffe mit ungeheurer Gewalt in den Vordergrund treten: beide das eigentliche Nachdenken über die Herkunft und die Kritik des Gesetzes ausschließend ...

1) der Lohn

2) die Strafe

“Jeder Mensch, der eine Strafe für ein Vergehen empfangen hat auf Befehl des Königs, geht zum Himmel frei von jeder Befleckung, eben so rein wie der, der immer nur das Gute geübt hat.”

Es wird eine Sache der obersten Selbsterhaltung, des “Eins ist Noth”, hier absolut zu gehorchen ... Es wird zur höchsten Unklugheit umgestempelt, hier nicht zu gehorchen —

Der Egoismus wird in’s Spiel gezogen, dergestalt, daß Gehorchen und Nichtgehorchen wie Glück und tiefste Selbstbenachtheiligung sich gegenüber treten

Zu diesem Zwecke wird das ganze Leben in eine Jenseits-Perspektive gesetzt, so daß es als folgenreich im allererschreckendsten Sinne begriffen wird ...

— die relative Unsterblichkeit ist das große Vergrößerungsglas, um den Begriff Strafe ... Lohn unerhört zu steigern.

Diese Weisen glauben nicht daran:—sonst würden sie es nicht erfinden ...

14 [217]

Eine Kaste, welche alle Wehr- und Angriffs-Arbeit, selbst in der Gesinnung von sich abgelehnt hat,—und den Begriff “gut” streng nimmt ...

14 [218]

Der “gute Mensch”, als ein Gebilde der décadence, der “sich ergiebt”, der den Nachtheil alles Feind-seins, alles Zürnens und Sich-rächenwollens begreift,—der zu schwach ist, zu nervenschwach dazu ...

Der “gute Mensch”, aus Stärke, aus Machtfülle, als herrschender Typus, der sich eine Existenz ausgewählt hat, die ihn der Nöthigung enthebt, aggressive und defensive Affekte zu haben ...; der eine eigene Kaste mit diese Affekten beauftragt hat ... Ein solcher schafft sich nun auch einen “Gott” nach seinem Bilde —

— für ihn ist auch die Welt gerechtfertigt: das Übel hat einen pädagogischen Zweck, d.h. einen Straf-Zweck ...

14 [219]

Schwäche des Willens: das ist ein Gleichniß, das irreführen kann. Denn es giebt keinen Willen, und folglich weder einen starken, noch schwachen Willen. Die Vielheit und Disgregation der Antriebe, der Mangel an System unter ihnen resultirt als “schwacher Wille”; die Coordination derselben unter der Vorherrschaft eines einzelnen resultirt als “starker Wille”;—im ersteren Falle ist es das Oscilliren und der Mangel an Schwergewicht; im letzteren die Präcision und Klarheit der Richtung

14 [220]

Die Ja-sagende Religion.

Die höchste Ehrfurcht vor dem Zeugungsakt und der Familie:
Man hat die Schulden Vorfahren zu bezahlen ...
der Instinkt der Tradition, die tiefste Verachtung gegen alles was die Tradition unterbrach ...
Der Instinkt gegen die Degenerescenz ...
Das ist zu studiren: was Alles zusammengerechnet wurde als degenerirt.
Die Lasterhaften
Die Geisteskranken.
Die Schwer-Aussätzigen
Die Huren.
Die Künstler.

14 [221]

Die Ordnung der Kasten beruht auf der Beobachtung, daß es drei oder vier Arten Mensch giebt, zu anderer Thätigkeit bestimmt und am besten entwickelt, wie diese Thätigkeit durch Arbeitstheilung ihnen allen zusteht ...

eine Art Sein als Vorrecht, eine Art Thätigkeit ebenfalls

die Ordnung der Kasten ist nur die Sanktionirung eines Naturabstandes zwischen mehreren physiologischen Typen (Charakteren, Temperamenten usw.)

— sie ist nur die Sanktion der Erfahrung, sie geht ihr nicht voraus, noch weniger hebt sie dieselbe auf ...

a)die geistigeren Menschen, (—die Gelehrten, die Rathgeber, die Richter, die Philosophen—)—Lehrstand
b)die muskulären Menschen, der Kriegerstand—Wehrstand
c)die Handel, Landbau und Viehzucht—Nährstand
d)endlich eine niedrige (unterworfene Art) von Eingeborenen, als Dienstboten-Rasse anerkannt.

Hier ist überall die Voraussetzung eine wirkliche Natur-Abscheidung: der Begriff Kaste sanktionirt nur die Natur-Abscheidung.

Die Heiligkeit der Familie, die Solidarität von Geschlecht mit Geschlecht ist die Voraussetzung des ganzen Baues:—folglich muß sie gerade ganz und gar ins Jenseitige übersetzt werden.

Man hat einen Sohn nöthig, weil nur ein Sohn erlöst ... man verheirathet sich, “um die Schuld der Vorfahren zu zahlen”

14 [222]

Die modernen Pessimisten als décadents:
Schopenhauer
Leopardi Baudelaire
Mainländer Goncourt
Dostoiewsky
man hat den geschmacklosen Versuch gemacht, Wagner und Schopenhauer unter die Geisteskranken zu subsumiren: was der Wahrheit ganz entsprach, war die scharfe Betonung der physiologischen décadence in ihrem Typus hervorzuheben ...

14 [223]

Die Juden machen den Versuch, sich durchzusetzen, nachdem ihnen zwei Kasten, die der Krieger und die der Ackerbauer, verloren gegangen sind

sie sind in diesem Sinne die “Verschnittenen”

— sie haben den Priester—und dann sofort den Tschandala ...

Wie billig, kommt es bei ihnen zu einem Bruch, zu einem Aufstand der Tschandala: der Ursprung des Christenthums.

Damit daß sie den Krieger nur als ihren Herrn kannten, brachten sie in ihre Religion die Feindschaft gegen die Vornehmen, gegen den Edeln, Stolzen, gegen die Macht, gegen die herrschenden Stände—: sie sind Entrüstungs-Pessimisten ...

Damit schufen sie eine wichtige neue Position: der Priester an der Spitze der Tschandala—

gegen die vornehmen Stände ...

das Christenthum zog die letzte Consequenz dieser Bewegung: auch im jüdischen Priesterthum empfand es noch die Kaste, den Privilegirten, den Vornehmen —

es strich den Priester aus

Christ ist der Tschandala, der den Priester ablehnt ... Der Tschandala, der sich selbst erlöst ...

Deshalb ist die französische Revolution die Tochter und Fortsetzerin des Christenthums ... sie hat den Instinkt gegen die Kirche, gegen die Vornehmen, gegen die letzten Privilegien — —

14 [224]

Man muß dies nicht verwechseln: die Sudras, eine Dienstboten-Rasse: wahrscheinlich eine niedrigere Art Volk, welche vorgefunden wurde auf dem Boden, wo diese Arier Fuß faßten ...

Aber der Begriff Tschandala drückt die Degenerirten aller Kasten aus: die Auswurfstoffe in Permanenz, die wiederum unter sich sich fortpflanzen

wider sie redet der tiefste Instinkt der Gesundheit einer Rasse. Hier hart zu sein ist synonym mit “gesund” sein: es ist der Ekel vor der Entartung, der hier eine Menge moralischer und religiöser Formeln findet ...

Nichts ist lehrreicher als die Bestandtheile dieses Auswurfs:—die alten feinen und tiefen Weisen haben gewußt, was man nicht gewußt hat—bis heute!!)

: daß Laster
Krankheit
Geistesstörung
Hyper-Nervosität gewisser
Symptome der physiologischen décadence sind.
 

geistiger Anlagen

  

Sie rechnen die Künstler unter die décadents ...

14 [225]

Gesetzt, es fallen die Gründe weg, um jene metaphysischen Hypothesen machen zu müssen, gesetzt, man will nicht mehr regieren, erziehen, seinen Typus als höchsten und ersten aufrecht erhalten:

gesetzt, man denkt als Tschandala über die Dinge, so findet man vielleicht die ganze Kette von Erfahrungen und Schlüssen wieder zusammen, die jenen Alten zur Voraussetzung diente, ihre Hypothesen zu machen: ich will sagen, man findet die “Wahrheit”—aber genau in der Auflösung aller Autorität, alles Respekts aller Traditionen, aller moralischen Vorurtheile—wir verbrauchen unseren Rest ererbter Moral bei dieser Arbeit ...

das, was jetzt Wissenschaft ist, ist ein genauer Gradmesser für den Niedergang des moralischen und religiösen Glaubens:—wir sind aufgelöst, wenn wir am Ende unserer “Weisheit” sind,—wir haben alle positiven Kräfte verbraucht, zur Erkenntniß ... Das Wissen an sich ist ja ohnmächtig: und was den “Egoismus” betrifft, so sind wir in einer décadence-Zeit durchaus nicht sicher, unseren Vortheil zu wollen: die Antriebe sind viel zu mächtig, als daß der Nutzen der leitende Gesichtspunkt bliebe— Der “Altruismus”, das Mitleben und Zusammenfühlen von aller Art Gefühlen und Zuständen ist in diesem Falle eine große Krankheit mehr: es ist das Tschandala-Gewissen, eine Schwäche, die mit Lust verknüpft ist ...

14 [226]

das, was eine Moral, ein Gesetzbuch schafft, der tiefe Instinkt dafür, daß erst der Automatismus die Vollkommenheit möglich macht in Leben und Schaffen ...

Aber jetzt haben wir den entgegengesetzten Punkt erreicht, ja, wir haben ihn erreichen gewollt—die extremste Bewußtheit, die Selbstdurchschauung des Menschen und der Geschichte ...

— damit sind wir praktisch am fernsten von der Vollkommenheit in Sein, Thun und Wollen: unsere Begierde, unser Wille selbst zur Erkenntniß ist ein Symptom einer ungeheuren décadence ... Wir streben nach dem Gegentheil von dem, was starke Rassen, starke Naturen—wollen

— das Begreifen ist ein Ende ...

Daß Wissenschaft möglich ist in diesem Sinne, wie sie heute geübt wird, ist der Beweis dafür, daß alle elementaren Instinkte, Nothwehr- und Schutz-Instinkte des Lebens nicht mehr fungiren —

wir sammeln nicht mehr, wir verschwenden die Capitalien der Vorfahren, auch noch in der Art, wie wir erkennen

14 [227]

Man hat mit einem willkürlichen und in jedem Betracht zufälligen Wort, dem Worte “Pessimismus” einen Mißbrauch getrieben, der wie ein Contagium um sich greift: man hat das Problem dabei übersehen in dem wir leben, das wir sind

es handelt sich nicht darum, wer Recht hat,—es fragt sich, wohin wir gehören, ob zu den Verurtheilten, den Niedergangs-Gebilden ... In diesem Fall urtheilen wir nihilistisch.

Man hat zwei Denkweisen gegen einander gestellt, wie als ob sie miteinander über die Wahrheit zu streiten hätten: während sie beide nur Symptome von Zuständen sind, während ihr Kampf das Vorhandensein eines cardinalen Lebens-Problems—und nicht eines Philosophen-Problems beweist. Wohin gehören wir?—sind wir

13, 14[1-227] Frühjahr 1888

14 [1]

Искусство. Предисловие

Речи об искусстве с занудством жестов для меня не вяжутся: я хочу говорить о нем, как говорю с самим собой во время вольных одиноких прогулок, когда мне случается схватить на лету и увлечь в свою жизнь преступное счастье и идеал. Проводить жизнь между вещами хрупкими и нелепыми; оставаясь чуждым реальности; наполовину художником, наполовину птицей небесной и метафизиком; не говоря реальности ни Да, ни Нет, разве что временами славословя ее на цыпочках, как хороший танцор; всякий миг чувствуя щекотку солнечного луча счастья; раззадоренный и ободренный даже невезением — ведь невезение хранит счастливца; привешивая дурацкий хвостик и к самому святому — это, само собой разумеется, идеал духа тяжелого, стопудового, духа тяжести ...

14 [2]

Homoeopathica

Действие бесконечно малых доз характерно для нервных больных: ego.

«чем мы разумней, тем несчастней»

Шопенгауэр

14 [3]

Незаметные фазы: сначала возбуждение, но вскоре — истощение

Гипнотический сон может быть наведен самыми различными видами сенсорных возбуждений (зрения, слуха, обоняния), они лишь должны быть достаточно сильны и продолжительны: первый эффект всегда один — общий прилив энергии. Но в конечном счете наступает истощение de l’influx cérébral. Возбуждение вводит в игру силу, которая истощается ...

14 [4]

Psychologica

Вожделение приятно, когда чувствуешь себя достаточно сильным, чтобы достичь желаемого

как представление о том, что наше чувство власти: начальная фаза удовольствия

в противном случае неприятно; и быстро вызывает к себе неприязнь. Вожделение становится угрозой: как у Шопенгауэра.

14 [5]

Религия. декаданс

Опасность христианства

Несмотря на то что христианство выдвинуло на передний план учение о бескорыстии и любви, его настоящим историческим следствием остается усиление эгоизма, эгоизма индивидуального до его последней крайности, — эта крайность есть вера в индивидуальное бессмертие. Отдельный человек приобрел такую важность, что жертвовать им стало уже нельзя: все «души» сделались равны перед Богом. Но это означает опаснейшим образом ставить под вопрос жизнь рода: это благоприятствовало такой практике, которая противоположна интересам рода. Альтруизм христианства — смертельно опасная концепция: она всех уравнивает ...

Но тем самым опрокидывается естественный ход развития ... и все естественные ценности. Если больной будет столь же ценен, как и здоровый (а то и больше, по Паскалю)

Это всеобщее человеколюбие, на практике — предпочтение всех страждущих, обойденных жизнью, больных

фактически ослабило способность жертвовать людьми: оно захотело свести ответственность к одному лишь самопожертвованию, — но как раз этот-то абсурдный личный альтруизм и не имеет, с точки зрения развития породы, абсолютно никакой ценности. Если б мы захотели дождаться, пока многие по собственному почину пожертвуют собой ради сохранения рода, то остались бы в дураках ...

все великие движения, войны и т.д. заставляют людей жертвовать собой: и не кто иной как сильные постоянно сокращают таким образом свою численность ...

напротив, слабым присущ устрашающий инстинкт — щадить себя, сохранять себя, оказывать взаимовыручку ...

выходит, эта «взаимовыручка» практически и есть добродетель, во всяком случае — истинное человеколюбие!.. типично: они хотят, чтобы государство их защищало, они уверены, что это и есть «его высшая обязанность»!

за всеобщей похвалой «альтруизму» скрывается инстинкт, подсказывающий, что когда все друг о друге заботятся, отдельный человек имеет больше всего шансов сохраниться ... эгоизм слабых — вот что породило такую исключительную похвалу альтруизму ...

Опасная противоестественность христианства:

— она ставит крест на отборе —

1)она изобретает воображаемую ценность личности столь размашисто и спесиво, что практически каждый получает равную ценность
2)она выдает инстинкт взаимовыручки и самосохранения слабых в своей среде за наивысшее мерило ценности, ни с чем она так не враждует, как с образом действий природы в отношении слабых и обойденных жизнью: природа наносит им вред, эксплуатирует, разрушает их ...
3)противоестественность не хочет признать, что высший тип человека — удавшийся и счастливый ... она есть очернение, отравление, разъедание всей естественной шкалы ценностей

14 [6]

Воля к власти как мораль

Понять сплоченность всех форм порчи; не забыть

при этом и христианскую порчу

Паскаль как тип

равно как и социалистически-коммунистическую
порчу (следствие христианской)

высшая концепция общества у социалистов занимает
низшую ступень в иерархии обществ

порча «потустороньем»: будто помимо реального
мира, мира становления, есть еще какой-то мир сущего

Здесь не может быть никакого соглашения: здесь нужно
уничтожать, искоренять, вести войну — нужно еще
всюду обличить христиано-нигилистический критерий
ценности и бороться с ним, под какой бы маской он ни
скрывался ... В нынешней социологии, например, в нынеш-
ней музыке, в нынешнем пессимизме (—все это формы
христианского ценностного идеала—)

Истинно либо одно, либо другое: истинность здесь в
смысле возвеличения человеческого типа ...

Священник, духовник — как неприемлемые формы
существования

всё прежнее воспитание: беспомощно, шатко, лишено
центра тяжести, обременено ценностными противо-
речиями —

14 [7]

По поводу современных веяний.

Трусость быть последовательным — современный порок.

Романтизм: враждебность

против Возрождения (Шатобриан, Р. Вагнер)
против античного ценностного идеала
против господствующего духа
против классического вкуса, простого, строгого,
монументального стиля
против «счастливых»
против «воинственных»

14 [8]

Ценность ..

Наивысшее количество власти, какое человек сумел

человек: не человечество ...

человечество гораздо скорее средство, нежели цель. Речь-то идет о типе. человечество - не более как опытный материал, неслыханный переизбыток уродства, руины ...

14 [9]

Нигилизм

Ничто не было бы полезней и достойней поощрения, чем последовательный нигилизм дела

: насколько я понимаю феномены христианства, пессимизма, все они выражают следующее: «мы созрели для того, чтобы не быть; не быть для нас — разумней всего»

в данном случае этот голос «разума» служит и голосом производящей отбор природы

Но что, напротив, подлежит решительному осуждению, так это двусмысленная и трусливая половинчатость религии — таковую выказывает христианство: точнее, церковь, которая вместо того чтобы воодушевлять на смерть и самоуничтожение все больное и уродливое, защищает его и толкает к дальнейшему размножению —

Проблема: какими такими средствами можно достичь строгой формы великого и заразительного нигилизма — такой, что со всей научной добросовестностью проповедовала бы и практиковала добровольную смерть ... (а не хилое прозябание с видами на ложную загробную жизнь—).

Невозможно преувеличить вину христианства за то, что оно обесценило ценность подобного великого очистительного нигилистического движения, которое, возможно, уже намечалось, идеей бессмертия частной личности: как и надеждой на воскресение: короче, всегда удерживало от дела нигилизма, самоубийства ... Христианство заменило его медленным самоубийством: постепенно — мелкой и бедной, зато продолжительной жизнью; постепенно — совершенно обыкновенной, посредственной мещанской жизнью и т.д.

14 [10]

Религия как декаданс

Критика христианства

Потребны великие отрицающие и очистительные кризисы: все равно затеянные нигилистическими религиями и философиями.

Понимают, что христианство – нечто навеки ошибочное и неудачное: из средства улучшающего отбора оно сделалось его противником, тормозом и ядовитым плевелом

14 [11]

Жизнеутверждающие аффекты

Гордость
Радость
Здоровье
любовь между полами
вражда и война
благоговение
красивые жесты, манеры, предметы
сильная воля
воспитание высокой духовности
воля к власти
благодарность земле и жизни
: все, что богато и хочет отдавать, и одаривает и золотит и прославляет и обожествляет жизнь — вся мощь просветляющих добродетелей ... всё жизнеутверждающее, всё одобряющее словом и делом —

14 [12]

попы и прочие перочистки, чернильные слизни —

14 [13]

Физиология нигилистических религий

типичный случай развития болезни

NB все без исключения нигилистические религии: систематизированные истории болезни, написанные языком религиозно-моралистической номенклатуры.

— в язычестве культ вращается вокруг толкования великого годичного цикла

— в христианстве культ вращается вокруг цикла паралитических феноменов ...

 
«вера», форма душевной болезни
раскаяние 
искуплениевсё это неврастеническое 
молитва 
грех, идефикс
ненависть к природе, к разуму
Христианизм как болезнь
Христианство как симптом физиологического декаданса

14 [14]

Встречное движение искусство

Рождение трагедии

III

Эти две природные силы искусства противопоставляются Ницше под именем дионисийского и аполлоновского: он утверждает, что — Словом «дионисийское» выражается порыв к единству, выход за пределы личности, повседневности, общества, реальности, это как бездна забвения, мучительно-страстная полнота смутных, насыщенных, парящих состояний; восторженное Да общему характеру жизни, как тому, что во всех сменах равно себе, одинаково властно, одинаково блаженно; великое пантеистическое сорадование и сострадание, которое одобряет и освящает даже самые страшные и сомнительные качества жизни, от избытка вековечной воли к порождению, к плодородию, к вечности: единящее чувство необходимости сотворения и уничтожения ... Словом «аполлоновское» выражается порыв к всецелому для-себя-бытию, к типическому «индивиду», ко всему, что упрощает, выделяет, подчеркивает, делает ясным, недвусмысленным, типическим: свобода, подчиненная закону.

Дальнейшее развитие искусства столь же тесно связано с их антагонизмом, как дальнейшее развитие человечества — с антагонизмом полов. Полнота власти и умеренность, наивысшая форма самоодобрения в холодной, аристократической, чопорной красоте: аполлинизм эллинской воли

происхождение трагедии и комедии как способа лицезреть некий божественный тип благодаря состоянию всеохватывающего восторга, способа сопереживать местное предание, явление, чудо, акт основания, «драму» (—

Эта оппозиция дионисийского и аполлоновского в греческой душе есть одна из великих загадок, притягательность которой всегда чувствовал Ницше, сталкиваясь с греческим духом. Ницше, по сути, и не пытался сделать ничего иного, кроме как отгадать, почему из дионисийского подполья было суждено вырасти именно греческому аполлинизму: почему дионисийскому греку необходимо было стать аполлоновским, то есть сломить свою волю к чудовищному, многогранному, зыбкому, ужасающему о волю к умеренности, простоте, упорядоченности в правиле и понятии. Непомерное, дикое, азиатское заложено в самой его основе: отвага грека — в его борьбе с собственным азиатством: прекрасное он не получил даром, точно так же как логику, как естественное чувство нравственности,— оно было завоевано, изволено, захвачено в бою — это его победа ...

14 [15]

Эта книга антипессимистична: она учит противостоять всякому отрицанию словом и делом, находить лекарство от великой усталости

14 [16]

Тип Бога — по типу творческого духа, «великого человека»

14 [17]

Рождение трагедии.

2.

Начало отрывка двумя страницами ниже: II.

Искусство означает здесь единственную превосходящую силу противодействия всякой воле к отрицанию жизни: как антихристианское, антибуддийское, антинигилистическое par excellence...

Оно есть спасение для познающего—того, кто видит страшный и сомнительный характер жизни, хочет его видеть: для познающего трагически.

Оно есть спасение для действующего—того, кто не только видит страшный и сомнительный характер жизни, но и живет, хочет жить: для человека трагического, героя...

Оно есть спасение для страдающего—это путь к состояниям, когда страдание становится изволенным, просветленным, обожествленным, когда страдание служит формой великого восторга...

14 [18]

III

Есть два состояния, в которых само искусство проявляется в человеке как своего рода природная сила: во-первых, как видение, во-вторых – как дионисийский оргиазм. Эти вещи физиологически предначертаны в сновидении и опьянении, первое как упражнение этой способности видения, как желание созерцать формы, строить формы.

Воля к видимости, иллюзии, обманчивости, к становлению и изменению глубже, «метафизичней» воли к истине, действительности, бытию: удовольствие изначальней боли; последняя даже представляет собой лишь следствие воли к удовольствию (к оформлению, созданию, разрушению) и в своей высшей форме это разновидность удовольствия ...

14 [19]

6.

Это сочинение антисовременно: оно верит в современное искусство и больше ни во что, в сущности, и в современное искусство тоже нет, но в современную музыку, а, в сущности, и не в современную музыку вообще, но в одного только Вагнера ... А в сущности, быть может, даже и не в Вагнера, разве что faute de mieux.

р. 116: «Что бы еще назвать нам», - вопрошается со страдальческим видом

Шопенгауэр, Дюрер.

Есть вера в то, что музыка грядет ... вера в дионисийскую музыку ...

14 [20]

7.

Это сочинение напускает на себя немецкий, верноподданнический даже вид — оно даже верит еще в немецкий дух!.. Изюминка его в том, что оно немецки-антихристианское: на странице 142-й читаем: «наимучительнейшее для нас — долгое унижение, в каком пребывал немецкий дух, лишенный дома и родины, в услужении коварных карликов». Священники — вот кто эти коварные карлики. В другом месте поднимается вопрос, достаточно ли еще силен немецкий дух, чтобы вспомнить самого себя; может ли он в самом деле выделить чуждые элементы; или же так и будет, подобно чахлому, захиревшему субъекту, изводить себя в болезненных потугах. В этой книге пересадка в немецкое сердце глубоко антинемецкого мифа, христианского, подается как подлинный немецкий рок.

14 [21]

4.

Эта книга, стало быть, не иначе как антипессимистична, а именно в том смысле, что учит чему-то, что сильнее, нежели пессимизм, божественней, чем «истина»: учит искусству.

Никто, кажется, с такой силой, как автор этой книги, не мог бы ратовать за радикальное отрицание жизни, за ее настоящее отрицание делом даже больше, чем словом: он знает только — он пережил это, ничего другого он, возможно, вообще не переживал, — что искусство более ценно, нежели «истина».

Уже в предисловии, где как бы приглашается к диалогу Рихард Вагнер, появляется в тексте исповедание веры, евангелие артистов: «искусство как подлинная жизненная задача, искусство как метафизическая деятельность» ...

14 [22]

5.

При подобных предпосылках — что должно статься с наукой? Что она собой представляет? В значительном смысле — почти противницу истины: поскольку наука оптимистична, поскольку она верит в логику. Физиологически проверено, что тип человека науки вызревает в недрах сильной расы в эпоху ее заката. Критика Сократа составляет центральную часть книги: Сократ как противник трагедии, как разрушитель демонически-профилактических инстинктов искусства; сократизм как великое недопонимание жизни и искусства: мораль, диалектика, нетребовательность человека теории — форма утомления; знаменитая греческая непомраченность — лишь вечерняя заря ... Сильные расы, покуда они еще богаты и больше чем богаты силой, имеют мужество видеть вещи такими, как они есть: в их трагичности ... Для них искусство — больше, чем болтовня или потеха: оно лечение ...

Книга учит, «вопреки всем современным идеям и предрассудкам демократического вкуса», что греки — с. Х предисловия.

14 [23]

II

Существенное в этой концепции — понятие искусства в его отношении к жизни: оно как психологически, так и физиологически понимается как великий стимулятор, как то, что вечно влечет к жизни, к вечной жизни ...

14 [24]

3.

Можно видеть, что в книге этой пессимизм, сказать ясней — нигилизм, считается «истиной»: однако истина здесь — отнюдь не высшее мерило, тем более не высшая власть.

Воля к видимости, иллюзии, обманчивости, к становлению и изменению почитается здесь за более глубокую и изначальную, более «метафизичную», нежели воля к истине, к действительности, к бытию: последнее само — не более чем форма воли к иллюзии. Равным образом и удовольствие трактуется как более изначальное, нежели боль: боль всего лишь обусловленный феномен, следствие воли к удовольствию (воли к становлению, росту, оформлению, а следовательно — к превозмоганию, сопротивлению, войне, разрушению). Складывается идея некоего высочайшего состояния одобрения существования, в которое навек включены даже боль, любого рода боль как средство усиления: трагико-дионисийское состояние.

14 [25]

ОРождении трагедии.”

VIII.

Новое понимание греков — вот что отличает эту книгу, мы уже обозначили две другие ее заслуги — новое понимание искусства как великого стимулятора жизни, к жизни, а также концепцию пессимизма, пессимизма силы, классического пессимизма: только слово «классический» используется здесь не для исторического, а для психологического разграничения. Антитеза классическому пессимизму — романтический пессимизм, в котором понятийно и оценочно формулируются слабость, утомление, расовый декаданс: пессимизм Шопенгауэра, например, а также и Виньи, Достоевского, Леопарди, Паскаля, всех великих нигилистических религий (брахманизма, буддизма, христианства — их по праву следует называть нигилистическими, поскольку все они прославляют понятийную противоположность жизни, ничто, как конечную цель, высшее благо, как «Бога»)

Что отличает Ницше, так это спонтанность его психологического видения, головокружительный размах кругозора, пережитого, разгаданного, раскрытого, воля к последовательности до конца, бесстрашие перед лицом суровых испытаний и опасных последствий.

14 [26]

Рождение трагедии

Но перейдем к главному, к тому, что отличает эту книгу и ставит ее отдельно от других, к ее оригинальности: она содержит три новые концепции. Первую мы уже назвали: искусство как великий стимулятор жизни, к жизни. Вторая: представляется новый тип пессимизма, классический. В-третьих: по-новому ставится проблема психологии, греческая проблема.

14 [27]

Философия как декаданс

К психологии психологов

Психологи, какие стали возможны только начиная с XIX века: не те уже бездельники, что смотрят на два-три шага перед собой и почти всегда довольствуются копанием в себе самих. Мы, психологи будущего, — у нас мало найдется доброй воли к самонаблюдению: мы принимаем почти за знак вырождения, когда орудие домогается «познать самого себя»: да, мы орудия познания, и хотели бы иметь всю наивность и точность орудия; следовательно, мы не можем себя анализировать, себя «знать». Первый признак инстинкта самосохранения великого психолога: он никогда не занят собой, не видит себя, не питает к себе никакого интереса, никакого любопытства ... Великий эгоизм нашей господствующей воли того хочет, чтобы мы крепко закрывали на себя глаза — чтобы мы непременно были «безличными», «незаинтересованными», «объективными» ... О, до какой же степени мы противоположность всего этого! Только потому, что мы психологи в эксцентрической степени

14 [28]

Психолог.

1) Мы не Паскали, нас не слишком интересует «спасение души», собственное счастье, собственная добродетель ... —

2) Нам недостает ни времени, ни любопытства, чтобы таким вот образом вращаться вокруг самих себя. А копнуть поглубже, так окажется, что у нас вообще все иначе: мы не доверяем всяческим созерцателям собственного пупа по той причине, что самонаблюдение равнозначно для нас форме вырождения психологического гения, знаку вопроса, приставленному к инстинкту психолога: столь же верно страдает вырождением глаз живописца, когда им движет одна только воля смотреть ради того, чтобы видеть

14 [29]

Происхождение моральных ценностей.

Эгоизм имеет ровно такую же ценность, как и физиологическая ценность того, кто им обладает.

Каждый человек есть еще и целая линия развития (а не только, как понимает его мораль, нечто начинающееся с момента рождения): если в нем представлена восходящая линия человечества, тогда ценность его действительно велика, и забота о сохранении и поощрении его развития может быть предельной. (Как раз забота о будущем, обещанном в таком удавшемся индивиде, и наделяет его столь исключительным правом на эгоизм.) Если же в нем представлена нисходящая линия, упадок, хроническое заболевание, тогда и ценность его мала, и простая справедливость требует, чтобы он отнимал у удавшихся особей как можно меньше места под солнцем и силы. В этом случае общество имеет своей задачей подавление эгоизма (каковой порою выражается в абсурдных, болезненных, мятежных проявлениях): идет ли речь об отдельных людях или же о целых слоях народа, опустившихся и захиревших. Учение и религия «любви», подавления самоприятия, терпения, выдержки, поддержки, взаимовыручки делом и словом может приобрести высшую ценность в подобных слоях даже с точки зрения господствующих классов, ибо учение это подавляет чувства соперничества, ressentiment'a, зависти, эти более чем естественные чувства обойденных жизнью,— оно даже обожествляет в их собственных глазах, под видом идеала смирения и послушания, их рабскую зависимость, подвластность, нищету, недужность, подчиненность. Этим и объясняется, почему господствующие классы, расы и индивиды во все времена поддерживали культ самоотверженности, Евангелие низкого люда, «Бога на кресте».

Перевес альтруистического способа оценивать есть следствие инстинкта, свойственного тем, кто не вышел в люди. Глубже всего здесь оценочное суждение, гласящее: «я не многого стою»: это чисто физиологическая оценка, точнее говоря — чувство бессилия, нехватка значительных утвердительных ощущений власти (в мышцах, нервах, двигательных центрах). В соответствии с культурой этих слоев данная оценка переводится в моральное либо религиозное суждение (засилье религиозных и моральных суждений — всегда признак низкой культуры): она стремится добыть себе обоснование — из областей, откуда им вообще известно понятие «ценности». Толкование, с помощью которого христианский грешник думает понять самого себя, есть попытка найти оправдание этой нехватке власти и уверенности в себе: он охотней уверится в собственной виновности, чем тщетно будет чувствовать себя дурным: пользоваться интерпретациями такого рода — уже само по себе симптом упадка. В других случаях обделенный ищет тому причину не в своей собственной «виновности» (как христианин), но в обществе: социалист, анархист, нигилист, воспринимая свое существование как нечто такое, в чем повинен кто-то другой, тем самым остаются в теснейшем родстве с христианином, который тоже думает, будто он плох и не вышел в люди, всего легче, если он нашел кого-то, на кого можно возложить ответственность за это. В обоих случаях — инстинкт мстительности и ressentiment'a, он предстает здесь средством выдержать и выстоять, инстинктом самосохранения: то же относится и к предпочтению альтруистической теории и практики. Ненависть к эгоизму, будь то своему собственному, как у христианина, или же чужому, как у социалиста, оказывается, таким образом, оценочным суждением при засилье мстительности; с другой же стороны — смышленым самосохранением страдающих, путем усиления их чувств взаимовыручки и солидарности ... Наконец, как уже указывалось выше, и тот разряд ressentiment'a, что проявляется в осуждении, отвержении, наказании эгоизма (своего собственного или же чужого),— это опять-таки инстинкт самосохранения людей обделенных. In summa: культ альтруизма есть специфическая форма эгоизма, закономерно проявляющаяся при наличии определенных физиологических предпосылок.

