10, 1[1-112] Juli-August 1882
1 [1]
“solitudo continuata dulcescit.” Madonna del Sasso. (Locarno)
1 [2]
Widerlegung der Moral? —
Die Moral ist die Sache jener, welche sich von ihr nicht frei machen können: für sie gehört sie eben deshalb unter die “Existenz-Bedingungen.” Existenz-Bedingungen kann man nicht widerlegen: man kann sie nur—nicht haben!
1 [3]
Grundsätze.
Der letzte physikalische Zustand der Kraft, den wir erschließen, muß auch nothwendig der erste sein.
Die Auflösung der Kraft in latente Kraft muß die Ursache der Entstehung der lebendigsten Kraft sein. Dem einen Zustand der Negation muß der Zustand der höchsten Position folgen.
Raum ist wie Materie eine subjektive Form. Zeit nicht.
Raum ist erst durch die Annahme leeren Raumes entstanden. Den giebt es nicht. Alles ist Kraft.
Bewegtes und Bewegendes können wir nicht zusammen denken, aber das macht Materie und Raum. Wir isoliren.
Die Entwicklung eines Dinges erlaubt Rückschlüsse auf die Entstehung des Dings.
Alle Entwicklung ist eine Entstehung.
Materie, Stoff ist eine subjektive Form.
Wir können uns Nichts anders als stofflich denken. Auch Gedanken und Abstrakta bekommen von uns eine sehr verfeinerte Stoff lichkeit, die wir vielleicht ableugnen: nichts destoweniger haben sie eine solche. Wir haben uns daran gewöhnt, diese feine Stofflichkeit zu übersehn und vom “Immateriellen” zu reden. Ganz wie wir todt und lebendig, logisch und unlogisch usw. getrennt haben. Unsere Gegensätze verlernen—ist die Aufgabe.
1 [4]
Auch die Begriffe sind entstanden. Woher?— Hier giebt es Übergänge.
1 [5]
Personen, die man zu einem Unternehmen benutzt hat, welches mißrathen ist, soll man doppelt belohnen.
1 [6]
Willst du lange jung bleiben, werde spät jung.
“Wer in seinem Urtheile über Andere zu streng ist, den halte ich für schlecht”—sage ich mit Demosthenes.
1 [7]
“Suaviter in re, fortiter in me.”
1 [8]
Glaube aller Wieder-Erstandenen.— Wer früh einmal gestorben ist, stirbt lange nicht zum zweiten Male.
1 [9]
Leben nach dem Tode.— Wer Gründe hat, an sein “Leben nach dem Tode” zu glauben, muß seinen “Tod” während seines Lebens ertragen lernen.
1 [10]
Spät jung.— Spät jung erhält lang jung.
1 [11]
Das Ideal.— Das Auge sieht Alles außer sich: und so sehen wir auch unser Ideal immer noch vor uns, wenn wir es auch schon erreicht haben!
1 [12]
Begriff und Gefühl “edel” hat eine andere Vorgeschichte als Begriff und Gefühl “gut.”
1 [13]
Vademecum. Vadetecum
Von F. Nietzsche
Erste Gesammtausgabe
Inhalt:
Menschliches Allzumenschliches. Mit Anhang
Der Wanderer und sein Schatten
Morgenröthe
Die fröhliche Wissenschaft.
1 [14]
Die Pflugschar.
Ein Werkzeug zur Befreiung
des Geistes.
Erste Gesammt-Ausgabe.
in 2 Bänden
Inhalt:
Menschliches Allzumenschliches. Mit Anhang:
Vermischte Meinungen und Sprüche.
Der Wanderer und sein Schatten.
Morgenröthe. Gedanken über die moralischen Vorurtheile.
Die fröhliche Wissenschaft.
1 [15]
An
Freundin!— sprach Columbus—traue
Keinem Genueser mehr!
Immer starrt er in das Blaue,
Fernstes lockt ihn allzusehr!
Muth! Auf offnem Meer bin ich,
Hinter mir liegt Genua.
Und mit dir im Bund gewinn ich
Goldland und Amerika.
Stehen fest wir auf den Füßen!
Nimmer können wir zurück.
Schau hinaus: von fernher grüßen
Uns Ein Tod, Ein Ruhm, Ein Glück!
1 [16]
über vornehmliche oder ausschließliche Pflanzenkost
Menschen der heftigen Affekte, ehrgeizige gehässige wollüstige Menschen mögen in der Tat sich die Frage stellen, ob für sie nicht auch wenig Fleisch schon zu viel ist, obschon mir viel wichtiger als die Frage, was sie essen sollen, jene andere Frage gilt: wieviel, das heißt hier: wie wenig.
1 [17]
Wie Freund sich reißt von Freundesbrust.
Wohlan! Noch hast du deine Pein!
1 [18]
Was liegt an meinem Buche, wenn es nicht aushält, wenigstens sub specie trecentorum annorum betrachtet zu werden?
1 [19]
Freigeister.
Stil.
Moralisch und organisch.
Selbstsucht und Nächstensucht.
Heroismus.
Die Wirkung des Gedankens an die Zukunft der Welt.
Gott und Teufel.
1 [20]
Zur Moral des “Ich.”
Die Schwierigkeit, sich verständlich zu machen. An Viele ist es unmöglich.
Jede Handlung wird mißverstanden. Und man muß, um nicht fortwährend gekreuzt zu werden, seine Maske haben. Auch um zu verführen ...
Lieber mit solchen umgehen, die bewußt lügen, weil nur sie auch mit Bewußtsein wahr sein können. Die gewöhnliche Wahrhaftigkeit ist eine Maske ohne Bewußtsein der Maske.
Das “Ich” unterjocht und tödtet: es arbeitet wie eine organische Zelle: es raubt und ist gewaltthätig. Es will sich regeneriren—Schwangerschaft. Es will seinen Gott gebären und alle Menschheit ihm zu Füßen sehen.
Die befreiten Ich’s kämpfen um die Herrschaft.
1 [21]
Dies ist kein Buch: was liegt an Büchern!
Was liegt an Särgen und Leichentüchern!
Dies ist ein Wille, dies ist ein Versprechen,
Dies ist ein letztes Brücken-Zerbrechen,
Dies ist ein Meerwind, ein Ankerlichten,
Ein Räderbrausen, ein Steuer-Richten,
Es brüllt die Kanone, weiß dampft ihr Feuer,
Es lacht das Meer, das Ungeheuer —
1 [22]
mit schönen Worten nennen, nachdem die Selbstsucht böse sein soll
1 [23]
daß die semitische Rasse zur indoeuropäischen gehört, glaube ich G. I. Ascoli und E. Rénan.
1 [24]
Das Leben eines heroischen Menschen enthält die abgekürzte Geschichte mehrerer Geschlechter in Bezug auf Vergottung des Teufels. Er macht den Zustand des Ketzers, der Hexe, des Wahrsagers, des Skeptikers, des Schwachen, des Gläubigen und überwältigten durch.
1 [25]
Wer selber den Willen zum Leiden hat, steht anders zur Grausamkeit; indem er wehethut, hält er das Wehethun nicht an und für sich für schädlich und schlecht.
1 [26]
“Jesus sah Jemanden am Sabbat arbeiten und sagte zu ihm: wenn du weißt, was du thust, so bist du selig; wenn du’s aber nicht weißt, so bist du verflucht und ein Übertreter des Gesetzes.”
Lucas, 6,4. alte Hdschr.
1 [27]
Die vorhandene Welt von Kräften leitet zurück auf einen einfachsten Zustand dieser Kräfte: und ebenso vorwärts auf einen einfachsten Zustand,—könnten und müßten beide Zustände nicht identisch sein? Aus einem System bestimmter Kräfte, also aus einer meßbar sicheren Kraft kann sich keine Unzähligkeit der Zustände ergeben. Nur bei der falschen Annahme eines unendlichen Raums, in welchen sich die Kraft gleichsam verflüchtigt, ist der letzte Zustand ein unproduktiver, todter. Der einfachste Zustand ist zugleich - und +
1 [28]
Stellen wir uns auf den strengsten Standpunkt der Moralität, z. B. der Ehrlichkeit so ist schon der Verkehr mit den Dingen, alle die Glaubensartikel unseres gewöhnlichen Handelns unmoralisch (z. B. daß es Körper gebe.
Insgleichen, daß Mensch = Mensch sei zu glauben, an Stelle der Atomistik der Individuen.
Alles wird so zur Unredlichkeit. Und gesetzt, wir erkennen, das Leben ist Unredlichkeit, also Unmoralität—so ist das Leben zu verneinen.
Ebenso die unbedingte Gerechtigkeit bringt zur Einsicht, daß Leben wesentlich ungerecht ist.
Consequenz der äußersten Moralität der Erkenntniß: Verlangen nach Vernichtung.
Aber nun kommt erlösend die Kritik der Moral und Moralität: sie bringt sich selber um.
Also: das Leben ist nicht zu verneinen, denn die Moral steht nicht über ihm, sie ist todt. Der Exceß der Moral hat ihren Gegensatz, das Böse, als nothwendig und nützlich bewiesen, und als Quelle des Guten.
Haben wir damit das Gute aufzugeben ? Nein, gerade nicht! Denn unsere Redlichkeit braucht nicht mehr so streng zu sein. Thatsächlich sind es die Guten nicht.
1 [29]
Das Bedürfniß des Gemüthes ist nicht zu verwechseln mit dem Bedürfniß nach Gemüth: das einige sehr kalte Personen haben.
1 [30]
Der Hund bezahlt Wohlwollen mit Unterwerfung. Die Katze genießt sich selber dabei und hat ein wollüstiges Kraftgefühl: sie giebt nicht zurück.
1 [31]
Zur Erklärung der sogenannten “Spiritistischen Erscheinungen.” Ein Theil der intellektuellen Funktionen des Mediums verlaufen ihm unbewußt: sein Zustand ist darin hypnotisch (Trennung eines wachen und schlafenden Intellekts) Auf diesen unbewußten Theil concentrirt sich die Nervenkraft.— Es muß zwischen den durch die Hände verbundenen Personen eine elektrische Leitung nach dem Medium zu stattfinden, vermöge dessen Gedanken einer jeden Person in das Medium übergehen. Eine solche Leitung von Gedanken ist nicht wunderbarer als die Leitung vom Gehirne zum Fuße, im Fall eines Stolperns, innerhalb Eines Menschen. Die Fragen werden durch die lntellektualität der betheiligten Personen beantwortet: wobei das Gedächtniß oft etwas leistet und bietet, was für gewöhnlich vergessen scheint. Folge der nervösen Emotion.— Es giebt kein Vergessen.— Auch unbewußter Betrug ist möglich: ich meine, ein betrügerisches Medium fungirt mit allerlei betrügerischen Manipulationen, ohne darum zu wissen: seine Art Moralität äußert sich instinktiv in diesen Handlungen.— Zuletzt geht es immer so zu, bei allen unseren Handlungen. Das Wesentliche verläuft uns unbewußt, und der Schelm ist sich unbewußt hundertmal mehr und häufiger Schelm als bewußt.
Elektricitäts-Erscheinungen, kalte Ströme, Funken sind möglich dabei. Gefühle Angefaßt-werden können die Sache der Täuschung sein, Hallucinationen der Sinne: wobei möglich ist, daß es für mehrere Personen Hallucinat-Einheit giebt. (Wie bei den alten orgiastischen Culten)
Der Glaube an die Wiederbegegnung mit Todten ist die Voraussetzung des Spiritismus. Es ist eine Art Freigeisterei. Wirkliche Fromme haben diesen Glauben nicht nöthig. (Buckle über Unsterblichkeit)
1 [32]
Advocatus diaboli
Neue Vorstellungen von Gott und Teufel. Die unbedingte Erkenntniß ist ein Wahnsinn der Tugend-Periode; an ihr gienge das Leben zu Grunde. Wir müssen die Lüge, den Wahn und Glauben, die Ungerechtigkeit heiligen. Wir müssen uns von der Moral befreien, um moralisch leben zu können. Meine freie Willkür, mein selbstgeschaffenes Ideal will diese und jene Tugend von mir d. h. den Untergang in Folge der Tugend. Das ist Heroismus.
1 [33]
Das National-Princip wird die Muhamedaner die Inder entfesseln.
1 [34]
Was macht denn z. B. die Prostitution so schädlich, schleichend, ihrer selber unsicher? Nicht “das Böse an sich” in ihr, sondern die schlechte Meinung, mit der sie behandelt wird. Dies gegen die Statistiker. Man sollte den Guten nachrechnen, daß die gröbere und feinere Nachwirkung ihrer Urtheile das innere und äußere Elend der Menschen ausmacht. Und dann nehmen sie dieses Elend als Beweis dafür, daß sie Recht haben, als Beweis der Natur und Kraft! Das schlechte Gewissen vergiftet die Gesundheit.
Die Ehe als die erlaubte Form der Geschlechtsbefriedigung.
Der Krieg als die erlaubte Form des Nachbar-Mordes.
Die Schule als die erlaubte Form der Erziehung.
Justiz als die erlaubte Form der Rache.
Religion als die erlaubte Form des Erkenntnißtriebes.
Die Guten als die Pharisäer, die Bösen mit schlechtem Gewissen und unterdrückt lebend. Was ist denn Ausschweifung aller Art mehr als die Consequenz der Unbefriedigung so Vieler an den erlaubten Formen? Was ist das meiste Verbrecherthum anders als Unvermögen oder Unlust zur Heuchelei der “Guten”? Mangel an Erziehung der starken Triebe? Es giebt dafür nur Gegner und Verächter.
1 [35]
Vom Glück des Pharisäers.
Seine Selbst-Überwindung. Die Herstellung des “sittlichen” Handelns unter allen Umständen und die Einübung, sich fortwährend solche Motive allein im Bewußtsein zu erhalten und die wirklichen Motive falsch (nämlich sittlich) zu benennen.
Es ist die uralte Übung innerhalb der Heerde: die eigentliche Unredlichkeit, bei sich nur die erlaubten Urtheile und Empfindungen zu sehen. Diese allen Guten gemeinsame Übung bringt die Uniformität der gemeinsamen Handlungen hervor: es giebt ihnen ihre ungeheure Kraft, an so wenige Motive bei sich und dem Nächsten zu glauben, und nur an gute.
Der Pharisäer ist der Urtypus des erhaltenden Menschen, immer nöthig.
| Gegensatz: |
| die starken Bösen und die schwachen Bösen, die sich so fühlen. |
Aus ihnen entsteht mitunter der Sich-selber-Gute, der zum Gott gewordene Teufel.
1 [36]
Leiden verringern und sich selber dem Leiden (d.h. dem Leben) entziehen—das sei moralisch?
Leiden schaffen—sich selber und Anderen—um sie zum höchsten Leben, dem des Siegers zu befähigen—wäre mein Ziel.
1 [37]
Es ist ekelhaft, große Menschen durch Pharisäer verehrt zu sehen. Gegen diese Sentimentalität.
1 [38]
Auch das Rückwärts-gehen und Verfallen, beim Einzelnen und bei der Menschheit, muß seine Ideale erzeugen: und immer wird man glauben, fortzuschreiten. Das Ideal “Affe” könnte irgendwann einmal vor der Menschheit stehen—als Ziel.
1 [39]
Meine Virtuosität: das zu ertragen, was mir unangenehm ist, ihm gerecht zu sein, ja artig dagegen—Mensch und Erkenntniß. Darin bin ich am besten geübt.
1 [40]
Ich habe eine Neigung, mich bestehlen, ausbeuten zu lassen. Aber als ich merkte, daß alles darauf aus war, mich zu täuschen, gerieth ich in den Egoismus.
1 [41]
Aus der vollendeten alten Moralität heraus verlangte mich nach der Selbstsucht.
1 [42]
Warum liebe ich die Freigeisterei? Als letzte Consequenz der bisherigen Moralität. Gerecht sein gegen Alles, über Neigung und Abneigung hinweg, sich selber in die Reihe der Dinge einordnen, über sich sein, die Überwindung und der Muth nicht nur gegen das Persönlich-Feindliche, Peinliche, auch in Hinsicht auf das Böse in den Dingen, Redlichkeit, selbst als Gegnerin des Idealismus und der Frömmigkeit, ja der Leidenschaft, sogar in Bezug auf die Redlichkeit selber; liebevolle Gesinnung gegen Alles und Jedes und guter Wille, seinen Werth zu entdecken, seine Berechtigung, seine Nothwendigkeit. Auf Handeln verzichten (Quietismus) aus Unvermögen zu sagen: “es soll anders sein”—in Gott ruhen, gleichsam in einem werdenden Gotte.
Als Mittel dieser Freigeisterei erkannte ich die Selbstsucht als nothwendig, um nicht in die Dinge hinein verschlungen zu werden: als Band und Rückhalt. Jene Vollendung der Moralität ist nur möglich in einem Ich: insofern es sich lebendig, gestaltend, begehrend, schaffend verhält, und in jedem Augenblick dem Versinken in die Dinge widerstrebt, erhält es sich seine Kraft, immer mehr Dinge in sich aufzunehmen und in sich versinken zu machen. Die Freigeisterei ist also im Verhältniß zum Selbst und zur Selbstsucht ein Werden, ein Kampf zweier Gegensätze, nichts Fertiges, Vollkommenes, kein Zustand: es ist die Einsicht der Moralität, nur vermöge ihres Gegentheils sich in der Existenz und Entwicklung zu erhalten.
1 [43]
| 1. | Unzufriedenheit mit uns selber. Gegenmittel gegen die Reue. Die Verwandlung der Temperamente (z. B. durch die Anorganica). Der gute Wille zu dieser Unzufriedenheit. Seinen Durst abwarten und voll werden lassen, um seine Quelle zu entdecken. | |
| 2. | Der Tod umzugestalten als Mittel des Sieges und Triumphes. | |
| 3. | Die Geschlechtsliebe, als das Mittel zum Ideal (Streben in seinem Gegensatz unterzugehen.) Liebe zur leidenden Gottheit. | |
| 4. | Die Krankheit, Verhalten zu ihr, Freiheit zum Tode. | |
| 5. | Die Fortpflanzung als die heiligste Angelegenheit. Schwangerschaft, Schaffung des Weibes und des Mannes, welche im Kinde ihre Einheit genießen wollen und ein Denkmal daran stiften. | |
| 6. | Mitleiden als Gefahr. Die Gelegenheiten schaffen, damit jeder sich selber helfen könne und es ihm freistehe, ob geholfen werden solle. | |
| 7. | Die Erziehung zum Bösen, zum eigenen “Teufel.” | |
| 8. | Der innere Krieg, als “Entwicklung.” | |
| 9. | “Arterhaltung” und der Gedanke der ewigen Wiederkunft. | |
| 10. | In wiefern jeder geschaffene Gott sich wieder einen Teufel schafft. Und das ist nicht der, aus dem er entstanden ist. (Es ist das benachbarte Ideal, mit dem er kämpfen muß) |
1 [44]
Staat hat seine Moral dem I einverleibt.
Willkür vielleicht der gelobteste Name einmal für Moral
1 [45]
Stil
Das Erste, was noth thut, ist Leben: der Stil soll leben.
Der Stil soll jedes Mal dir angemessen sein in Hinsicht auf eine ganz bestimmte Person, der du dich mittheilen willst.
Man muß erst genau wissen: “so und so würde ich dies sprechen und vortragen”—bevor man schreiben darf. Schreiben soll nur eine Nachahmung sein.
Weil dem Schreibenden viele Mittel des Vortragenden fehlen, so muß er im Allgemeinen eine sehr ausdrucksreiche Art von Vortrag zum Vorbilde haben: das Abbild davon, das Geschriebene wird nothwendig schon viel blässer (und dir natürlicher) ausfallen.
Der Reichthum an Leben verräth sich durch Reichthum an Gebärden. Man muß Alles, Länge Kürze der Sätze, die Interpunktionen, die Wahl der Worte, die Pausen, die Reihenfolge der Argumente—als Gebärden empfinden lernen.
Vorsicht gegen die Periode! Zur Periode haben nur die Menschen ein Recht, die einen langen Athem auch im Sprechen haben. Für die Meisten ist die Periode eine Affektation.
Der Stil soll beweisen, daß man an seine Gedanken glaubt, und sie nicht nur denkt, sondern empfindet.