14 [30]

Когда социалист с праведным негодованием домогается «справедливости», «права», «равноправия», он движим лишь собственной малокультурностью, которая не возьмет в толк, отчего он страдает: с другой стороны, так он доставляет себе удовольствие; ощущай он себя лучше, он поостерегся бы поднимать такой крик: он бы в чем-то другом нашел себе удовольствие. То же самое относится и к христианину: он осуждает, очерняет, проклинает весь «мир» — и себя самого не делает исключением. Но это вовсе не повод принимать эти вопли всерьез. В обоих случаях мы все еще среди больных, на которых крик действует благотворно, которым очернение приносит облегчение.

14 [31]

Ценность ...

Понятие «предосудительного поступка» нам мешает: не может существовать ничего, что было бы предосудительно само по себе. Ничто из всего происходящего не может быть само по себе предосудительно: мы не вправе хотеть избавления от этого, ибо всё настолько связано со всем, что хотеть исключения чего-либо одного означает исключение всего в целом. Предосудительный поступок означает осужденный и отверженный мир вообще ...

Но даже тогда остается: в отверженном мире сам акт отвержения был бы предосудителен ... И логическим следствием образа мыслей, который все осуждает и отвергает, было бы поведение всеприятия ... Если становление — большое кольцо, тогда решительно все равноценно, вечно, необходимо ...

Во всех корреляциях Да и Нет, предпочтения и отклонения, любви и ненависти выражается лишь какая-то перспектива, какая-то корысть определенного типа жизни: само по себе, все, что есть, говорит Да.

14 [32]

Ценность ... нигилистическая оценка гласит: «я достоин не быть». Еще один шаг — и получается уже: «ты достоин не быть».

14 [33]

Что до трагического пафоса, то Ницше не подхватывает старого превратного аристотелевского понимания —

как преображение сладострастья и жестокости в греческое начало: стихии, которые в оргиастических

празднествах — дионисийское как затопление и единство многоликих, отчасти страшных, возбуждений

14 [34]

Драма

драма не является, как полагают недоучки, действием, но в соответствии с дорическим происхождением слова «драма» и пониматься должна в дорически-иератическом смысле: это происшествие, «событие», священная история, легенда об основании, «медитация», олицетворение задачи иератического начала.

14 [35]

Искусство как встречное движение.

Оргиастическая стихия в искусстве греков до сих пор недооценивалась; но что для самой греческой души означает одно из самых глубоких внутренних движений и потрясений —

Наверно, сразу вспоминается легкомысленная и холодная манера, с какой Лобек открещивается от всей сферы ритуалов, мифов и таинств (р. 564, 565).

Хотелось бы сказать, что понятие «классического», каким выстроили его Винкельман и Гёте, не только не объясняет эту дионисийскую стихию, но и вообще исключает, и —

было время, когда среди филологов Лобека с особой благодарностью

14 [36]

Аполлоновское, дионисийское

III

Есть два состояния, при которых само искусство является в человеке подобно природной силе, распоряжаясь им, хочет он того или нет: во-первых, понуждением к видению, во-вторых, понуждением к оргиазму. Оба эти состояния встречаются и в нормальной жизни, только слабее, при сновидении и опьянении, как и при

Но то же самое противоречие существует и между сновидением и опьянением: то и другое расковывает в нас артистические силы, но каждый раз разные: сновидение — силы зрения, сочетания, вымысла; опьянение — силы жеста, страсти, песни, танца.

14 [37]

О современных веяниях.

Что делает нам честь.

Если что и делает нам честь, так только это: серьезное мы видим в чем-то другом: мы относимся всерьез к низшим вещам, во все времена презираемым и забываемым, — зато мы задешево отдаем «прекрасные чувства» ...

Есть ли более опасное заблуждение, чем презрение к телу? Как будто все духовное не обрекается тем самым на болезненность, превращение в «идеализма»!

Все, что напридумывали христиане и идеалисты, вполне беспочвенно: сами мы радикальнее. Мы открыли «мир мельчайшего» как повсеместно решающий фактор: мы рискованным образом устремились в —

Мощеные улицы, свежий воздух в спальне, непрокуренный кабинет, питание с точки зрения его ценности — мы позаботились обо всех насущных потребностях бытия и презрели всяческое «прекраснодушие» как разновидность «легкомыслия и фривольности».

Все, что до сих пор больше всего презиралось, выдвинуто на переднюю линию.

я добавляю еще аморальность: мораль — не что иное, как форма аморальности, которая в плане выгоды, извлекаемой из него определенной породой, —

14 [38]

ТипИисус” ...

Иисус — антипод гения: он идиот. Стоит только прочувствовать его неспособность понять единственную реальность: он не выходит из круга пяти-шести понятий, которые услыхал прежде и мало-помалу понял, то бишь понял неверно — они составляют его опыт, его мир, его истину — все прочее ему чуждо. Он произносит слова, которыми пользуется всякий — но понимает их не как всякий, он понимает лишь свои пять-шесть нетвердо усвоенных понятий.

Что в нем так и не проснулись подлинно мужские инстинкты — не только половые, но также инстинкты борьбы, гордости, героизма, что он отстал в своем развитии, оставшись в возрасте полового созревания ребенком, — все это характерно для определенного типа эпилептоидных неврозов.

Иисус негероичен в самых глубоких своих инстинктах: он никогда не сражается: кто, подобно Ренану, видит в нем нечто вроде героя, тот до неузнаваемости вульгаризовал этот тип.

С другой стороны, стоит прочувствовать его неспособность понимать что-либо духовное: слово «дух» в его устах превращается в недоразумение! Даже малейшего следа науки, вкуса, духовной дисциплины, логики не осело на этом святом идиоте: столь же мало коснулась его жизнь. Природа? Природные законы? Никто не поведал ему о самом существовании природы. Все, что он знает, — одни моральные воздействия: признак самой низкой и абсурдной культуры. Надо твердо усвоить: он идиот посреди весьма умного народа ... Только на том, что ученики его таковыми не были, — Павел совсем не идиот! — на том и держится вся история христианства.

14 [39]

Критика христианства.
Мораль как Цирцея для философов
Сражение за
я.”

14 [40]

Несознаваемое воздействие декаданса на идеалы науки

Налицо глубокое и совершенно неосознаваемое воздействие декаданса даже на идеалы науки: вся наша социология — доказательство этого положения. Ее можно упрекнуть в том, что ее опыт ограничен исключительно упаднической формацией общества и она неизбежно принимает за норму социологического суждения собственные упаднические инстинкты.

В них спадающая жизнь сегодняшней Европы формулирует свои общественные идеалы: они до неразличимости похожи на идеал старых, отживших свое рас ...

Далее, стадный инстинкт — ныне обретший суверенную властность — есть нечто в корне отличающееся от инстинкта аристократического общества: только из ценности единиц складывается, что должна означать их сумма ...

Вся наша социология знать не знает никакого иного инстинкта, кроме инстинкта стада, то есть суммы нулей ... где каждый нуль имеет «равные права», где быть нулем считается добродетелью ...

Оценка, при посредстве которой выносят сегодня суждение о самых различных формах общества, полностью совпадает с той, что наделяет мир большей ценностью по сравнению с войной: но суждение это антибиологично, оно само — уродливое порождение декаданса жизни ... Как биолог господин Герберт Спенсер — декадент, а чаще всего и как моралист (в победе альтруизма он усматривает что-то ...). Жизнь есть следствие войны, само общество — средство для ведения войны.

14 [41]

Ренан, которого роднит с женщинами то, что он становится смертельно опасен, только когда любит; который ни разу не обнял старого кумира по имени идеал без каких-нибудь злодейских задних мыслишек, вечно любопытствуя, не качается ли уже то, что он заключает в объятия ...

14 [42]

— Немецкое =

(4) Религия в музыке.

Сколько отсутствия самостоятельности и даже неведающего удовлетворения всевозможных религиозных потребностей в вагнеровской музыке! Сколько тут слышится молитвы, добродетельности, елейности, «целомудрия», «искупления»!.. Что музыка смеет отказаться от слова, от понятия — о, сколько выгоды она отсюда извлекает, эта лукавая святая, что возвращает, возсовращает ко всему, во что некогда верилось!.. Нашей интеллектуальной совести не приходится стыдиться — ее это не касается, — когда какой-либо давний инстинкт дрожащими губами припадает к запретному кубку... Это умно, здраво и даже служит добрым знаком — в той мере, в какой выдает стыд за удовлетворение религиозного инстинкта... Вероломное христианство: тип музыки «позднего Вагнера».

14 [43]

Алкоголем и музыкой мы возвращаем себя на ступени культуры и дикости, преодоленные некогда нашими прародителями: потому нет ничего более поучительного, ничего более «научного», чем одурманить себя ... Иная пища тоже заключает в себе откровения о состоянии, из которого мы вышли. Как много таинственного скрыто, к примеру, в корреляции между «детской душою» немца и немецкими клёцками! ... Стоит последним попасть в желудок, как тотчас начинает копошиться первая: нас пробирает предчувствие! ... О, в какую же даль нас тогда сразу же заносит от «разума разумных»!

14 [44]

Всеми средствами сопротивляюсь я этой порче музыки, как сущий дьявол

14 [45]

Во что немецкий дух превратил христианство!— А раз я говорю о протестантизме — каким же морем пива залито это протестантское христианство! Мыслима ли более затхлая, тупая, насильственная форма веры христиан, чем та, что исповедуется средним немецким протестантом?!.. Вот что я называю ненавязчивым христианством! вот что я называю гомеопатией христианства! Мне напоминают, что есть сегодня еще и навязчивый протестантизм, религия придворных проповедников и всяческих спекулянтов-антисемитов: но никто еще не брался утверждать, что над этими водами «носится» какой-либо «дух» ... Это всего лишь менее пристойная форма христианства, но отнюдь не более смышленая ...

14 [46]

В дионисийском упоении есть сексуальность и сладострастие: в аполлоновском это тоже присутствует. Должно быть еще различие в темпе при одном состоянии и при другом ... Предельное спокойствие определенных восприятий при опьянении (строже говоря, замедленность ощущения времени и пространства) податливо отражается в картине самых спокойных жестов и душевных состояний. Классический стиль по существу изображает это спокойствие, упрощение, сокращение, концентрацию — в классическом типе сконцентрировано высочайшее ощущение власти. Реагируют тяжело: высокая ступень сознания: никакого чувства борьбы:

Естественное опьянение:

14 [47]

Встречное движение в искусстве.

Пессимизм в искусстве? —

художник постепенно начинает любить ради них самих те средства, в которых дает о себе знать состояние опьянения: предельную утонченность и пышность красок, ясность линий, нюансы звука: все отчетливое, тогда как обычно, в нормальной жизни, всякая отчетливость отсутствует

—: все отчетливые вещи, все нюансы, в той мере, в какой они напоминают об этом предельном подъеме сил, который порождается опьянением, будят ретроспективно это чувство упоения.

—: воздействие творений искусства есть возбуждение творческого состояния, опьянения ...

—: существенным в искусстве остается его роль завершителя жизни, порождение им совершенства и полноты

искусство по существу есть одобрение, благословение, обожествление жизни ...

—: Что означает пессимистическое искусство?.. Не противоречие ли это? Да.

Шопенгауэр заблуждается, когда ставит известные творения искусства на службу пессимизму. Трагедия не учит «смиряться с обстоятельствами» ...

— Изображение страшных и сомнительных вещей уже само по себе свидетельствует о наличии у художника инстинкта власти и величия: он их не страшится ...

Нет никакого пессимистического искусства ... Искусство говорит Да. Иов говорит Да.

А Золя? А Гонкуры?

— вещи, которые они показывают, уродливы: но то, что они их показывают, говорит об их удовольствии от этого уродства ...

— никуда не денешься! вы самих себя обманываете, если уверяете, что все иначе

Насколько спасителен Достоевский!

14 [48]

Надписи при входе в современный сумасшедший дом.

Логические необходимости суть необходимости моральные.

Герберт Спенсер.

 
Последний пробный камень истинности высказывания есть непостижимость его отрицания.

Герберт Спенсер.

14 [49]

Современные веяния.

Обезображивание музыки.

Господство абстрактного: «сие означает»: равнодушие к «болоту», с которым чувства совершенно не обязаны заключать компромисс ...

Музыка любой ценой должна означать нечто, что не является музыкой: при этом она превращается в

ритм
мелодию
цвет
композицию

псевдоглубокомыслие в виде затишья мысли; неистовство, раскаяние, судорогу, исступление — все эти легковесные вещи, игрушки, которые можно так и комбинировать до финала

14 [50]

5.Средства, при помощи которых актеры одерживают верх
6.Опасность театра как рассадника порчи всех искусств.
7.Излишество всех новшеств Вагнера даже в опере
8.Кармен: и угнетающее действие Вагнера: физиологическое возражение против Вагнера
9.величайшая двусмысленность трагической тенденции у Вагнера: мой реализм в сфере эстетики ...
10.Реставрация понятия «трагический»
11.Значимость этого психологически-эстетического феномена для истории «современной души».
12.: по сути это ненемецкое,—вот что его отличает ...
13.: критика «романтизма».

14 [51]

Вагнер как проблема.
Слово в разъяснение.
Сочинение
Фридриха Ницше.

14 [52]

чье благоразумие в нужный момент заключило мир с немецким духом, сочинило «Императорский марш», метило на должность старшего капельмейстера

который снизошел до любой мерзости, какой только немецкий дух, этот столь испорченный немецкий дух, успел запятнать себя

который своим «Парсифалем» уговаривал любую трусость, свойственную современной душе.

Этот ставший столь двусмысленным персонаж, на чью могилу, тем не менее, «Вагнеровское общество» — мюнхенское — возложило венок с надписью:

Спасителю — спасенье!..

Проблема, как видим, немалая, недоразумение неслыханное.

Если Вагнер спасителем сделаться смог,

Кто спасет от спасения этого нас?

От спасителя этого кто нас спасет?..

14 [53]

Есть музыкальные инструменты, которыми можно увещать утробу, другие успешно действуют на спинной мозг ... Как мне сообщили, действие вагнеровской музыки сильней всего ощущается после курортного сезона в Карлсбаде ...

14 [54]

Но не только в этом Вагнер служит примером… И во всем мире его поняли… После Вагнера новую музыку пишут в России, в Париже, в Южной Америке, пишут даже в Германии… Я бы и сам сумел преподать, каким образом пишется эта новая музыка. Хотите небольшую лекцию…

14 [55]

Среди музыкантов.

Мы поздние музыканты. Мы приняли в себя непо­мерное наследие прошлого. Наша память постоянно цитирует. Среди своих мы можем ограничиться полуучеными намеками: мы сразу друг друга понимаем. И слушателям нашим нравится, что мы только намекаем: это им льстит, они сами себя чувствуют при этом учеными.

14 [56]

Первое основоположение всякой театральной оптики: что должно выглядеть истинным, не вправе истинным быть.

У актера нет чувства, что он играет; он пропал бы, если б оно было.

Надеюсь, всем известны знаменитые разъяснения Тальма.

14 [57]

Убеждение

К психологии Павла.

Смерть Иисуса — это факт. Остается его истолковать...

Мысль о том, что в толковании бывает как истина, так и ложь, подобным людям на ум не приходила: просто в один прекрасный день им кружит голову возвышенная возможность, что «смерть эта могла означать то-то и то-то»

и вот уж она то самое и есть! Гипотеза доказывается возвышенным порывом, который она сообщает своему автору...

«Доказательство от силы»: то есть идея доказывается своей действенностью — «по плодам ее», как наивно говорится в Библии

что воодушевляет, должно быть истинным —

за что проливают кровь, должно быть истинным —

* *

Здесь всякий раз внезапное ощущение власти, пробуждаемое идеей в своем авторе, относится на счет самой этой идеи как ценность — и поскольку мы вообще не умеем чтить идею иначе, как называя ее истиной, то и первый предикат, воздающий ей честь, гласит, что она истинна... Как бы иначе могла она оказывать какое-либо воздействие? Ее воображают наделенной особой властью: если же власть эта нереальна, то и воздействовать никак не может... Идея понимается как вдохновенная: оказываемое ею воздействие имеет нечто от неодолимости демонического внушения —

Идея, которой подобный декадент не в силах оказать сопротивления, которой он вконец покоряется, тем самым «доказана» как истинная!!!

Все эти святые эпилептики и духовидцы не обладали и тысячной долей той самокритичной порядочности, с которой сегодня филолог читает текст или исследует историческое событие на предмет его истинности...

это просто моральные кретины в сравнении с нами...

14 [58]

Карлейль ...

Происхождение науки: обратим внимание. Она рождается не среди священников или философов, ее естественных противников. Она рождается среди сыновей ремесленников и деловых людей всякого рода, среди адвокатов и т.д.: тех, кого к подобным вопросам и ответам на них толкает профессионализм и предпосылки к нему.

14 [59]

Убеждение и ложь.
«Улучшение».
Как приводят ко власти добродетель.
Сострадание.
«Альтруизм».
Отречение.
Утрата чувственной конкретности

14 [60]

Вера, утверждающая, что делает «блаженным», — после того, как сделала больным. Вера, что ссылается на книги, — вера, что использует откровение, — вера, для которой сомнение в ней — «грех», — вера, подтверждаемая смертями мучеников

Еще одна отличительная черта теолога — его неспособность к филологии. Здесь я понимаю слово «филология» в самом общем смысле: как способность считывать факты, не искажая их толкованием, не

14 [61]

Воля к власти как искусство

«Музыка»—и монументальный стиль

Величие художника не измеряется «прекрасными чувствами», которые он пробуждает, как хотелось бы думать бабенкам, но степенью, в какой он приближается к монументальному стилю, в какой он способен на великий размах. Стиль этот имеет то общее с великой страстью, что художнику зазорно нравиться; он забывает убеждать; он велит; он волит ... Возобладать над хаосом, каким мы являемся, заставить свой хаос стать формой; стать необходимостью в форме; стать логичным, простым, недвусмысленным, математикой; стать законом — вот в чем тут великая амбиция. Ею отталкивают; ничто больше не вызывает любви к подобным принудителям — их окружает пустыня, молчание, страх, как перед великим кощунством ...

Во всех искусствах известны такие честолюбцы большого размаха: почему же нет их в музыке? Никогда ли музыкант не строил, как тот зодчий, что создал Палаццо Питти?.. Тут есть проблема. Быть может, музыке место в такой культуре, где уже пришло к концу царство любого рода принудителей? Совместимо ли понятие монументального стиля, в конце концов, с душою музыки — с «женщиной» в нашей музыке?..

Я затрагиваю здесь кардинальный вопрос: где место всей нашей музыке? Эпоха классического вкуса не знает ничего сопоставимого с ней: она расцветает, когда мир Возрождения погружается в вечерние сумерки, когда «свобода» переросла уже и нравы, и даже желания: не заложено ли в характере нашей музыки представлять собой Контрвозрождение? Иначе говоря — искусство декаданса? Все равно как барочный стиль представляет собой искусство декаданса? Сестра ли она барочному стилю, раз уж она, во всяком случае, его современница? Разве музыка, современная музыка не декаданс уже?..

Музыка есть Контрвозрождение в искусстве: она также декаданс и в своем общественном выражении

Я уже и раньше затрагивал эту проблему: не является ли наша музыка частью Контрвозрождения в искусстве? Не ближайшая ли она родственница барочному стилю? Не развилась ли она в пику всему классическому вкусу, так что для нее естественным образом оказывается под запретом всякая претензия на классицизм?...

Ответ на этот первостепенный ценностный вопрос не будет двусмысленным, если правильно оценить тот факт, что музыка обретает свою высшую зрелость и полноту в облике романтизма — опять-таки реакционного движения наперекор классицизму ...

Моцарт — нежная и влюбчивая душа, но всецело восемнадцатый век, даже где серьезен ... Бетховен, первый романтик — подразумевая французское понятие романтизма,— как и Вагнер, последний великий романтик ... оба инстинктивные противники классического вкуса, строгого стиля — о «монументальном» тут и речи быть не может ... оба —

14 [62]

Современные веяния

немецкая романтическая музыка, ее безыдейность, ее ненависть к «просвещению» и «разуму»

чахлая мелодия, монотонность, как и чахлость «идеи», диалектики, свободы духовной динамики,—сколько в немецкой музыке борения против Вольтера!...

сколько неповоротливости, выливающейся во все новые понятия и даже принципы —

у каждого найдутся принципы в его даровании

против высокой трагедии и насмешливого ума, против буффонады

видал я пивохлебов и военврачей, которые «понимали» Вагнера...

тщеславие Вагнера: даже идиотов заставить понимать Вагнера

14 [63]

Герой, каким представляет его себе Вагнер: каким современным! каким отважным! каким духовно сложным он его сочинил! Умел-таки Вагнер своими героями угодить трем основным потребностям современной души — она хочет брутального, болезненного и невинного ...

эти роскошные чудища с первобытными торсами и нервами послезавтрашнего дня; эти белокурые святые, чья чуть ли не доисторическая чувственность внушает дамам столько нежного любопытства, позволяя им столько предупредительности ... Как Бомарше — Керубино, так и Вагнер преподнес в дар прекрасным дамам Парсифаля:

Что же касается тех истерически-героических созданий, которых Вагнер сочинил, обожествил в женском образе — тип Сенты, Эльзы, Изольды, Кундри: ну да, в театре они достаточно интересны — но кого к ним потянет ...

тому, что тип этот даже в Германии еще не окончательно опротивел, есть своя причина (хотя далеко не оправдание): поэт несравненно больший, нежели Вагнер, благородный Генрих фон Кляйст, уже предоставил ему когда-то на этой же почве заступничество гения

14 [64]

Вопрос: происходит ли обезличение истиной, когда человек всецело отдается какой-либо мысли?

... Герцен утверждает это: по его мнению, это вполне обычное дело, что человек забывает свое moi и отказывается от него —

Вопрос: а не простая ли это видимость; не является ли то, что проникается интересом к какому-либо вопросу, нашим целостным множественным «Я» ...

14 [65]

декаданс

Наследуется не болезнь, но болезненность: бессилие противостоять опасным вредным внедрениям и т.д.; сломленная сила сопротивления — выражаясь на языке морали: покорность обстоятельствам и смирение перед врагом.

Я спросил себя, а нельзя ли сравнить все эти высшие ценности бывших доныне в ходу философии, морали и религии с ценностями ослабевших, душевнобольных и неврастеников: первые представляют собой то же самое зло, пусть и в более мягкой форме ...

ценность всех хворых состояний в том, что они показывают под увеличительным стеклом известные состояния, которые сами по себе нормальны, но именно в качестве таковых едва различимы ...

Здоровье и болезнь не отличаются друг от друга по существу, как полагала древняя медицина и как сегодня еще думают иные практики. Нельзя превращать их в четкие начала или сущности, сражающиеся за живой организм и делающие его ареной своей борьбы. Все это ветхий вздор и болтовня, ни к чему больше не пригодные. На деле различие между двумя этими способами существования лишь в степени: преувеличение, диспропорция, дисгармония нормальных явлений и составляют больное состояние. Клод Бернар.

Коль скоро зло можно рассматривать как преувеличение, дисгармонию, диспропорцию, с таким же успехом добро может оказаться профилактической диетой, предохраняющей от опасности преувеличения, дисгармонии и диспропорции

Наследственная слабость как господствующее чувство: причина высших ценностей.

NB. К слабости стремятся: почему?.. большей частью, потому что люди неизбежно слабы ...

Ослабление как задача: ослабление желаний, ощущений удовольствия и страдания, воли к власти, к чувству гордости, воли обладать и обладать большим; ослабление как смирение; ослабление как вера; ослабление как отвращение и стыд за все естественное, как отрицание жизни, как болезнь и хроническая слабость ...

ослабление как отказ от мести, от сопротивления, от вражды и гнева.

ошибочное лечение: слабость думают побороть не посредством systeme fortifiant, но с помощью какого-то оправдания и морализаторства: то есть с помощью толкования ...

Путают два совершенно различных состояния: например, спокойствие силы, которое по сути есть воздержание от реакции — тип богов, которых ничто не трогает ...

и спокойствие изнеможения, оцепенение, доходящее до анестезии.

: все философско-аскетические приемы устремлены ко второму, но на деле имеют в виду первое ... Ведь достигнутому состоянию они приписывают такие предикаты, как будто достигнуто божественное состояние.

14 [66]

Мораль как декаданс

Почему с бессилием не борются, но «оправдывают»

Исчезновение чутья на целебную силу у ослабленных: так что в качестве лекарства они желают того, что лишь торопит их гибель. Например, большинству вегетарианцев не помешал бы укрепляющий рацион, чтобы придать энергии обмякшим волокнам: но свою penchant к мягкому и нежному они почитают за особый знак природы — и по-прежнему ослабляют себя ...

14 [67]

Женщина реагирует медленнее мужчины, китаец — европейца...

14 [68]

Религия как декаданс

Опаснейшее недоразумение.

Есть понятие, которое, по всей видимости, не допускает никакой путаницы, никакой двусмысленности: речь идет об изнурении. Оно может быть приобретенным; может быть наследственным — в любом случае оно меняет аспект вещей, ценность вещей ...

В противоположность тому, кто поневоле отдает вещам от той полноты, каковую сам являет и ощущает, видя вещи полнее, полновластнее, чреватее будущим, — кто в любом случае может дарить, изнуренный умаляет и искажает все, что видит, — он обедняет ценность: он вредит ...

На этот счет, кажется, никакой ошибки быть не может — и однако история содержит устрашающий факт того, что изнуренных всегда путали с преисполненными, а преисполненных — с наивреднейшими.

Нищий жизнью, слабый, еще пуще обедняет жизнь: богатый жизнью, сильный, ее обогащает ...

Первый паразитирует на ней; второй — в придачу одаривает ...

Как же тут возможна путаница?..

Когда изнуренный являл своим поведением высочайшую активность и энергию — когда вырождение вызывало эксцесс высвобождения духовной или нервной энергии, — тогда-то и путали его с богатым ... Он вызывал страх ...

культ дурака — это всегда еще и культ богатого жизнью, могучего

фанатик, одержимый, религиозный эпилептик, все эксцентричные личности воспринимались как высшие типажи могущества

: как люди божественные

такого-то рода сила — сила, вызывающая страх, — в первую очередь почиталась как божественная: здесь находился источник авторитета, здесь толковали, внимали, искали мудрости ...

Из этого почти повсеместно развилась воля к «обожествлению», то есть к типичному вырождению ума, тела и нервов: попытка отыскать путь к такому высшему роду бытия

довести себя до болезни, до безумия: спровоцировать симптомы расстройства — это значило стать сильнее, сверхчеловечнее, страшнее, мудрее:

— тем самым человек мнил себя достаточно богатым властью, чтобы быть в состоянии отдавать от нее: повсюду, где люди боготворили, они искали кого-то, кто мог отдавать.

что дурака принимали за нечто сверхчеловеческое

что в невротиках и эпилептиках подозревали действие страшной силы власти

Здесь вводил в заблуждение опыт опьянения ...

опьянение в высшей степени увеличивает ощущение власти

следовательно, наивно рассуждая, и саму власть —

тот, кто был пьяней всех, экстатичный, должен был находиться на высшей ступени власти

у опьянения есть два отправных пункта: бьющая через край полнота жизни и состояние болезненной трофики мозга

Ничто никогда не заставляло расплачиваться так дорого, как эта путаница в сфере физиологии.

14 [69]

Физиологические лжепонимания.

1. болезнь, превратно понятая как высшая форма жизни
2. Опьянение
3. бесстрастность.

14 [70]

Радость наступает там, где есть чувство власти

Счастье — в возобладавшем сознании власти и победы

Прогресс: усиление типа, способность к великому хотению: все прочее — превратное понимание, опасность,

14 [71]

Воля к власти как «закон природы»
Воля к власти как жизнь
Воля к власти как искусство.
Воля к власти как мораль.
Воля к власти как политика
Воля к власти как наука.
Воля к власти как религия

14 [72]

Воля к власти.

Морфология.

Воля к властикак «природа»
как жизнь
как общество
как воля к истине
как религия
как искусство
как мораль
как человечество

Встречное движение
Тяга к небытию

преодоленные. Отбросы, выродившиеся

14 [73]

Следствия декаданса.

Порок, порочность
болезнь, болезненность
преступление, преступность
целибат, стерильность
истеричность, слабоволие, алкоголизм
пессимизм
анархизм

14 [74]

Дегенерация:

первое основоположение: все, в чем до сих пор видели причины дегенерации, есть ее следствия.

: порок: как следствие;
: болезнь стерильность
: преступление
очернителискепсис
подрывателиаскетизм
скептикинигилизм
разрушителипотусторонность

: libertinage (в том числе умственный) — целибат.

: слабоволие: пессимизм; анархизм;


Но в то же время все, что считается лекарством от вырождения, на деле не более как паллиатив против некоторых его влияний: «исцеленные» — всего лишь один из типов дегенератов.

14 [75]

Понятие «декаданс»

Отбросы, упадок, отбраковка — во всем этом нет ничего такого, что уже само по себе заслуживало бы осуждения: это необходимое следствие жизни, жизненного прироста. Появление декаданса столь же необходимо, как и любой подъем или развитие жизни: устранить его не в нашей власти. Разум же, напротив, хочет, чтобы этому воздали должное ...

Позор для всех социалистических систематизаторов, что они думают, будто возможны такие условия, общественные комбинации, при которых не будут возникать порок, болезнь, преступность, проституция, нужда ... Ведь это означает приговорить жизнь ... Общество не властно оставаться молодым. Даже в расцвете сил должно оно вырабатывать нечистоты и отбросы. Чем энергичнее и смелее движется общество вперед, тем богаче оно становится на неудачных и уродцев, тем ближе оно к своему закату ... Учреждениями не отвратить дряхлость. Или болезнь. Или порок.

14 [76]

Некогда говорилось о любой морали: «по плодам ее познаете ее»; я же говорю о всякой морали: она есть плод, по которому узнаю я почву, на которой она взросла.

14 [77]

Мы, гиперборейцы.
Предисловие.

Воля к власти.
Первая часть.

Психология decadence'a.
Теория de cadence'a.
Вторая часть.

Критика духа времени.
Третья часть.

Великий полдень.
Четвертая часть.

Сильные.
Слабые.
С кем сродны мы?
Великий выбор.

14 [78]

Воля к власти.
Опыт переоценки всех ценностей.

Первая часть.
Что ведет происхождение от силы.

Вторая часть.
Что ведет происхождение от слабости.

Третья часть.
А откуда происходим мы? —

Четвертая часть.
Великий выбор.

14 [79]

Воля к власти

Философия

Количества власти. Критика механицизма

здесь давайте отстраним два популярных понятия: «необходимость» и «закон»: первое привносит в мир ложное принуждение, второе — ложную свободу. «Вещи» не ведут себя ни закономерно, ни сообразно какому-то правилу: вещей вообще нет (это лишь наша фикция); столь же мало их поведение подчинено принуждению необходимости. Здесь ничто ничему не повинуется: ибо то, что нечто таково, каково оно есть, столь сильно, столь слабо,— это не следствие повиновения, или правила, или принуждения ...

Степень сопротивления и степень превосходства в силах — вот к чему сводится все дело во всем происходящем: если для привычного удобства расчета мы умеем выразить это в формулах и «законах»,— что ж, тем лучше для нас! Но одной нашей фикции, будто мир послушен законам, еще недостаточно, чтобы внести в него какую-либо «моральность» —

Никакого закона нет: всякая сила в любой момент делает свои последние выводы. Возможность расчета на том и покоится, что никакого mezzo termine не существует.

Количество силы, власти характеризуется тем воздействием, которое оно само оказывает, и тем, которому сопротивляется. Адиафория отсутствует, хотя и мыслима в принципе. По существу же это воля к насилию и к защите себя от насилий. Не самосохранение: каждый атом воздействует на все бытие в целом,— мы мысленно его устраним, если устраним в мысли излучение воли к власти. Поэтому я называю это количеством «воли к власти»: этим выражается характерная черта, которую нельзя мысленно изъять из механического порядка, не устранив в мысли сам этот порядок.

Понятие «движение» есть перевод этого мира воздействий в мир зримый — мир глаза. Здесь всегда подразумевается, что в движение приводится нечто — при этом всегда мыслится вещь, которая действует (будь то в форме фикции: атома-комочка, или даже его абстракции — в виде динамического атома),— выходит, мы не расстались с привычкой, которой прельщают нас восприятия и язык. Субъект и объект, деятель и действие, действие и то, что оно совершает, отделены одно от другого: не забудем, что все это чистая семиотика, а не что-либо реальное. Механика как учение о движении — это уже перевод на язык человеческих восприятий.