Je abstrakter die Wahrheit ist, die man lehren will, um so mehr muß man erst die Sinne zu ihr verführen.
Der Takt des guten Prosaikers besteht darin, dicht an die Poesie heranzutreten, aber niemals zu ihr überzutreten. Ohne das feinste Gefühl und Vermögen im Poetischen selber kann man diesen Takt nicht haben.
Es ist nicht artig und klug, seinem Leser die leichteren Einwände vorwegzunehmen. Es ist sehr artig und klug, seinem Leser es übrig zu lassen, die Quintessenz unserer Weisheit selber auszusprechen.
1 [46]
G. Sand, Brief von 1868 an Maxime Du Camp.
“Faites un mariage d’amitié pour avoir des enfants. L’amour ne procrée guère. Quand vous verrez devant vous un être, que vous aimerez plus que vous-mêmes, vous serez heureux. Mais ce n’est pas la femme que l’on peut aimer plus que soi-même, c’est l’enfant, c’est l’être innocent, c’est le type divin, qui disparaît plus ou moins en grandissant, mais qui, durant quelques années, nous ramène à la possession d’un idéal sur la terre.”
1 [47]
Der Mann hat im. Hintergrunde aller seiner Empfindungen für ein Weib immer noch die Verachtung für das weibliche Geschlecht.
1 [48]
Gegen die moralische Empörung.
Dieselbe Grausamkeit wie in Religionskriegen. “Die Verachtung des Mitmenschen” als Gegenstand von Christi Entrüstung (er wurde gegen die Pharisäer ungerecht).
(Das Böse muß erhalten bleiben!)
1 [49]
Wer das Ideal eines Menschen geschaut hat, empfindet den wirklichen Menschen als dessen Carikatur.
1 [50]
| 1. | Die weibliche Beurtheilung der Affekte. — der einzelnen Tugenden und Laster von Mann und Weib. Weib und Arbeit Weib und Staat Weib und Ruhm. | |
| 2. | Das weibliche Urtheil und der Glaube des Weibes in Betreff seines Urtheils. | |
| 3. | Die verhehlte Wirklichkeit und | |
| 4. | Die Unwirklichkeit, welcher ein Weib sich verpflichtet fühlt, als wahr zu behaupten. | |
| 5. | Die Verführung der Anderen zur guten Meinung über uns, und das Sich-Beugen vor dieser Meinung als einer Autorität. | |
| 6. | Tempo der weiblichen Affekte. | |
| 7. | Schwangerschaft als der Cardinalzustand, welcher allmählich das Wesen des Weibes überhaupt gestaltet hat. Relation aller weiblichen Denk- und Handlungsweisen dazu. | |
| 8. | Die Pflege der Kinder theils zurückbildend—theils allzu sehr entkindlichend. Weiblicher Rationalismus. | |
| 9. | Verschiedenheit der weiblichen und männlichen Herrschsucht. | |
| 10. | Das weibliche Gefühl der Vollkommenheit—im Gehorchen. | |
| 11. | Was als unweiblich empfunden wird. Geschichte. | |
| 12. | Verneinen zerstören hassen sich rächen: warum das Weib darin barbarischer ist als der Mann. | |
| 13. | Sinnlichkeit von Mann und Frau verschieden. |
1 [51]
Zur Wieder-Entstehung der Welt.
Aus zwei Negationen entsteht eine Position, wenn die Negationen Kräfte sind. (Es entsteht Dunkel aus Licht gegen Licht, Kälte aus Wärme gegen Wärme usw.)
1 [52]
Wirf deine Worte deinen Thaten voraus: verpflichte dich selber durch die Scham vor gebrochnen Worten.
1 [53]
Nur der Unbeugsame darf von sich selber schweigen.
1 [54]
Wir sind gegen Andere aufrichtiger als gegen uns selber.
1 [55]
In Bezug auf alle Wahrheit geht es uns wie in Hinsicht auf den inneren Leib.
1 [56]
Ursprünglich war die Lüge moralisch. Man gab die Meinungen der Heerde vor.
1 [57]
Um sich gut zu unterhalten, sucht der Eine einen Geburtshelfer für seine Gedanken, und der Andere einen, dem er helfen kann.
1 [58]
Bei jedem Gespräch zu dreien ist einer überflüssig und verhindert damit die Tiefe des Gesprächs.
1 [59]
Wer uns nicht produktiv macht, wird uns sicher gleichgültig. Wen wir produktiv machen, den lieben wir deshalb noch nicht.
1 [60]
Wie die Guten sich die großen Menschen imagin. Gegen ihre Sentimentalität.
1 [61]
Ideal bilden, d.h. seinen Teufel zu seinem Gotte umschaffen. Und dazu muß man erst seinen Teufel geschaffen haben.
1 [62]
Alles Gute ist aus einem Bösen geworden.
1 [63]
Wer nach Größe strebt, hat Gründe in der Quantität seine Vollendung und Befriedigung zu haben. Die Menschen der Qualität streben nach Kleinheit.
1 [64]
Der Zustand der absoluten Erkaltung in Bezug auf alle bisher geglaubten Werthe ist vorhergehend dem der Erhitzung.
1 [65]
Ich bin der advocatus diaboli und der Ankläger Gottes.
1 [66]
Der Mensch ist eine zu unvollkommene Sache. Liebe zu einem Menschen würde mich zerstören.
1 [67]
Grausamkeit in dem Genuß am Mitleiden. Das Mitleiden ist am stärksten, je tiefer wir den Anderen kennen und lieben. Folglich wird der Liebende, welcher gegen den, welchen er liebt, grausam ist, am meisten Genuß von der Grausamkeit haben. Gesetzt, wir lieben uns selber am meisten, so wäre der höchste Genuß des Mitleidens die Grausamkeit gegen uns. Heroisch = das ist das Streben nach dem absoluten Untergange in seinen Gegensatz, die Umschaffung des Teufels in Gott: das ist dieser Grad von Grausamkeit.
1 [68]
Die Existenz-Bedingungen eines Wesens, sobald sie sich als ein “Soll ” repräsentiren, sind seine Moral.
1 [69]
Wie der Teufel zu Gott wird.
1 [70]
Zur Philosophie der Wiederkunft.
über heroische Größe als einzigen Zustand der Vorbereitenden.
(Streben nach dem absoluten Untergange, als Mittel, sich zu ertragen.)
Funktion-Werden-Wollen: weibliches Ideal der Liebe. Das männliche Ideal ist Assimilation und Überwältigung oder Mitleid (Anbetung des leidenden Gottes).
absolute Gleichgültigkeit über die Meinungen Anderer (weil wir ihre Maaße und Gewichte kennen): aber als Meinung über sich selber Gegenstand des Mitleidens.
Wir dürfen nicht Einen Zustand wollen, sondern müssen periodische Wesen werden wollen = gleich dem Dasein.
ich habe den ganzen Gegensatz einer religiösen Natur absichtlich ausgelebt. Ich kenne den Teufel und seine Perspektiven für Gott.
“Gut” und “Böse” als Lust- und Unlustempfindungen. Unentbehrlich. Aber für Jeden sein Böses.
Wer nicht den Weg zu seinem Ideale findet, lebt leichtsinniger und frecher als der, welcher gar kein Ideal hat.
Dem Weh thun, den wir lieben—ist die eigentliche Teufelei. In Bezug auf uns selber ist es der Zustand des heroischen Menschen—die höchste Vergewaltigung. Das Streben in den Gegensatz gehört hierzu.
1 [71]
“Idealist” als Gegensatz des redlichen und furchtlosen Erkennenden. Die Urtheile des Idealisten machen mir Ekel, sie sind ganz unbrauchbar.
1 [72]
Freude am Schaden des Anderen ist etwas Anderes als Grausamkeit, letztere ist Genuß im Mitleiden, und hat ihre Höhe, wenn das Mitleiden am höchsten ist (dann, wenn wir den lieben, den wir foltern).
Wenn ein Anderer dem, welchen wir lieben, das Wehe zufügte, dann würden wir rasend vor Wuth, das Mitleid wäre ganz schmerzhaft. Aber wir lieben ihn: und wir thun ihm wehe. Dadurch wird das Mitleid ein ungeheurer Reiz: es ist der Widerspruch zweier entgegengesetzter starker Triebe, der hier als höchster Reiz wirkt.
Selbstverstümmelung und Wollust neben einander ist das Gleiche. Oder hellstes Bewußtsein und Bleischwere und Unbeweglichkeit nach Opium.
1 [73]
Allgemeine Frage: wie wirken widersprechende Empfindungen, also eine Zweiheit? Wie verwandte, als Zweiheit? (Abschwächend?)
Die höchste Liebe zum Ich, wenn sie als Heroismus sich äußert, hat Lust zum Selbst-Untergange neben sich, also Grausamkeit, Selbst-Vergewaltigung.
Die, welche die Menschheit liebten, thaten ihr am wehesten.
Die unbedingte Hingebung und das Gerneleiden vom Geliebten, die Begierde mißhandelt zu werden. Hingebung wird zum Trotz gegen sich.
Andererseits der Liebgehabte, welcher das Liebende quält, sein Machtgefühl genießt, und um so mehr, als er sich selber dabei tyrannisirt: es ist eine doppelte Ausübung von Macht. Machtwille wird hier zum Trotz gegen sich.
1 [74]
Der Freigeist als der religiöseste Mensch, den es jetzt giebt.
1 [75]
Gott hat Gott getödtet.
1 [76]
Die Moral starb an der Moralität.
1 [77]
Der gläubige Mensch ist der Gegensatz des religiösen Menschen.
1 [78]
Voraussetzung der Zeugung sollte der Wille sein, ein Abbild und Fortleben der geliebten Person haben zu wollen: und ein Denkmal der Einheit mit ihr, ja eine Vollendung des Triebes nach Einheit, durch ein neues Wesen.— Sache der Leidenschaft und nicht der Sympathie.
1 [79]
Die hohe und ehrliche Form des Geschlechtsverkehrs, die der Leidenschaft, hat jetzt noch das böse Gewissen bei sich. Und die gemeinste und unredlichste das gute Gewissen.
1 [80]
Die Verworrenheit der Mittel, die Ehe aufrecht zu erhalten: das Weib glaubt, prädestinirt nur für diese zu sein. In Wahrheit ist Alles gemeiner Zufall, und hundert andere Männer thäten ihr ebenso gut. Sie will gehorchen: sie arbeitet für den Mann und denkt und sagt: “was habe ich alles für dich gethan!” aber es war nicht für “dich,” sondern für irgend einen, der ihren Trieben in den Wurf kam.— Der Beruf und die tägliche Arbeit trennt die Gatten und hält so die Erträglichkeit aufrecht.— Weil die Männer und Frauen früher nicht erfahren haben, was eigentlich Freundschaft ist, so sind sie auch nicht enttäuscht über den Verkehr: weder die Liebe, noch die Freundschaft ist ihnen bekannt. Die Ehe ist auf verkümmerte Halbmenschen eingerichtet.
1 [81]
Eitel—beleidigt
vorsichtig—in Acht nehmen
unmoralisch—verachten.
1 [82]
Er tödtet, wenn er sonst nicht leben kann.
Er raubt, wenn er einen Gegenstand nöthig hat oder einen Menschen (Ehe).
Er lügt, wenn er verborgen bleiben will um seines Zieles willen.
1 [83]
Mittag und Ewigkeit
Entwurf einer heroischen Philosophie.
1 [84]
Menschen, die nach Größe streben, sind gewöhnlich böse Menschen: es ist ihre einzige Art, sich zu ertragen.
1 [85]
Wie lange (wie viel Jahrhunderte) dauert es, bis eine Größe den Menschen als Größe sichtbar wird und leuchtet—ist mein Maaßstab der Größe. Bisher sind wahrscheinlich alle die Größten gerade verborgen geblieben.
1 [86]
Wer das Große nicht mehr in Gott findet, findet es überhaupt nicht vor und muß es leugnen oder—schaffen—schaffen helfen.
1 [87]
Die ungeheure Erwartung in Betreff der Geschlechtsliebe verdirbt den Frauen das Auge für alle weiteren Perspektiven.
1 [88]
Heroismus—das ist die Gesinnung eines Menschen der ein Ziel erstrebt, gegen welches berechnet er gar nicht mehr in Betracht kommt. Heroismus ist der gute Wille zum absoluten Selbst-Untergang.
Der Gegensatz des heroischen Ideals ist das Ideal der harmonischen All-Entwicklung: ein schöner Gegensatz und ein sehr wünschenswerther! Aber nur ein Ideal für gute Menschen!
1 [89]
In allem Verkehr von M dreht es sich nur um Schwangerschaft.
1 [90]
Wenn fünf Menschen zusammen reden, muß immer ein sechster sterben.
1 [91]
Alle Mädchen glauben, daß ein Mann nur dann Freundschaft mit einem Weibe schließt, weil er nicht mehr erreichen konnte.
1 [92]
Wer das Hohe eines M nicht sieht, sieht dessen Niedriges zu nahe und mit allzuscharfen Augen.
1 [93]
Wenn die Talente nachlassen, werden die moralischen Eigenschaften eines M sichtbarer.
1 [94]
Die Männer gelten als grausam, aber die Weiber sind es. Die Weiber gelten als gemüthvoll, aber die Männer sind es.
1 [95]
Ah, wie ich der tragischen Gesichter und Worte satt bin!
1 [96]
Schilling, span Grammatik, Leipzig, Glockner.
1 [97]
Soll das Band nicht reißen,
Mußt du mal drauf beißen.
1 [98]
Gelegentlich habe ich eine ungeheure Geringschätzung der Guten—ihre Schwäche, ihr Nichts-Erleben-Wollen, Nichts-sehen-wollen, ihre willkürliche Blindheit, ihr banales Sich-Drehen im Gewöhnlichen und Behaglichen, ihr Vergnügen an ihren “guten Eigenschaften” usw.
1 [99]
Hitzig Untersuchungen über das Gehirn Berlin 1874.
Animal Depravity (Quarterly Journal of Science 1875
415-430.
Lilienfeld Gedanken über die Socialwissenschaft.
1 [100]
Cosa bella e mortal,
passa e non dura!!!
1 [101]
Columbus novus.
Dorthin will ich, und ich traue
Mir fortan und meinem Griff!
Offen ist das Meer: in’s Blaue
Treibt mein Genueser Schiff.
Alles wird mir neu und neuer
Hinter mir liegt Genua.
Muth! Stehst du doch selbst am Steuer,
Lieblichste Victoria!
(Sommer 1882)
1 [102]
Der Baum spricht.
Zu einsam wuchs ich und zu hoch:
Ich warte: worauf wart’ ich doch?
Zu nah ist mir der Wolken Sitz:
Ich warte auf den ersten Blitz.
1 [103]
An das Ideal.
Wen liebt ich so wie dich, geliebter Schatten!
Ich zog dich an mich, in mich—und seitdem
Ward ich beinah zum Schatten, du zum Leibe.
Nur daß mein Auge unbelehrbar ist,
Gewöhnt, die Dinge außer sich zu sehen:
Ihm bleibst du stets das ew’ge “Außer-mir.”
Ach, dieses Auge bringt mich außer mich!
1 [104]
“Die fröhliche Wissenschaft.”
(Sanctus Januarius)
Dies ist kein Buch: was liegt an Büchern!
An diesen Särgen und Leichentüchern!
Vergangnes ist der Bücher Beute:
Doch hierin lebt ein ewig Heute.
1 [105]
Im Gebirge.
(1876.)
Nicht mehr zurück? Und nicht hinan?
Auch für die Gemse keine Bahn?
So wart’ ich hier und fasse fest,
Was Aug’ und Hand mich fassen läßt!
Fünf Fuß breit Erde, Morgenroth,
Und unter mir—Welt, Mensch und—Tod.
1 [106]
An die Freundschaft.
Heil dir, Freundschaft!
Meiner höchsten Hoffnung
Erste Morgenröthe!
Ach, ohn’ Ende
Schien oft Pfad und Nacht mir,
Alles Leben
Ziellos und verhaßt!
Zweimal will ich leben,
Nun ich schau’ in deiner Augen
Morgenglanz und Sieg,
Du liebste Göttin!
1 [107]
Das Wort.
Lebend’gem Worte bin ich gut:
Das springt heran so wohlgemuth,
Das grüßt mit artigem Genick,
Ist lieblich selbst im Ungeschick,
Hat Blut in sich, kann herzhaft schnauben,
Kriecht dann zum Ohre selbst den Tauben,
Und ringelt sich und flattert jetzt,
Und was es thut—das Wort ergetzt.
Doch bleibt das Wort ein zartes Wesen,
Bald krank und aber bald genesen.
Willst ihm sein kleines Leben lassen,
Mußt du es leicht und zierlich fassen,
Nicht plump betasten und bedrücken,
Es stirbt oft schon an bösen Blicken —
Und liegt dann da, so ungestalt,
So seelenlos, so arm und kalt,
Sein kleiner Leichnam arg verwandelt,
Von Tod und Sterben mißgehandelt.
Ein todtes Wort—ein häßlich Ding,
Ein klapperdürres Kling-Kling-Kling.
Pfui allen häßlichen Gewerben,
An denen Wort und Wörtchen sterben!
[Tautenburger Aufzeichnungen für Lou von Salomé]
1 [108]
1.
Menschen, die nach Größe streben, sind gewöhnlich böse Menschen; es ist ihre einzige Art, sich zu ertragen.
2.
Wer das Große nicht mehr in Gott findet, findet es überhaupt nicht vor und muß es entweder leugnen oder—schaffen (schaffenhelfen)
4.
Die ungeheure Erwartung in Betreff der Geschlechtsliebe verdirbt den Frauen das Auge für alle fernen Perspektiven.
5.
Heroismus—das ist die Gesinnung eines Menschen, der ein Ziel erstrebt, gegen welches gerechnet er gar nicht mehr in Betracht kommt. Heroismus ist der gute Wille zum absoluten Selbst-Untergange.
6.
Der Gegensatz des heroischen Ideals ist das Ideal der harmonischen All-Entwicklung—ein schöner Gegensatz und ein sehr wünschenswerther! Aber nur ein Ideal für grundgute Menschen (Goethe z. B.)
Liebe ist für Männer etwas ganz Anderes als für Frauen. Den Meisten wohl ist Liebe eine Art Habsucht; den übrigen Männern ist Liebe die Anbetung einer leidenden und verhüllten Gottheit.
Wenn Freund Rée dies läse, würde er mich für toll halten.
Wie geht es?— Es gab nie einen schöneren Tag in Tautenburg als heute. Die Luft klar, mild, kräftig: so wie wir Alle sein sollten.
Von Herzen
F. N.
1 [109]
Zur Lehre vom Stil.
1.
Das Erste, was noth thut, ist Leben: der Stil soll leben.
2.
Der Stil soll dir angemessen sein in Hinsicht auf eine ganz bestimmte Person, der du dich mittheilen willst. (Gesetz der doppelten Relation.)
3.
Man muß erst genau wissen: “so und so würde ich dies sprechen und vortragen”—bevor man schreiben darf. Schreiben muß eine Nachahmung sein.
4.
Weil dem Schreibenden viele Mittel des Vortragenden fehlen, so muß er im Allgemeinen eine sehr ausdrucksvolle Art von Vortrage zum Vorbild haben: das Abbild davon, das Geschriebene, wird schon nothwendig viel blässer ausfallen.
5.
Der Reichthum an Leben verräth sich durch Reichthum an Gebärden. Man muß Alles, Länge und Kürze der Sätze, die Interpunktionen, die Wahl der Worte, die Pausen, die Reihenfolge der Argumente—als Gebärden empfinden lernen.
6.
Vorsicht vor der Periode! Zur Periode haben nur die Menschen ein Recht, die einen langen Athem auch im Sprechen haben. Bei den Meisten ist die Periode eine Affektation.
7.
Der Stil soll beweisen, daß man an seine Gedanken glaubt, und sie nicht nur denkt, sondern empfindet.
8.
Je abstrakter die Wahrheit ist, die man lehren will, um so mehr muß man erst die Sinne zu ihr verführen.
9.
Der Takt des guten Prosaikers in der Wahl seiner Mittel besteht darin, dicht an die Poesie heranzutreten, aber niemals zu ihr überzutreten.
10.