Чтобы быть в состоянии считать, нужны единицы: но это еще не дает права предполагать, что такие единицы действительно существуют. Понятие единицы мы заимствовали у нашего понятия «я» — древнейшей статьи нашего символа веры. Если бы мы не считали себя единицами, то никогда бы не построили понятие «вещь». Теперь, довольно-таки поздно, мы основательно убедились в том, что наша идея понятия «я» отнюдь не гарантирует реального единства. Таким образом, чтобы сохранить в неприкосновенности теорию мирового механизма, всегда приходится оговаривать, в какой степени эта теория строится нами на основе двух фикций: понятия движения (взятого из языка наших восприятий) и понятия атома = единицы (ведущего свое происхождение из нашего психического «опыта»): ее предпосылками служат предвзятость восприятий и психологическая предвзятость.

Механистический мир воображается таким, каким представляют себе мир единственно глаз наш и осязание (как «движущийся»)

так, чтобы он мог быть исчислен,— чтобы сымитировать единицы,

так, чтобы сымитировать причинные единицы, «вещи» (атомы), воздействие, или следствие, которых остается постоянным (— перенесение ложного понятия субъекта на понятие атома)

понятие числа.
понятие вещи (понятие субъекта
понятие деятельности (разделение на: «быть причиной» и «производить следствие»)
движение (глаз и осязание)
: так что всякое следствие есть движение
: так что где есть движение, есть и нечто, приводимое в движение.

Феноменальное, стало быть, состоит из: примеси понятия числа, понятия субъекта, понятия движения: здесь все же сказывается наш глаз, наша психология.

Если мы устраним эти примеси, тогда не будет больше никаких вещей, а останутся лишь динамические количества, связанные напряжением со всеми прочими динамическими количествами: чья сущность и состоит в их отношении ко всем другим количествам, в «произведении или следствии» в них: воля к власти — не бытие, не становление, но некий пафос — вот элементарнейший факт, из которого только и вытекает какое-либо становление, какое-либо следствие ...

механика к тому же семиотически формулирует производные явления чувственно-наглядными и психологическими выразительными средствами, причинную силу она даже не затрагивает ...

14 [80]

Раз сокровеннейшую сущность бытия составляет воля к власти, раз наслаждение составляет всякий рост власти, а страдание — всякое ощущение собственной неспособности устоять и захватить господство, то спрашивается: не должны ли мы тогда признать наслаждение и страдание фактами кардинального значения? Возможна ли воля без двух этих осцилляций Да и Нет? Кто, однако, ощущает наслаждение?.. Кто, однако, стремится к власти?.. Абсурдный вопрос, если сущность сама есть стремление к власти и, следовательно, ощущение наслаждения и страдания. И все-таки — необходимы противоположности, противодействия и, стало быть, относительно говоря, объемлющие их единства... В пространственном отношении —

если А действует на В, то А лишь в пространственном отношении оторвано от В

14 [81]

Критика понятияпричина

Если пересмотреть дело с психологической точки зрения, то понятие «причина» окажется нашим чувством власти, присущим так называемому волению — а наше понятие «следствие» — суеверием, суть коего в том, что чувство власти, силы и есть сама приводящая в движение власть, сила ...

Состояние, сопровождающее процесс и выступающее уже его следствием, проецируется как «достаточное основание» этого процесса.

Мера напряженности нашего чувства власти: наслаждение как ощущение власти, то есть сломленного сопротивления, — не иллюзии ли это?

если мы вернем понятие причины в единственной известной нам сфере, откуда мы его и извлекли, — то не сможем представить себе никакого изменения, при котором не было бы той или иной воли к власти. Мы не сумеем вывести какого-либо изменения, если не будет иметь место пережим одной власти другой властью.

Механика показывает нам лишь последствия, да к тому же делает это образно (движение — выражение образное).

Даже у гравитации нет никакой механической причины — ведь она-то и есть первопричина всех механических следствий



Воля к аккумуляции силы специфична для феномена жизни, для питания, зачатия, наследования,

для общества, государства, нравов, авторитета.

а что если взять да и признать эту волю движущей причиной и в химии?

а в мироздании в целом?

не просто сохранение энергии — а максимальная экономия в расходовании, так что исходящее из любого центра силы стремление к наращиванию последней есть единственная реальность, — не самосохранение, а присвоение, стремление к господству, приумножению, усилению.



Неужто же принцип причинности призван доказать нам, что наука возможна?

«одна и та же причина вызывает одни и те же следствия»:

«вещи подчиняются постоянно действующему закону»

«порядок неизменен».

если что-то можно вычислить — неужто оно уже только потому и необходимо?

если что-то протекает так, а не иначе, — в нем нет никакого «принципа», никакого «закона», никакого «порядка».

Квантумы силы, сущность коих состоит в том, чтобы установить господство над всеми другими квантумами силы.

Вера в причину и следствие всегда заставляет забыть самое главное: сам процесс.

постулировав, что был деятель, предположили, что было, в свою очередь, и содеянное.

14 [82]

Можем ли мы допустить существование стремления к власти без ощущения наслаждения и страдания, то есть без чувства усиления или ослабления власти?

механицизм — всего лишь язык знаков, выражающий внутренний фактический мир борющихся и побеждающих квантумов воли?

все предпосылки механицизма — вещество, атом, давление и удар, тяжесть — это не «факты сами по себе», а интерпретации посредством психических фикций.

жизнь как наиболее знакомая нам форма бытия есть, специфическим образом, воля к аккумуляции силы

: здесь — главная пружина всех процессов жизни

: все стремится не к сохранению, а к накоплению и аккумуляции.

Жизнь как частный случай: исходя из него строится гипотеза о характере всего бытия.

: стремится к максимальному ощущению власти

: его сущность — стремление к приумножению власти

: стремление есть не что иное как стремление к власти

: эта воля остается глубочайшей основой: механика же есть просто семиотика следствий.

14 [83]

Проблема философа и

человека науки.

Исходный тип
Спокойная сила. При этом — относительное безразличие и затрудненность реакции.
Все сильны и прекрасно помогают друг другу ...
 
Воздействие возраста
депрессивные привычки (домоседство на манер Канта)
Переутомление
недостаточное питание мозга
Чтение

Важнее: не проявляется ли симптом декаданса уже в ориентации на такую всеобщностьобъективность как дисгрегацию воли (в той мере, в какой могут оставаться ...

это предполагает большую адиафорию к сильным влечениям:

своего рода изоляцию
особое положение
сопротивление
в отношении нормальных влечений

Тип: освобождение от родины, выход на все более широкую арену, растущее стремление к экзотическому, онемение старых императивов — — даже этого беспрестанного вопрошания «куда?» («счастье») есть признак выделения из организованных форм, прорыв.

Проблема: не есть ли скорее человек науки симптом декаданса, чем философ —

он не освободился целиком, лишь часть его всецело посвящена познанию, натаскана на один угол и оптику —

— тут ему надобны все добродетели сильной расы и здоровье

— великая суровость, мужественность, рассудительность —

— здесь можно говорить о разделении труда и выучке, весьма полезной для целого и возможной лишь при очень высокой степени культуры. Он — симптом скорее многообразия культуры, чем ее усталости.

Ученый-декадент — это плохой ученый. А вот философ-декадент был философом типичным — по крайней мере, так обстоят дела и по сию пору.

14 [84]

В сравнении с художником появление человека науки есть на деле признак известной запруженности и обмеления жизни.

Но все-таки — и усиления, суровости, силы воли.

: в той мере, в какой неискренность, безразличие к истине и пользе могут быть у художника признаками юности, «ребячества» ...

: свойственная им манера, их безрассудство, их невежество в отношении себя, их безразличие к вечным ценностям, увлеченность «игрой» ... недостаток благопристойности; паяц рядом с Богом; святой и подлец ...

: подражание как инстинкт, велящий подражать ...

Соглашатели, художники заката.

Художники восхода—художники заката: не встречаются ли они на всех фазах ... Да

14 [85]

Пиррон, греческий буддист

Платон — быть может, прошедший школу иудеев

14 [86]

К понятию «декаданс» —

1.скепсис есть следствие декаданса, как и разума.
2.разложение нравов есть следствие декаданса: рас-
слабление воли, потребность во все более сильных
возбуждающих средствах ...
3.методы лечения — психологические, моральные — не изменяют течения декаданса, не сдерживают его, — физиологически они ничтожны

: обзор великой ничтожности этих самонадеянных «реакций»

: это формы наркотического бегства от известных фатальных последствий, они не выводят гниль

: часто они представляют собою героические попытки свести на нет человека декаданса, добиться минимума его вредоносности.

4.нигилизм — это не причина, а всего лишь логика декаданса.
5.«добрый» и «злой» — всего лишь два типа декаданса: они держатся друг за дружку во всех важнейших явлениях.
6.социальный вопрос есть следствие декаданса
7.болезни, и прежде всего нервные и душевные расстройства, суть признаки того, что у сильной натуры нет защитной силы; точно о том же говорит возбудимость, из-за которой наслаждение и страдание становятся проблемами переднего плана.

14 [87]

античный философ «как тип» начиная с Сократа несет на себе стигмы декаданса: морализм и счастья.

Высшая точка — Пиррон. Достиг буддийской ступени.



Эпикурейзм в христианстве



Пути, ведущие к счастью: знак того, что все главные силы жизни исчерпаны.

14 [88]

Аккумулирующие эпохи и индивиды

расточающие: гениальные, победоносные, завоевательные, открывающие, авантюрные

вслед за последними неизбежно идет декадент

14 [89]

Встречное движение: религия

Два типа:
Дионис и Распятый.

Установить: типичный верующий — форма декаданса?

Великие новаторы все до одного болезненны и эпилептичны

: однако не упускаем ли мы тут один тип верующего — язычника? Разве языческий культ — не форма благодарного утверждения жизни? Разве высший его представитель не выражал апологию и обожествление жизни с необходимостью?

Тип совершенно удавшейся и восхищенно изливающейся в своем преизбытке натуры...

Тип вбирающего в себя противоречия и темные стороны жизни — несущий спасение тип?

— Сюда я отношу Диониса греков:

религиозное утверждение жизни — целостной, а не отвергнутой и наполовину урезанной жизни.

Типично, что половой акт пробуждает глубинное, таинственное, трепетно-благоговеющее

Дионис супротив «Распятого»: вот вам и полярность. Это — не различие по образу мученичества: просто у такого разный смысл. Мука, разрушение, воля к уничтожению вызваны самой жизнью, ее вечной плодоносностью и возвращением...

а во втором случае это — страдание, это — «распятый как невинно страждущий», как возражение против той самой жизни, как формула ее осуждения.

Нетрудно догадаться: вся проблема упирается в смысл страдания — то ли в христианский смысл, то ли в трагический... В первом случае оно служит путем к некоему блаженному бытию, во втором само бытие достаточно блаженно, чтобы еще и оправдать неизмеримую громаду страдания.

Трагический человек принимает даже самое страшное страдание — он достаточно силен, полон, божествен для этого.

Христианин же отвергает даже блаженнейший жребий на земле: он достаточно слаб, беден, обделен, чтобы страдать от жизни в любой ее форме...

«Бог на кресте» — это проклятие жизни, указание на избавление от нее.

Растерзанный на части Дионис есть обетование жизни: она будет вечно возрождаться, возвращаться из тлена.

14 [90]

Физиологическая неправда на картинах Рафаэля.

У женщины с нормальной секрецией нет потребности в спасении. Что все эти полнокровные и удачливые натуры вечно убиваются над известным анемичным святым назарянином, противоречит законам природы. Тот принадлежал к какой-то иной породе — той, что была известна Достоевскому, — трогательным, испорченным и извращенным ублюдкам с чертами идиотизма и мечтательства, с любовью ...

14 [91]

Религия как декаданс

Будда противРаспятого

В русле нигилистического движения надо всегда четко различать христианское и буддийское

: буддийское — это выражение прекрасного заката, совершенной кротости и незлобивости, да к тому же благодарности за все, что было; нет никакой ожесточенности, разочарования, злопамятства

: наконец, высокая духовная любовь, избежавшая тонких сетей физиологического антагонизма, — буддизм освобожден и от нее: но отсюда все еще исходит жар его духовного величия и солнечного заката. (Его происхождение от высших каст.)

: христианское движение — движение упадочническое, включающее в себя отбросы и лишние элементы всяческого рода: оно не выражает закат расы, а изначально представляет собой агрегатное образование из лепящихся друг к дружке, пытающихся объединиться болезненных форм ... Поэтому оно не национально, не расово: оно обращено к обделенным со всех углов земли

в его основе — озлобленность, направленная против всего полнокровного, владычествующего; оно пользуется символом, изображающим проклятье полнокровным и владычествующим ...

оно враждебно и всякому духовному движению, всякой философии: оно берет сторону идиотов и произносит проклятье духу. Озлобление на богато одаренных, ученых, духовно независимых: в них оно чует полнокровное, владычествующее

14 [92]

Проблема Сократа.

Две крайности:

трагическая установка
сократическая установка
по меркам
закона жизни

: насколько сократическая установка есть феномен декаданса

: Но насколько еще сильно здоровье и крепость всей конституции, проявляющиеся в диалектике и дельности, в дисциплинированности человека науки (—здоровье плебея, его «зубастость», esprit frondeur, его сообразительность, его canaille au fond, сдерживаемое изворотливостью ума: «безобразен»

Обезображивание:
издевательство над собой
диалектическая сухость
рассудительность как тиран над «тиранами» (над инстинктом)
 
все преувеличено, эксцентрично, все — карикатура Сократа, буффонада с вольтеровскими инстинктами в крови;
 
он открывает новый вид агона
он первый учитель фехтования для высших кругов Афин
он представляет не что иное как высочайшую рассудительность: он называет ее «добродетелью» (—угадав в ней спасение: он не волен был решать — рассудительность была de rigueur)
владеть собой, чтобы вступать в бой с причинами, а не с аффектами — хитрость Спинозы — распутывание вызванных аффектами заблуждений ... обнаружить, как поймать в сети всякого, кто доведен до аффекта, обнаружить, что аффект действует нелогично ... Упражнение в самовысмеивании с целью пресечь чувство озлобления в корне
  

Я пытаюсь понять, из каких частичных и идиосинкратических состояний следует выводить проблему Сократа: его приравнивание разума = добродетели = счастью. Он зачаровывал абсурдностью учения об этом тождестве: античная философия так и не избавилась от этих чар ...



Проблема Сократа. Рассудительность, ясность, твердость и логичность как оружие в борьбе против дикости влечений. Последние должны быть опасны и тлетворны: иначе нет никакого смысла развивать рассудительность до такой тирании. Превратить рассудительность в тирана: но ведь для этого тиранами должны быть влечения. Вот она, проблема.— Тогда это было весьма своевременно. Разум стал = добродетели = счастью.



абсолютное отсутствие объективных интересов: ненависть к науке, идиосинкратическая невозможность ощутить себя самого как проблему



Акустические галлюцинации у Сократа: элемент упадка



Возиться с моралью противно, как правило, тогда, когда дух богат и независим. Как это вышло, что Сократ — страдает мономанией морали?



Вся «практическая» философия тотчас выступает на передний план в бедственных положениях. Мораль и религия, когда они становятся предметами главного интереса, суть признаки бедствия



Решение: греческие философы топчутся на том же основном факте своего внутреннего опыта, что и Сократ: за 5 шагов от эксцесса, от анархии, от состояния необузданности, — все они декаденты. А в нем они видели целителя:



Решение: дикость и анархия инстинктов у Сократа есть симптом декаданса. То же — повторное оплодотворение логики и рассудочной ясности. Та и другая — уродства и стоят одна другой.



Логика как воля к власти, к господству над собой, к «счастью».



Критика. Декаданс проявляется в этом пристрастном стремлении к «блаженству» (то есть к «спасению души», то есть — воспринять свое состояние как опасное)

Его фанатичный интерес к «счастью» обнаруживает патологию основы: это был жизненно важный интерес. Быть разумным или погибнуть — перед этой альтернативой стояли они все

морализм греческих философов говорит о том, что они чувствовали себя в опасности ...

14 [93]

Воля к власти как познание
Критика понятия «истинный и видимый мир»

из них первый — одна фикция, построенная из чисто воображаемых вещей

«Видимость» сама присуща реальности: она — форма ее бытия, то есть

в мире, где нет никакого бытия, лишь посредством видимости создается некоторый поддающийся исчислению мир тождественных случаев: темп, в котором возможны наблюдение и сравнение, и т.д.

«Видимость» есть упорядоченный и упрощенный мир, над которым поработали наши практические инстинкты: для нас он совершенно истинен — это мы в нем живем, можем в нем жить: доказательство его истинности для нас ...

мира, независимого от нашей необходимости жить в нем, мира, который мы не свели к нашему бытию, к нашей логике и психологическим предрассудкам,

не бывает как мира «самого по себе»

он по своей сути есть мир отношений: смотря по обстоятельствам, с каждой точки обзора он открывает всякий раз другое лицо: его бытие по своей природе — иное в каждой точке: он давит на каждую точку, и каждая точка противится ему, — а результаты взаимодействия во всяком случае совершенно не совпадают.

Степень власти определяет, какому существу принадлежит иная степень власти: в какой форме, какой силой, каким принуждением оно действует или сопротивляется.

Мы как особый случай довольно интересны: мы создали некую концепцию, чтобы научиться жить в мире, чтобы воспринимать ровно столько, сколько надо для того, чтобы еще и выдержать это ...

14 [94]

Философия как декаданс
К критике философов

Философы и моралисты занимаются самообманом, когда думают выбраться из декаданса, борясь против него.

Это не в их власти: и, как бы мало они этого ни признавали, позже обнаруживается, что они принадлежали к самым влиятельным покровителям декаданса.

Философы Греции, например Платон, этот благой муж, — но ведь это он оторвал инстинкты от полиса, от состязаний, от воинской дельности, от искусства и красоты, от мистерий, от веры в традицию и предков...

— был совратителем нобилей, а сам был совращен простолюдином Сократом...

— так вот, он отверг все устои «благородных эллинов» старого закала, ввел диалектику в будничную жизнь, шептался с тиранами, занимался политикой будущего и дал пример совершеннейшего отрыва инстинктов от древности.

Он глубок и страстен во всем антиэллинском...



Все они представляют последовательность типических форм декаданса, эти великие философы:

морально-религиозную идиосинкразию 
анархизм 
нигилизм
кинизм 
 косность
гедонизм, 
реакционизм 

вопрос о «счастье», «добродетели», о «спасении души» есть выражение физиологического разлада в этих упадочных натурах: в их инстинктах совершенно нет устойчивости, направления.

: почему ни один не посмел отвергнуть свободу воли? Все они предубеждены благодаря своему понятию «спасения души» — что им до истины?

14 [95]

Два последовательных состояния: одно — причина, второе — следствие

: неверно.

первому состоянию нечего обусловливать; второе не обусловлено ничем.

: речь идет о борьбе двух неравных по власти элементов: в зависимости от объема власти каждого из них достигается новый расклад сил.

второе состояние есть нечто в корне отличное от первого (но не его следствие): существенно то, что участвовавшие в борьбе факторы выходят из нее с различными квантумами власти.

14 [96]

Они презирали тело: они сбросили его со счетов: мало того, они третировали его как врага. Их манией была вера, будто «прекрасные души» могут разгуливать в оболочке отвратительных кадавров ... А чтобы заставить поверить в это и других, им пришлось перелицовывать понятие «прекрасной души», переоценивать естественную ценность, покуда, наконец, блеклое, болезненное, идиотически-мечтательное существо не стало восприниматься как верх совершенства, как «подобие ангелов», как преображение, как высший человек.

14 [97]

«Воля к власти»

«Волю к власти» демократические эпохи ненавидят до такой степени, что, сдается, вся их психология направлена на то, чтобы принизить ее и отвергнуть...

Тип великого честолюбца: так это же, совершенно очевидно, Наполеон! И Цезарь! И Александр!.. Будто как раз не они-то больше всех и презирали честь!..

А Гельвеций развивает перед нами ту мысль, что к власти стремятся, дабы получать удовольствия, доступные человеку могущественному...: это стремление к власти он понимает как желание наслаждаться, как гедонизм...

Стюарт Милль:

14 [98]

Воля к власти по существу

Критика понятия «причины»

Исходный пункт — «воля к власти» — нужен мне как источник движения. Следовательно, движение не может быть обусловлено извне — не может быть вызвано некоторой причиной ...

Мне нужны порождающие центры движения, откуда излучается воля ...



У нас нет ровно никакого опыта, содержанием которого была бы причина.

: психологическая сверка обнаруживает, что это понятие целиком приходит к нам от субъективного убеждения в том, что причина — мы сами, например, причина того, что рука движется ... Но это — заблуждение

: мы отличаем себя, деятелей, от действия и всюду пользуемся этой схемой — на всякий процесс мы отыскиваем деятеля ..

: что же мы сделали? ощущение силы, напряжения, сопротивления, мышечное ощущение, которое уже само по себе есть начало действия, мы ошибочно поняли как причину

или поняли волю делать то и то — поскольку за ней следует действие — как причину: причину, то есть ---

«причина» вообще нигде не встречается: отдельные случаи, где она как будто присутствует, исходя из чего мы и спроецировали ее для понимания процесса, обличают самообман.

Наше «понимание произошедшего» заключалось в том, что мы изобрели субъект, ответственный за событие и за то, как оно протекало.

Наше ощущение воли, наше «чувство свободы», наше чувство ответственности и наше намерение совершить что-либо мы свели воедино в понятие «причины»:

: causa efficiens и finalis — это в основе своей одно и то же.

Мы полагали, будто следствие объяснено, если выявлено состояние, которому оно уже присуще.

Фактически мы изобрели все причины по схеме следствия: последнее нам известно ... Но мы, напротив, не в состоянии предсказать, каково будет «следствие» той или иной вещи.

Вещь, субъект, воля, намерение — все это присуще концепции «причины».

Мы ищем вещи, чтобы объяснить, почему что-то изменилось. И даже атом есть такая воображаемая «вещь» и «прасубъект» ...

В конечном итоге мы поймем, что вещи, а стало быть и атомы, ничего не обусловливают: это потому, что они вообще не существуют ... и что понятие причинности совершенно непригодно — из необходимой серии состояний не следует их причинная связь (—это значило бы, что у них есть реальная способность делать так, чтобы 1-е перескакивало во 2-е, 2-е — в 3-е, 3-е — в 4-е, 4-е — в 5-е).

Причинное объяснение — иллюзия ...

Движение — только слово, движение не составляет причины —

«вещь» есть сумма собственных следствий, синтетически связанных понятием, образом ...

Не бывает ни причин, ни следствий.

Наш язык не умеет выпутываться из такого положения. Но это и не важно. Если я мыслю мускул отдельно от его «следствий», я уже его отрицаю ...

In summa: произошедшее ни обусловлено, ни обусловливает.

есть способность воздействовать, примышленная к процессу ...

не бывает того, что имел в виду Кант, — нет никакого чувства причинности

мы удивляемся, мы тревожимся, мы хотим получить что-то известное, за что можно ухватиться ...

как только в новом проглядывает что-то старое, мы успокаиваемся.

Мнимый инстинкт причинности есть всего лишь страх перед необычным и попытка обнаружить в нем что-то знакомое

поиск не причин, а чего-то знакомого ...

Люди тотчас успокаиваются, как только к чему-то новому --- они не стараются понять, почему от спички зажигается огонь

Наука фактически выпотрошила из понятия причинности его содержание и сократила его до некоего подобия уравнения, причем, в сущности, стало уже все равно, в какой его части причина, а в какой — следствие. Говорят, что в двух комплексных состояниях (констелляциях силы) сумма квантов силы не меняется.

Исчислимость происходящего состоит не в подчинении какому-нибудь правилу

или в подчинении какой-нибудь необходимости

или в проецировании нами закона причинности на всякий процесс:

она заключается в возвращении тождественных случаев.

14 [99]

Философия как декаданс
Мудрая усталость. Пиррон. Этот буддист. Сравнение с Эпикуром.

Пиррон. Жить среди униженных, в унижении. Никакой гордости. Жить обыкновенно, как другие; верить в то, во что верят все, и почитать его. Держать ухо востро с наукой и умом, вообще со всем, что нос ... Попросту: безмерно терпеливо, безмятежно, незлобиво.

Буддист для Эллады, выросший под базарный гомон школ; поздно рожденный; утомленный; протест усталого против суматохи диалектиков; неверие усталого в важность решительно всего. Он видел Александра, он видел смиренников. Все униженное, все нищее, все идиотическое действует на таких рафинированных, поздно рожденных даже как какой-то соблазн. Оно их наркотизирует: их тянет расслабиться: Паскаль. Правда, в давке, мешаясь с толпой, они ощущают какое-то тепло: им нужна теплота, этим утомленным ...

Примирять разлады; не вступать в состязания; не выделяться: отрицать греческие инстинкты. Пиррон жил вместе со своей сестрой, которая была повивальною бабкой. —

Драпировать истину, дабы она не выделялась; натягивать на нее покрывало нищеты и лохмотьев; отправлять самые постыдные обязанности: ходить на базар и продавать молочных поросят ...

Кротость; ясность; равнодушие; никаких добродетелей, для которых потребны громкие слова. Не выделяться и в добродетели: крайняя степень самообуздания, последняя степень равнодушия.

Пиррон да Эпикур — вот две формы греческого декаданса: схожие в ненависти к диалектике и ко всем добродетелям лицедеев — то и другое вместе тогда звалось философией; нарочно унижавшие то, что любили; выбиравшие для этого обыкновенные, да и попросту презренные слова; живые картины состояния, в котором человек не болен, но и не здоров, не жив, но и не мертв ... Эпикур — более наивный, более идилличный, более склонный к взаимности; Пиррон — более опытный, более бывалый, более нигилистичный ...

Его жизнь была протестом против великого учения о тождестве (счастье = добродетели = познанию).

Праведной жизни не достичь, занимаясь наукой: многоумие «уму» не научает ...

Праведная жизнь не ищет счастья, она обходится без счастья ...

14 [100]

Настоящие философы у греков – те, что были до Сократа: с появлением Сократа что-то меняется

все они – люди благородного звания, державшиеся в стороне от народа и обычая, бывалые, серьезные до угрюмости, с пытливо-медлительным взором, не чуждые государственным делам и дипломатии. Они предвосхитили все великие воззрения на вещи, найденные мудрецами: они сами были такими воззрениями, они приводили в систему себя самих.

Ничто не дает более полного представления о греческом духе, как этот внезапно народившийся урожай типов, как эта непроизвольно разразившаяся полнота великих возможностей философского идеала.

В последующую эпоху я вижу лишь еще одну оригинальную фигуру: поздний плод, но неизбежно последний ... нигилиста Пиррона, ... у него был инстинкт противиться всему тому, что наросло за это время, – сократикам, Платону

Пиррон через Протагора возвращается к

артистический оптимизм Гераклита,

14 [101]

декаданс вообще

Если наслаждение и страдание относятся к ощущению власти, то жизнь должна представлять собой рост власти и, значит, сознание должно замечать ее прирост ... Удержание достигнутого уровня власти: но тогда наслаждение должно было бы измеряться лишь снижением этого уровня, то есть состоянием страдания, а отнюдь не состоянием наслаждения ... Стремление получать все больше — в природе наслаждения: надо, чтобы власть росла, чтобы ее прирост становился заметным ...

Начиная с некоторого момента декаданса начали осознавать обратную разницу — снижение: память о высоких мгновениях былого оттесняет нынешнее чувство наслаждения — теперь сравнение уже ослабляет наслаждение ...

14 [102]

О гигиенеслабосильных”.— Все, что будет сделано в бессилии, выйдет плохо. Мораль: ничего и не делай. Плохо только, что как раз способность взять в деле передышку, не реагировать сильнее всего парализуется под влиянием бессилия; что никогда не реагируют так очертя голову, как тогда, когда реагировать не надо вообще ...

Натура сильная проявляет себя в выжидании и откладывании реакции: определенного рода свойственна ей в той же мере, в какой бессилию свойственна непроизвольность ответного движения, спонтанность, неудержимость «поступка» ...

Воля слаба — и рецепт неделания глупостей гласил бы: нужно обладать сильною волей и ничего не делать ...

Contradictio ...

Своего рода самоистребление — инстинкт самосохранения скомпрометирован ... Слабосильный наносит вред себе самому ... вот он, тип декадента ...

Фактически мы видим чудовищных масштабов поиски практик, провоцирующих бесстрастие. Инстинкт берет верный след, когда признаёт, что ничего не делать полезнее, чем что-то делать ...

Все практики орденов, философов-одиночек, факиров наитием следуют верному эталону: известного сорта люди приносят себе пользу даже больше всего, когда изо всех сил не дают себе воли действовать —

Средства, приносящие облегчение: абсолютная покорность

машинальная деятельность

отстранение от людей и вещей, способных стимулировать немедленное решение и действие

14 [103]

1.

Я с удивлением замечаю, что наука потеряла сегодня всякую решимость, позволяющую рассчитывать на видимый мир: мир же истинный — будь он каким ему угодно, но для его познания у нас нет решительно никакого органа.

Уже здесь можно задать вопрос: а каким же органом познания устанавливается наличие этой противоположности?

Что мир, доступный нашим органам, и понимается как зависимый от этих органов, что мы понимаем какой-то мир как субъективно обусловленный, — все это еще не говорит о том, что некий объективный мир вообще возможен. Кто нам думать, что субъективность реальна, сущностьна?

Бытие чего-то «самого по себе» — концепция прямо-таки абсурдная: «сущность сама по себе» есть нелепица: наше понятие «бытия», «вещи» — это всегда лишь понятие соотносительное...

Скверно, что вместе со старой противоположностью «видимого» и «истинного» подхватывается традиция соответствующего ценностного суждения: «менее ценное» и «абсолютно ценное».

Мир видимый не считается у нас «абсолютно ценным» миром; видимость обязана быть инстанцией противоположной высочайшей ценности. Ценность сама по себе может принадлежать лишь некоему «истинному» миру...

Сперва утверждают, будто он существует

потом вырабатывают некое совершенно определенное представление о его ценности.

Предрассудок из предрассудков! Во-первых, само по себе возможно, что истинная суть вещей была бы до того губительна для условий жизни, несовместима с ними, что для того, чтобы жить, оказалась бы позарез нужной именно видимость... Ведь как раз так дело и обстоит во многих случаях: например, в браке

Наш эмпирический мир так или иначе обусловлен инстинктами самосохранения даже в пределах своей познаваемости: мы так или иначе считаем истинным, ценным, хорошим то, что полезно для сохранения рода...

а.У нас нет никаких категорий, по которым можно отделять истинный мир от видимого. Спокойно может существовать просто какой-то видимый мир, а не непременно только наш видимый мир...
b.Если принять существование истинного мира, то для нас он все равно будет менее ценным: как раз толика иллюзии благодаря своей сохраняющей силе могла бы обладать для нас более высоким рангом. Разве только сама по себе видимость давала бы право мысленно отвергать?
с.Что степени ценности и степени реальности коррелируют между собой, причем высшие ценности обладают и высшей реальностью, — это метафизический постулат, исходящий из предпосылки, согласно которой нам известна градация ценностей, и представляет она собою именно градацию моральных ценностей... Лишь при такой предпосылке истина необходима для определения всего, что обладает высшей ценностью

«видимость» может быть возражением против ценности вообще

2.

Исключительно важно упразднить истинный мир. Он несет с собою великое сомнение и отнимает ценность у мира, который мы составляем: во все времена он был для нас самым опасным посягательством на жизнь

Война всем предпосылкам, с помощью которых была создана фикция истинного мира. В числе этих предпосылок — то, что высшие ценности — это ценности моральные

Моральные оценки в качестве высших можно было бы опровергнуть, если бы удалось показать, что они суть следствия неморальных оценок

: в качестве частного случая реальной неморальности;

: тем самым они сами свелись бы к одной пустой видимости

а в качестве пустой видимости они и подавно потеряли бы право осуждать видимое.

3.

Тогда следовало бы психологически исследовать «волю к истине»: это — отнюдь не моральная сила, а одна из форм воли к власти. Это можно было бы доказать тем, что она пользуется всеми неморальными средствами: в первую голову метафизикой —

Метод исследования будет выработан лишь тогда, когда будут преодолены все моральные предрассудки... он стал бы победой над моралью...

NB. Сегодня наша задача — проверка утверждения, что моральные ценности — это высшие ценности.

14 [104]

Моральные ценности как ценности видимые в сравнении с физиологическими.

14 [105]

Наше познание стало научным в той мере, в какой оно может пользоваться числом и мерой ...

Следовало бы попробовать, не получится ли построение научной иерархии ценностей на основе просто-напросто силовой шкалы числа и меры ...

— а все прочие «ценности» суть предрассудки, проявления наивности, недоразумения ...

— решительно все они сводимы к этой самой силовой шкале числа и меры

— подъем по этой шкале означает всяческий рост ценности

— спуск по этой шкале означает снижение ценности

Тогда станут отчетливо различимы сущность мнимости и предрассудка.



мораль — испытанный долгим опытом и проверкой, доказанный образ жизни — в конце концов осознаётся как закон, как нечто доминирующее ...

а тем самым к ней присоединяется целая группа родственных ценностей и состояний: она становится почтенной, неприкосновенной, священной, истинной

для ее развития характерно то, что забывается ее происхождение ... Это — признак того, что она сделалась Господом ...

* * *

Совершенно то же самое могло бы произойти с категориями разума: после долгого прощупывания и обшаривания можно было бы признать их благодаря относительной полезности ... Настал момент, когда их свели воедино и осознали как целое, — и начали ими хозяйничать ... то есть момент, когда они сами заработали как хозяева ...

Отныне их стали считать априорными ..., сущими за гранью опыта, неопровержимыми ...

А на самом деле они, может, представляют собою не более чем какую-то определенную расовую и родовую целесообразность, и их «истина» — это просто полезность —

О происхождении разума —
A.
Высшими ценностями до сих пор были моральные.
B.
Критика этих ценностей.
C.

14 [105]

14 [106]

Руководство для юного теолога:

1. От баб держаться подалее — да и от всякой возбуждающей субстанции вообще; ни сапог, ни солнцезащитного зонтика отнюдь не носить; от всякого чувственного возбудителя (пения, танцев и музыки) держаться подалее

2. Если кандидат невольно запятнает себя во сне, то с восходом солнца должен трижды окунуться в священное болото со словами «молю, чтобы То, что изошло из меня против воли, вернулось ко мне!»

3. Если учитель его прервет, он не должен отвечать ему ни лежа, ни сидя, ни поглощая пищу, ни на бегу, ни издалека, ни косым взглядом:

4. Напротив, он должен к нему прийти и давать свой ответ, прямо и с почтением глядя ему в глаза.

Находясь в экипаже и заметив учителя, он должен тотчас сойти, дабы воздать ему свои honneurs.

Ученику не позволено прислуживать бабе своего учителя во время купания, ниже умащать ее благовониями, растирать, укладывать ей прическу или ее помазывать.

Ему не позволено также падать на колени перед юной супругой своего учителя и с почтением касаться ее ножек, принимая во внимание, что благодаря своим летам он уже имеет познание добра и зла.

У баб в крови желание нравиться мужикам и их искушать. Однако люди премудрые никогда не позволят себе уступить силе таковой привлекательности, особливо в случаях, когда это предосудительно.

Нельзя пребывать в безлюдных местах наедине со своей матерью, сестрой, дочерью и иными родственницами: возбуждаемые уединением чувства столь сильны, что порою с ними не совладать и людям умудренным.

Именно это и произошло с мудрым Вастой: задумавши бежать от злобы людской из Готы, он удалился со своими 2-мя дочерьми в пещеру, где и сделал их обеих матерями.

14 [107]

Теория и практика
Критика ценности морали

Опасное различениетеоретическогоипрактическогонапример, у Канта, но также и у древних

— они делают вид, будто чистая умственность ставит перед ними задачи познания и метафизики

— они делают вид, будто, каков бы ни был ответ теории, о практике надо судить по собственным критериям.

Против первого я возражаю моей психологией философов: самые холодные их логические расчеты и «умственность» всегда остаются всего лишь выцветшим до предела отпечатком некоего физиологического факта; в них нет решительно ничего самостоятельного, все — инстинкт, все заранее направлено в определенные колеи ...

— возражая против второго, я задаю вопрос, знаем ли мы какой-нибудь другой способ хорошо действовать, чем всегда хорошо мыслить: последнее есть действие, а первое предполагает мышление. Есть ли у нас возможность судить о ценности образа жизни как-то иначе, чем о ценности теории посредством индукции, сравнения?.. Простаки думают, будто так дела у нас пошли бы лучше, будто так нам было бы ясно, что такое «хорошо», — и это повторяют за ними философы. А мы делаем вывод, что тут есть вера, а больше ничего нет ...

«Надо действовать: следовательно, нужен какой-то устойчивый ориентир», — говорили даже античные скептики

Настоятельная необходимость выбора как довод в пользу того, чтобы считать что-то истинным! ...

Действовать не надо, — говорили самые последовательные из их братьев — буддисты — и выдумали руководство, как избавиться от действия ...

Шагать со всеми в ногу, жить, как живет «простолюдин», считать хорошим и правильным то, что считает правильным он: да ведь это подчинение стадному инстинкту.

Надо быть мужественным и дисциплинированным, чтобы ощутить такое подчинение как позор.

Нельзя жить по двойному стандарту!.. Нельзя разрывать теорию и практику! —

14 [108]

Воля к власти как мораль

Засилье моральных ценностей.

Последствия такого засилья, порча психологии и т.д.

Повсюду злой рок, который она тянет за собою.

Что означает это засилье? На что оно указывает?

— на несколько большую настоятельность определенных Да и Нет в этой области

— чтобы представить моральные ценности незыблемыми, использовались императивы всех сортов: ценностями командовали дольше всего — и они инстинктивно кажутся внутренними командами ...

— условия сохранения социума выражаются в том, что моральные ценности ощущаются как не подлежащие обсуждению

— практика: это значит, что полезность конвенций относительно высших ценностей достигла тут своего рода санкции

— мы видим, что применяются все средства, чтобы парализовать размышление и критику в этой области, каковую позу принимал еще Кант, не говоря о тех, кто отвергал в качестве неморальных все попытки «исследовать» этот вопрос —

Как морали вручили власть

14 [109]

Наука и философия

Все эти ценности — эмпирические и обусловленные. Но тот, кто в них верит, кто их почитает, не хочет признавать именно этого их характера ...

Философы всем скопом верят в эти ценности, а одной из форм их почтения были усилия по превращению ценностей в априорные истины

фальсифицирующий характер этого почитания ...

Почитание — высокая проба интеллектуальной порядочности: но во всей истории философии нет никакой интеллектуальной порядочности

а есть «любовь к добру» ...

: абсолютное отсутствие метода определения уровня этих ценностей

во-вторых: нежелание подвергать эти ценности исследованию, вообще воспринимать их как условные

Когда речь шла о моральных ценностях, использовались все подряд антинаучные инстинкты, чтобы вывести здесь науку из игры ...

Чем объяснить тот невероятный скандал, какой представляет собою мораль в истории науки ...

14 [110]

Формула суеверия в «прогресс», данная одним известным физиологом, изучавшим деятельность мозга:

«L’animal ne fait jamais de progrès comme espèce; l’homme seul fait de progrès comme espèce».

Нет:

14 [111]

Философия как декаданс

Великий здравый смысл морального воспитания всегда состоял в том, что тут пытались добиться инстинктивной безошибочности: чтобы ни благие намерения, ни благие средства сперва не осознавались вообще. Человек должен учиться действовать так, как солдаты учатся на плацу. Такая бессознательность и впрямь свойственна любому совершенству: даже и математик орудует своими формулами бессознательно ...

В чем тогда смысл реакции Сократа, рекомендовавшего диалектику как путь к добродетели и потешавшегося, когда мораль не умела оправдать себя логически?.. Но ведь именно последнее и делает ее доброкачественной ... а без этого она ни на что не пригодна!.. Возбуждать стыд — вот что оказалось необходимым атрибутом совершенства!..

Когда доказуемость постулировали в качестве предпосылки личной состоятельности в добродетели, то это означало ни более ни менее как разрушение греческих инстинктов. Они сами — модели разрушения, все эти великие «благонравники» и пустомели ...

In praxi это означает, что моральные суждения вырывают из их обусловленности, где они выросли и где они только и имеют смысл, — из их греческой и гречески-политической основы и почвы, и, под маской сублимации, лишают естественности. Великие понятия — «добро», «справедливость» — теряют связь с предпосылками, с которыми они неразрывно связаны, и в качестве ни к чему не привязанных «идей» становятся предметами диалектики. Философы принимаются искать стоящую за ними истину, усматривать в них сущности или проявления сущностей: сочиняют мир, где эти понятия у себя дома, где они родились ...

In summa: это бесчинство достигает своей высшей точки уже у Платона ... И вот оказалось, что нужно выдумать вдобавок еще и абстрактно-совершенного человека

доброго, справедливого, мудрого, диалектически мыслящего — короче говоря, чучело античного философа,

растение, вырванное из всякой почвы; человечность, лишенную всех определенных регулятивных инстинктов; добродетель, «доказывающую» себя при помощи оснований.

абсолютно абсурдного «индивидуума» в самого по себе! Извращение первейшего ранга ...

Короче говоря, следствием того, что моральные ценности лишились естественности, было неизбежное появление выродившегося типа человека — «доброго», «счастливого», «мудрого»

Сократ представляет собой момент глубочайшей извращенности в истории человечества

14 [112]

Мы разочаровались бы в каком-нибудь знакомом, услыхав, что для сохранения порядочности ему нужны основания: понятно, что его общества мы постарались бы избегать. Словечко «ибо» в некоторых случаях компрометирует; порой даже одним-единственным «ибо» человек опровергает себя. А если мы к тому же услышим, что такому соискателю добродетели для сохранения респектабельности нужны шаткие основания, то у нас уж не станет решительно никаких оснований, чтобы повысить наш к нему респект. Но он заходит дальше — является к нам и без обиняков говорит: «Вы своим неверием сбиваете мою мораль с толку, господин неверующий; покуда Вы не верите в мои шаткие основания, то бишь в Бога, в загробную кару, в свободу воли, — Вы препятствуете моей добродетели ... Мораль: надо бы упразднить неверующих — они препятствуют морализации масс».

14 [113]

Мораль как декаданс

Сегодня, когда любое «человек должен быть таким-то и таким-то» вызывает у нас кривую усмешку, когда мы твердо держимся убеждения, что человек вопреки всему становится лишь тем, что он есть (вопреки всему: то бишь воспитанию, занятиям, milieu, случайностям и несчастным случаям), мы в делах моральных неким курьезным образом научились переворачивать отношение причины и следствия,— и ничто столь глубоко не отличает нас от людей, веривших в древности в мораль. Мы, к примеру, уже не говорим: «Порок — причина того, что человек гибнет и физиологически»; столь же чуждо нам высказывание: «Благодаря добродетели человек благоденствует — она дает ему долгую жизнь и счастье». Мы, наоборот, полагаем, что порок и добродетель — не причины, а лишь следствия. Порядочным человек делается потому, что он порядочен: то есть потому, что уродился с капиталом хороших инстинктов и полезных связей ... Кто рождается на свет бедным, от родителей, все растративших и ничего не скопивших, тому уже ничем не «поможешь», то бишь по нем плачет каторга и сумасшедший дом ... Сегодня мы больше не можем себе представить моральную дегенерацию без физиологической: она — просто комплекс симптомов последней; человек бывает неизбежно плох, как бывает неизбежно болен ... Плох: это слово здесь выражает известную неспособность, физиологически связанную с дегенеративным типом, к примеру, безволие, нерешительность и даже расщепление «личности», бессилие удержать реакцию на какой-нибудь возбудитель, «совладать с собой», неумение освободиться от любого рода внушения со стороны. Порок — не причина; порок — следствие ... Порок — это достаточно произвольно ограниченное понятие, призванное резюмировать следствия физиологического вырождения. Общее положение, как его сформулировало христианство, — «человек ничтожен», было бы оправданным, если бы было оправданным принимать тип дегенерата за нормальный тип человека. Но это, может быть, преувеличение. Неоспоримо же то, что это положение оправданно повсюду, где процветало и господствовало именно христианство: ибо оно свидетельствовало о гнилой почве — вотчине дегенерации.

14 [114]

Процветание или изнеможение

Критика христианских ценностей.

Критика античной философии.

К истории европейского нигилизма.

христианство нигилистично

подготовительная работа к этой теме: античная философия

14 [115]

Наука и философия

Вот сколь далеко заходит порча психологов моральной идиосинкразией:

ни у кого из древних философов не хватило духу на теорию «несвободной воли» (то есть теорию, отрицающую мораль)

Ни у кого не хватило духу определить типическое в наслаждении, в любого рода наслаждении («счастье»), как ощущение власти: ведь наслаждение властью считалось неморальным

Ни у кого не хватило духу понять добродетель как следствие неморального начала (формы воли к власти) на службе рода (или расы, или полиса) (ведь воля к власти считалась неморальной, ибо в противном случае стало бы понятно, что истина — что добродетель — лишь форма неморального начала)

За всю историю морали истина ни разу не встречалась: все понятийные элементы, с которыми шла работа, суть фикции, все психологизмы, за которые нужно было держаться, подлоги; все формы логики, которые протащили в это царство лжи, суть софизмы. Что отличает самих философов морали, так это полное отсутствие всякой опрятности, всякой самодисциплины интеллекта: «прекрасные чувства» у них сходят за аргументы, а их «вздымающаяся грудь» представляется им кузнечными мехами божества ... Философия морали — это в истории духа непристойный пикник.

Первый большой пример: под именем морали, творя под ее покровительством неслыханное безобразие, на деле во всех отношениях царит декаданс.

14 [116]

Философия как декаданс

Со всей решительностью следует настаивать на том, что великие греческие философы представляют декаданс всех форм греческой дельности и разносят эту заразу повсюду ... Эта сделавшаяся целиком и полностью абстрактной «добродетель» была для них величайшим соблазном сделаться абстрактными и самим, то есть — отделиться от своего естества ...

Этот момент весьма показателен: софисты первыми приступили к критике морали, их первых посетила догадка о том, что такое мораль ...

— они сопоставляют множество (локальную обусловленность) моральных ценностных суждений

— они дают понять, что любую мораль можно оправдать диалектическим путем — и никакой разницы не будет: иными словами, они догадались, что всякое обоснование морали неизбежно софистично

— положение, впоследствии с большим размахом доказывавшееся всеми античными философами начиная с Платона (и вплоть до Канта)

— они первыми выставляют ту истину, что «морали самой по себе», «добра самого по себе» не бывает, что речи об «истине» в этой области — надувательство

И где только была тогда интеллектуальная порядочность?

Греческая культура софистов произросла из всех греческих инстинктов: она принадлежит к культуре Периклова века с тою же необходимостью, с какой Платон к ней не принадлежит; ее предтечи — Гераклит, Демокрит, научные типы древней философии; она выражается, к примеру, в высокой культуре Фукидида

— и в конечном счете она настояла на своем: любой прогресс теоретико-познавательного и морализирующего знания реабилитировал софистов ...

Наш сегодняшний образ мышления в большой степени — гераклитовский, демократовский и протагоровский ... достаточно было бы сказать, что он — протагоровский, ибо Протагор в себе обе стороны: Гераклита и Демокрита

Платон: это какой-то великий Калиостро — стоит только вспомнить, как о нем судил Эпикур, как о нем судил Тимон, друг Пиррона — —

А может быть, порядочность Платона не подлежит сомнению?.. Но мы знаем по меньшей мере, что он хотел преподносить как безусловную истину то, что даже отдаленно не имело для него достоинства истины: а именно особое существование и особое бессмертие «душ»

14 [117]

Встречное движение: искусство

Опьяненность, на деле соответствующая избытку силы:

оно сильнее всего в период спаривания самцов и самок:

новые органы, новые навыки, краски, формы ...

«прихорашивание» — следствие прилива сил

прихорашивание как необходимое следствие притока силы

прихорашивание как выражение победоносной воли, роста координации, гармонизации всех сильных влечений, непогрешимого равновесия

логическое и геометрическое упрощение есть следствие прилива сил: и наоборот, ощущение силы в свою очередь повышается при одном виде такого упрощения ...

Вершина развития: широкий размах

Уродство означает декаданс типа, разлад и отсутствие координации внутренних влечений

означает упадок организующей силы, «воли», говоря на языке физиологии ...



ощущение наслаждения, которое называют опьянением, точно соответствует ощущению высоты, на какую возносит власть ...

восприятие пространства и времени изменяется: для взора разверзаются и, кажется, впервые различаются чудовищные дали

взор охватывает огромные объемы и дали

орган восприятия множества мельчайших и мимолетнейших подробностей утончается

дар предвидения, способность различать едва внятные подсказки, любые намеки, — «разумная» чувственность ...

сила как мышечное ощущение победы, как гибкость членов и радость движения, как танец, как легкость и быстрый темп

сила как наслаждение свидетельством силы, как виртуозная пьеса, авантюра, бесстрашие, бесстрастие ...

Все эти звездные миги жизни подстегивают друг друга; одного мира образов и представлений хватает — в качестве внушения — для других ... Таким-то образом в конце концов срастаются состояния, у которых, может быть, имелись причины остаться врозь. К примеру

чувство религиозного опьянения и половое влечение (два сильных чувства, прямо-таки удивительно соответствующих друг другу. Что нравится всем богомолкам — и старым, и юным? Ответ: некий святой с красивыми ногами, еще юный, еще идиот ...)

зверство в трагедии и сострадание (— тоже обычно взаимно соответствующие ...

Весна, танцы, музыка, все эти ристания полов — и вместе с тем пресловутая фаустовская «беспредельность в груди» ...

художники, если они чего-нибудь стоят, крепко (и телесно тоже) скроены, у них во всем преизбыток, зверская сила, чувственность; без некоторого перегрева половой системы немыслим никакой Рафаэль ... Делать музыку — это еще один способ делать детей; целомудрие для художника — всего-навсего экономия сил: и уж во всяком случае плодотворность и у них иссякает вместе со способностью зачинать детей ...

художники обязаны видеть не так, как видят обычно, а полнее, а проще, а ярче: для этого у них в крови должна быть своего рода вечная юность и весна, своего рода хроническая опьяненность.

Бейль и Флобер, оба авторитеты в таких вещах, и впрямь рекомендовали художникам целомудрие в интересах их ремесла: я назвал бы и Ренана, дающего тот же совет, да Ренан — жрец ...

14 [118]

эпидемии‚галлюцинации,
‚танцы и символические жесты
‚песня (пережиток танца)
обычные функции:
упражняясь
: сновидение (состояние, напоминающее опьянение, есть его прелюдия)
: оптические галлюцинации
: слуховые галлюцинации
: галлюцинации

14 [119]

Встречное движение

искусство

Всякое искусство действует на мышцы и чувства подобно внушению — эти мышцы и чувства работают у наивного человека художнического склада с самого начала. Искусство постоянно обращается только к художникам: оно обращается к подобного рода тонкой возбудимости тела. Понятие «дилетант» — это ошибка. Глухой не может быть разновидностью породы, наделенной тонким слухом.

Всякое искусство действует тонически, приумножает силу, воспламеняет наслаждение (то есть ощущение силы), возбуждает все тончайшие оттенки воспоминаний опьяненности — есть у него некая собственная память, проникающая в такие моменты вглубь: тогда возвращается далекий и летучий мир чувственных впечатлений ...

На безобразное, то есть на опровержение искусства, на то, что из искусства исключается, на его «нет», — всякий раз, как еще только-только начинается упадок, оскудение жизни, немощь, разрушение, разложение, эстетический человек реагирует своим нет.

Безобразное действует депрессивно, оно есть выражение депрессии. Оно отнимает силу, оно обедняет, оно давит ...

Безобразное внушает безобразное; на состоянии собственного здоровья можно испытать, насколько по-разному скверное самочувствие повышает и способность представлять себе что-то безобразное. Внимание переключается на другие вещи, интересы, вопросы: состояние, близкородственное безобразному, встречается и в сфере логического — неудобопонятность, отупение ... При этом — с точки зрения механики — теряется равновесие: безобразное хромает, безобразное спотыкается, — а это уж прямая противоположность божественной легкости движений танцора ...

Эстетическое состояние располагает неким преизбытком средств сообщения — вместе с крайней восприимчивостью к стимулам и знакам. Оно — вершина сообщительности и понимания, возможных между живыми созданиями, — оно есть источник языков.

в нем — очаг возникновения языков: как звучащих, так и языков жестов и взглядов. Феномен более полный всегда изначален: способности человека нашей культуры — остаток каких-то более полных способностей. Но еще и сегодня люди слышат мышцами, даже еще читают мышцами.

Основу всякого зрелого искусства составляет полный набор соглашений: в этом смысле искусство есть язык. Соглашение — условие большого искусства, оно ему не помеха ...

Всякий подъем жизни усиливает человеческую способность к сообщительности, а равным образом и к пониманию. Способность вживаться в чужие души в основе своей не представляет собою ничего морального, а есть физиологическая возбудимость под влиянием суггестии: «симпатия», или то, что называется «альтруизмом», — это просто формы небезызвестного психомоторного раппорта (induction psycho-motrice, как считает Ш. Фере), причисленного к явлениям мыслительным. От одного к другому передаются вовсе не мысли, а движения, мимические знаки, прочитываемые нами в обратном направлении, к мыслям ...

* * *

Я покажу ряд определенных психических состояний, служащих знаками полной и цветущей жизни — об этих состояниях сегодня уже привыкли судить как о болезненных. Меж тем мы уже отвыкли говорить о противоположности между здоровым и больным — речь идет о различных степенях; по этому поводу я утверждаю: то, что сегодня называют «здоровым», представляет собою низшую ступень того, что при благоприятных обстоятельствах могло бы быть здоровым ... и еще: мы в определенной степени больны ... Художник же принадлежит к какой-то более сильной породе. То, что для нас было бы губительно, то, что у нас было бы болезнью, то у него — природа —

Преизбыток соков и сил может выступать симптомом частичной непроизвольности, чувственных галлюцинаций, хитрого внушения со стороны — так же как и оскудения жизни ... источник у них разный, а следствие одно ...

И прежде всего неодинаковы последействия; крайняя расслабленность всех болезненных натур после нервных срывов не имеет ничего общего с состояниями художника: ему не надо расплачиваться за периоды прилива сил ...

Он достаточно богат для этого — он может расточать, не скудея ...

Сегодня оказалось возможным рассуждать о «гении» как некой форме невроза, и так же, вероятно, можно рассуждать о художнической внушаемости — да наши артисты и впрямь как нельзя более похожи на истеричных бабенок —

Но это говорит против «сегодня», а не против «художников» ...

Но нам возразят: как раз оскудение телесной машины делает возможным экстравагантную способность воспринимать любого рода суггестию: свидетельство — наши истеричные бабенки, наши «исследователи потустороннего».

* * *

Вдохновение: описание.

* * *

Нетворческие состояния: состояния объективности, слепого воспроизведения, паралич воли ...

Скандальное недоразумение Шопенгауэра, понимающего искусство как путь к отрицанию жизни ...

* * *

Нетворческие состояния: люди, оскудевающие, сдающиеся, отступающиеся, под чьим взглядом жизнь морщится ... христиане ...

* * *

Проблема трагического искусства.

* * *

Романтики: двусмысленный вопрос, как и все современное.

* * *

Актер

14 [120]

Нужно ли более разительное доказательство того,

сколь далеко заходит преображающая сила опьянения? Это доказательство — «любовь», то, что зовут любовью на всех языках и немотах мира. Опьянение тут управляется с реальностью таким образом, что в уме любящего, кажется, угасает сознание причины, а на его месте пытается проступить нечто совсем иное — дрожащее сияние всех волшебных зеркал Цирцеи ... Тут нет различий между человеком и животным; более того, нет ни духовности, ни доброты, ни порядочности ... Человека одурачивают тонко, если он тонок; его одурачивают грубо, если он груб: но любовь, даже любовь к Богу, святая любовь «спасенных душ», была и остается по сути своей все тем же самым — лихорадкой, у которой есть причины представать в другом облике, опьянением, благодетельно скрывающим правду о себе ... И уж во всяком случае хорошо скрывают правду — и перед собой, и перед другими — тогда, когда любят: человек кажется себе преобразившимся, более сильным, богатым, совершенным, человек становится более совершенным ... Здесь мы видим искусство как органическую деятельность, мы видим его встроенным в самый ангельский из инстинктов жизни, мы видим его как величайшее горячительное средство жизни, — искусство, стало быть, утонченно-целесообразно даже тогда, когда лжет ... Но мы ошиблись бы, успокоившись на том, что его способностью лгать все и исчерпывается: оно не просто внушает иллюзии, но смещает даже ценности. И смещает не просто ощущение ценностей ... Любящий имеет больше цены — он сильнее. У животных это состояние вызывает к жизни новые вещества, пигменты, краски и формы, но прежде всего новые движения, новые ритмы, новые зовы и соблазны. Не иначе и у человека. Все его телесное хозяйство богаче, чем прежде, сильнее, целостнее, чем у нелюбящего. Любящий становится расточителем: он достаточно для этого богат. Отныне он рискует головой, становится авантюристом, ослом в великодушии и простосердечии; он вновь верит в Бога, он верит в добродетель, ибо верит в любовь: а с другой стороны, у этого блаженного идиота отрастают крылья и новые способности — даже двери искусства открываются перед ним. Если из лирики в звуке и слове вычесть внушение всей этой кишечной лихорадки, то что останется от лирики и музыки?.. Может быть, l'art pour l'art: виртуозное кваканье отставленных от дел лягушек, безумствующих в своем болоте ... Все прочее творит любовь ...

14 [121]

Воля к власти с психологической точки зрения

Психологическая концепция единства.

Мы приучены мириться с тем, во что выливается чудовищное изобилие форм, считая его порождением единства.

Я говорю, что воля к власти есть исконная форма аффекта, что все остальные аффекты — лишь результаты ее видоизменения:

что дело значительно прояснится, если на место индивидуального «счастья», к коему должно стремиться все живое, поставить власть — «стремление к власти, к приумножению власти», а наслаждение — лишь симптом ощущения достигнутой власти, осознание разницы нынешним и прежним уровнем власти —

— речь идет не о стремлении к наслаждению: просто наслаждение наступает, когда достигнута цель стремления, — а наслаждение лишь сопровождает, не оно цель ...

Я говорю, что всякая движущая сила есть воля к власти, что нет никакой другой физической, динамической или психической силы ...

— в нашей науке, где понятие причины и следствия сведено к уравнению — с потугами доказать, что в каждой его части квантумы силы равны, — нет никакой движущей силы: мы разбираем лишь результаты, мы считаем их равными в отношении конкретного наполнения силы, мы избавляем себя от вопроса об обусловленности изменения ...

что изменение не останавливается — это просто дело опыта: в сущности, у нас нет ни малейшей причины заключать, что вслед за одним изменением должно следовать другое. Наоборот: достигнутое состояние должно было бы сохранять себя, если бы в нем не было способности желать вот именно не сохранять себя ...

Спинозово положение о самосохранении должно бы, в принципе, обосновывать изменение: но это положение ложно, истинно обратное. Как раз по всему живому яснее всего видно — оно делает все, чтобы только не сохраняться, а становиться больше ...

«воля к власти» — разновидность ли это «воли», или она совпадает с понятием «воли»? То же ли это самое, что и желать? или велеть?

та ли это самая «воля», о которой Шопенгауэр говорит, что она — «вещи, как они есть сами по себе»?

: Я говорю: воля всей прежней психологии — это неоправданное обобщение, такой воли вообще не бывает, а вместо того, чтобы рассматривать развертывание одной определенной воли в множество форм, суть этой воли перечеркнули, вычтя отсюда ее содержание, ее цель

: у Шопенгауэра это имеет место в высшей степени: то, что он называет «волей», — одно пустое слово. Еще меньше того речь идет о «воле к жизни»: ведь жизнь — всего-навсего частный случай воли к власти, и было бы полным произволом утверждать, будто все стремится перейти в эту форму воли к власти

14 [122]

К теории познания: с сугубо эмпирической точки зрения:

Не бывает ни «духа», ни разума, ни мышления, ни сознания, ни души, ни воли, ни истины: все это — негодные фикции. Речь идет не о «субъекте и объекте», а об определенном виде животных, процветающем лишь при условии некоторой относительной упорядоченности, прежде всего повторяемости их восприятий (благодаря которой может накапливаться капитал опыта) ...

Познание работает в качестве инструмента власти. И само собою разумеется, что оно растет с каждым приращением власти ...

Смысл «познания»: тут, как и в случае «доброго» или «прекрасного», понятие нужно брать строго и узко антропоцентрически и биологически. Чтобы определенный вид сохранялся, а власть его возрастала, он должен в своем воззрении на реальность ухватить столько исчислимого и инвариантного, чтобы на основании этого могла быть выстроена какая-то схема его поведения. Полезность сохранения, не какая-то абстрактно-теоретическая потребность избежать обмана, и есть мотив, стоящий за развитием органов познания ... они развиваются так, чтобы их способности наблюдать было достаточно для нашего сохранения. Иначе говоря, мера стремления к познанию зависит от меры, в какой растет воля вида к власти: вид ухватывает ровно столько реальности, чтобы овладеть ею, чтобы поставить ее себе на службу.



представление о механическом движении — это уже перевод процесса-оригинала на знаковый язык зрения и ощупывания.

понятие «атом», различие между «местопребыванием движущей силы и ею самой» — знаковый язык, почерпнутый из нашего логико-психического мира.

Мы не можем менять средства выражения по своему усмотрению: можно понять, насколько это — чистая семиотика.

Требовать адекватного способа выражения бессмысленно: в природе языка, средства выражения — выражать одно лишь отношение ... Понятие «истины» абсурдно ... вся сфера «истины» и «лжи» выражает лишь отношения между сущностями, а не что-то «само по себе» ... Бессмыслица: <потому что> не бывает никакой «сущности самой по себе», лишь отношения конституируют сущность, а уж «познания самого по себе» не может быть и подавно ...

14 [123]

Встречное движение

Анти-Дарвин.

Что поражает меня при взгляде на великие человеческие судьбы более всего — так это неизменно бросающаяся в глаза противоположность тому, что сегодня видит или хочет видеть Дарвин и его школа: отбор, помогающий сильнейшим, вышедшим из борьбы с меньшими потерями, прогресс вида. Очевидно как раз противоположное: вычеркивание всего удачного, неприспособленность более высокоразвитых типов, неизбежное возобладание средних и даже более низких типов. Полагая, что нам не привели причину, по которой человек среди всех творений являет собою исключение, я склоняюсь к предварительному выводу, что школа Дарвина кругом не права. Та самая воля к власти, в которой я усматриваю последнюю основу и характер всякого изменения, дает нам возможность понять, почему отбор, благоприятствующий исключениям и удачным случаям, как раз не имеет места: сильнейшие и самые удачные слабы, когда против них — организованные стадные инстинкты, боязливость слабых, <их> численный перевес. Вся перспектива, в которой я вижу мир ценностей, показывает, что в высших ценностях, реющих нынче над человечеством, преобладают неудачные, отборные типы, а, скорее, типы декаданса — может статься, нет ничего в мире интересней, чем этот нежелательный спектакль ...

Как дико это ни звучит, всегда было необходимо вооружать сильных против слабых, детей удачи против неудачников, здоровых против опустившихся и наследственно отягощенных. Если угодно сформулировать реальность в качестве морали, то эта мораль гласит: посредственность ценнее исключения, декадент ценнее посредственности, воля к ничто преобладает над волей к жизни — а общая цель, выражаясь теперь по-христиански, по-буддийски, по-шопенгауэровски:

лучше не быть, чем быть

Я возмущен этой формулировкой реальности в качестве морали: поэтому я со смертельной ненавистью, с отвращением отвергаю христианство — ведь оно создало тонкие слова и жесты, чтобы на жуткую действительность накинуть покров права, добродетели, божественности ...

Я вижу, как все философы, как наука преклоняют колени перед реальностью обратной (по отношению к тому, о чем учит школа Дарвина) борьбы за существование — а именно: повсюду на коне, повсюду выживают те, что компрометируют жизнь, ценность жизни. Заблуждение дарвиновской школы превратилось для меня в проблему: как можно быть настолько слепым, чтобы промахнуться как раз тут ?.. Что виды представляют какой-то прогресс — самое бестолковое утверждение о мире: пока что они представляют уровень —

что высшие организмы развились из низших, не засвидетельствовано до сих пор ни одним случаем —

я вижу, что низшие имеют перевес благодаря куче, благодаря сметливости, благодаря изворотливости ума — я не вижу, как случайное изменение становится преимуществом, по крайней мере, не на столь долгий срок, который мог бы, опять-таки, быть новым поводом объяснять, почему случайное изменение оказалось столь существенным —

«Жестокость природы», о коей так много твердят, я усматриваю в другом: она жестока в отношении баловней судьбы, она щадит, защищает и любит les humbles — совсем как

* * *

In summa: рост власти вида обеспечен, может быть, не столько превосходством его удачных чад, его сильных типов, сколько превосходством средних и низших типов ... В последних — большая плодовитость, долговечность; с первыми сопряжена опасность скорого вымирания, быстрого снижения численности.