Es ist nicht artig und klug, seinem Leser die leichteren Einwände vorwegzunehmen. Es ist sehr artig und sehr klug, seinem Leser zu überlassen, die letzte Quintessenz unsrer Weisheit selber auszusprechen.
| F. N. |
| Einen guten Morgen, meine liebe Lou! |
1 [110]
“Ja, ein schwaches Geschlecht!”—so reden die Männer von den Frauen, so reden auch die Frauen von sich selber: aber wer glaubt, daß sie bei dem gleichen Worte das Gleiche denken? Doch lassen wir einmal die Männer hierüber denken, was sie wollen; was meint für gewöhnlich ein Weib, wenn es von der Schwäche seines Geschlechts spricht? —
Schwäche fühlen—das ist ihm nicht nur einen Mangel an Kraft fühlen, sondern vielmehr: ein Bedürfniß nach Kraft fühlen. Es sucht nach Kraft, es blickt nach außen dabei, es will sich anlehnen es ist ganz Fühlhorn für Alles, woran es sich anlehnen könnte, es schlingt sich verlangend auch um das, was zur Stütze ungeeignet ist und versucht sich daran zu halten, ja es täuscht sich gerne über die Kraft alles Anderen, Fremden außer ihm—es glaubt in dem Grade an die Kraft außer sich als es an die Schwäche in sich glaubt. Das Gefühl der Schwäche, im äußersten Maaße empfunden, findet geradezu überall Stärke und dichtet Kraft in jedes Außer-sich hinein, mit dem es sich berührt: und wenn das Auge widersprechen sollte, so wird das Auge—zugemacht!
Dies ist in der That der Zustand, in dem das schwache Geschlecht sich befindet, und nicht nur in Beziehung auf die Männer seiner Umgebung, sondern auch in Beziehung auf Religion und Sitte: das schwache Weib glaubt an seine Unmöglichkeit, ungestützt stehen zu können und verwandelt alles, was es leiblich oder geistig umgiebt, in Stützen—es will nicht sehen, was dies Alles wirklich ist, es will nicht prüfen, ob das Geländer, an dem es über den Fluß geht, wirklich hält, es glaubt an das Geländer, weil es an seine Schwäche und Angst glaubt. Woran ein solches Weib sich anlehnt, das ist unter allen Umständen nicht die erkannte Kraft, sondern die erwartete, gewünschte und erdichtete Kraft: und je größer sein Gefühl der Schwäche war, um so mehr Kraft wird es an dem fühlen wollen, das ihm “Halt giebt.” Das schwächste Weib wird aus jedem Manne einen Gott machen: und ebenso aus jedem Gebot der Sitte und Religion etwas Heiliges, Unantastbares, Letztes, Anbetungswürdiges. Es liegt auf der Hand, daß für die Entstehung der Religionen das schwache Geschlecht wichtiger ist als das starke. Und, so wie die Weiber sind, würden sie sich, wenn man sie allein ließe, aus ihrer Schwäche heraus nicht nur beständig “Männer” erschaffen, sondern auch “Götter”—und beide, wie zu vermuthen steht, einander ähnlich—: als Ungeheuer von Kraft!
1 [111]
Vom Weibe.
| 1. | Das weibliche Urtheil und der Glaube (Aberglaube) des Weibes in Betreff seines Urtheils. | |
| 2. | Die weibl Beurtheilung der Affekte, der einzelnen Tugenden und Laster, | |
| 3. | Das weibl Urtheil über Mann und Weib, Staat und Natur, Arbeit, Muße, usw. | |
| 4. | Was von der Wirklichkeit sich das Weib verhehlt. | |
| 5. | Worin es sich verpflichtet fühlt, eine Unwirklichkeit, die es als solche kennt, doch als wirklich zu behaupten. | |
| 6. | Tempo der weiblichen Affekte | |
| 7. | Die Pflege der Kinder, theils zurückbildend und hemmend, theils allzusehr entkindlichend (der weibl Rationalism) In wiefern die Weiber den Mann als Kind behandeln. | |
| 8. | In wiefern das Weib die Anderen zur guten Meinung über sich verführt und trotzdem sich dann vor dieser Meinung beugt (als vor einer Autorität) | |
| 9. | Geschichte dessen, was vom Weibe als unweiblich empfunden wird,—je nach Volk und Sittenzustand. | |
| 10. | Der weibl Glaube an irgend eine oberste weibl Tugend, welche da sein müsse, damit irgend eine höhere Natur des Weibes erreicht werden könne—und der thatsächl Wechsel dieser “obersten Tugenden.” | |
| 11. | Gefühl der Vollkommenheit und Wesens-Vollendung z. B. beim Dienen, Gehorchen | |
| 12. | Schwangerschaft als der Cardinalzustand, welcher allmählich, im Verlauf der Zeiten, das Wesen des Weibes festgestellt hat. Relation aller weiblichen Denk- und Handlungsweisen dazu. | |
| 13. | Verneinen, zerstören, allein sein, kämpfen, verachten, sich rächen: warum das Weib in alledem barbarischer ist als der Mann usw. usw. usw. |
1 [112]
E. Mach Die Geschichte und die Wurzel des Satzes von der Erhaltung der Arbeit
Lasswitz Atomistik und Kriticismus. (Braunschweig 78)
C. Neumann über die Principien der Galilei-Newtonschen Theorie
Fechner die physikal und philos Atomlehre 2 Aufl Leipzig 1864.
10, 1[1-112] Juli-August 1882
1 [1]
«solitudo continuata dulcescit». Madonna del Sasso. (Locarno)
1 [2]
Опровержение морали? —
Мораль — удел тех, кто не может от неё освободиться: в их глазах она принадлежит к «условиям существования». Условия существования нельзя опровергнуть, их можно только — не иметь!
1 [3]
Основания.
Последнее физическое состояние силы, которую мы осваиваем, должно быть по необходимости и первым ее состоянием.
Переход силы в латентную силу должен быть причиной возникновения живейшей силы. За негативным ее состоянием отрицания должно следовать состояние высшей позитивности.
Пространство как материя — субъективная форма. Время — нет.
Пространство возникло лишь благодаря предположению о наличии пустого пространства. Но его не существует. Всё — сила.
Движимое и движущее мы не можем мыслить совместно, но ведь это составляет материю и пространство. Мы изолируем.
Развитие какой-либо вещи позволяет делать заключения о возникновении вещи.
Всякое развитие — это возникновение.
Материя, материал — это субъективная форма. Мы не в состоянии помыслить что-либо иначе, чем материально. Даже мысли и абстракции обретают у нас чрезвычайно утонченную материальность, которую мы, может быть, и отрицаем; тем не менее, она в них есть. Мы просто привыкли не замечать эту материальность и говорить о «нематериальном». Точно так же, как мы разделили мертвое и живое, логичное и нелогичное и т.д. Отучить себя от этих противопоставлений — вот наша задача.
1 [4]
Понятия тоже возникли. Откуда? — Здесь имеют место переходы.
1 [5]
Тех, кого использовали в неудавшемся деле, следует награждать вдвойне.
1 [6]
Если хочешь надолго оставаться юным, становись юным позже.
«Кто слишком строг в своих суждениях о других, того я считаю дурным человеком» — скажу вместе с Демосфеном.
1 [7]
«Suaviter in re, fortiter in me.»
1 [8]
Вера всех возродившихся. — Кто однажды умер слишком рано, тот не скоро умрет во второй раз.
1 [9]
Жизнь после смерти.— У кого есть основания верить в «жизнь после смерти», тот должен учиться переносить свою «смерть» при жизни.
1 [10]
Поздняя юность. — Поздняя юность надолго сохраняет юным.
1 [11]
Идеал. — Глаз видит лишь то, что вне его; поэтому свой идеал мы всегда видим впереди нас — даже когда мы его уже достигли!
1 [12]
Понятие и чувство «благородного» имеет совсем другую предысторию, чем понятие и чувство «доброго».
1 [13]
Vademecum. Vadetecum
Ф. Ницше
Первое собрание сочинений
Содержание:
Человеческое, слишком человеческое. С приложением
Странник и его тень
Утренняя заря
Веселая наука.
1 [14]
Лемех.
Инструмент для освобождения духа.
Первое собрание сочинений.
в 2 томах
Содержание:
Человеческое, слишком человеческое. С приложением:
Смешанные мнения и изречения.
Странник и его тень.
Утренняя заря. Мысли о моральных предрассудках.
Веселая наука.
1 [15]
К —
Знай, дитя, что генуэзцу
Веры нет, сказал Колумб, —
За предел он рвется сердцем,
Далью занят взгляд и ум.
Море все синей и шире,
Вот уж Генуя вдали.
На завоеванье мира
Мы уводим корабли.
Не вернуться нам назад.
Там, сквозь океан ненастий
Ждут нас и на нас глядят
Смерть и слава, рок и счастье!
1 [16]
о преимущественном или исключительном вегетарианстве
Люди бурных аффектов, честолюбивые, злобные, одержимые сладострастием должны бы и в самом деле задать себе вопрос, не слишком ли велико для них даже малое количество мяса; хотя мне гораздо более важным представляется вопрос не о том, что они должны есть, а о том, как много, а в данном случае — как мало они едят.
1 [17]
Ты друга отрываешь от груди.
Зато хоть боль с тобою остается!
1 [18]
Что толку от моей книги, если она даже не может быть рассмотрена sub specie trecentorum annorum?
1 [19]
Вольнодумцы.
Стиль.
Моральное и органическое.
Себялюбие и любовь к ближнему.
Героизм.
Воздействие мысли на будущее мира.
Бог и дьявол.
1 [20]
О морали “Я.”
Трудность объяснить себя. Для многих это невозможно.
Всякое действие истолковывается неверно. Чтобы тебя постоянно не распинали, нужно иметь свою маску. Также и для того, чтобы соблазнять ...
Лучше иметь дело с теми, кто лжет осознанно, ибо лишь они могут быть правдивы осознанно. Обычно правдивость — это маска без осознания маски.
«Я» порабощает и убивает: оно работает как органическая клетка — оно грабит и насилует. Оно хочет регенерироваться — беременность. Оно хочет родить себе бога и видеть у того в ногах всё человечество.
Освобожденные Я сражаются за господство.
1 [21]
Это не книга: что толку в книжках —
В гробах под переплетною крышкой!