* * *

14 [124]

Встречное движение

О происхождении религии

Еще и поныне необразованный человек верит, будто гнев виноват в том, что он сердится, ум — в том, что он думает, душа — в том, что он чувствует, короче говоря, как еще и поныне в качестве мнимых причин бездумно вводится целая куча психологических сущностей, — точно таким же образом человек на еще более наивном уровне развития объяснял те же самые явления при помощи психологических олицетворенных сущностей. Состояния, казавшиеся ему странными, захватывающими, потрясающими, он представлял себе как одержимость, как чары, навеянные властью какой-то личности. Так христиане, нынче самая наивная и культурно отсталая порода людей, сводят надежду, покой, ощущение «спасенности» к психологическому внушению со стороны Бога: для них как преимущественно страдающего и обеспокоенного типа чувства блаженства, окрыленности и покоя естественным образом выступают как нечто чужеродное, как то, что нуждается в объяснении.

Людей умных, сильных и жизнеспособных пород вид эпилептика, как правило, наводил на мысль о том, что тут не обошлось без какой-то посторонней силы; но и любое родственное этому состояние недобровольности, в подобие которого впадают, к примеру, исступленные, поэты, страшные преступники, и такие страсти, как любовь и месть, служат поводом для изобретения нечеловеческих сил.

Некоторое состояние кристаллизуют в одной личности, а после утверждают, что когда оно постигает нас, то это — следствие действия той самой личности. Иными словами, для того, чтобы при психологическом конструировании Бога то или иное состояние могло служить следствием, оно персонифицируется в качестве причины.

Психологическая логика такова: ощущение власти, когда оно внезапно и насильственно овладевает человеком — а как раз так и обстоит дело при сильных аффектах, — внушает ему сомнение в собственной личности: он не отваживается мыслить себя как причину такого удивительного ощущения, и тогда полагает существование какой-то более сильной личности, божества, для этого случая.

In summa: корни религии заключаются в крайне сильном ощущении власти, неожиданно охватывающем человека как бы со стороны: и — подобно больному, которому кажется, будто пораженный член налился тяжестью и вызывает необычное ощущение, и который по этой причине делает вывод, что на нем лежит какой-то другой человек, — наивный homo religiosus разлагает себя на множество личностей. Религия — это случай «alteration de la personnalite». Своего рода страх и ужас перед самим собой ...

Но равным образом и сверхобычное ощущение блаженства и высоты ...

больным довольно ощущения здоровья, чтобы поверить в Бога, в близость Бога

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Рудиментарная психология верующего

все изменения суть следствия,

все следствия суть следствия воли. Понятия «природы», «закона природы» нет.

если есть следствия, всегда есть и деятель

рудиментарная психология: человек является самим собой, только когда есть причина, — когда он знает, что на то-то и то-то была его воля.

следствие: состояния власти внушают человеку ложное ощущение, будто не он тому причиной, будто он не несет за это ответственности

: ведь они охватывают нас без нашей воли — следовательно, не мы их авторы

: несвободная воля (то есть осознание произошедшего с нами без нашей воли изменения) нуждается в посторонней воле

Вывод: человек не отважился приписать себе все свои сильные и необычные состояния — он воспринял их как «пассивные претерпевания», как перевес силы над ним

: религия — это плод сомнения в единстве личности, некая alteration личности

: в той мере, в какой все великое и сильное было понято человеком как надчеловеческое, как чуждое, человек себя умалил — он разъял две стороны, одну, крайне жалкую и слабую, и другую, крайне сильную и необычайную, на две сферы, назвав первую «человеком», вторую — «богом».

Он продолжал делать это вновь и вновь, а в период моральной идиосинкразии истолковал свои возвышенные и утонченные моральные состояния отнюдь не как наступившие «по своей воле», как «дело» личности. Так вот и христиане разлагают свою личность на убогую и слабую фикцию, которую называют человеком, и другую, которую называют Богом (Спасителем) —

Религия унизила понятие «человек»; последний вывод из нее — что все доброе, великое, истинное надчеловечно и даруется лишь по благодати ...

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Встречное движение: религия

Мораль как попытка, восстановить человеческую гордость

Теория о «свободной воле» – антирелигиозна. Она хочет дать человеку право мыслить себя как причину своих возвышенных состояний и поступков; она – форма растущего чувства гордости

Человек ощущает свою власть, свое, как говорится, «счастье»: этому состоянию должна предшествовать «воля» – иначе оно ему не принадлежит

добродетель – это попытка представить факт волеизъявления и его результатов как необходимо предшествующий всякому высокому и сильному ощущению счастья

если сознание регулярно отмечает волю к определенным поступкам, то ощущение власти можно истолковать как его следствие

Это просто-напросто психологическая оптика: неизменно ложное предположение, будто то, чего мы сознательно не желали своею волей, нам не принадлежит

Все учение об ответственности держится на этой наивной психологии: будто единственная причина – воля и будто нужно знать, что было твоей волей, чтобы решиться считать причиной себя

человек смеет уважать себя лишь потому, что следует добродетели.

Начинается встречное движение: движение философов морали, неизменно руководящихся все тем же предрассудком, будто человек ответствен лишь за то, что произошло по его воле.

Ценность человека устанавливается как моральная ценность: следовательно, его моральность должна быть некоей causa prima

следовательно, в человеке должно быть некое начало, «свободная воля» как causa prima.

Тут всегда есть задняя мысль: если человек не является causa prima в качестве волящего, то он и безответствен, – следовательно, он вообще не подлежит суду морали, поступки и добродетельные, и порочные совершались автоматически, или машинально ...

In summa: чтобы себя уважать, человек должен быть способен впадать и во зло

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Одна форма религии, чтобы восстановить национальную гордость

Другим способом вытащить человека из унижения, которое принесло с собой утрату высоких и сильных состояний как состояний чужеродных, была теория родства

: эти высокие и сильные состояния могли быть истолкованы по крайней мере как влияния наших пращуров — мы же составляем единство, мы солидарны, мы растем в собственных глазах, когда действуем по известной нам норме.

Попытка благородных семейств восполнить эту религию чувством собственного достоинства

Трансфигурация, временная метаморфоза

— То же самое делают поэты и провидцы, они чувствуют себя гордыми, достойными и избранными для такого общения,— они лежат ценность на то, чтобы как личности совсем не приниматься в расчет, быть всего лишь рупорами (Гомер)

Вот еще одна форма религии. Бог выбирает, Бог становится человеком, или Бог временно живет среди людей, оставляя после себя великие благодеяния, неизменно представляемые местными легендами в качестве «драмы»

Постепенное присвоение собственных высоких и гордых состояний, присвоение собственных поступков и творений

— прежде люди думали уважить себя, считая ответственным за свои высочайшие достижения не себя, а — Бога —

Несвобода воли считалась тем, что придавало поступку высочайшую ценность: его автором в те времена сделали Бога...

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Воля к власти—мораль

Лицедейство как следствие морали «свободной воли»

Это даже некий шаг в развитии чувства власти—считать свои высокие состояния (свое совершенство) обусловленными в том числе и собой: а следовательно, как немедленно заключили, вызванными собственной волей ...

Критика: всякое совершенство как раз бессознательно, а отнюдь не преднамеренно, сознание есть выражение несовершенного и часто болезненного личностного состояния. Личное совершенство как обусловленное волей, как сознательность, как разум с его диалектикой—это карикатура, своего рода противоречие себе ... Ведь степень сознательности делает совершенство невозможным ... Формой лицедейства ...

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Философия как декаданс

Почему все свелось к лицедейству.

Рудиментарная психология, учитывавшая лишь сознательные моменты человека как причины, понявшая «сознательность» как атрибут души, искавшая за каждым поступком волю (то есть намерение)

: ей только надо было ответить на вопросы: во-первых, чего хочет человек?

Ответ: счастья (— нельзя было говорить: «власти» — это было бы неморально), следовательно, во всяком поступке человека имеется какой-нибудь умысел — а именно: достичь этим поступком счастья —

во-вторых, если на деле человек счастья не достигает, то от чего это зависит? От ошибочного выбора средств.

Каково же безошибочное средство достижения счастья? Ответ: добродетель.

Почему ж добродетель? А потому что она есть высочайшее благоразумие и потому что благоразумие ни в коем случае не даст ошибиться в выборе средств

в качестве рассудка добродетель есть путь к счастью ...

диалектика — это постоянное ремесло добродетели, поскольку исключает туман в мыслях и все аффекты

На самом деле человек хочет не «счастья» ...

Наслаждение есть ощущение власти: исключая аффекты, исключают состояния, в высшей степени дающие ощутить власть, то есть испытать наслаждение.

высочайшее благоразумие — состояние холодное, ясное, далекое от того, чтобы давать такое ощущение блаженства, какое несет с собою опьянение любого рода ...

античные философы боролись против всего, что опьяняет, — того, что губительно сказывается на абсолютной холодности и нейтральности сознания ...

в силу своей ложной предпосылки — что сознание есть высокое, высшее состояние, предпосылка совершенства — они были последовательны,

а истинно противоположное —

Пока что-то выступает объектом воли, пока что-то осознается, нет никакого совершенства — в деле любого рода. Античные философы были величайшими халтурщиками в стихии практики, поскольку сами себя — теоретически — обрекли на халтуру ... In praxi все свелось к лицедейству, а кто догадался — Пиррон, к примеру, — судил, как обычный человек, то есть что в доброте и порядочности «маленький человек» намного опережает философа

Все глубокие натуры в древности питали отвращение к философам добродетели:

в них видели задир и лицедеев.

Суждение о Платонесо стороны Эпикура
 со стороны Пиррона

Итог: в жизненной стихии, в терпеливости, доброте и взаимопомощи маленькие люди выше их — это похоже на мнение Достоевского или Толстого о своих мужиках: они философы в жизни, они более мужественно встречают грудью неизбежное ...

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Встречное движение: религия

Мораль как декаданс

Реакция маленьких людей:

высочайшее ощущение власти дает любовь

Надо понять, в какой мере здесь говорит не человек вообще, а лишь некая разновидность людей. Вытащить здесь подробности

«мы становимся божественными в любви, становимся “чадами Божиими”. Бог нас любит и не ждет от нас ничего, кроме любви»

это значит: никакая мораль, никакая покорность и деятельность не порождает того ощущения власти и свободы, какое порождает любовь

— любовь не творит ничего дурного, благодаря ей можно достичь гораздо большего, нежели покорностью и добродетелью —

— тут стадное счастье, ощущение общности в великом и малом, животворящее ощущение единства переживаются как вершина ощущения жизни

— помощь, забота и благие дела постепенно пробуждают ощущение власти, а видимый успех, проявления радости только подчеркивают это ощущение

— не обходится и без гордости — как общины, присутствия Бога, «избранности». —

На деле человек вновь претерпел болезненное изменение личности: на этот раз свое чувство любви он назвал Богом

стоит представить себе пробуждение такого чувства, своего рода восторг, необычно звучащий язык, «евангелие», и —

эта новация была тем, что не позволило ему приписать любовь себе: он вообразил, будто перед ним Бог, и этот Бог поселился в нем —

«Бог приходит к людям», «ближний» превращается в Бога (поскольку на него теперь направлено чувство любви). Этот ближний — Иисус, и этот же ближний, став Божеством, был переосмыслен как причина, пробуждающая ощущение власти

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Наука и философия

Научность: как дрессура или как инстинкт.

У греческих философов я вижу упадок инстинктов: иначе они никогда не впали бы в такое заблуждение — считать сознательное состояние более полноценным

интенсивность сознания обратно пропорциональна легкости и скорости церебральных процессов передачи информации.

А там всем заправляло противоположное мнение об инстинкте, что всегда бывает признаком ослабленных инстинктов.

В действительности надо искать совершенную жизнь там, где осознанности менее всего (то есть она менее всего демонстрирует себе свою логику, свои основы, свои средства и намерения, свою практическую пригодность)

Возврат к факту bon sens, bon homme, наличия «маленьких людей» всякого разбора

с незапамятных времен складывавшиеся в копилку порядочность и рассудительность, никогда не сознающие своих принципов и даже робеющие перед принципами вообще

стремление к добродетели, ищущей резоны, — не резонно ... Философа стремление такого рода компрометирует.

14 [131]

Когда через упражнение в длинной цепи поколений накопилось достаточно тонкости, храбрости, осторожности и умеренности, то сила инстинкта этой усвоенной добродетели излучается даже в самое духовное — и становится видимым то редкое явление, интеллектуальная порядочность. То же самое очень редко: его нет у философов.

можно положить на весы научность или, морально выражаясь, интеллектуальную порядочность мыслителя, его инстинкт, ставшую тонкостью, храбростью, осторожностью, умеренностью, которая переводится даже в духовное: пусть он говорит о морали ...

и самые знаменитые философы показывают тогда, что их научность — только сознательная вещь, зачаток, «доброе желание», труд — и что как раз в тот момент, когда начинает говорить их инстинкт, когда они морализируют, кончается с дисциплиной и тонкостью их совести

научность, будь то лишь дрессура и внешность или конечный результат долгой дисциплины и морального упражнения:

в первом случае она сразу замещает, когда говорит инстинкт (например, религиозный или инстинкт долга)

во втором случае она стоит на месте этих инстинктов и не допускает их более, воспринимает их как нечистоту и соблазны ...

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Если благодаря упражнению в длинной цепи поколений накопилось довольно тонкости, смелости, осторожности и чувства меры, то сила инстинкта этой благоприобретенной добродетели излучается даже до высших сфер интеллекта — этот редкостный феномен проявляется в качестве интеллектуальной порядочности. Таковая встречается чрезвычайно редко — а у философов ее просто нет.

можно со скрупулезной точностью взвесить научность, или, выражаясь на моральный лад, интеллектуальную порядочность мыслителя, его ставшие инстинктивными тонкость, смелость, осторожность и чувство меры, доведенные до высших сфер интеллекта, — но заставьте его читать мораль ...

так вот на прославленных философах и видно, что их научность — всего лишь умысел сознания, почин, «добрая воля», натуга, — и что именно в то мгновение, когда начинает говорить их инстинкт, когда они принимаются морализировать, как с дисциплиной и тонкостью их совести покончено

научность — то ли просто дрессировка и поверхностно усвоенный навык, то ли конечный итог длительной работы над собой и упражнения в морали:

в первом случае она замещает научность, как только берет слово инстинкт (к примеру, инстинкт религиозный или основанный на понятии долга)

во втором случае она заменяет эти инстинкты и больше их не допускает, ощущая их как нечистоплотность, как обольщения ...

14 [133]

Анти-Дарвин

Доместикация человека: какая у нее может быть итоговая ценность? да и есть ли у доместикации какая-нибудь итоговая ценность? Имеются причины отрицать это последнее.

Правда, дарвиновская школа делает большие усилия, чтобы убедить нас в обратном: она хочет понять воздействие доместикации как глубинное, даже фундаментальное. Но до поры до времени мы будем твердо придерживаться старого: покамест нам не показали ничего нового, кроме целиком и полностью поверхностного воздействия доместикации — а то и кроме дегенерации. А все результаты отбора, вышедшие из человеческих рук, почти немедленно вновь возвращаются в свое естественное состояние. Тип остается неизменным: невозможно «denaturer la nature».

Вымирание немощных и выживание самых доброкачественных и щедро одаренных природой относят на счет борьбы за существование; стало быть, воображают, будто совершенство живых существ постоянно растет. А мы-то уверили себя в обратном — что в борьбе за жизнь случай так же на руку слабым, как и сильным, что хитрость часто выгодно заменяет силу, что способность видов к размножению находится в примечательной связи с вероятностью уничтожения ...

Естественному отбору в то же время приписывают долгие, нескончаемые метаморфозы: хотят верить, будто любой полезный признак наследуется, все сильнее проявляясь в череде поколений (а ведь наследственность так капризна ... ); наблюдая случаи удачного приспособления некоторых животных к необычным условиям жизни, объясняют это тем, что они имели место под воздействием среды. Но примеров бессознательного отбора нигде не усматривают (в принципе). Сходятся самые несовместимые особи, крайние случаи смешиваются с массой. Все конкурирует, чтобы удержать на плаву свой тип; животные, у которых есть внешние признаки, отводящие от них ту или иную опасность, не утрачивают их, если попадают в условия, где опасности нет ... Когда они обитают в местах, где внешность больше их не прячет, они отнюдь не сливаются с окружающей средой.

Отбор наиболее красивых преувеличивают в такой степени, что он выходит далеко за пределы влечения к красоте, свойственного нашему собственному виду! А на деле самые красивые животные спариваются с самыми жалкими, самые крупные — с мельчайшими. Почти всюду мы видим, как самцы и самки извлекают пользу из случайного спаривания — и при этом вовсе не кажутся привередливыми.

Изменения под воздействием климата и питания. Но на деле это абсолютно безразлично.

Не бывает никаких переходных форм ...

Различные виды, снова сведенные к одному. Опыт говорит, что объединение обрекает на стерильность, и вновь побеждает один тип.

Говорят о нарастающем развитии видов. Для этого нет никакой почвы. У каждого типа — свои границы: за их пределами нет никакого развития. А в этих пределах — абсолютная повторяемость.

Примитивные животные якобы — предки современных. Но взгляд на фауну и флору третичного периода словно переносит нашу мысль на неизведанный континент, где есть типы, не существующие больше нигде и притом родственные, более того, такие, которые существуют где-то не здесь.

Мои выводы

Мой подход в целом. Первый тезис: человек как вид не прогрессирует. Он, пожалуй, достигает своих вершин в некоторых типах, но эти типы не сохраняются. Общий уровень вида не повышается.

Второй тезис: человек как вид не представляет собою прогресса в сравнении с любым другим животным. Мир животных и растений в целом не развивается от низшего состояния к высшему ... Напротив, все существует одновременно, одно над другим, вперемешку и обоюдно.

Самые богатые и сложные формы — ибо слово «высшие типы» ничего другого и не означает — гибнут скорее: и только низшие сохраняют некую призрачную долговечность. Первые достижимы редко и насилу удерживаются наверху; преимущество последних — подавляющая способность к размножению. И среди людей скорее гибнут, при переменах фортуны и рока, высшие типы, эти баловни развития.

Они обречены на всякого рода декаданс: они чрезвычайны, а потому и сами почти уже декаденты ... Краткий срок, что сужден красоте, гениальности, цезарю, — вещь особого рода: ведь эти свойства не передаются по наследству. По наследству передается тип; но тип сам по себе еще не «баловень» ...

Дело тут не в каком-то особенном роке и «злой воле» природы, а просто в понятии «высшего типа»: высший тип представляет собою нечто несравненно более сложное — огромную сумму согласованных элементов, а потому становится несравненно более вероятной и его дисгрегация.

«Гений» — это тончайшая машина, какая только есть, — а стало быть, и самая хрупкая.

Третий тезис: доместикация («культура») человека заходит недалеко ... А где она заходит далеко, тотчас переходит в дегенерацию (тип: христианин). «Дикарь» (или, выражаясь на моральный лад, злой человек) — это его возвращение к природе и, в известном смысле, его излечение, его исцеление от «культуры» ...

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Философия как декаданс

Почему философы — клеветники?

Коварная, слепая враждебность философов к чувствам

Но это не чувства обманывают! —

— наш нос, о котором, насколько мне известно, еще ни один философ не говорил с должным почтением, — это покамест тончайший физический инструмент, какой только есть на свете: он умеет замечать такие нюансы, к которым не подберется даже спектроскоп.

Сколько подлости и мещанства во всей этой их ненависти!

Народ всегда смотрит на злоупотребление, если оно пахнет дурными последствиями, как на протест против того, что было его предметом: все бунтовавшие против принципов — будь то в области политики или экономики — всегда аргументировали именно так, с задней мыслью представить злоупотребление как необходимо присущее данному принципу.

Какая же это плачевная история: человек ищет принцип, исходя из которого можно было бы презирать человека, — он изобретает какой-нибудь мир, чтобы иметь возможность клеветать и чернить этот мир: на деле он всякий раз получает ничто, и из этого ничто сооружает «Бога», «истину» и уж, конечно, непременно судью и палача этого бытия ...

Если кто-то желает доказательств в пользу того, сколь глубоко и основательно эти, в сущности, варварские потребности человека ищут себе оправдания даже в его приручении и «окультуривании», — то пусть бросит взгляд на «лейтмотивы» всей истории философии. Он увидит своего рода месть в адрес действительности, предательское разрушение системы ценностей, в которой живет человек, душевную неудовлетворенность, ощущающую состояния прирученности как пытку и получающую удовольствие от болезненного распутывания всех пут, которыми приручение связывает человека.

Вся история философии — это скрытая злоба против предпосылок жизни, против ощущения ценности жизни, против жизнеутверждающих позиций. Философы всегда были готовы согласиться с существованием некоего мира — но только если он противоречит этому миру, только если он дает возможность чернить этот мир. Великая школа клеветы — вот что такое была философия до сих пор: и она так понравилась, что и по сию пору наша строящая из себя заступницу жизни наука не возражает против клеветы как основной позиции — и орудует этим миром как видимым, а этой причинной цепью — как чисто феноменальной. Но что же заставляет ненавидеть на самом деле?..

Боюсь, что это, как и всегда, — Цирцея философов, мораль, сыгравшая с ними шутку, во все времена вынуждавшая их быть клеветниками ... Они верили в моральные «истины», в них они находили высшие ценности, — что ж им еще оставалось, кроме того, чтобы тем решительнее отрицать жизнь, чем больше они ее понимали?.. Ибо эта жизнь неморальна ... И зиждется она на неморальных предпосылках — а всякая мораль отрицает жизнь:

— Так упраздним же тот истинный мир — но, чтобы это у нас получилось, нам придется упразднить все прежние высшие ценности, то есть мораль ...

Достаточно показать, что неморальна и сама мораль, в том смысле, в каком доныне осуждалось все неморальное. Если таким способом мы сбросим тиранию прежних ценностей, если упраздним этот «истинный мир», то новый порядок ценностей последует отсюда сам собой.

NB NB. Видимый мир — и мир наглой лжи: они противоположны — последний доныне назывался «истинным миром», «истиной», «Богом». Вот его-то нам и надо упразднить.

14 [135]

Логика моей концепции:

1.Мораль как высшая ценность (владычица философии во все ее периоды, даже в скептический): результат — этот мир ничего не стоит, он — не «истинный мир»
2.Что тут определяет высшую ценность? Что такое мораль на самом деле?

Инстинкт декаданса — это уставшие и обделенные, мстящие таким образом

Историческое доказательство: философы — всегда декаденты ... на службе у нигилистических религий.
3.Инстинкт декаданса, выступающий как воля к власти.

Доказательство: абсолютная неморальность средств в ходе всей истории морали.
  
IIВо всем моральном движении мы увидели лишь один особый случай воли к власти.

14 [136]

Воля к власти.
Опыт
переоценки всех ценностей.

I.
Критика прежних ценностей.

II.
Новый принцип ценности.
Морфология «воли к власти»

III.
Вопрос о ценности нашего нынешнего мира
: определяемой по этому принципу

IV.
Великая война.

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Книга первая.
какие ценности брали доныне верх.

1. Мораль как высшая ценность (во все периоды философии, даже в скептический)

Результат: этот мир ничего не стоит, должен быть какой-то «истинный мир»

2. Что тут на деле определяет высшую ценность? Что такое мораль на самом деле? Инстинкт декаданса — это уставшие и обделенные, мстящие таким образом и выступающие в роли господ ...

Историческое доказательство: философы — всегда декаденты, всегда на службе у нигилистических религий.

3. Инстинкт декаданса, выступающий как воля к власти. Соблазн системы его средств: абсолютная неморальность средств.

Общая панорама: прежние высшие ценности — особый случай воли к власти; сама мораль — особый случай неморальности.

Книга вторая.
почему противостоящие ценности всегда проигрывали.

1. Как это вообще оказалось возможным? Вопрос: почему всюду проигрывала жизнь, физиологическая удачливость? Почему не было никакой философии утверждения, никакой религии утверждения?.. Исторические предвестники таких движений:

языческая религия.Дионис против «Распятого»
Ренессанс.Искусство —

2. Сильные и слабые; здоровые и больные; исключения и правило. Нет никакого сомнения в том, кто сильнейший ...

Общий взгляд на историю. Что ж, человек, стало быть, — это в истории жизни исключение?— Возражение дарвинизму. Способы, какими слабые удерживаются наверху — это инстинкты, превратившиеся в «человечность», это «учреждения» ...

3. Доказательство этого господства в наших политических инстинктах, в наших социальных ценностных суждениях, в нашем искусстве, в нашей науке.

Мы видели борьбу двух «воль к власти»; в конкретных случаях: наш принцип — признавать правоту того, кто прежде проигрывал, и отказывать в этом тому, кто прежде побеждал: мы распознали «истинный мир» как «налганный мир», а мораль — как форму неморальности. Мы не говорим: «Сильнейший неправ» ...

Книга третья

о причине и различии ценностей

1.нигилистические ценности преобладают
2.Встречное движение всегда терпело поражение,— тотчас вырождалось ..
3.Встречное движение доныне было известно лишь в неполных и вырожденных формах.
 Очищение и излечение его типа.
 Более точное выражение системы:
Психология
История
Искусство
Политика

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3. Очищение ценностей, прежде остававшихся в проигрыше

Мы поняли, что доныне определяло высшую ценность

и почему оно господствовало над противоположным способом устанавливать ценности:

оно было сильнее ...

Очистим теперь противоположный способ устанавливать ценности от заразы и неполноты, от вырождения, в котором он всем нам известен.

Теория превращения его в противоестественный и восстановления прав его природы: очищение от моралина



Теория познания, воля к истине
Теория психологии
Происхождение религии
Происхождение искусства
Теория структур господства
Теория жизни
Жизнь и природа



История встречных движений:
 Ренессанс
 революция
 эмансипация науки

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Разложение и хаос ценностей соответствует физиологическому состоянию нынешних людей: теория современных веяний

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Инстинкты упадка возобладали над инстинктами восхода ...

Воля к небытию возобладала над волей к жизни ...

— верно ли это? Или, быть может, в этой победе слабосильных и заурядных заложена некая более надежная гарантия жизни, рода?

— может быть, это лишь средство в совокупном движении к жизни, некое замедление темпа? какая-то самозащита от кое-чего еще более скверного?

— положим, сильные заправляют во всем, в том числе и в установлении ценностей: сделаем ли мы вместе с ними те же выводы о болезни, страдании, жертве? Следствием было бы презрение слабых к себе, они приложат все силы, чтобы исчезнуть, изничтожить себя ... А разве это было бы желательно?..

— неужто на самом деле нам нужен мир, в котором не будет вклада натур немощных, их тонкости, учтивости, духовности, умения приноравливаться?..

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Наука

Философы борются с наукой

Это выходит из ряду вон. Уже с самого начала греческой философии мы встречаемся с борьбой против науки — средствами теории познания, соответственно скепсиса: а с какой целью? всегда в интересах морали ...

Ненависть к физикам и врачам

Сократ, Аристипп, мегарики, киники, Эпикур, Пиррон — решающая атака на познание в интересах морали ...

Ненависть также и к диалектике ...

Одна только незадача: чтобы избавиться от науки, они уподобляются софистам

С другой стороны, всех этих физиков держат в таких ежовых рукавицах, чтобы они восприняли в основы своей науки схему истины, подлинного бытия: например, атом, 4 стихии (соположение сущего с целью объяснить многообразие и изменение —)

Они приучены презирать объективность интереса: возвращение к практическому интересу, к личной полезности всякого познания ...

Борьба с наукой направлена против
1) ее пафоса (объективности),
2) ее средств (т.е. против ее полезности
3) ее результатов (как детских пустяков

Это та же самая борьба, которую во имя благочестия позже вновь поведет

: от античности она унаследует все необходимое боевое снаряжение.

Теория познания при этом играет ту же самую роль, что и у Канта, что и у индусов ...

Но ломать себе по этому поводу голову никто не желал: было лишь желание сохранить себе свободу действий, чтобы идти по своему «пути»

но от чего они, собственно говоря, оборонялись? От обязательности, от законности, от побуждения к сотрудничеству —

: я думаю, это и называли свободой ...

В этом и выражается декаданс: инстинкт солидарности настолько выродился, что солидарность воспринимается как тирания:

: они хотят никакого авторитета
 никакой солидарности
 никакого подчинения общему строю и бесконечной медлительности продвижения

они ненавидят постепенность — темп науки, они ненавидят нежелание забегать вперед, долгое дыхание, безразличие к собственной персоне, свойственное людям науки —.

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Теория и практика

Роковое различение — словно существует какое-то обособленное влечение к познанию, что, без оглядки на вопросы пользы и вреда, слепо идет к истине: а помимо и в стороне от него — весь мир практических интересов ...

Я же пытаюсь показать, какие инстинкты работали за спиною всех этих чистых теоретиков, — как они всем скопом фаталистически, в русле своих инстинктов, шли к чему-то, что было для них «истиной», для них и только для них. Борьба систем вкупе с борьбой теоретико-познавательных терзаний — это борьба совершенно определенных инстинктов (форм витальности, упадка, сословий, рас и т.д.).

Так называемое влечение к познанию необходимо возвести к влечению к присвоению, к победе. Следуя этому влечению, развивались чувства, память, инстинкты и т.д ...

— максимально быстрая редукция феноменов, экономия, аккумуляция добытого познавательного богатства (т.е. присвоенного и приспособленного к человеческим нуждам мира



Мораль — столь курьезная наука потому, что она в высшей степени практична: настолько, что чистая познавательная позиция, научная порядочность тотчас отбрасываются, как только мораль начинает требовать ответов на свои вопросы.

Мораль говорит: мне нужны кое-какие ответы, основания, доводы. Пусть после приходят терзания — может, они еще и не придут —

«Как должно поступать?»

Когда вдумаешься, что имеешь дело с неким суверенно развившимся типом, который «поступал» вот уже многие тысячи лет, и все уже стало инстинктом, целесообразностью, автоматизмом, фатальной неизбежностью, то настоятельность этих вопросов морали предстает уж и вовсе смехотворной.

«Как должно поступать?» — мораль всегда была недоразумением: а на самом деле определенная порода, у которой в крови был прямо-таки рок — поступать так-то и так-то, хотела самооправдания, стремясь закрепить указом свою норму в качестве универсальной ...

«Как должно поступать?» — это не причина, а следствие. Мораль плетется следом, идеал является в самом конце.

С другой стороны, возникновение моральных терзаний, иначе говоря: рост степени осознанности ценностей, которыми определяются поступки, говорит об известной болезненности; сильные эпохи и народы не рассуждают о своем праве, о принципах поступков, об инстинкте и разуме —

этот рост осознанности — признак того, что собственно моральность, т. е. инстинктивная уверенность в поступке, идет ко всем чертям ...

Моралисты — всякий раз, что творится новый мир сознания, — служат признаком ущерба, оскудения, дезорганизации —

глубоко инстинктивные натуры опасаются логизировать долг: среди них можно найти пирроновского толка противников диалектики и познаваемости вообще ... Добродетель опровергается простым «ради чего» ...

Тезис: моралисты неизбежно появляются в эпохи, когда моральность приходит к концу.

Тезис: моралист разрушает моральные инстинкты, как бы он ни мнил себя их спасителем.

Тезис: то, чем на деле руководствуется моралист, — не моральные инстинкты, а инстинкты декаданса, вылившиеся в формулы морали: нарастающую неуверенность инстинктов он ощущает как разложение. на деле —

Тезис: инстинкты декаданса, стремящиеся через моралистов возобладать над инстинктивной моралью сильных рас и эпох, суть

1)инстинкты слабых и обойденных жизнью
2)инстинкты исключений, одиночек, людей без корней, недоносков в большом и малом
3)инстинкты хронических страдальцев, нуждающихся в благородном истолковании своего состояния, а потому способных быть физиологами в столь малой мере, в какой только можно.

Мораль как декаданс

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Философ умен, если «непрактичен»: он возбуждает веру в свою чистоту, простодушие, невинность в обращении с мыслью — непрактичный в его случае означает «объективный». Шопенгауэр был умен, когда как-то раз сфотографировался в жилете, застегнутом не на ту пуговицу, тем самым как бы говоря: «Я — не от мира сего: что толку философу в такой условности, как параллельность швов и пуговиц!.. Для этого я слишком объективен!..»



Доказать, что ты непрактичен, — этого мало: философы в большинстве своем еще и мнят, будто сделали тем самым довольно, дабы поднять объективность и чистоту разума превыше всякого сомнения.



1. Мнимо чистое влечение к познанию у всех философов продиктовано их моральными «истинами» — и потому независимо только по видимости...

2. Эти «моральные истины» — «должно поступать так-то» — просто отпечатки в сознании угасающего инстинкта: «у нас поступают так-то и так-то». «Идеал» призван спасти инстинкт, укрепить его: он льстиво внушает человеку, будто тот послушно следует ему, — а человек при этом всего лишь автомат.