Это воля, клятва, веленье,
Мосты, сожженные без сожаленья,
Ветер морской, маяка сигналы,
тугого штурвала,
Грохот орудий, их дым клубится,
Моря громада хохочет и злится —
1 [22]
называть красивыми словами, ибо себялюбие должно быть злым
1 [23]
я верю Г. И. Асколи и Э. Ренану в том, что семитская раса относится к индоевропейской.
1 [24]
Жизнь человека героического содержит сокращённую историю демонологии многих поколений. Он переживает состояния еретика, ведьмы, прорицателя, скептика, слабого, верующего и побеждённого.
1 [25]
У кого есть воля к страданию, тот иначе относится к жестокости: причиняя боль, он не видит в этом ничего вредного и дурного.
1 [26]
«Иисус увидел некоего человека, работающего в субботу, и сказал ему: блажен ты, если ведаешь, что творишь; если же не ведаешь, то ты проклят и преступаешь Закон».
Евангелие от Луки, 6, 4, древняя рукопись
1 [27]
Существующий мир сил указывает назад, на их примитивнейшее состояние, и в то же время вперед — на примитивнейшее состояние; не должны ли в таком случае оба состояния быть идентичными? Из системы определенных сил, т.е. из определенным образом измеренной силы не выводимо бессчетное количество возможных состояний. Лишь если предположения о бесконечном пространстве, в котором равномерно рассеивается сила, неверны, ее последнее состояние является непродуктивным, мертвым. Простейшее состояние — это — и в то же время +.
1 [28]
Стоит лишь занять позицию самой строгой моральности, например честности, как наше обхождение с самыми простыми взятыми на веру вещами делается аморальным (например наличие тела). Это подобно вере в то, что человек равен человеку, а не в атомарность индивидуумов.
Таким образом, все оборачивается бесчестностью. А если предположить, что мы осознали бесчестность, т.е. аморальность жизни, — тогда следует отрицать жизнь.
Так же и настаивание на справедливости приводит к убеждению, что жизнь несправедлива.
Следствие предельной моральности познания: стремление к уничтожению.
Но тут появляется спасительная критика морали и моральности: она убивает сама себя.
Следовательно: жизнь нельзя отрицать, поскольку мораль не стоит над ней, мораль мертва. Избыток моральности доказал необходимость и полезность своей противоположности — зла как источника добра.
Следует ли поэтому отказаться от добра? Нет, напротив! Ибо наша честность не должна быть слишком строга. И в самом деле, добрые люди не бывают чрезмерно строгими.
1 [29]
Потребности души не следует путать с потребностью в душе, которую испытывают некоторые холодные люди.
1 [30]
Собака платит за доброту преданностью. Кошка же наслаждается сама собой, ощущает силу самоупоения: она ничего не отдает.
1 [31]
Объяснение так называемых «спиритических явлений». Часть интеллектуальных функций медиума осуществляется бессознательно: его состояние гипнотическое (разделение бодрствующего и спящего интеллекта). На этой бессознательной части концентрируется нервная сила. Благодаря соединению рук участвующих в сеансе должна образоваться электрическая связь с медиумом, посредством которой мысли каждого поступают к медиуму. Подобная связь мыслей есть вещь не более чудесная, чем связь между мозгом и ногой, например, в тот момент, когда человек спотыкается. Вопросы получают ответы в зависимости от интеллекта участников, причем часто задействуются резервы памяти, которые обычно кажутся утраченными. Следствие нервной эмоции. Нет никакого забвения. Бессознательный обман тоже возможен: я имею в виду, что медиум-обманщик пользуется различными обманными манипуляциями, не отдавая себе в этом отчета — свойственная ему моральность просто инстинктивно выражается в подобных действиях. В конце концов мы так поступаем всегда. Все существенное совершается на бессознательном уровне; бессознательный обман вершится в жизни куда чаще, чем обман сознательный.
Электрические явления, холодные свечения, искры при этом вполне возможны. Чувство, будто к тебе прикоснулись, может быть обманчивым, галлюцинацией чувств; может быть и так, что несколько лиц ощущают одно и то же. (Как в древних оргиастических ритуалах.)
Вера в возможность встречи с умершими — предпосылка спиритизма. Это своего рода вольнодумство. Люди истинно набожные в такой вере не нуждаются. (Бокль о бессмертии)
1 [32]
Advocatus diaboli
Новые представления о боге и дьяволе. Безусловное познание есть безумие периода добродетелей; из-за него погибла жизнь. Мы должны освятить ложь, безумие, веру и несправедливость. Мы должны освободиться от морали, чтобы иметь возможность жить морально. Мой свободный произвол, мною самим созданный идеал требует от меня той или иной добродетели, т. е. гибели за добродетель. Это и есть героизм.
1 [33]
Национальный принцип снимет оковы с мухаммедан и индийцев.
1 [34]
А что, собственно, делает проституцию такой вредоносной, украдчивой, не уверенной в себе? Не ее «зло в себе», а то дурное мнение, которое о ней сложилось. Вопреки статистикам. Следовало бы отнести на счет добрых то, что более грубое и более тонкое последствия их суждений составляет внутреннее и внешнее несчастье людей. А потом они же считают это несчастье доказательством своей правоты, доказательством природы и силы! Дурная совесть отравляет здоровье.
Брак как разрешенная форма полового удовлетворения.
Война как разрешенная форма убийства соседа.
Школа как разрешенная форма воспитания.
Юстиция как разрешенная форма мести.
Религия как разрешенная форма инстинкта познания.
Добрые как фарисеи, плохие с дурной совестью, угнетенные. Что такое распутство всех видов как не последствие неудовлетворенности многих людей разрешенными формами существования? Что есть большинство преступлений как не отсутствие способности или желания лицемерить вместе с «добрыми»? Нехватка воспитания сильных инстинктов? Есть лишь их противники и презирающие их.
1 [35]
Фарисейское счастье.
Само-преодоление фарисея. Его “нравственные” поступки при любых обстоятельствах, его привыкание к тому, чтобы постоянно держать мотивы поступков лишь в сознании, а действительные мотивы называть ложными (в соответствии с моралью).
Это древний навык стада, изначальная привычка замечать у себя только разрешенные суждения и ощущения. Этот свойственный всем добрым навык ведет к одинаковости поступков и придает им невероятную силу веры в то, что у них и у окружающих так мало мотивов, и все они добрые.
Фарисей — это прототип сохраняющего человека, годный на все времена.
| Его противоположность: |
| сильные злые и слабые злые, которые себя так ощущают. |
Из них иной раз получается добрый-для себя-самого, дьявол, ставший богом.
1 [36]
Уменьшать страдания и избегать страданий (т.е. жизни) — это морально?
Создавать страдания — себе самому и другим — чтобы побудить их к высшей жизни, жизни победителя.
1 [37]
Отвратительно наблюдать, как фарисеи почитают великих людей. Против этой сентиментальности.
1 [38]
Даже регресс и упадок — индивидов и человечества — должны воспитывать идеалы: тогда всякий раз будут верить в прогресс. Идеал «обезьяны» может когда-нибудь явиться перед человечеством — как цель.
1 [39]
Моя виртуозность: переносить то, что мне неприятно, воздавать ему должное и даже быть учтивым с ним — человек и познание. К этому я особенно привычен.
1 [40]
У меня есть склонность позволять себя обкрадывать, злоупотреблять мной. Но, когда я заметил, что все пытаются меня обмануть, я впал в эгоизм.
1 [41]
Из совершенной старой морали меня потянуло к себялюбию.
1 [42]
Почему я так люблю свободный дух? Как последнее следствие предшествующей морали. Быть правым по отношению ко всему, несмотря на свои симпатии и антипатии, встроить себя в порядок вещей, быть выше себя, преодолевать, обладать мужеством, не только встречаясь с тем, что враждебно и неприятно тебе лично, но и с тем злом, что заложено в самих вещах. Нужна предельная трезвенность мысли, враждебная уже сама по себе всякому идеализму и набожности, да и всякому пристрастию, враждебная и трезвенности, т.е. самой себе; нужен полный благоволения настрой по отношению ко всему и к каждому, нужна добрая воля, направленная на то, чтобы обнаруживать ценность во всем и в каждом — его необходимость и оправдание. Отказ от действия (квиетизм) из-за невозможности сказать «должно быть иначе» — успокоение в боге, как в становящемся боге.
Средством такой свободы духа стало для меня себялюбие, необходимое, чтобы не быть проглоченным вещами: как связь и как опора. Такое завершенное состояние моральности возможно лишь в Я: поскольку оно живо, оно формирует, желает, созидает и во всякое мгновение противостоит погружению в вещи, — в этом противостоянии оно черпает свою силу воспринимать все большее количество вещей и растворять их в себе. Свободный дух, таким образом, в отношении к себе и себялюбию есть становление, борьба противоречий, не готовое, не завершенное и не состояние: это осознание моралью того, что она может сохранить свое существование и развиваться лишь благодаря своей противоположности.
1 [43]
| 1. | Неудовлетворенность собой. Противоядие против раскаяния. Трансформация темпераментов (например, вследствие неорганических процессов). Добрая воля к такой неудовлетворенности. Дождаться ее жажды, чтобы отыскать ее источник. | |
| 2. | Сделать смерть средством победы и триумфа. | |
| 3. | Половая любовь как средство достижения идеала. (Стремление раствориться в его противоположности.) Любовь к страдающему божеству. | |
| 4. | Болезнь, отношение к ней, свобода к смерти. | |
| 5. | Продолжение рода как самое святое дело. Беременность, произведение мужчины и женщины, которые хотят наслаждаться в ребенке своим единением и поставить некий памятник самим себе. | |
| 6. | Сочувствие как опасность. Создавать возможности для каждого помогать себе самому и решать, нуждается ли он в помощи. | |
| 7. | Воспитание зла, собственного «дьявола». | |
| 8. | Внутренняя война как «развитие». | |
| 9. | «Сохранение вида» и идея вечного возвращения. | |
| 10. | В какой мере всякий созданный бог снова создает себе дьявола. И вовсе не того, из которого произошел. (Это близкий идеал, с которым он должен бороться.) |
1 [44]
Государство внедрило свою мораль в
Произвол - вот, может быть, самое благословенное имя для морали.
1 [45]
Стиль
Первое, в чем есть нужда, — это жизнь: стиль должен жить.
Стиль должен всегда быть соразмерным тебе — в отношении той личности, которой ты хочешь передать себя.