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Там, где вещи объединены неким единством, в качестве причины такой координированности всегда предполагают дух. Но для этого нет никаких оснований. С какой стати идея некоторого сложного факта должна быть одним из условий этого факта? Или с какой стати представление о сложном факте должно быть первее самого этого факта? —

Поостережемся объяснять целесообразность с помощью духа: нет никакой причины приписывать духу способность к организации и систематизации.

Сфера действия нервной системы весьма обширна: мир сознания — ее придаток. Он не играет никакой роли в общем процессе адаптации и систематизации.



Нет ничего более ошибочного, чем превращать психические и физические феномены в два лица, в два откровения одной и той же субстанции. Это ничего не объясняет: при всякой попытке объяснения понятие «субстанция» совершенно неприменимо.



Сознание, во второй своей роли, почти безразличное, ненужное, быть может, обреченное на то, чтобы исчезнуть и очистить место для какого-то совершенного автоматизма —



Наблюдая лишь внутренние феномены, мы похожи на глухонемых, по движению губ угадывающих слова, которых они слышать не могут. От проявлений внутреннего смысла мы заключаем к видимым и иным феноменам, которые мы восприняли бы, если бы у нас были достаточные для этого средства наблюдения, и которые называются нервным током.

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Что мир, для восприятия которого у нас не хватает всяческих более тонких органов, а в результате таковой нехватки тысячекратную сложность мы принимаем за единство и изобретаем некую причинность, вкладывая ее туда, где любая причина движения и изменения остается для нас незримой (последовательность мыслей, чувств — это ведь только их зримое появление в сознании; а то, что такая серия имеет что-то общее с каузальной цепью, — совершенно невероятно: сознание никогда не предоставляет нам примера причины и следствия)

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Наука против философии

Чудовищные промахи:
1)переоценка сознания, превращение его в некое единство, в некую сущность, «дух», «душу», нечто такое, что чувствует, мыслит, желает —
2)дух как причина, особенно всюду, где являются целесообразность, система, координация
3)сознание как высшая из достижимых форм, как верховный род бытия, как «Бог»
4)привнесение воли повсюду, где есть следствие
5)«истинный мир» как мир духовный, доступный через факты сознания
6)познание, понимаемое исключительно как способность сознания — там, где вообще имеет место познание
 
 
Следствия:
любой прогресс заключается в продвижении к сознательности; любой регресс — в росте бессознательности.
К реальности, к «истинному бытию» нас приближает диалектика; а инстинкты, чувства, механизм ... от нее отдаляют ...
Растворить человека в духе значило бы сделать его Богом: дух, воля, благо — все это одно
Всякое благо должно проистекать из духовности, должно быть фактом сознания
Продвижение к лучшему может быть лишь продвижением в процессе роста сознательности
Рост бессознательности был сочтен впадением в страсти и чувства — озверением ...
 
 

Борьба против Сократа, Платона, всех сократических школ исходит из глубокого инстинкта, что человек не станет лучше, если добродетель ему преподнесут как доказуемую и требующую обоснования...



В довершение всего еще и такая пошлость: инстинкт соперничества принудил всех этих прирожденных диалектиков превозносить свою личную способность как высшее качество, а все, что есть еще хорошего, представлять как обусловленное им. Вот он, антинаучный дух всей этой «философии»: она хочет выиграть дело.

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Борьба науки

Софисты

Софисты — это всего лишь реалисты: расхожие ценности и виды деятельности они формулируют, расставляя по рангу ценности, — у них есть мужество, свойственное всем сильным умам: признавать собственную неморальность ...

Неужто кто-то верит, будто эти крохотные греческие города-государства, которые во взаимной ярости и ревности так и норовили пожрать друг друга, руководствовались принципами человеколюбия и порядочности? Неужто Фукидиду надо вменять в вину речь, вложенную им в уста афинских послов, которые в ходе переговоров предложили мелийцам выбор — подчиниться или погибнуть?

Говорить о добродетели в условиях этого ужасающего напряжения могли только законченные тартюфы — или изгои, отшельники, беглецы и эмигранты из реальности ... короче, люди, порицавшие других, чтобы выжить самим —

Софисты были эллинами: а когда Сократ и Платон взяли сторону добродетели и справедливости, они были иудеями или не знаю чем. Когда Гроут защищает софистов, его тактика неверна: он стремится возвысить их до звания людей чести и образцов морали — но их честь была в том, чтобы никого не надувать ни высокими словами, ни добродетелями ...

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Парменид сказал: «Нельзя помыслить то, чего нет» — мы на противоположной стороне и говорим: «То, что можно помыслить, — уж точно фикция». Мышление ухватывает отнюдь не реальность, а только

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Последователи Пиррона тоже занимались иудеями, главным образом живший при египетском дворе Гекатей Абдерский, писавший о философии египтян.

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«Для практической жизни необходима вера»

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«Улучшение»
Мораль как декаданс

Всеобщий обман и надувательство в области так называемого морального улучшения. Мы не верим в то, что человек становится другим, если таким уже не является: т.е. если, как это довольно часто случается, он не представляет собой некую множественность личностей или по меньшей мере начатков личностей. В этом случае человек добивается того, что на передний план выходит какая-то другая роль, а «ветхий человек» отодвигается в тень ... Изменилась видимость, а не сущность ... Не всегда достижимо даже упразднение привычки к некоторому действию, потому что для него находят причину получше. Тот, кто совершает преступление, ведомый роком или склонностью, ни от чего не отучивается, а только научается делать то же все лучше и лучше: а длительный перерыв <между преступлениями> действует на его талант даже прямо-таки как тонизирующее средство ... Если кто-то перестает делать некоторые вещи, то это простое fatum brutum, допускающее самые разные толкования. Обществу, разумеется, важно только одно это - чтобы кто-то перестал делать определенные вещи: и с этою целью оно изымает его из условий, в которых он может их совершать: это уж во всяком случае мудрее попыток добиться несбыточного, а именно сломить фатальную определенность его жизни.

Церковь - а она не сделала ничего, кроме того, что сменила в этом античную философию, наследовав ей, - исходя из другого мерила ценностей и желая сберечь «душу», «спасение» души, верит, во-первых, в искупительную силу кары, а во-вторых, - во все изглаживающую силу прощения: то и другое суть обманы религиозного предрассудка - кара не искупает, прощение не изглаживает, и сделанного не воротишь. Если человек забывает о какой-нибудь вещи, это еще далеко не означает, что вещи более не существует ... Деяние влечет за собой последствия - в человеке и вне человека, все равно, считается ли оно погашенным карой, «искупленным», «прощенным» или «изглаженным», все равно, произвела ли меж тем преступника в святые сама церковь. Церковь верует в вещи, которые не существуют, - в «души»; она верует в воздействия, которых не существует, - в божественные воздействия; она верует в состояния, которых не существует, - в грех, в искупление, в спасение души; она повсюду застревает на поверхности - на знаках, на жестах, на словах, на эмблемах, которым дает произвольное толкование: у нее имеется досконально продуманная методика психологической чеканки фальшивой монеты.

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Воля к власти как познание

не «познавать», а схематизировать, придавать хаосу столько регулярности и форм, сколько необходимо для наших практических надобностей

В возникновении разума, логики, категорий тон задавала одна потребность: потребность не «познавать», а классифицировать, схематизировать в целях взаимопонимания, калькуляции ...

Приукрашивание, вымысел, итогом которого оказывается уподобление, отождествление, — тот самый процесс, что проделывает каждое чувственное впечатление, это и есть развитие разума!

Тут работала не какая-то предсуществующая «идея», а полезность — вещи становятся для нас подконтрольными и удобными в обращении, только если мы видим их в общих чертах и во взаимном уподоблении ...

представление о цели в разуме — это следствие, а не причина: при любом ином виде разумности, который возможен всегда, жизнь не достигает успеха — все становится необозримым — слишком пестрым —

Категории суть «истины» лишь в том смысле, что играют для нас роль жизненных предпосылок: такая условная истина, к примеру, — Евклидово пространство. (Собственно говоря, поскольку никто не гарантирует необходимости того, что существует именно человек как род, то разум, как и Евклидово пространство, оказывается всего лишь идиосинкразией некоторых видов животных, и притом одной из многих иных ... )

Субъективное принуждение, не позволяющее противоречить этому, — принуждение биологическое: в нас глубоко укоренен инстинкт, гласящий, что рассуждать так, как рассуждаем мы, — полезно; мы и сами чуть ли не суть этот инстинкт ... И как же простодушно поступают те, кто извлекает отсюда доказательство того, что благодаря этому мы, дескать, обладаем «истиной самой по себе» ...

Эта неспособность противоречить доказывает бессилие, а отнюдь не «истину».

* *

Не стоит искать феноменализм там, где его нет: не бывает ничего более феноменального (или более открытого), не бывает большего обмана, чем этот самый внутренний мир, наблюдаемый нами с помощью пресловутого «внутреннего восприятия».

Мы до того уверовали в волю как причину, что, исходя из личного опыта в целом, снабдили причиною происходящее (то есть намерением как его причиной -)

Мы верим, будто две мысли, следующие в нашем мышлении одна за другою, находятся в какой-то каузальной связи: логики, на деле рассуждающие исключительно о случаях, никогда не встречающихся в действительности, прежде других приучили себя к предрассудку, будто одни мысли — причины других мыслей, и назвали это — мышлением ...

Мы верим — верят в это все еще даже наши физиологи, — будто наслаждение и боль суть причины реакций, будто смысл наслаждения и боли в том, чтобы быть стимулами для реакций. Наслаждение и уклонение от страдания прямо-таки тысячелетиями объявлялись мотивами любого поступка. По некотором размышлении мы могли бы, наверное, допустить, что если бы не было этих состояний — «наслаждения и боли», то все шло бы точно так же, по той же самой цепи причин и следствий: да и попросту заблуждение утверждать, будто они служат причиной чего-то — это побочные явления с совершенно иною целью, нежели вызывать реакции; это уже — следствия в пределах начавшегося процесса реакции ...

In summa: все, что сознается, — это некое замыкающее явление, заключение, не обусловливающее собою ничего: всякая имеющая место в сознании последовательность — совершенно атомистична. А мы пытались понять мир, пользуясь обратным воззрением — будто бы способны действовать и реальны исключительно мышление, чувствование, воление ...

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наука

Глава I
Происхождение «истинного мира»

Философия сбилась с пути потому, что вместо того чтобы видеть в логике и категориях разума средство упорядочивания мира в целях достижения пользы (стало быть, «принципиально» – для полезного искажения), думали, будто они должны служить критерием истины и соответственно реальности. Но на деле «критерий истины» был просто биологической полезностью такой системы принципиального искажения: и поскольку животное как род не ведает ничего более важного, нежели самосохранение, то здесь можно было и в самом деле говорить об «истине». Наивностью было только принимать антропоцентристскую идиосинкразию в качестве меры вещей, в качестве мерила «реального» и «нереального»: короче говоря, абсолютизировать обусловленное. И вот нате – мир одним махом распался на истинный мир и мир «видимый»: и как раз тот мир, ради жизни и обустройства в котором человек и изобрел свой разум, – как раз он-то и был дискредитирован в его глазах. Вместо того чтобы пользоваться формами как средствами превращения мира в подручный и исчислимый, бредовая догадливость философов додумалась, что в этих категориях дано такое понятие мира, которому не соответствует другой мир – тот, в коем живут люди ... Средства были неверно поняты как мерило ценностей, даже как приговор замыслу ...

А замысел был – заблуждаться полезным образом: средством для этого послужило изобретение формул и знаков, с помощью которых сбивающее с толку многообразие сводили к целесообразной и удобной схеме.

Но увы! теперь в ход пустили категорию морали: ни одно существо не желает заблуждаться, ни одно существо не смеет заблуждаться – следовательно, есть лишь одна воля к истине. Что есть «истина»?

Закон противоречия дал такую схему: истинный мир, к которому и отыскивается путь, не может противоречить себе, не может изменяться, не может претерпевать становления, не имеет ни начала, ни конца.

Вот оно, величайшее заблуждение, в которое когда-либо впадали, подлинный рок всякого заблуждения на земле: думали, будто в формах разума получают критерий реальности, а на самом деле получали их, чтобы стать хозяевами реальности, чтобы хитроумно исказить реальность ...

И вот пожалуйста: теперь уж мир стал ложным, и как раз в тех свойствах, что составляют его реальность: в изменении, становлении, многообразии, противоположности, противоречии, войне.

А это уже настоящий рок:

1) как избавиться от ложного, всего лишь видимого мира? (– который был действительным, единственным

2) как самому сделаться по возможности противоположным характеру этого видимого мира? (понятие совершенного существа как противоположности любому реальному существу, точнее: как противоречия – самой жизни ...)

3) все ценности были ориентированы на то, чтобы оклеветать жизнь

4) была изобретена подмена познания вообще – догматизмом идеалов: в результате противная партия всегда испытывала только отвращение заодно и к науке

–– таким образом путь к науке был перекрыт дважды: сперва верою в истинный мир, а потом – противниками этой веры.

Естествознание, физиология была 1) осуждена в сфере своих предметов и 2) лишена невинности ...

В мире реальном, где абсолютно все накрепко связано и взаимообусловлено, осудить и мысленно устранить что-нибудь одно значит устранить в мысли и осудить все.

Выражение «этого не должно случаться», «этого нельзя было допустить» – фарс ... Можно представить себе последствия: источник жизни начал разрушаться, когда люди возжелали упразднить то, что хоть в каком-то смысле губительно, разрушительно. Физиология показывает это куда лучше!

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Мораль как декаданс

Мы видим, как мораль

a)отравляет ядом все мировосприятие
b)пресекает путь к познанию, к науке
c)разрушает все подлинные инстинкты и подрывает их (потому что учит ощущать, что их корни неморальны)

Мы видим, как у нас на глазах работает ужасный механизм декаданса, который держится силою священнейших имен и жестов.

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декаданс

Религия как декаданс

Против раскаяния и его чисто психологического лечения
(рекомендую лечение угрызениями совести
вкупе с терапией Митчелла — — )

Не справиться с переживанием — это уже признак декаданса. Бередить старые раны, метаться в самоуничижении и сокрушаться — это и есть еще одна болезнь, из которой никогда не выйдет никакого «спасения души», а всегда будет выходить только новая форма ее болезни ...

эти «состояния искупления» христианина суть просто перемены в пределах одного и того же болезненного состояния — истолкования эпилептического криза по определенной формуле, которую дает не наука, а религиозная химера.

человек на некий болезненный манер добр, когда он болен ... нынче большую часть психологического инструментария, с которым работало христианство, мы причисляем к формам истерии и эпилепсии.

вся эта практика душевной реабилитации должна быть вновь поставлена на физиологическую почву: «угрызения совести» препятствуют выздоровлению уже как таковые — нужно пытаться скомпенсировать всё, а в первую очередь хворь самоистязания, какими-то новыми действиями ...

надо бы разоблачить как губительную для здоровья чисто психологическую практику церкви и сект ...

больного лечат не молитвами или заклятьями злых духов: состояния «упокоения», наступающие от таких воздействий, далеки от того, чтобы возбуждать доверие в физиологическом смысле ...

человек здоров, если потешается над собственным серьезным усердием, из-за которого так поддался гипнозу какой-нибудь частности нашей жизни, если укусы совести ему — что камню собачьи укусы, — если он стыдится своего раскаяния ...

Вся предшествующая практика, чисто психологическая и религиозная, была рассчитана только на изменение симптомов. для нее человек выздоровел, если он ползает в пыли перед крестом и божится, что будет хорошим ... Но преступник, что с какой-то мрачной решимостью не желает порвать со своею судьбой и не клевещет задним числом на свое преступление, душевно более здоров ... Преступники, с которыми Д. сидел на каторге, все до одного были натурами несломленными — разве они не несут в себе в сто раз больше ценности, нежели «сломленный» христианин?

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Воля к власти
Опыт
переоценки всех ценностей.

Первая глава:

мир истинный и мир видимый
 

Вторая глава:

как возможно подобное заблуждение? Что означает
стремление к превратному пониманию жизни?
Критика философов как образчиков декаданса.
 

Третья глава.

Мораль как выражение декаданса.
Критика альтруизма, сострадания, христианства, отрицания чувственного
 

Четвертая глава.

Нет ли начатков противоположной позиции?
1. Языческое в религии
2. «искусство»
3. Государство
Война с ними: о том, что всегда заговорщически против них ...
 

Пятая глава.

Критика современных веяний: где им место?
лежащее на них нигилистическое клеймо
их соглашатели: необходимо понять чудовищный
факт, что существует спокойная научная совесть ...
 

Шестая глава.

Воля к власти как жизнь
 

Седьмая глава.

Мы, гиперборейцы.
Исключительно абсолютные установки, например, счастье!! например, история чудовищного наслаждения и в завершение — триумфальное ощущение исключительно четких Да и Нет ... Избавление от неопределенности!

14 [157]

Мораль как декаданс

декаданс

«Чувства», «страсти»

Страх перед чувствами, перед вожделениями, перед страстями, если он заходит настолько далеко, что от них отговаривают, — это уже симптом слабости: крайними средствами всегда характеризуются патологические состояния. То, чего здесь не хватает (потому что оно распылено), — это способность к торможению импульса: если человек инстинктивно чувствует, что вынужден поддаться, то есть отреагировать, то для него лучше всего — избегать соответствующих поводов («соблазнов»).

«Чувственный стимул» есть соблазн лишь постольку, поскольку речь идет о существе, чья система слишком возбудима и податлива: в противном случае — при значительной инертности и жесткости системы — необходимы сильные стимулы, чтобы привести ее в действие ...

Излишества для нас — только довод для неприятия тех, кто не имеет на них никакого права; и почти все страсти опорочены из-за тех, кто не достаточно силен, чтобы обратить их себе на пользу —

Надо разобраться вот в чем: против страсти можно возразить точно то же самое, что следует возразить против болезни: и все-таки мы не можем обойтись без болезни и еще менее — без страстей ...

Мы нуждаемся в патологическом, и этими болезнями-исполинами мы даем жизни чудовищный шок ...

* * *

По видам надо различать:

1) доминирующую страсть, чреватую прямо-таки высшей формой здоровья вообще: здесь координация внутренних систем и их функций в общем деле достигнута наилучшим образом — но это ведь почти что определение здоровья!

2) раздор между страстями, двойственность, тройственность, множественность «душ в груди одной»: весьма нездоровый, ведущий к внутреннему разорению, расщепляющий, обнаруживающий и усиливающий внутренний раскол и анархизм: пусть даже в конце концов верх берет какая-нибудь одна из страстей. Возвращение здоровья —

3) сосуществование страстей безо всякого раздора либо взаимности: оно нередко бывает периодичным и тогда — коль скоро водворен какой-то порядок — тоже характеризуется здоровьем ... Сюда относятся интереснейшие типы — хамелеоны; они не в разладе с собой, они счастливы и уверены в себе, но не способны к развитию — их состояния сосуществуют, даже если семижды разделены. Они меняются — они не претерпевают становления ...

14 [158]

Мораль как декаданс

«Добрый человек» как тиран

Человечество постоянно повторяло одну и ту же

ошибку: средство поддержания жизни оно превращало

в мерило жизни;

вместо того, чтобы найти меру в крайнем усилении

самой жизни, в проблеме процветания и изнурения, оно

использовало средства поддержания совершенно определенной жизни, чтобы исключить все иные ее формы, —

короче говоря, для критики и селекции жизни;

значит, человек в итоге любит средства ради них

самих, забывая о том, что они — средства: и вот они уж

осознаются им как цели, как мерила всех стремлений ...

значит, определенный вид человека выдает условия

своего существования за установленные законом и обязательные, расценивая их в качестве «истины», «добра»,

«совершенства»: он становится тираном ...

то, что одна порода людей не усматривает условности

собственной разновидности, своей относительности

в сравнении с другими, есть форма веры, инстинкта:

с определенной породою людей (народом, расой), по

всей видимости, покончено, как только она становится

толерантной, признает равные права и выбрасывает из

головы мысль сделаться господствующей ...

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Религия как декаданс

Критика веры
Убеждение и ложь.

1. «Ложь и убеждение — друг другу»: и нет большей противоположности ...

2. Но справедливо сказано, что убеждения — гораздо более опасные враги истины, нежели ложь (мое Чсч).

3. Так, может, даже убеждения-гипотезы нужно причислять к врагам истины? И притом — к наиболее опасным?

У всякого убеждения есть своя история, свои предварительные ступени, свои пробы и ошибки: оно становится убеждением после того, как долго им не является, а еще дольше оно едва им является ...

и разве среди этих эмбриональных состояний убежденности не может оказаться и ложь ?..

Нередко оно требует смены своего носителя (— то, что у отца было еще только склонностью, становится убеждением лишь у сына —)

В чем смысл того, что лжец выдает нам заблуждение за истину? В его «практическом разуме» (— выражаясь популярней, в его выгоде)

В чем смысл того, что люди выбирают между различными возможностями? В их практическом разуме, в их выгоде ...

В чем смысл того, что среди нескольких гипотез они выбирают такую-то? В выгоде.

Какая же разница между человеком убежденным и обманутым? Никакой, если он обманут хорошо.

Что заставляет всех философов считать свои убеждения истиной? Их выгода, их «практический разум».

Фикция, полезность, предположение, вероятность, достоверность, убежденность — целая история внутреннего пафоса, у истоков которого стоит ложь — ее божество ...

«Я желаю считать то-то и то-то истиной»: инстинкт ли это истины или как раз напротив, другой инстинкт — весьма не склонный принимать истину всерьез, но знающий выгоду, которую дает вера ?..

Положим, кому-то выгодно обводить себя вокруг пальца: чем тогда отличается пафос самообмана от пафоса убежденности ?..

Что возобладало в вере, как ее понимает христианство, — благоразумие или истина? Наглядное доказательство от силы (то есть выгод, какие несет с собою вера) — или доказательство —

А то, что делает мученик, — инстинкт ли это истины или, наоборот, прореха в душевном организме, нехватка такого инстинкта? Мы смотрим на мучеников как на низший вид: доказывать убеждение не имеет никакого смысла; напротив, стоит доказывать, что имеешь право на такое убеждение ... Убеждение — это возражение, знак вопроса, défi: необходимо доказать, что ты не просто убежден — что ты не просто дурак ...

крестная смерть не доказывает никакой истины — она доказывает лишь убежденность, лишь идиосинкразию (— очень популярное заблуждение: иметь мужество отстаивать свои убеждения —? Нет — надо иметь мужество нападать на свои убеждения !!

14 [160]

Религия как декаданс — убежденность

Критика жертвенной смерти

Сегодня мы пошли бы на смерть за многие вещи, относясь к такой жертве без излишней торжественности, — нам и в голову не придет творить себе из подобных вещей кумиров, уже хотя бы потому, что таковые требуют человеческих жертвоприношений ... Пресловутое «отечество», к примеру, — понятие, которое в нынешней Европе ценится так нелепо дорого: еще более пресловутая «наука», которая, как я предполагаю, сможет когда-нибудь стать даже еще более разорительной, нежели понятие «отечество»

Смерть за —



Необходимо ли обладать правотой, чтобы настаивать на своем? Совсем напротив! Не говоря о том, что это значит проявить нескромность. Не надо требовать чрезмерного почтения к себе ... А вот все эти великие мудрецы были скромны: они просто настаивали на своем ...



Вы полагаете, дело станет почтенным только потому, что вы платите за него жизнью?.. Заблуждение, которое становится почтенным, — это заблуждение, лучше других владеющее искусством совращения! Вы думаете, нам захочется поощрять вас к жертвенной смерти за вашу «истину»?.. Как раз это-то и было всемирно-исторической глупостью всех гонителей: они принуждали своих противников становиться героями ... они превратили все глупости в фетиши человечества ... Сегодня женщина все еще преклоняет колени перед учением, учитель которого умер на кресте ... но разве крест — доказательство?



Известной степени веры нам сегодня достаточно, чтобы возразить против ее содержания, еще того больше — чтобы задаться вопросом о душевном здоровье верующего: «неколебимые убеждения» почти всегда — постояльцы сумасшедшего дома.

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Решительно не понимаю, как это человек может наверстать упущенное, если вовремя не прошел хорошей школы. Такой человек не знает себя самого; он идет по жизни, не выучившись ходить; и дряблые мышцы видны в каждом его шаге. Иной раз жизнь столь милосердна, что позволяет наверстать эту школу суровости: в роли стрекала выступает, быть может, многолетняя хворь, требующая крайнего напряжения воли и опоры на одного себя; или внезапно разразившаяся беда, в которой оказываются заодно его семья и которая вынуждает его действовать так, что к ослабевшим способностям возвращается энергия, а воля к жизни вновь стала твердой ... При любых обстоятельствах желательней всего — строгая дисциплина в подходящее время, то есть еще в том возрасте, когда гордишься, видя, что от тебя многого ждут. Ибо это и делает школу суровости хорошей школой в сравнении с прочими: что она требует многого; что требует строго; что хорошего, даже превосходного она требует всего лишь как обычного; что хвалят в ней редко, а индульгенций не дают; что порицают в ней решительно, объективно, без оглядки на талант и происхождение. Такая школа необходима во всех смыслах: и в самом плотском, и в самом духовном — было бы роковым заблуждением отделять их тут одно от другого! Одна и та же дисциплина взращивает дельного солдата и дельного ученого, а по правде говоря, нет дельного ученого, в крови которого не было бы глубоких инстинктов хорошего солдата ... стоять в строю, но в любой момент быть готовым идти в атаку; опасность предпочитать удобству; не взвешивать дозволенное и недозволенное на весах лавочника; быть врагом всего убогого, хитрящего, паразитического — пуще, чем злого ...

— Чему учатся в школе суровости? Подчиняться и приказывать,

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Философ

Пиррон, самый нежный и безропотный человек, какой только жил среди греков, буддист в обличии грека, Будда во плоти, был выведен из себя один-единственный раз в жизни — и кем? собственной сестрою, с которой жил одним домом: она была повивальною бабкой. С тех пор более всего на свете философы страшатся сестры — сестра! сестра! как страшно это звучит! — и повивальной бабки!.. (Происхождение целибата)

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(К главе: Религия как декаданс)

Религиозная мораль

Аффект, огромное желание, страсти (власть, любовь, месть, обладание) — моралисты хотят их угасить, выполоть, «очистить» от них душу

Логика такова: эти страсти нередко ведут к большой беде — стало быть, они злы, предосудительны. Человек должен от них избавиться, а иначе ему не сделаться добрым человеком ...

Тут та же логика, что и в изречении: «Если один из членов твоих соблазняет тебя, вырви его и брось от себя». В особом случае той опасной «святой невинности», что рекомендована основателем христианства своим ученикам в качестве руководства к действию, в случае полового возбуждения, — оказывается, увы, что не только не хватает какого-нибудь члена, но что и характер человека кастрируется ... То же относится и к бредовому требованию моралистов — экстирпации страстей вместо их обуздания. Их вывод неизменно гласит: добрый человек — это человек кастрированный.

Такой близорукий и наипагубнейший образ мыслей, образ мыслей морали, стремится истощить те великие источники силы, те бушующие воды души, которые часто изливаются столь опасно, что делают человека одержимым, — вместо того чтобы заставлять их силу служить ему практически, работать на него

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Шарлатаны от христианской морали

Сострадание и презренье сменяют друг друга быстрой чередою, и время от времени я чувствую возмущение, словно на глазах у меня совершается наглое преступление. Заблуждение тут обернулось долгом, то есть добродетелью, ложный шаг — строевым шагом, инстинкт разрушения квалифицирован в качестве «спасения»; любая операция оборачивается тут нанесением увечий, вырезанием даже таких органов, энергия которых есть безусловная предпосылка возвращения к здоровью. И в лучшем случае речь идет не об исцелении, а лишь о подмене одного ряда симптомов болезни другим ... И эта-то опасная нелепость, система осквернения и кастрации жизни, считается священной, считается неприкосновенной; посвятить свою жизнь служению этой нелепице, быть инструментом такого врачевания, быть священником — это уже отличие, это дает почет, священное достоинство и даже неприкосновенность. Зачинателем этого высочайшего искусства врачевания может быть только Божество: исцеление мыслимо лишь как откровение, как своего рода благодать, как незаслуженный дар, преподнесенный твари земной.



Первый тезис: здоровье души понимается как болезнь, ставится под подозрение ...

Второй тезис: предпосылки сильной и цветущей жизни, сильные желания и страсти, рассматриваются как контраргументы против сильной и цветущей жизни.

Третий тезис: все, что грозит человеку гибелью, все, что им овладевает и может его погубить, — злое и предосудительное, и его надобно с корнем вырвать из души.

Четвертый тезис: человек прирученный, уже не опасный себе и другим, слабый, повергнутый в состояние смиренности и скромности, признающий свою слабость, «грешник» — вот это и есть самый желательный тип: такой, которого можно даже исцелить толикой душевной хирургии ...

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Мужество.

1.

Я различаю мужество перед людьми, мужество перед обстоятельствами и мужество перед бумагой. Последний вид мужества был свойствен, к примеру, Давиду Штраусу. Я различаю, далее, мужество при свидетелях и мужество без свидетелей: мужество христианина, верующего вообще, никогда не бывает мужеством без свидетелей — и уже только поэтому оно деградирует. Я различаю, наконец, мужество от темперамента и мужество от страха перед страхом: особый случай последней разновидности — моральное мужество. Сюда же относится еще мужество от отчаяния.



Вагнер как совратитель.

2.

Таким мужеством обладал Вагнер. Его положение в музыке было, в сущности, отчаянным. У него не было ни того, ни другого, что нужно хорошему музыканту: природы и культуры, предрасположенности к музыке и музыкальной дисциплины, выучки. Мужество у него было: свою обделенность он возвел в принцип — изобрел для себя некий род музыки. «Драматическая музыка», какой он ее изобрел, — это музыка, которую он был способен сочинять ... ее сущность совпадает с положенными Вагнеру пределами.

А поняли его превратно — да неужто его поняли превратно?.. Пять шестых из числа нынешних музыкантов — в его положении. Вагнер для них — спаситель: впрочем, пять шестых — это еще «самое малое». Там, где природа проявляет себя немилосердной и где, с другой стороны, культура остается делом случая, отдельной попыткой, дилетантством, музыкант нынче инстинктивно, да что я говорю — с жаром, бросается к Вагнеру: «И тянет тот, и тонет сам», как сказал поэт.

2.

Успех Вагнера — великий совратитель. Предположим на минуту, что этот совратитель умеет говорить, что он — в обличии умного друга и интимного советчика — посещает юных музыкантов, в глубине своих душ носящих маленький рок, — и вот уж мы слышим, как он доверительно, мещански-проникновенно говорит об ангельской терпимости ко всяческому «маленькому року» ...

14 [166]

Сюжет для картины. Извозчик. Зимний пейзаж. Извозчик с выражением подлейшего цинизма мочится на собственную кобылу. Бедная, забитая скотина оглядывается на него — с благодарностью, с огромной благодарностью ...

14 [167]

Вагнер как проблема.
Вагнер — лицедей.
Что стало нынче популярным
Вагнер как пример для подражания.
Вагнер как соблазн.



Музыка как мимика. Любая мысль —

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Мир истинный и мир видимый

Набросок первой главы

А.

Соблазны, исходящие от этого понятия, — троякого рода:

некий неизвестный мир: — мы — любопытные искатели приключений, — видимо, уставшие от известного (— опасность этого понятия состоит в том, что оно внушает нам, будто «этот» мир известен ...

некий иной мир, где все иначе: — что-то внутри нас ведет счет наново, наша тихая покорность, наше молчание теряет при этом в своей ценности, — может быть, все будет хорошо, и надеялись мы не напрасно ... мир, где все иначе, где мы и сами — кто знает? — иные ...

некий истинный мир: — это самый странный удар, самая странная атака, какие были направлены на нас; на слово «истинный» так много всего налипло, что мы невольно и «истинному миру» преподносим его в подарок: истинный мир должен быть к тому же и неложным, таким, который нас не обманывает, не дурачит: верить в него — это почти то же самое, что быть обязанным верить (— из соображений приличия, как и подобает существам лояльным —)

понятие «неизвестного мира» внушает нам, будто этот мир «известен» (— то есть скучен —)

понятие «иного мира» внушает, будто мир мог бы быть иным — упраздняет необходимость и самый факт (— бессмысленно покоряться необходимости, приноравливаться —)

понятие «истинного мира» внушает, будто этот мир — ненастоящий, обманный, нечестный, неподлинный, призрачный, а стало быть, ничего не дает нам (— приноравливаться, лучше сказать, противостоять ему, неблагоразумно)

итак, мы удаляемся от этого мира трояким образом:

через любопытство, как будто самое интересное — где-то в другом месте

: через нашу покорность, как будто так нет нужды быть покорным, будто этот мир не является высшей и самой последней необходимостью

: через нашу симпатию и почтение: как будто этот мир их не заслужил, потому что он нечист, нечестен по отношению к нам ...

In summa: мы подбиты на бунт трояким образом: сделали некое «x» основанием для критики «известного мира».

Первый шаг к образумлению: понять, в какой мере мы совращены —

ведь, в сущности, дело могло бы обстоять как раз точно противоположным образом.

а)мир неизвестный мог бы быть таким, чтобы внушать нам охоту к этому миру, — будучи, может быть, бездарной и более ограниченной формой жизни
б)мир иной, не говоря о том, что он мог бы считаться с нашими желаниями, не сбывшимися здесь, мог бы в известной мере быть тем, что примиряет нас с этим миром: узнать его было бы для нас способом добиться удовлетворенности
3)мир истинный: а кто, собственно, сказал, что видимый мир должен быть меньшей ценностью? Разве наш инстинкт не противоречит подобному мнению? Разве человек не творит вечно какой-то воображаемый мир, поскольку хочет получить мир получше, нежели действительность?..

Прежде всего: откуда мы взяли, что истинный мир — это не наш мир?.. ведь, скорее, иной мир мог бы быть «мнимым» ... И впрямь, греки, к примеру, выдумали себе некое царство теней, некое призрачное бытие — бок о бок с бытием истинным. В конце-то концов, что дает нам право устанавливать какие-то степени реальности? Это нечто иное, нежели неизвестный мир, это уже означает желание что-то узнать об этом неизвестном.

NB. «Иной», неизвестный мир — ладно! Но сказать «истинный мир» — это все равно что «знать что-то о нем» — это противоположно признанию некоего х-мира ...

In summa: мир «х» был бы, должно быть, более скучным, бесчеловечным и в любом смысле менее достойным, чем этот мир.

Дело обстояло бы иначе, если б говорили, что существуют х-миры, то есть, что кроме этого, существует еще и любой возможный мир. Но этого никогда не говорили ...

«Истинный» мир= правдивый, который нас не обманывает, который честен
 = правильный, который только и важен
 = подлинный — в противоположность какой-нибудь подделке и искажению

С.

Проблема: почему представление об ином мире всегда шло в ущерб этому миру, то есть было направлено на его критику, — на что это указывает? —

Дело вот в чем: народ, гордый собою, чья жизнь только еще восходит над горизонтом, всегда мыслит инобытие как бытие низкое, лишенное ценности; чуждый, неизвестный мир для него — враг, антипод, а к чуждому он чувствует не любопытство, а полное отвращение ...

такой народ никогда не признал бы, что другой народ — «истинный народ» ...

симптоматично уже то, что возможно подобное различение — этот мир признается «мнимым», а тот — «истинным»

Очаг возникновения представления об «ином мире»
философ, изобретающий мир рассудка, где рассудок и логические функции адекватны: — отсюда проистекает «истинный мир»
человек верующий, который изобретает некий «божественный мир», — отсюда проистекает «лишенный своей природы, противоестественный» мир
человек моральный, выдумывающий некий «мир свободы», — отсюда проистекает мир «добра, совершенства, справедливости, святости».
 
Общее для всех этих трех очагов возникновения ..
психологическая ошибка ... физиологическая подмена ...

«мир иной», каким образом и с какими предикатами он фактически выступает в истории, — отмечен стигмами

философского 
религиозногопредрассудка.
морального 

мир иной, каким он предстает в этих фактах, — есть синоним небытия, отсутствия жизни, нежелания жить ...



Общая идея: иной мир создан инстинктом усталости от жизни, а не инстинктом жизни.



Следствие: философия, религия и мораль
суть симптомы декаданса.

2-я глава

Историческое доказательство того, что религия, мораль и философия суть формы декаданса человечества.

3-я глава

1. основания, по которым «этот» мир был назван «видимым», обосновывают, скорее, его реальность: — подтвердить же реальность другого рода абсолютно невозможно.

2. признаки, коими снабдили «истинное бытие» вещей, суть признаки небытия, — «мир истинный» построен в пику «действительному миру»: — а на самом деле он есть «видимый мир», такой, что представляет собою оптико-моральный обман

3. In summa: не имеет никакого смысла выдумывать сказки о каком-то ином, чем этот, мире — если, конечно, нами управляет не инстинкт клеветы, умаления, презрения к жизни: в последнем случае в отместку за жизнь мы создаем себе фантасмагорию некоей «лучшей жизни» ...

4. Деление мира на «истинный» и «видимый» — результат суггестии декаданса: — а оценивать видимость выше, чем реальность, как делает художник, — это не может служить контраргументом. Ибо видимое тут означает все ту самую же эту реальность, только удвоенную: подвергнутую отбору, подкрепленную, выправленную ... Или существуют художники-пессимисты? — Неужто трагический художник — пессимист? ...

14 [169]

1.Мир истинный и мир видимый.
2.Философ как образчик декаданса.
3.Верующий как образчик декаданса.
4.Добрый человек как образчик декаданса.
5.Встречное движение: искусство.
Проблема трагического.
6.Язычество в религии.
7.Наука против философии.
8.Политика.
9.Критика современных веяний.
10.Нигилизм и его зеркальная противоположность: возвращающиеся.
11.Воля к власти.
  
1)Положим, он более ценен, — но почему он должен быть и более реальным, чем этот?
... что ж, реальность — качество совершенства? Ну, уж это прямо онтологическое доказательство бытия Бога ...
2)Но положим, он — истинный: тогда он был бы менее ценным, чем наш мир ...

14 [170]

Встречные движения: искусство.

Исключительные состояния создают художников: все они глубоко сроднились и срослись с болезненными явлениями, так что, пожалуй, нельзя быть художником и не быть больным.

Физиологические состояния, что словно бы культивированы в художнике до уровня «личности», но сами по себе в какой-то степени свойственны человеку вообще:

1. опьянение: повышенное ощущение власти; настойчивое внутреннее побуждение превращать вещи в отражение собственной полноты и совершенства —

2. чрезвычайная обостренность некоторых чувств, благодаря которой они понимают какой-то совсем другой язык знаков — и творят ... та самая обостренность, что кажется связанной с некоторыми нервными расстройствами, — чрезвычайная подвижность, переходящая в чрезвычайную сообщительность; готовность говорить со стороны всего, что способно подавать знаки ... какая-то потребность словно бы освободиться от себя с помощью знаков и жестов; способность говорить изнутри, пользуясь сотнями языков ... накал, в котором пребывает душа, — надо представлять себе это состояние в первую очередь как принуждение и натиск, цель которых — избавиться от прилива внутреннего напряжения посредством всех видов мышечной работы и подвижности; затем — как невольную координацию этого движения с внутренними процессами (образами, мыслями, желаниями), как своего рода автоматизм всей мышечной системы под воздействием сильных внутренних возбуждений — неспособность гасить реакцию; аппарат торможения словно в параличе. Любое внутреннее движение (чувство, мысль, аффект) сопровождается изменениями сосудистой системы, а стало быть, изменениями цвета лица, температуры, секреции; сила музыки, ее «suggestion mentale»;

3. навязчивое желание подражать: крайняя возбудимость, при которой замеченный образец действует заразительно, — какое-нибудь состояние улавливается уже по намекам и воспроизводится ... Всплывший изнутри образ тотчас проявляется как движения тела ... известный временный паралич воли ... (Шопенгауэр!!!!)

Своего рода глухота, слепота ко всему внешнему — сфера допускаемых стимулов строго ограничена —

* * *

Вот что отличает художника от любителя (восприимчивого к искусству): последний достигает вершины своей возбудимости, воспринимая; первый же — отдавая, причем антагонизм между обеими способностями не только естествен, но и крайне желателен. У этих состояний — обратная друг по отношению к другу оптика: требовать от художника, чтобы он усвоил оптику слушателя (или критика), значит требовать, чтобы он обеднил себя и свою специфическую силу ... Тут все так же, как в различии между полами: от художника, который дает, нельзя требовать, чтобы он стал бабой — чтобы он «зачинал» ...

Наша эстетика была до сих пор бабской эстетикой в той мере, в какой лишь восприимчивые к искусству люди формулировали свои переживания по поводу того, «что такое прекрасное». До сего дня во всей истории философии не было ни одного художника ... И этот изъян, как следует из сказанного, был неизбежным; ведь тот художник, что замахнется на понимание себя, тем самым промахнется — он не должен оглядываться, он вообще не должен глядеть, он должен давать: честь и хвала художнику, не способному на критику ... а иначе он — ни рыба ни мясо, иначе он — «современный» ...

14 [171]

Религия как декаданс

состояние сна как следствие всякого утомления, утомление как следствие всякого чрезмерного возбуждения ...

потребность в состоянии сна, обожествление даже самого понятия «сон» и поклонение ему во всех пессимистических религиях и философиях —

утомление в этом случае — это утомление расы; состояние сна, говоря физиологически, — лишь аллегорическое выражение какой-то много более глубокой и длительной потребности в упокоении ... In praxi это смерть, оказывающая тут столь совращающее воздействие под видом своего брата — сна ...

14 [172]

Религиозная мономания проявляется обыкновенно в форме folie circulaire, с двумя противоположными состояниями — депрессии и возбуждения.

Féré p. 123.

14 [173]

Воля к власти как жизнь

Психология воли к власти.

Наслаждение Страдание

Боль — нечто иное, чем наслаждение, — я хочу сказать, она не противоположна ему. Если сущность наслаждения точно характеризуется как ощущение прироста власти (и, стало быть, как ощущение различия, предполагающее сравнение), то к сущности страдания такое определение отнюдь не подходит. Лжепротивоположности, в которые верит народ и, следовательно, язык, всегда были опасными путами на ногах у идущей истины. Есть даже случаи, когда определенная ритмическая последовательность малых болевых раздражений вызывает своего рода удовольствие: тем самым достигается весьма быстрый прирост ощущения власти, ощущения наслаждения. Можно видеть это на примере щекотки, даже половой щекотки в акте соития: здесь боль проявляется как ингредиент наслаждения.

Очевидно, малое торможение, которое преодолевается, чтобы тотчас смениться новым малым торможением, преодолеваемым в свой черед, — эта игра сопротивления и победы сильнее всего возбуждает то общее ощущение избытка, излишка власти, что составляет сущность наслаждения. Обратного, то есть роста болевого ощущения посредством вклинивающихся малых возбуждений наслаждения, не бывает: ведь наслаждение и боль как раз вовсе не антагонисты. Боль — это рассудочный процесс, в котором, несомненно, было выражено некое суждение — суждение «вредно», аккумулировавшее в себе длительный опыт. Боли самой по себе не бывает. Больно делается не от ранения; есть просто опыт того, сколь тяжкие последствия для организма как целого может иметь ранение, опыт, заявляющий о себе в виде того глубокого потрясения, которое и зовется страданием (при смертоносных воздействиях, еще не известных прежним людям, — к примеру, при действии вновь открытых химических ядовитых веществ нет даже болевых ощущений — а мы умираем ... ). По-настоящему всегда специфично для боли длительное потрясение, остаточная вибрация от возбудившего боль шока в церебральном очаге нервной системы: на деле человек страдает не от причины боли (какой-нибудь раны, к примеру), а от того, что вследствие перенесенного шока надолго выбит из колеи. Боль есть болезнь церебрального нервного очага, наслаждение же — отнюдь не болезнь ...

Что боль есть причина встречных движений — за это, правда, говорят видимые обстоятельства и даже предрассудок философов; но в случаях, когда боль наступает внезапно, бывает, если присмотреться получше, что встречное движение начинается значительно раньше, нежели ощущение боли. Скверно обстояли бы мои дела, если б, совершив неверный шаг, я стал бы выжидать, чтобы факт зазвонил в колокола сознания, а в ответ пришла бы телеграмма с указанием, как тут быть ... Скорее, я как только могу точно фиксирую, что сперва следует встречное движение ноги — с целью уберечь от падения, — а уж потом, через определенный интервал, по лобной доле мозга внезапно прокатывается как бы болевая волна. Стало быть, реакция идет не на боль. Потом уж боль проецируется в поврежденное место — но вопреки этому сущностью такой локальной боли выступает не выражение данного локального повреждения: это просто симптом места, интенсивность и тональность которого соответствуют повреждению и который восприняли оттуда нервные центры. Что вследствие этого шока заметно снижается мышечная сила организма, еще вовсе не дает никакого основания искать сущность боли в умалении ощущения власти ... Человек, повторяю, реагирует не на боль: страдание — вовсе не «причина» совершаемых действий, сама боль — это реакция, встречное движение — другая и более ранняя реакция: та и другая исходят из разных мест. —

14 [174]

Воля к власти как жизнь

Человек ищет не наслаждения, а избегает не страдания: должно быть ясно, какому знаменитому предрассудку я этим перечу. Наслаждение и страдание — это просто следствия, просто побочные явления: то, чего хочет человек, то, чего хочет всякая мельчайшая часть живого организма, — это прирост власти. В стремлении к нему возникают наслаждение и страдание; исходя из этого стремления он ищет сопротивления, нуждается в чем-то, что ему противостоит. Страдание как торможение его воли к власти есть, стало быть, нормальное явление, нормальный ингредиент любого органического процесса, человек от него не уклоняется, а, скорее, постоянно в нем нуждается: любая победа, любое ощущение наслаждения, ход любого процесса предполагает, что преодолено какое-то сопротивление.

Возьмем простейший случай — питание примитивных существ: протоплазма расправляет свои псевдоподии, ища то, что ей противостоит, — не из голода, а из воли к власти. Потом она делает попытку одолеть его, присвоить, поглотить: то, что называют «питанием», это просто побочное явление, практическое применение первичного стремления сделаться сильнее

Нельзя считать голод, так же как и самосохранение, primum mobile: голод как следствие недостаточного питания равнозначен голоду как следствию того, что воля к власти более не господствует

деление как следствие слишком слабого единства



речь идет вовсе не о каком-то восполнении утраченного — лишь потом, вследствие разделения труда, после того как воля к власти научится находить совсем иные пути к своему удовлетворению, потребность организма в присвоении сводится к голоду, к потребности в возвращении того, что потеряно.



Страдание, стало быть, столь мало имеет своим следствием понижение нашего ощущения власти, что чаще всего действует прямо-таки как возбудитель этого ощущения власти, — препятствие есть стимул этой воли к власти.

Страдание подменили одним из его видов — страданием от изнеможения: последнее и впрямь представляет собою сильное снижение и депрессию воли к власти, заметное убывание сил. Это значит: страдание как средство побуждения к усилению власти и страдание от расточения власти; в первом случае оно — стимул, во втором — следствие чрезмерного раздражения ... Неспособность к сопротивлению свойственна последнему виду страдания — первый же любит вызывать противника на бой ... Наслаждение, все еще ощутимое в состоянии утомленности, есть погружение в сон; в ином случае наслаждение есть победа ...



Психологи устроили великую путаницу, не умея различать эти два вида наслаждения — наслаждение от погружения в сон и наслаждение от одержанной победы

утомленные хотят покоя, полного расслабления, мира, тишины —

это и есть блаженство нигилистических религий и философий

Люди преизбытка, чья жизнь бьет через край, хотят победы, поверженного противника, захвата ощущением власти все новых сфер:

эта потребность есть у всех здоровых функций организма — и организм в целом, вплоть до пубертатного возраста, представляет собою такой борющийся за рост ощущения власти комплекс систем

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Платон:

но Ману говорит: акт, благодаря которому душа взыскует неизвестного, есть воспоминание о сварге, след которой она удержала, — так часто по пробуждении человек смутно видит образы, посетившие его во сне

14 [176]

Алкоголизм.

Брахман, пьянствующий, предающий забвению божественную субстанцию, из коей образована его личность, падает до уровня нечистого шудры.

Двиджа, увлекающийся забродившими напитками, будет спален изнутри их огнем. Он может очиститься, выпив кипящей коровьей мочи

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Если он спасет жизнь коровы, то этот благочестивый поступок искупит даже убийство брахмана.

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Жрец

— Брахман — авторитет в этом мире и в другом мире; брахман — объект поклонения для богов.

Убивший корову обязан три месяца ходить укутанным в ее шкуру, а следующие три месяца прослужить подпаском у коровьего пастуха. Засим он обязан подарить брахманам десять коров и одного быка, а еще лучше — все свое имущество: в этом случае он искупит свой проступок.

Кто убьет обрезанного, очистится одной простою жертвой (в то время как вообще за убийство животного требуется шесть месяцев каяться в лесу, отпустив бороду и длинные волосы).

14 [179]

О христианской практике.

Человек в течение многих тысячелетий не знал себя с физиологической стороны: не знает он себя и поныне. К примеру, знание о том, что обладаешь нервной системой (но не «душой»), все еще остается привилегией наиболее осведомленных. Но человек и не подозревает, что тут — пробел в его знании; нужно быть уж очень гуманистически образованным, чтобы сказать себе: «Этого я не знаю», чтобы позволить себе невежество ... скажем, если он страдает или пребывает в добром расположении духа, то не замедлит найти этому причину, если только ее ищет. И вот он ее ищет ... А на деле он причины не найдет, потому что даже не подозревает, где ее искать ... Что происходит?.. Он принимает следствие в своем состоянии за его причину.

Скажем, удалась работа, сделанная в добром расположении духа (сделанная в причине, ибо уже только хорошее настроение придало ей духу): ecco, работа — причина доброго расположения духа ...

На самом деле, опять-таки, удача была обусловлена тем самым, что обусловило хорошее настроение, — удачным сочетанием физиологических функций и систем.

Ему плохо — и, следовательно, ему не справиться с заботой, с угрызениями совести, с самокритикой ... Человек и на самом деле думает, будто его скверное состояние — следствие угрызений совести, «греха», «самокритики» ...

Но вот, часто после глубокого утомления и прострации, возвращаются силы. «Отчего это мне так привольно? Вот чудо-то — только Богу под силу сотворить такое!» Вывод: «Он отпустил мне грех» ...

На этой почве складывается определенная практика: чтобы подогреть ощущение собственной греховности, подготовиться к сокрушению души, нужно привести тело в болезненное и нервное состояние. Такая методика общеизвестна. Люди, само собой разумеется, и не подозревают о причинной логике фактов — религиозное толкование умерщвления плоти оказывается самоцелью, в то время как оно бывает всего-навсего средством сделать возможным это самое болезненное несварение покаяния («навязчивую идею» греха, гипнотизирование курицы меловым кругом греха).

Истязание плоти готовит почву для целого ряда «ощущений виновности» ... то есть совокупное страдание становится объяснимым ...

С другой стороны, такой же оказывается и методика «спасения»: всякую необузданность чувства вызывали молитвами, телодвижениями, жестами, клятвами — засим следовало изнурение, часто внезапно, часто в эпилептической форме. И — вслед за состоянием патологической сонливости — приходит видимость выздоровления: выражаясь на религиозный лад, «спасение».

14 [180]

Магометанство, будучи религией для мужчин, питало глубочайшее презрение к сентиментальности и лживости христианства ... считая его бабской религией —

14 [181]

Верующий как образчик декадента

родство религиозных состояний с безумием, с неврастенией

момент, когда кризис религии охватывает нацию — исторически —

фантазия верующего как фантазия нервно утомленного и перевозбужденного

«моральная нервозность» христианина.



Теперь перед нами стоит задача изобразить трудный, двусмысленный не только для нас феномен христианства.



Всю христианскую практику покаяния и спасения можно рассматривать как сознательно вызываемую folie circulaire; она, как водится, проявляется у заранее склонных к этому (то есть предрасположенных к недугу) индивидуумов.

14 [182]

Почему побеждают слабые.

In summa: у больных и слабых больше сострадания, они более «человечны» —

: у больных и слабых больше ума, они более переменчивы, многолики, интересны, — более язвительны: именно больные изобрели язвительность.

(болезненное раннее созревание часто бывает у рахитиков, золотушных и чахоточных. —)

достояние дряхлых рас (евреев, французов, китайцев). Антисемиты не прощают евреям, что у евреев есть «ум» — и деньги: антисемит — вот имя для «обойденного жизнью».

: паяц и святой — две самых интересных разновидности человека ...

в тесном родстве — «гений», великие «авантюристы и преступники»

: больные и слабые <всегда> притягивали к себе внимание — они интересней, нежели здоровые

Да и все люди, а прежде всех — наиболее здоровые, бывают больны в некоторые моменты своей жизни — сильные волнения, аффекты власти, любви, мести сопровождаются глубокими нарушениями ...

А что касается декаданса, так всякий человек, если он не умер слишком рано, представляет его почти всегда: стало быть, ему по опыту известны и инстинкты, входящие в сферу декаданса —

: половина почти всякой человеческой жизни проходит под знаком декаданса.

Наконец: баба! Половина человечества слаба, типически больна, переменчива, непостоянна — баба нуждается в силе, чтобы за нее зацепиться, — и в религии для слабых, воздающей ей божеские почести, чтобы быть слабой, любить, покоряться ...

нет, лучше сказать, она ослабляет сильных — она, если представится случай, захватывает власть, чтобы подмять под себя сильных ...

баба всегда — заодно с образцовыми типами декаданса, с жрецами, — интриговала против «могущественных», «сильных», против мужчин —

баба укрывает детей, сохраняя их для культа почитания, сострадания, любви — мать убедительно репрезентирует альтруизм ...

Наконец: распространение цивилизации, в то же время неизбежно несущее с собою и рост нездоровых элементов, невро и психопатических и криминальных ...

появляется некий промежуточный вид — артист, от настоящего уголовника отличающийся слабостью воли и социальной запуганностью и в то же время еще не дозревший до сумасшедшего дома, но с любопытством запускающий щупальца в обе сферы: это специфическое культурное растение, современный артист, художник, музыкант, прежде всего романист, пользующийся для обозначения своей манеры жить весьма неподходящим словом «naturalisme» ...

В полку сумасшедших, преступников и «натуралистов» все прибывает — признак растущей и бурно поспешающей вперед культуры: подонки, отребье, отверженные элементы приобретают значимость — низы шагают в ногу ...

Наконец: социальная мешанина, следствие революции, введения равенства прав, предрассудка о «равенстве людей». При этом носители инстинктов упадка (ressentiment'a, недовольства, стремления разрушать, анархизма и нигилизма), включая сюда рабские инстинкты, инстинкты трусости, ловкачества и канальства, свойственные на протяжении долгого времени оттеснявшимся вниз слоям, примешиваются к крови всех сословий: два-три поколения спустя эту расу невозможно будет узнать — все сделается чернью. Отсюда — общий инстинкт, направленный против лучших, против привилегий любого рода, привилегий власти и безопасности, твердости, жестокости практических мер, которым на деле тотчас подчиняются сами же носители привилегий:

— все, что еще хочет удержаться у власти, льстит черни, оно вынуждено опираться на чернь —

и «гении» тут впереди всех: они становятся герольдами эмоций, коими увлекают за собою массы, — нота сочувствия, даже почтения перед всем тем, что жило в страдании, унижении, презрении, угнетении, перекрывает все другие ноты (типы: В. Гюго и Р. Вагнер).

Пришествие черни означает второе пришествие старых ценностей ...

* *

При столь чрезвычайном в смысле темпа и средств движении, каковое являет собою наша цивилизация, центральная роль людей изменяется: людей, что по большей части определяют положение дел, людей, что словно взвалили на себя задачу быть противовесом всей великой опасности столь пагубного движения; это будут медлители excellence, с трудом усваивающие, тяжелые на подъем, относительно стабильные посреди этого чудовищного мельтешения и смешения элементов. Центральная роль в таких условиях неизбежно достанется посредственности: все заурядное консолидируется перед лицом господствующей черни и экстравагантных сумасбродов (эти почти всегда — союзники друг другу) в качестве гарантии и носителя будущего. Для людей исключительных следствием будет появление нового противника — или, скорее, нового соблазна. Если они не станут применяться к черни и петь дифирамбы инстинкту «обделенных», перед ними встанет необходимость сделаться «заурядными» и «положительными». Они смекнут: mediocritas — это aurea: мало того, только она и распоряжается деньгами и золотом (- и всем, что блестит ... ) ... И вновь ветхая добродетель и вообще весь отживший мир идеала получат талантливых адвокатов ... Итог: посредственность обретает глубину ума, остроумие, гений — она становится интересной, она соблазняет ...

* *

Итог. Еще кое-что о третьей силе. Ремесло, торговля, земледелие, наука, львиная доля искусства — все это может стоять лишь на каком-то обширном основании, на некоей крепко и честно консолидировавшейся посредственности. Наука — и даже искусство — ей служит и сама ею обслуживается. Ничего лучшего для себя наука не может и пожелать: она уже сама по себе принадлежит к среднему слою человечества — среди людей исключительных она неуместна, — в ее инстинктах нет ничего аристократического, а еще менее анархического. Власть середины будет тогда держаться на торговле, главным образом — торговле деньгами: инстинкт банковских воротил считает своим врагом все крайнее, поэтому евреи покамест остаются самой консервативной силой в нашей находящейся в такой опасности и такой нестабильной Европе. Ни революции, ни социализм, ни милитаризм им не нужны: когда же они добиваются власти даже над революционными партиями, то это всего лишь следствие вышесказанного — и нисколько тому не противоречит. Иногда им бывает нужно нагнать страху на другие крайние движения — демонстрируя, что в их руках всё. Но сам по себе их инстинкт неизменно консервативен — и принадлежит к «середине» ... Повсюду, где есть власть, они умеют быть у власти: но используют они ее всегда одинаково. Все посредственное, как известно, клянется словом «либеральный» ...

Это нечто неостроумное и даже не истинное ...



Вразумить. Абсурдно предполагать, будто вся эта победа ценностей антибиологична: нужно попробовать объяснить ее исходя из какого-то интереса жизни

сохранение самого человеческого рода благодаря этому методу засилья слабых и обойденных жизнью —

: погибнет ли человек в ином случае?

Проблема

Станет ли умножение сил типа роковым для сохранения вида?

почему?

опыт истории:

сильные расы истребляли друг друга: война, борьба за власть, походы; их существование разорительно, короче говоря, они друг от друга и камня на камне не оставляют —

сильные — расточительство — сила не может больше накапливаться ...

душевное расстройство, наступившее из-за чрезмерного напряжения, — следуют периоды глубокой усталости и вялости, за все взлеты приходится расплачиваться ...

после этого сильные делаются более слабыми, безвольными, глупыми, чем слабая заурядность

Бывают расы-расточители. —

«Долговечность» сама по себе не представляет собою ценности: предпочтительней была бы пусть сокращенная, но более полноценная жизнь рода.

остается только доказать, что даже «при длительном сроке» достижим такой более богатый урожай ценностей, чем в случае сокращенного срока жизни.

то есть человек как средоточие накопленной силы получает большую степень господства над вещами, когда все идет, как идет ...

Перед нами встает проблема экономии —

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Я излагаю свои доводы во всех существенных моментах, пункт за пунктом. Имея в голове хоть немного логики и энергии, близкой по типу моим, смело глядя в лицо тому знанию, которым фактически обладаешь, можно было извлечь все эти доводы уже из моих ранних сочинений. Но все сделали наоборот — стали сетовать на то, что им не хватает последовательности: и весь этот нынешний сброд еще смеет произносить слово «последовательность»!

14 [184]

«Видимость» = специфической деятельности акции-реакции

видимый мир, то есть мир, понятый в соответствии с ценностями, упорядоченный, отобранный в соответствии с ценностями, то есть в данном случае с точки зрения полезности в смысле сохранения и усиления власти определенного вида животных.

перспектива, стало быть, придает характер видимости!

Как будто останется какой-нибудь мир, если убрать перспективу! Да ведь в таком случае исчезнет и относительность, —

у любого средоточия силы до самого конца сохраняется перспектива, то есть вполне определенный способ ранжировать оценки, присущий ему способ действовать, способ противостоять.

«Видимый мир» сводится, стало быть, к специфическому способу действовать на мир, исходя из средоточия.

Так ведь никакого другого способа действовать и не бывает: а «мир» — всего лишь слово, означающее взаимодействие всех этих действий.

Реальность состоит исключительно из этих частных акций и реакций каждого отдельного в отношении целого ...

Говорить здесь о видимости — да на это больше нет и тени права ...

Специфический способ реагировать — единственный способ реагировать: мы не знаем, сколько всего способов есть и каковы они.

И нет никакого «иного», никакого «истинного», никакого настоящего бытия — в противном случае это был бы какой-то мир без акции и реакции ...

Противоположность видимого мира и мира истинного сводится к противоположности «мира» и «ничто» —

14 [185]

Мораль

Что ценность поступка зависит якобы от того, что предшествует ему в сознании, — какая ошибка! А ведь эту мерку прикладывали к моральности поступка, даже к преступлению ...

Думали, будто надо знать о его последствиях: и простецы-психологи прежних времен говорили — — —

Ценность поступка должна измеряться его последствиями, — говорят утилитарии: если судить о нем по мотиву, то сама собой выявляется некая невозможность — а именно невозможность об этом мотиве узнать.

А разве о последствиях поступка узнать можно? Шагов, может быть, на пять, не более того. Кто может сказать, чем вызван поступок, что дает ему толчок, провоцирует его? в качестве стимула? может быть, в качестве искры, способной вызвать взрыв ?.. Эх, простаки-утилитарии ... И наконец, мы еще обязаны знать, что полезно: и тут они видят не дальше чем на пять шагов ... Они не имеют ровно никакого понятия о хозяйственности большого размаха, не умеющей обходиться без зла —.

Неизвестен стимул, неизвестны последствия: да есть ли, следовательно, у поступка вообще какая-нибудь ценность ?..

Остается сам поступок — параллельные ему феномены в сознании, Да и Нет, следующие за ним: что ж, ценность поступка — в его субъективных феноменах — ? Несомненно, его сопровождают ценностные ощущения, ощущения власти, насилия или бессилия, к примеру, свободы, вольности — спросим иначе: можно ли сводить ценность поступка к физиологическим ценностям — служит ли он выражением полнокровной или ущемленной жизни? Какова биологическая ценность поступка?

Позволительно ли измерять его ценность по его побочным феноменам, по наслаждению и страданию, по игре аффектов, ощущению разрядки, взрыва, свободы ...

Может статься, в этом и выражается его биологическая ценность ...

Это означало бы, что можно измерять ценность музыки по удовольствию или досаде, которые она в нас вызывает ... которые она вызывает у своего сочинителя ...

Если, стало быть, поступок невозможно квалифицировать ни по его мотиву, ни по его последствиям, ни по параллельным ему явлениям, то он — «х», нечто неизвестное ...

Итак: у поступка нет ценности.

In summa, выражаясь на манер церковного гимна: «Пресмыкайся по земле, летай над землею или крадись Божьими путями».

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Философия

Физики на свой лад тоже верят в «истинный мир»: постоянную, одинаковую для всех и движущуюся по строгим законам систему атомов, а «видимый мир» сводится для них к доступной всякому на свой лад стороне всеобщего и общеобязательного бытия (доступной, но и упорядоченной — сделавшейся «субъективной»). Но тут они заблуждаются: атом, который они конструируют, выведен по законам логики все того же перспективизма сознания, — стало быть, и сам он — субъективная фикция. Изображенная ими картина мира ровно ничем существенным не отличается от субъективной картины мира: только она сконструирована на основе предусмотрительных замыслов — но замыслы-то эти сплошь наши ... И наконец, в своей комбинации они кое-что упустили, сами того не ведая: как раз тот необходимый перспективизм, благодаря которому любое средоточие силы — а не только человек — конструирует в соответствии с собою весь остальной мир, то есть измеряет, ощупывает, формирует его, сравнивая со своею силой ... Они позабыли причислить эту перспективо-образующую силу к «истинному бытию» ... Говоря на академический лад, это субъективное бытие. Они думают, будто она «развилась» в виде дополнения —

Но ею пользуется даже химик: ведь она — специфичность, определенный способ акции и реакции смотря по

Перспектива — это всего-навсего сложная форма такой специфичности

По моим представлениям, каждое специфическое тело стремится захватить господство над всем пространством, распространяя на него свою силу (— свою волю к власти) и отбрасывая прочь все то, что сопротивляется его экспансии. Однако беспрестанно наталкивается на такие же стремления других тел и кончает тем, что договаривается («вступает в союз») с теми из них, которые достаточно родственны ему: тогда они вместе составляют заговор, чтобы захватить власть. И процесс продолжается ...

14 [187]

Философия

В химии нет ничего неизменного — это всего-навсего видимость, просто школьный предрассудок. Неизменное протащили туда мы, и опять-таки из метафизики, господа физики. Совершенно наивная близорукость говорить, будто алмаз, графит и уголь — одно и то же. Отчего ж? Только оттого, что весы не могут установить никакой субстанциальной потери! Ну ладно, тут у них и впрямь есть что-то общее, но работа молекул при превращении, которую мы не можем ни увидеть, ни взвесить, как раз и делает из одного вещества нечто другое — со специфически иными свойствами.

14 [188]

Новая концепция мира

1) Мир существует; он — не то, что претерпевает становление и исчезновение. Или, вернее, он претерпевает становление и исчезновение, но никогда не начинал претерпевать становление и никогда не прекратит исчезать — он сохраняется в том и в другом ... Он живет самим собою — его экскременты суть его пища ...