Нужно твердо знать: «я буду говорить и излагать так-то и так-то» — прежде чем браться за перо. Письмо должно быть лишь подражанием.
Поскольку у пишущего нет многих средств, которые есть у оратора, он должен взять себе за образец наиболее выразительную форму изложения: его отображение, написанное, обязательно окажется более бледным (и более естественным для тебя).
Богатство жизни выдает себя в богатстве жестов. Нужно учиться ощущать всё как жесты — длину и краткость предложений, пунктуацию, выбор слов, паузы, последовательность аргументов.
Осторожнее с периодами! На период имеют право лишь те, у кого хватает дыхания в устной речи. Для большинства период — это аффектация.
Стиль должен доказывать, что пишущий верит в свои мысли, не только думает, но и ощущает их.
Чем абстрактнее истина, которой собираешься учить, тем больше требуется расположить к ней чувства.
Такт хорошего прозаика состоит в том, чтобы вплотную приблизиться к поэзии, но никогда не переходить ее границу. Но без тончайшего чувства и навыков поэтического нельзя обладать этим тактом.
Не слишком-то умно и учтиво подсказывать читателю малейшие возражения. Зато умно и учтиво предоставлять читателю возможность самому извлекать квинтэссенцию нашей мудрости.
1 [46]
Ж. Санд, письмо 1868 г. Максиму Дю Кан.
«Faites un mariage d’amitié pour avoir des enfants. L’amour ne procrée guère. Quand vous verrez devant vous un être, que vous aimerez plus que vous-mêmes, vous serez heureux. Mais ce n’est pas la femme que l’on peut aimer plus que soi-même, c’est l’enfant, c’est l’être innocent, c’est le type divin, qui disparaît plus ou moins en grandissant, mais qui, durant quelques années, nous ramène à la possession d’un idéal sur la terre».
1 [47]
В глубине того, что всякий мужчина испытывает по отношению к женщине, всё еще таится презрение к женскому полу.
Для того чтобы иметь детей, заключите дружеский брак. Любовь почти неспособна к воспроизводству. Когда вы увидите перед собой существо, которое полюбите больше себя самого, вы будете счастливы. Но больше себя самого можно полюбить не женщину, а лишь ребенка, это божественное создание, которое исчезает, вырастая, но которое на протяжении нескольких лет дает нам ощущение обладания идеалом на земле (фр.).
1 [48]
Против возмущения моралью.
Такая же жестокость, как и в религиозных войнах. «Презрение к ближним» как предмет негодования Христа (он был несправедлив по отношению к фарисеям).
(Зло должно сохраняться!)
1 [49]
Кто увидел идеал человека, воспринимает реального человека как карикатуру на него.
1 [50]
| 1. | Женское суждение об аффектах. — об отдельных добродетелях и пороках мужчины и женщины. Женщина и труд. Женщина и государство. Женщина и слава. | |
| 2. | Женское суждение и вера женщины в справедливость своего суждения. | |
| 3. | Скрытая действительность и | |
| 4. | Недействительность, которую женщина чувствует себя обязанной утверждать как действительное. | |
| 5. | Склонение других к хорошему мнению о нас — и преклонение перед этим мнением как перед авторитетом. | |
| 6. | Темп женских аффектов. | |
| 7. | Беременность как кардинальное состояние, постепенно сформировавшее сущность женщины. Связь с этим всех женских способов мышления и действия. | |
| 8. | Забота о детях — отчасти действующая регрессивно, отчасти чересчур лишающая детскости. Женский рационализм. | |
| 9. | Разница между женской и мужской жаждой господства. | |
| 10. | Женское чувство совершенства — в покорности. | |
| 11. | То, что ощущается как неженское. История. | |
| 12. | Отрицание, разрушение, ненависть, месть: почему женщина проявляет в этом больше варварства, чем мужчина. | |
| 13. | Различная чувственность у мужчины и женщины. |
1 [51]
О возрождении мира.
Из двух отрицаний возникает позиция, если отрицания являются силами. (Тьма возникает из света — против света, холод из теплоты против теплоты и т.д.)
1 [52]
Предваряй дела свои словами: обяжи самого себя стыдом перед нарушенным словом.
1 [53]
Лишь непреклонному позволено молчать о себе самом.
1 [54]
По отношению к другим мы более искренни, чем по отношению к самим себе.
1 [55]
Ко всякой истине мы относимся как к собственной плоти.
1 [56]
Первоначально ложь была моральной. Она утверждала мнение стада.
1 [57]
Чтобы развлечься, один ищет акушера своим мыслям, а другой — человека, которому мог бы помочь.
1 [58]
При всяком разговоре втроем один — третий лишний и тем самым препятствует глубине разговора.
1 [59]
Тот, кто не делает нас продуктивным, становится
нам безразличен. Кого же мы делаем продуктивным, еще
не удостаивается нашей любви.
1 [60]
Как добрые представляют себе великих людей. Против их сентиментальности.
1 [61]
Созидать идеал, т.е. переделывать своего дьявола в своего бога. А для этого нужно сначала создать себе дьявола.
1 [62]
Всякое добро произошло из зла.
1 [63]
Кто стремится к великому, имеет основания обрести своё завершение и удовлетворение в количестве. Люди качества стремятся к малому.
1 [64]
Абсолютное охлаждение к ценностям, в которые верили до сих пор, предшествует пылкости.
1 [65]
Я advocatus diaboli и обвинитель бога.
1 [66]
Человек — нечто слишком несовершенное. Любовь к человеку разрушила бы меня.
1 [67]
Жестокость в наслаждении состраданием. Сострадание тем сильнее, чем глубже мы знаем и любим другого. Следовательно, тот любящий, который жесток по отношению к любимому, будет испытывать наибольшее наслаждение от жестокости. Предположим, что больше всего мы любим самих себя; в таком случае наивысшим наслаждением сострадания будет жестокость в отношении нас самих. Героическое — это стремление к абсолютной гибели в своей противоположности, преобразование дьявола в бога: вот эта степень жестокости.
1 [68]
Условия существования какой-либо сущности являются моралью, коль скоро они предстают как «долженствование».
1 [69]
Как дьявол становится богом.
1 [70]
К философии вечного возвращения.
о героическом величии как о единственном состоянии подготавливающих.
(Стремление к абсолютной гибели как средство выносить самого себя.)
Желание-стать-функцией: женский идеал любви. Мужской идеал — это ассимиляция и преодоление или сострадание (поклонение страдающему богу).
абсолютное равнодушие к мнению других (поскольку нам ведом их масштаб и значимость): но как мнение о себе самих — предмет для сострадания.
Мы не должны желать для себя одного состояния, но должны желать стать периодическими существами — подобно бытию.
я намеренно изжил всю противоположность религиозной натуры. Я знаю дьявола и его перспективы в отношении бога.
«Добро» и «Зло» как ощущения удовольствия и неудовольствия. Они необходимы. Но каждому свое зло.
Кто не находит дороги к своему идеалу, живет более легкомысленно и дерзко, чем тот, у кого вообще нет никакого идеала.
Причинять боль тому, кого мы любим, — вот дьявольщина. По отношению к нам самим это состояние героического человека — высшее насилие. То же и со стремлением к противоположности.
1 [71]
«Идеалист» как противоположность честного и бесстрашного познающего. Суждения идеалиста внушают мне отвращение, они ни к чему не пригодны.
1 [72]
Радость неудаче другого есть нечто иное, чем жестокость. Последняя представляет собой наслаждение состраданием и достигает пика в момент наивысшего сострадания (когда мы любим того, кого мучаем).
Если кто-то другой доставляет боль человеку, которого мы любим, мы приходим в бешенство от возмущения и наше сострадание причиняет нам сильную боль. Но мы любим его — и мы причиняем ему страдания. Поэтому сострадание становится необыкновенно притягательным: оно есть противоречие двух противоположных инстинктов, необыкновенно притягательное.
Самоистязание и сладострастие, появляющиеся друг рядом с другом, — одно и то же. Или самое ясное сознание, свинцовая тяжесть и неподвижность после опиума.
1 [73]
Общий вопрос: как действуют противоречащие друг другу ощущения, т.е. двойственность? Как родственные, как двойственность? (Ослабляя?)
Высшая любовь к Я, если она подает себя как героизм, предполагает и страсть к самоуничтожению, т.е. жестокость, насилие над самим собой.
Те, кто любил человечество, причиняли ему самую сильную боль.
Безусловная преданность и добровольное претерпевание боли от любимого, стремление быть истязаемым. Преданность становится упрямством против самого себя.
С другой стороны, любимый, мучающий любящего, наслаждается своим чувством власти — в особенности, если при этом тиранит себя самого: это двойное осуществление власти. Воля к власти становится упрямством против самого себя.
1 [74]
Свободный ум как самый религиозный человек из существующих.
1 [75]
Бог убил бога.
1 [76]
Мораль погибла из-за нравственности.
1 [77]
Человек верующий есть противоположность человека религиозного.
1 [78]
Предпосылкой для зачатия должно было стать желание иметь отображение и продолжение жизни любимого существа — и памятник единения с ним, воплощение инстинкта единения в новом существе. Плод страсти, а не симпатии.
1 [79]
Возвышенная и искренняя форма половой связи, страсть, все еще имеет при себе нечистую совесть. А самая вульгарная и неискренняя — совесть чистую.
1 [80]
Запутанность средств поддержания брака. Женщина всегда думает, что предназначена именно для этого. В действительности же все это чистый случай, и сотни других мужчин оказались бы для нее столь же хороши. Она желает подчиняться: она работает на мужа, думает и говорит: «Это все я сделала для тебя!» Но все это было не для «него», а для того, кто случайно попался ее инстинктам. Профессия и повседневный труд разделяют супругов и таким образом делают брак выносимым. Поскольку мужчины и женщины не познали раньше, что такое дружба, они и не разочарованы своим общением: ни любовь, ни дружба им не ведомы. Брак предполагает участие в нем слабых полулюдей.
1 [81]
Тщеславный—оскорбленный
осторожный—остерегаться
аморальный—презирать.
1 [82]
Он убивает, если не может жить иначе.
Он грабит, если ему необходим предмет или человек (брак).
Он лжет, если хочет скрываться ради своей цели.