2) Нам не должно быть ровно никакого дела до гипотезы о сотворении мира. Понятие «творение» нынче никак нельзя определить, построить; это уже просто слово, рудимент времен суеверия; словом же объяснить ничего нельзя. Недавно была сделана последняя попытка, и не одна, разработать концепцию мира, который имеет начало, с помощью логической процедуры — по большей части, как нетрудно догадаться, с теологическим скрытым умыслом.

Вечное возвращение.

Философия

3) Недавно пытались, и даже не раз, найти противоречие в понятии бесконечности мира во времени назад. Его даже и нашли — правда, ценою подмены головы хвостом. Ничто не может мне помешать, отсчитывая время назад от данного момента, сказать: «Так мне никогда до конца не дойти» — точно так же как я могу отсчитывать время от этого момента вперед, в бесконечность. Только если бы я хотел ошибиться — а уж я постараюсь этого не сделать, — и отождествил это корректное понятие regressus ad infinitum с совершенно немыслимым понятием бесконечного progressus до сего момента, если бы я сделал направление (вперед или назад) логически индифферентным — в этом случае мне пришлось бы запрягать не с головы, а с хвоста: но это уж позвольте предоставить Вам, милейший господин Дюринг!..

4) Я встречал эту идею у прежних мыслителей: и всякий раз ее определяли другие, скрытые соображения (— по большей части теологические, в пользу creator spiritus). Если бы мир в принципе мог застыть, высохнуть, угаснуть, превратиться в ничто — или же мог бы достичь какого-то равновесного состояния — или же у него вообще была бы какая-то цель, предполагающая долговечность, неизменность, окончательность (короче, выражаясь метафизически: если бы становление могло перейти в бытие или в ничто), то это состояние уже было бы достигнуто. Но оно не достигнуто: из чего следует ... Вот та единственная синица достоверности, что у нас в руках, — она должна послужить и коррективой в отношении огромного множества возможных в принципе гипотез о мире. Если, к примеру, механизм не может избежать какого-то финального состояния, какое вывел для него Томпсон, то такой механизм опровергнут.

Философия

5) Если мир можно представлять себе как определенное количество силы и как определенное количество средоточий силы — а любое другое представление будет неопределенным и, значит, негодным, — то отсюда следует, что за все время великой игры в кости, то есть своего существования, он непременно пройдет через исчислимое количество комбинаций. Любая возможная комбинация когда-то в бесконечном времени будет разыграна; мало того, она будет разыграна бесконечное число раз. А поскольку между любой «комбинацией» и ее следующим «повторением» должны быть разыграны все вообще возможные комбинации, а каждая из этих комбинаций обусловливает собою всю серию комбинаций в одном ряду, то это докажет круговорот абсолютно тождественных рядов: мир как круговорот, который уже повторялся бесконечное число раз и разыгрывает свою партию in infinitum.

Такая концепция — не безоговорочно механистическая: ибо в противном случае из нее выводилось бы не бесконечное возвращение тождественных случаев, а некое финальное состояние. Поскольку мир его не достиг, такой механизм должен играть для нас роль несовершенной и предварительной гипотезы.

14 [189]

Философ как результат дальнейшего развития жреческого типа

— этот тип у него в крови — по наследству

— даже будучи его соперником, он вынужден достигать тех же целей теми же средствами, что и жрец его эпохи;

— он чает добиться высшего авторитета

что дает авторитет, если не обладаешь властью физически (нет войск, нет оружия вообще ...)?

как завоевывают авторитет в особенности среди тех, у кого есть физическая власть и авторитет?

конкурируют — кто более почтительно вострепещет перед князем, перед победоносным завоевателем, перед мудрым сановником.

* *

Тут все идет в ход: оказывается необходимой даже санкция и помощь жреца.

Они лезут из кожи вон, чтобы быть незаменимыми между теми и другими: а необходимые условия их жизни,

1) чтобы люди верили в абсолютное превосходство их Бога, чтобы верили в их Бога

2) чтобы никаких иных прямых путей к Богу не было

Лишь второе требование порождает понятие «иноверия»; первое же — понятие «неверующего» (то есть верующего в какого-нибудь другого Бога —).

* *

Так в чем же отсталость философа?

В том, что он вещает, будто его качества — необходимые и лишь они одни могут привести к «высшему благу» (к примеру, диалектика, как у Платона).

В том, что всем остальным представителям человечества он разрешает подниматься к своему собственному типу как вершине gradatim.

В том, что они презирают ценимое другими, роя пропасть между высшими, жреческими ценностями — и мирскими.

в том, что он знает, что есть истина, что есть Бог, что есть цель и каков путь к ней ... Тут типичный философ — абсолютный догматик; если же ему требуется скепсис, так это для того, чтобы получить право догматически вещать о своем главном предмете.

14 [190]

Проблема угнетенных

Я не исключаю, что семиты самого давнего прошлого находились в ужасающем рабстве у индусов — в качестве чандалы; тогда-то уже и пустили прочные корни некоторые их особые черты, свойственные типу закабаленных и презренных (— как это было с ними позже в Египте).

Потом-то они облагородились — в той мере, в какой стали вояками ... И завоевали себе собственные земли, собственных богов. Хронологически боги появляются у семитов одновременно с их вступлением в историю ...

«ум», упорная терпеливость, презренные занятия ремеслом

Официальное понятие чандалы точно соответствует отребью и экскрементам знати ...

14 [191]

Платон — фигура совсем в духе Ману: он принял

в Египте посвящение. Кастовая мораль, бог для добрых,

«вечная единая душа»

— Платон: брахманист

— Пиррон: буддист

воспроизводится: тип философа.

касты

деление учения на эзотерическое и экзотерическое

«великая душа»

переселение душ как обратный дарвинизм (— не

греческого происхождения)

14 [192]

Понятие «эгоизм»

Понятие живого предполагает, что оно должно расти,—что оно расширяет пределы своей власти и, стало быть, ему приходится присваивать посторонние силы. В чаду морального наркоза говорят о каком-то праве индивидуума на самозащиту: равным образом можно говорить тогда и о его праве на захват — ведь то и другое, и второе даже больше, нежели первое, неизбежны для всего живого; эгоизм нападения и защиты — не объекты выбора и уж тем более «свободной воли», а фатальная необходимость самой жизни.

При этом решительно все равно, идет ли речь об индивидууме или о живом теле, о стремящемся оказаться наверху «обществе». Право карать (то есть самозащита общества), в сущности, получило имя «право» благодаря злоупотреблению: к праву приходят через договор — но самозащита и самооборона не имеют договорной основы. По крайней мере, какой-нибудь народ мог бы со столь же чистой совестью объявить своим правом потребность в завоеваниях, неодолимое влечение властвовать — благодаря ли силе оружия или через торговлю, обмен и колонизацию: это было бы его правом на рост. Общество, окончательно и инстинктивно отвергшее войну и завоевание, клонится к своему закату: оно дозрело до демократии и господства лавочников ... А гарантии мира, как правило, — это, безусловно, всего-навсего обезболивающий наркотик.

14 [193]

В старом уголовном праве огромную роль играло одно религиозное понятие — понятие искупительной силы наказания. Наказание очищает: нынче оно только позорит. Наказание — это погашение долга: в нем человек фактически оторван от того, за что хотел столь многое претерпеть. Положим, он верит в силу наказания — тогда это повлечет за собою некое облегчение, некий вздох освобождения, который и впрямь почти равносилен возвращению к здоровью, исцелению. Человек не только восстановил мир с обществом, он вновь начал уважать себя самого — «очистился» ... Сегодня наказание изолирует человека даже больше, чем вина; за ее спиною навис столь разросшийся злой рок, что ситуация уже непоправима. Отбыв наказание, человек выходит на свободу врагом общества ... И вот одним врагом стало больше ...

Jus talionis может быть продиктовано желанием возмездия (то есть своего рода смягченным инстинктом мести); но у Ману, к примеру, это — потребность получить эквивалент искупления, дабы вновь стать «свободным» в религиозном смысле

14 [194]

Философ борется с конкурентами, к примеру с наукой

: и вот он делается скептиком

: и вот он резервирует за собою ту самую форму познания, в какой отказывает человеку науки

: и вот он действует заодно со жрецом, дабы избежать подозрений в атеизме и материализме

: атаку на себя он расценивает как атаку на мораль, добродетель, религию, порядок — он умеет ославить своих противников «совратителями» и «подрывными элементами»

— и наконец он заключает союз с властью

Философ в борьбе с другими философами:

: он пытается загнать их туда, где они предстанут анархистами, неверующими, врагами авторитета

In summa: пока он борется, он борется совсем как жрец, как духовенство.

14 [195]

Как выглядит соглашательская арийская религия,

это исчадье господствующих классов:

книга законов Ману.

Как выглядит соглашательская семитская религия,

это исчадье господствующих классов:

книга законов Мухаммеда. Древнейшие части Ветхого Завета.

Как выглядит протестующая семитская религия,

исчадье угнетенных классов:

Новый Завет, эта, по индоарийским понятиям,

религия чандалы

Как выглядит протестующая арийская религия,

возникшая среди господствующих сословий

: буддизм.

Что у нас нет никакой религии угнетенных арийских рас — в порядке вещей, ибо это внутренне противоречиво: раса господ либо стоит на вершине, либо гибнет.

14 [196]

Эгоизм

Основное положение: чувство ответственности испытывают лишь по одиночке. Толпа изобретена для того, чтобы делать вещи, на которые у одиночек не хватает духу.

Как раз поэтому все общности, общества в сто раз честнее высказываются о природе человека и лучше в ней назидают, чем индивид, слишком слабый, чтобы набраться духу идти навстречу своим желаниям ...

Весь «альтруизм» оказывается житейской умудренностью частного лица: общества не испытывают друг к другу никакого «альтруизма» ...

Заповедь любви к ближнему еще никогда не дорастала до заповеди любви к соседу. Скорее, дело тут пока обстоит так, как написано у Ману ...

«Терпимость»

Изучение общества столь неоценимо потому, что человек как общество много наивней, нежели человек как «единица».

«Общество» никогда не смотрело на добродетель иначе, чем как на средство, используемое силой, властью, порядком.

Как простодушно и с каким достоинством говорит об этом Ману:

14 [197]

«Награда и наказание» ... Они существуют бок о бок, они вместе приходят в упадок. Нынешние люди не хотят наград, не хотят и признавать ни за кем права наказывать ...

Они заняли боевую позицию: чего-то хотят, но при этом у них есть противник, а своего добиваются, может быть, самым благоразумным путем — договариваясь с ним, заключая договор

Современное общество, в котором каждый заключил собственный «договор»: преступник же — нарушитель договора ... Вот это было бы совершенно понятно. Но тогда анархисты и принципиальные враги господствующей формы общества были бы в ней нетерпимы ...

14 [198]

«Для Бога нет ничего невозможного» — убежден христианин. А индус говорит: «У благочестия и науки вед нет ничего невозможного: им подчиняются боги, им они покорны. Где тот бог, что устоял бы против благочестия и молитвы удалившегося в леса джати?

Как мгновенно исчезает камень, брошенный в озеро, так скрываются грехи, исчезая в науке вед».

14 [199]

Происхождение морали

Жрец добивается, чтобы его считали высшим типом человека

добивается господства — даже над теми, что держат власть в своих руках

добивается гарантий от насилия, права неприкосновенности...

добивается положения самой властной силы в общине, абсолютно незаменимой и недоступной умалению



Средства.

Только ему принадлежит знание.

Только ему свойственна добродетель.

Только он целиком и полностью — сам себе хозяин

Только он в известном смысле Бог и наследник Божества

Только он посредник между Богом и прочими

Божество карает любой ущерб, нанесенный жрецу, любой умысел, направленный против него



Средства.

Истина существует.

Есть только один способ достичь ее — сделаться жрецом

Все благое — в порядках, в природе, в обычаях — идет от мудрости жрецов.

Их труд — Священное писание. Вся природа — это всего-навсего реализация содержащегося в нем устава

Не бывает никакого иного источника блага помимо жреца

Отличия всякого иного рода — рангом ниже, чем положение жреца (к примеру, положение воина)



Вывод:

коль скоро жрец — высший тип, то градация, ведущая к его добродетелям, должна быть градацией человеческих ценностей вообще.

Занятия науками, отказ от чувственности, познания, не-активность, безучастность, безаффектность, торжественность. — Противоположность (самая низкая порода людей:



То, что внушает почтительный страх
жесты, иератические манеры
чрезмерное презрение к плотскому и чувственному
— противоестественное как признак сверхъестественного



Жрец учил лишь одному виду морали — и все для того, чтобы его самого воспринимали как высший тип

Он разрабатывает представление о противоположном типе — чандале. Всеми средствами сделать его презренным — это условие кастового порядка

Его чрезмерный страх перед чувственностью вызван к тому же пониманием того, что отсюда исходит наибольшая угроза кастовому порядку (то есть порядку вообще)... Любое «поползновения к свободе» in puncto пускает брачное законодательство вверх тормашками —

14 [199]

В этой концепции есть что-то достойное восхищения: например, абсолютное отделение отбросов общества с тенденцией уничтожить их. Они поняли, что нужно живому организму, — отсечь больные члены...



1) Она удивительным образом далека от вялой дегенерации инстинктов, которую теперь называют «гуманизмом»...

Затем деградация из одной касты в другую...



Затем формулировка брака: положение «брака по любви» (род «небесных музыкантов»:

2) борьба с алкоголизмом... с. 332.

3) их полное признание высокого возраста, женщины с. 127

4) они исходят из того, чтобы сделать человека достойным уважения перед самим собой: им нужно даже естественнейшее трансфигурировать, приводя долг как священное наблюдение к чувству

14 [200]

В этой концепции достойно изумления: к примеру, абсолютная изоляция отбросов общества — с тенденцией пустить их в расход. Они поняли, что нужно живому телу — отсечение больных членов...



1) Она достойным изумления образом далека от дряблого инстинкта вырождения, который нынче зовут «гуманностью»...

Засим — деградация из одной касты в другую...



Засим — понимание брака: установка на «брак по любви» (как бы «заключенный на небесах»:

2) борьба с алкоголизмом ... Р. 332.

3) их совершеннейшее почтение к старости, к женщине р. 127

4) они стремятся сделать человека достойным в собственных глазах. а для этого им нужно видоизменить даже самое естественное — противопоставив чувству долг как священное предписание.

14 [201]

Касты созданы в видах разделения труда, а с другой стороны, они — единственный способ сделать безошибочную работу инстинктивной ...

главное — это труд как обычай, с его механической стороны: именно благодаря этому он в смене поколений становится безошибочным ...

14 [201]

14 [202]

Когда союз молодого человека и юной девицы —

плод обоюдного выбора, то такой союз, рожденный любовью и стремящийся к любви, называется:

брак, «заключенный на небесах»

В низших 4-х формах брака рождаются лишь моты, склочники, врали, не ведающие Священного писания и предписанных им обязанностей

В почтенных и достохвальных браках рождаются почтенные и достохвальные дети; но от плохих союзов увидит свет лишь презренное потомство.

Похвала девственнице: р. 225

14 [203]

Критика Ману:

сведение природы к морали: причина «кармического наказания человека» (а природные причины исключаются) — Брахман.

Сведение человеческих побуждений к страху перед карой и надежде на награду: то есть страху перед законом, в руках которого то и другое ...

Следует вести жизнь, совершенно согласную с законом: все, что благоразумно, совершается потому, что так приказано; самые естественные инстинкты удовлетворяются потому, что они предписаны законом.

Это прямо-таки школа оболванивания: в таком теологическом инкубаторе (где даже молодой воин и землепашец должны пройти девятилетний курс богословия, чтобы сделаться «благонадежными», — девятилетнюю «воинскую повинность» трех высших каст) в пользу чандалы говорили умственные способности и даже дельность. Люди чандалы были единственными, кому был доступен подлинный источник знания — опыт ... Да вдобавок к этому кровосмешение в кастах ...

Никакой природы, техники, истории, искусства, науки, —

14 [204]

Нынче много рассуждают о семитском духе Нового Завета: но то, что так называют, — это всего-навсего иератизм; а в арийской книге законов чистейшей расы, у Ману, этот род «семитства», то есть жреческого духа, сквернее, чем где бы то ни было.

* * *

Развитие еврейского государства жрецов не представляет собою ничего оригинального: этот образец евреи нашли в Вавилоне — а образец-то арийский. Если потом то же самое, при определяющем влиянии германской крови, возобладало в Европе, то это отвечало духу господствующей породы: огромный атавизм. Немецкое средневековье было нацелено на восстановление арийского кастового порядка.

* * *

Магометанство, в свой черед, усвоило от христианства — использование «того света» в качестве карательного органа.

* *

Схема неизменного общества со жречеством во главе — древнейший великий культурный продукт Азии в области организации — должна была взывать к раздумью и подражанию.

Уже Платон: но еще раньше — египтяне.

14 [205]

Одно простить труднее всего: уважение человека к самому себе. Такое существо попросту отвратительно: ведь оно выставляет на обозрение то, в чем смысл терпимости — единственной добродетели всех и вся ...



Хотелось бы мне, чтобы люди начинали с самоуважения: все остальное проистекает из этого источника. Правда, как раз благодаря этому человек перестает существовать для других: ибо именно это они не прощают. — Как? Этот человек себя уважает?

Это нечто иное, нежели слепой порыв самолюбия: нет ничего обычнее — и в любви полов, и в той двойственности, которую называют «я», — чем презрение к предмету любви, чем фатализм в любви —

14 [206]

Против заразности невроза
Выбор мест, вещей, книг,
Алкоголизм
и музыка ...
выбирать климатический и метеорологический оптимум; то же относится и к кулинарии
Снижение числа впечатлений:
резервировать себе часы, когда не слышно голосов —
ни книг, ни дел, не говоря уже о людях ...
Часы для восстановления сил, генуэзский режим;
такие часы необходимы сегодня и самому здоровому:
часы голодной диеты —
Против вегетарианства:

14 [207]

Мы чандала: а наши художники и артисты — прежде всех …

14 [208]

Отчего все превращается в лицедейство?

нынешнему человеку не хватает:

верного инстинкта (следствие того, что человеческая порода долго практиковала все одну и ту же форму деятельности)

Неспособность к совершенству в труде — всего лишь следствие этого:— одиночке никогда не наверстать пропущенных уроков

14 [209]

Эпохи, правившие человеком посредством награды и наказания, имели в виду некую более низкую, еще первобытную породу людей: это как с детьми ...

В нашей поздней культуре эта фатальность поведения и вырождение совершенно упраздняют смысл награды и наказания ...

— такое подлинное направление деятельности посредством перспективы награды и наказания предполагает молодые, крепкие, сильные расы ...

у старых рас эти импульсы настолько неодолимы, что с ними не совладать одним только представлением ...

не уметь оказать сопротивление появившемуся раздражителю, а чувствовать себя вынужденным сдаться на его милость: эта чрезмерная возбудимость декадентов делает абсолютно бессмысленными всякие карательные и исправительные системы ...

* *

Понятие «исправления» предполагает человека нормального и крепкого, чей отдельный поступок должен быть как-то заглажен, — тогда он еще не потерян для общества, не делается его врагом ...

14 [210]

Всем видам декадентской морали свойственно рекомендовать такую практику, такой режим, которые ускоряют сам декаданс ...

— как в физиологическом, так и в психологическом смыслах инстинкт восстановления нарушенной целостности и регенерации больше не работает ...

— они полагают, будто есть такое спасение, такое избавление, которые сокрушают даже небытие, даже крайнее утомление;

— они выискивают во всех делах, состояниях и моментах однородное. Пример — братья Гонкур ...

14 [211]

Энергия здоровья сказывается у больных в резком неприятии всего болезнетворного ...

в инстинктивной реакции, к примеру, у меня — против музыки ...

14 [211]

14 [212]

Назначение женщины — продолжать семью, рожая и пестуя детей, назначение мужчины — зачинать их: этот двойной долг, в исполнении которого вместе участвуют мужчина и женщина, освящен Писанием.



Кого надо считать наиболее виновными? Убийцу брахмана, того, кто употребляет хмельное, того, кто соблазняет жену своего духовного учителя



После совершения предписанного искупления он должен осудить их на смерть или на иные телесные наказания. Тому, кто соблазнил жену своего духовного учителя, он должен поставить на лоб клеймо, изображающее женские срамные части, тому, кто употребляет хмельное, — изображение приспособления для перегонки, убийце брахмана — изображение тела без головы.

14 [213]

Подобный кодекс законов резюмирует опыт, благоразумие и экспериментальную мораль долгих столетий: он подводит итоги, он завершает эпоху, он больше ничего не созидает —

Способы придать авторитет какой-то доставшейся большим трудом и издержками истине в корне отличны от способов ее доказать. Книга законов никогда не доказывает пользу или вред какой-нибудь нормы: она только показывает, что если человек не считается с законом, то есть если он не проявляет послушания, то последствия для него будут скверные.

Никакие естественные скверные последствия нарушения закона никогда не рассматриваются в отношении этой их естественности: скверные последствия — это всегда сверхъестественное наказание за несоблюдение предписания.

Проблема вот в чем: в какой-то момент истории народа его наиболее интеллигентный слой объявляет окончательно подытоженным опыт, определяющий, как надо и как не надо жить. Его цель — собрать, ничего не потеряв, как можно более богатый урожай длительных периодов эксперимента и опыта неудач ...

То, от чего нынче нужно ограждать пуще всего, — возобновление экспериментов, стремление продолжать пробы и отбор: перед этим стремлением — двойная защитная стена: 1) откровение, 2) традиция. То и другое — священная ложь: интеллигентное сословие, что изобретает их, понимает это так же хорошо, как понимал Платон.

Откровение — это утверждение, гласящее, что мудрость тех самых законов найдена не людьми, искавшими ее долго и мучительно трудно, но что она зараз была открыта Божеством ...

Традиция: это утверждение, гласящее, что так уж повелось с древних пор. Этого довольно, чтобы подделать историю целого народа. (Пример — перетолкование евреями своей истории после изгнания: стремление неверно понимать свое прошлое.)

1) критиковать закон — это безбожно

2) это кощунственно, это преступление перед предками — это настраивает их против нас —

14 [214]

Жена, которая отвергает мужа за пристрастие к игре или к спиртному, вместо того чтобы ухаживать за ним, как за больным, должна быть заперта во внутренние покои на три месяца с запрещением любых нарядов и украшений (avis Джорджу Элиоту!)

14 [215]

Видоизменение естественных последствий поступка

уже нет никаких естественных последствий — просто

непослушание наказывается, а добродетель награждается.

счастье, долгая жизнь, потомство — все это следствия добродетели, возможные благодаря вечному порядку вещей.

нечистоплотность, к примеру, запретна не потому, что ее последствия вредят здоровью, а наоборот, она вредит здоровью потому, что запретна ...

* *

Итак, в общем и целом: естественные последствия поступка изображаются как награда или наказание — смотря по тому, что разрешено, а что запретно ...

вдобавок необходимо, чтобы большая часть наказаний была как раз не естественной, а сверхъестественной, потусторонней, отнесенной исключительно к будущему ...

* *

Итак, в общем и целом: любой ущерб, любая беда служат доказательством провинности — да даже любая низкая форма жизни (животные, к примеру).

Мир совершенен — но только если воздается должное закону. Всяческое несовершенство проистекает из несоблюдения закона.

* * *

Высшая каста, будучи совершенной, обязана воплощать собой и счастье: а потому нет ничего более неуместного, чем пессимизм и негодование ...

никакого гнева, никакого сопротивления злу —

аскеза — лишь средство достижения высшего блаженства, избавления от множественности

высший класс имеет счастье поддерживать существование остальных — ценою того, что ему приходится являть собою безусловное послушание, всяческую твердость, самопринуждение и строгость к себе: он хочет, чтобы на него смотрели как на самый почтенный сорт людей, даже как на самый изумительный, — стало быть, он имеет право наслаждаться не всяким видом счастья —

14 [216]

Критика закона.

Конечный смысл подобной процедуры — шаг за шагом оттеснить сознание от жизни, понятой в качестве правильной: таким путем можно добиться совершенного автоматизма инстинкта,

— то есть предпосылки всяческого мастерства

Действовать так-то и так-то — благочестиво, общепринято, это признак честного и благомыслящего человека, а в итоге:

происхождение, полезность и разумность предписаний вытесняются из сознания.

Важнейшее средство такого вытеснения — выход на передний план двух других, все и вся собою перекрывающих понятий: оба они исключают собственное размышление о происхождении закона и его критику ...

1) награда

2) наказание

«Любой, кто по царскому приказу принял наказание за проступок, попадет на небеса незапятнанным, столь же чистым, как и тот, кто творил лишь благое.»

Проявить тут абсолютное послушание — значит позаботиться о самосохранении высшего порядка, о том, что «одно только нужно» ... Не проявить тут послушания — значит заслужить клеймо величайшего безрассудства —

Тут в игру вступает эгоизм — ведь теперь послушание и непослушание противостоят друг другу как блаженство и величайшее самогубительство

Для этого вся жизнь смещается в перспективу потустороннего — и понимается теперь как чреватая последствиями в самом ужасающем смысле ...

— относительное бессмертие — это огромное увеличительное стекло, нужное для того, чтобы неслыханно усилить понятие наказания—награды.

Эти мудрецы в него не верят ... иначе они его и не изобрели бы ...

14 [217]

Каста, отказавшаяся от всяческих усилий по защите
и нападению, даже в мыслях, и педантично следующая по-
нятию «добра» ...

14 [218]

«Добрый человек» как плод декаданса, «покорный судьбе», понимающий губительность всякой вражды, всякой гневливости и желания отомстить, — слишком слабосильный для этого, слишком слабонервный для этого ...

«Добрый человек», обладавший силой, всей полнотой власти, тип господина, выбравший для себя жизнь, избавляющую его от необходимости иметь инстинкты нападения и защиты ...; передоверивший эти инстинкты собственной касте ... Вот такой теперь и творит себе «Бога» по своему подобию —

— для него и мир оправдан: у всего плохого есть некая педагогическая задача, а именно — наказание ...

14 [219]

Слабость воли: это метафора, способная ввести в заблуждение. Ведь никакой воли нет, а, стало быть, нет ни сильной, ни слабой воли. Множественность и дисгрегированность импульсов, отсутствие связывающей их воедино системы проявляется как «слабая воля»; их координированность с преобладанием одного из них проявляется как «сильная воля»; в первом случае — шатание и отсутствие центра тяжести, во втором — точность и ясность ориентации.

14 [220]

Религия жизнеутверждения.

Величайшее почтение перед актом зачатия и семьей:
ведь необходимо уплатить по счетам предков ...
Инстинкт традиции, глубочайшее презрение ко всему, что нарушало традицию ...
Инстинкт, направленный против вырождения ...
Вот чем надо бы заняться: всем тем, что суммировано как выродившееся.
Отягощенные пороком
Душевнобольные.
Тяжко больные проказой
Потаскухи.
Художники.

14 [221]

Кастовый строй зиждется на том наблюдении, что есть три или четыре сорта людей, предназначенных каждый к своего рода деятельности и проявляющих себя наилучшим образом, когда все они занимаются этой деятельностью вследствие разделения труда ...

Их существование, как и их деятельность, — это своего рода преимущественное право.

Иерархия каст — это всего-навсего санкционирование естественной дистанции между разными физиологическими типами (характерами, темпераментами и т.д.)

— она — всего-навсего санкционирование опыта, но не предшествует ему и тем более не упраздняет его ...

a)люди, более развитые умственно, (—ученые, знатоки, судьи, философы—)—сословие поучающих
b)мускулистые люди, военные — сословие защищающих
c)те, что заняты торговлей, земледелием и скотоводством, — сословие питающих
d)наконец, низкая (порабощенная) порода аборигенов, зачисленных в расу услужающих.

Исходная позиция тут везде — действительное и естественное размежевание. Понятие касты всего лишь санкционирует естественное размежевание.

Святость семьи, солидарность родов — предпосылка всей этой конструкции: следовательно, она целиком и полностью должна быть переведена в сферу потустороннего.

Необходимо иметь сына, ибо спасает только сын ... человек заключает брак, «чтобы погасить долги предков»

14 [222]

Современные пессимисты как декаденты:
Шопенгауэр
Леопарди Бодлер
Майнлендер
Достоевский
была сделана безвкусная попытка причислить Вагнера и Шопенгауэра к душевнобольным: а ведь на деле совершенной истиной было бы подчеркнуть ярко выраженный физиологический декаданс самого их типа ...

14 [223]

Евреи делают попытку добиться своего — после того, как у них исчезли две касты: солдат и землепашцев

В этом смысле они — «скопцы»

— у них есть жрец — и сразу после него чандала ...

Естественно, дело у них дошло до краха, до восстания чандалы: таково происхождение христианства.

А поскольку воина они знали только как своего хозяина, то и в свою религию они внесли враждебность ко всему лучшему, к благородству, к гордости, к власти, к господствующим сословиям: евреи — негодующие пессимисты ...

Тем самым они создали новый исходный расклад: жрец, возглавляющий чандалу, —

в пику благородным сословиям ...

Христианство только довело этот процесс до логического конца: даже в иудейском жречестве оно учуяло касту привилегированных, знатных —

и выкинуло жреца вон —

Христианин — чандала, отвергающий жреца ... Чандала, спасающий себя сам ...

Вот потому-то французская революция — дочь и продолжательница христианства ... У нее инстинкт неприятия церкви, знати, малейших привилегий — —

14 [224]

Нельзя путать эти вещи: шудры, раса услужающих —

это, вероятно, низший сорт народа, издревле обитавшего на той земле, на которой обосновались эти арийцы ...

А вот понятие чандалы означает выродков из всех каст: тех, что непрестанно пополняют свалку отбросов и в свою очередь размножаются, вступая в браки между собою.

Против них-то и обращен инстинкт здоровья расы. Проявлять в их отношении жесткость — значит «быть здоровым»: это отвращение к вырождению, отливающееся в великое множество моральных и религиозных формул ...

Нет ничего более поучительного, чем составные части этого отребья как типа (тонкие и глубокие мудрецы древности знали то, чего другие не узнали — не знают и по сей день!!)

: что порок
болезнь
безумие
чрезмерная нервозность
суть симптомы физиологического декаданса.
 

свойственная людям
известных душевных задатков

  

К декадентам они причисляли и художников ...

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Положим, отпали причины выдвигать эти самые метафизические гипотезы, положим, больше нет желания управлять, воспитывать, поддерживать существование своего типа как высшего и первого,

положим, вещи разумеются в духе чандалы: тогда, вероятно, вновь будет собрана вся цепь опыта и выводов, которая древним служила предпосылкой их гипотез. Я имею в виду, что будет найдена «истина» — но как раз в разрушении всякого авторитета, всякого уважения ко всему традиционному, всех моральных предрассудков — и в этой работе мы израсходуем весь остаток унаследованной нами моральности ...

тот облик, в каком нынче предстает наука, — это точный градусник, измеряющий упадок моральной и религиозной веры: исчерпав нашу «мудрость», мы разрушаемся, — ведь на познание мы израсходовали все позитивные силы ... Ибо знание само по себе бессильно — а что касается «эгоизма», так в эту эпоху декаданса мы вовсе не уверены в том, что желаем для себя выгоды: импульсы чересчур сильны, чтобы польза оставалась руководящей точкой зрения. — Альтруизм, соучастие в жизни и чувствах другого всеми видами эмоций и состояний в таком случае — это еще одна болезнь-исполин: это совесть чандалы, слабость, связанная с наслаждением ...

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то, что создает мораль, кодекс законов, — это глубоко инстинктивное ощущение того, что совершенство в жизни и творчестве делается возможным только при условии автоматизма ...

А мы нынче добрались до противоположной позиции, мы даже стремились до нее добраться — до крайней степени сознательности, самопонимания человека и истории ...

— тем самым мы на практике оказались дальше всего от совершенства в жизни, поступках, воле: наши желания, само наше стремление к познанию — симптом чудовищного декаданса ... Мы стремимся достичь противоположности того, чего хотят добиться сильные расы, сильные люди.

— понимание — это конец ...

То, что наука возможна в том смысле, в каком она существует сегодня, доказывает, что все стихийные инстинкты жизни, инстинкты самообороны, защиты — больше не работают.

мы больше не копим — мы растрачиваем капиталы предков, даже в способе, каким мы познаем

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Слово «пессимизм», произвольное и в любом смысле случайное, — злоупотребление, распространяющееся, словно зараза: оно проходит мимо жизненно важной для нас проблемы — проблемы, какую являем собой мы сами —

речь не о том, кто прав, — спрашивается, не принадлежим ли мы к обреченным, к плодам упадка ... В таком случае мы судим нигилистически.

Оказались противостоящими два образа мыслей — так, словно им предстоит сражаться за истину, меж тем как оба — лишь симптомы определенных состояний, меж тем как их борьба доказывает наличие кардинальной жизненной проблемы, а вовсе не проблемы для философов. Кто мы такие? — суть ли мы —

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