1 [83]
Полдень и вечность
Наброски героической философии.
1 [84]
Люди, стремящиеся к величию, как правило, злые люди: это их единственный способ выносить себя.
1 [85]
Сколько требуется времени (сколько столетий), прежде чем величие станет заметным для людей и будет светить им — вот мой масштаб величия. Вероятно, все истинно великие пока оставались неизвестными.
1 [86]
Кто не находит больше величия в боге, вообще не находит его и должен либо его отрицать, либо — создавать — помогать создавать его.
1 [87]
Непомерные ожидания, которые женщины связывают с плотской любовью, застилают им глаза в отношении любых дальнейших перспектив.
1 [88]
Героизм — это настрой человека, стремящегося к цели, в сравнении с которой он становится незаметен. Героизм — это добрая воля к абсолютному самоуничтожению.
Противоположностью героического идеала является идеал всестороннего гармонического развития: прекрасная и весьма желанная противоположность! Но это идеал только для здоровых людей!
1 [89]
Во всяком человеческом общении в сущности только подразумевается лишь беременность.
1 [90]
Когда пятеро говорят вместе, шестой всегда должен умереть.
1 [91]
Все девушки думают, будто мужчина лишь тогда дружит с женщиной, когда не может ее добиться.
1 [92]
Кто не замечает возвышенного в М — тот слишком близко видит его низменное и смотрит слишком пристально.
1 [93]
Когда угасают таланты, становятся виднее моральные свойства человека.
1 [94]
Мужчины слывут жестокими, но на самом деле жестоки женщины. Женщины считаются душевными, но на самом деле душевны мужчины.
1 [95]
Ах, как я пресытился трагическими жестами и словами!
1 [96]
Шиллинг, испанская грамматика, Лейпциг, Глокнер.
1 [97]
Если узелок не рвется,
Раскусить его придется.
1 [98]
Иногда я бываю самого невысокого мнения о добрых — их слабость, их нежелание переживать что-либо, их нежелание видеть, их намеренная слепота, их банальное вращение в привычном и уютном, их удовольствие в их «добрых качествах» и т.п.
1 [99]
Hitzig, Untersuchungen über das Gehirn. Berlin 1874.
Animal Depravity (Quarterly Journal of Science 1875,
415–430.
Мысли Лилиенфельда о социологии.
1 [100]
Cosa bella e mortal,
Passa e non dura !!!
1 [101]
Columbus novus.
В даль стремлюсь я, и отныне
Верю в самого себя,
И плывет в бескрайней сини
Генуэзская ладья.
Для меня все новым стало,
Позади все, что изведал.
Не стоишь ли за штурвалом
Ты сама, моя победа!?
(Лето 1882)
1 [102]
Дерево говорит.
Туда, где тучи, одиноко
Расту я в ожидании рока.
Они все гуще, и вот-вот
Их сумрак молния пробьет.
1 [103]
Идеалу.
С тобой, моя возлюбленная тень,
Я сблизился так тесно, что однажды
Сам стал как тень, ты ж облачилась в плоть.
И лишь мой глаз все в толк не может взять,
Что ты внутри, — привык смотреть наружу.
Из-за него ты вечно «где-то там».
Ах, этот глаз! Хоть вырви! Вот досада!
1 [104]
“Веселая наука.”
(Sanctus Januarius)
Это не книга: что толку в книжках —
В гробах под переплетною крышкой!
В них тени забытые, прошлого звенья, —
И все же в них вечно живет мгновенье.
1 [105]
В горах.
(1876.)
Возврата нет? И нет пути?
Да тут и серне не пройти!
Ждать, намертво вцепившись, здесь
И видеть только то, что есть!
Пять пядей тверди, час рассвета,
А там, внизу — мир, смерть и Лета.
1 [106]
К дружбе.
Святая дружба!
Высшей моей надежды
Утренняя заря!
Бесконечной
Казалась мне часто ночная тропа,
Самая жизнь —
Бесцельно-презренной!
Дважды желаю я жить, и ныне
Вижу в твоих глазах
Утренний свет и победу,
Возлюбленная богиня!
1 [107]
Слово.
Я рад всегда живому слову:
Оно подвижно, смело, ново,
В нем и уместность, и сноровка,
Мила в нем даже и неловкость.
Горячая бежит в нем кровь,
Порхает нежная любовь,
И даже тем, кто тугоух,
Оно прочистить может слух.
И все ж оно так хрупко, чутко,
Порой болеет не на шутку.
Чтоб жизнь его могла продлиться,
С ним нужно нежно обходиться,
Ломать и мять его не надо;
Порой хватает злого взгляда —
И вот оно уже не дышит,
Его не чувствуют, не слышат,
Остался только полый звук,
Обрубочек без ног и рук.
Долой все гнусные затеи,
Что слово губят, не жалея.
[Таутенбургские записи для Лу фон Саломе]
1 [108]
1.
Люди, стремящиеся к величию, как правило, злые люди; это их единственный способ выносить себя.
2.
Кто не находит больше величия в боге, вообще не находит его и должен либо его отрицать, либо—создавать (помогать создавать).
4.
Непомерные ожидания, которые женщины связывают с плотской любовью, застилают им глаза в отношении любых дальнейших перспектив.
5.
Героизм—это настрой человека, стремящегося к цели, в сравнении с которой он становится незаметен. Героизм—это добрая воля к абсолютному самоуничтожению.
6.
Противоположностью героического идеала является идеал всестороннего гармоничного развития—прекрасная и весьма желанная противоположность! Но это идеал только для насквозь здоровых людей (например, Гёте).
Любовь для мужчин нечто совершенно иное, чем для женщин. Для большинства она, пожалуй, своего рода алчность; для остальных же—преклонение перед страдающим и скрытым божеством.
Если бы наш друг Рэ прочел все это, он счел бы меня сумасшедшим.
Как дела? В Таутенбурге еще не было лучшего дня, чем сегодня. Воздух ясный, мягкий, насыщенный—такой, какими должны быть мы все.
Сердечно
Ф. Н.
1 [109]
Учение о стиле.
1.
Первое, в чем есть нужда, — это жизнь: стиль должен жить.
2.
Стиль должен быть соразмерным тебе в отношении определенной личности, которой ты хочешь передать себя. (Закон двойного отношения.)
3.
Нужно твердо знать: «я буду говорить и излагать так-то и так-то» — прежде чем браться за перо. Письмо должно быть лишь подражанием.
4.
Поскольку у пишущего нет многих средств, которые есть у оратора, он должен взять себе за образец наиболее выразительную форму устного выступления: его отображение, написанное, обязательно окажется более бледным.
5.
Богатство жизни выдает себя в богатстве жестов. Нужно учиться ощущать всё как жесты — длину и краткость предложений, пунктуацию, выбор слов, паузы, последовательность аргументов.
6.
Осторожнее с периодами! На период имеют право лишь те, у кого хватает дыхания в устной речи. Для большинства период — это аффектация.
7.
Стиль должен доказывать, что пишущий верит в свои мысли, не только думает, но и ощущает их.
8.
Чем абстрактнее истина, которой собираешься учить, тем больше требуется расположить к ней чувства.
9.
Такт хорошего прозаика в выборе средств состоит в том, чтобы вплотную приблизиться к поэзии, но никогда не переходить границу.
10.
Не слишком-то умно и учтиво подсказывать читателю малейшие возражения. Зато очень умно и учтиво предоставлять читателю возможность самому извлекать квинтэссенцию нашей мудрости.
| Ф. Н. |
| Доброе утро, моя дорогая Лу! |
1 [110]
«Да, слабый пол!» — так говорят мужчины о женщинах; так говорят и женщины о самих себе: но кто верит, что в обоих случаях имеется в виду одно и то же? Пускай мужчины думают об этом, что хотят; но что же обыкновенно думает женщина, когда говорит о слабости своего пола? —
Чувствовать слабость — это для нее не только испытывать недостаток силы, но и, более того, испытывать потребность в силе. Она ищет, озирается в поисках силы, желая прислониться, подобно усикам растения, ко всему, к чему можно прислониться; она с вожделением обвивается даже вокруг того, что никак не может служить опорой, и пытается удержаться; она легко заблуждается относительно силы другого, чужого ей — она настолько же верит в силу вне ее, насколько уверена в собственной слабости. Чувство слабости, испытываемое ею в крайней степени, находит силу буквально повсюду и наделяет воображаемой силой любого, кто находится вне ее; а если глаза противятся этому, она их — закрывает!
Таково на самом деле состояние, в котором пребывает слабый пол, и не только по отношению к мужчинам своего окружения, но и по отношению к религии или обычаям: слабая женщина верит в свою неспособность стоять без опоры и превращает в опоры всё, что физически или духовно окружает ее; она не желает видеть, что это на самом деле, она не хочет проверять, держат ли перила моста, по которому она собирается пройти через реку, она просто верит в перила, потому что верит в собственный страх и слабость. На что бы ни опиралась женщина, она всегда опирается не на познанную силу, а на ожидаемую, желаемую и вымышленную; и чем больше ее чувство собственной слабости, тем большую силу она хочет ощущать от того, что «дает опору». Самая слабая женщина будет из каждого мужчины делать бога, а из каждой заповеди традиции или религии — нечто святое, неприкосновенное, предельное, достойное поклонения. Очевидно, что для возникновения религий слабый пол важнее, чем сильный. И если женщин в их слабости предоставить самим себе, они начнут постоянно создавать себе не только «мужчин», но и «богов» — вполне вероятно, похожих друг на друга своей чудовищной силой!
1 [111]
О женщине.
| 1. | Женское суждение и вера (суеверие) женщины в отношении своего суждения. | |
| 2. | Женское суждение об аффектах, об отдельных добродетелях и пороках, | |
| 3. | Женское мнение о мужчине и женщине, о государстве и природе, о труде и отдыхе и т.п. | |
| 4. | Что из действительности скрывает женщина от себя. | |
| 5. | Почему она чувствует себя обязанной утверждать действительность того, о чем она знает, что это не действительно. | |
| 6. | Темп женских аффектов | |
| 7. | Забота о детях, отчасти действующая регрессивно, отчасти чересчур лишающая детскости (женский рационализм). В какой мере женщины обращаются с мужчиной как с ребенком. | |
| 8. | Насколько женщина склоняет других к хорошему мнению о ней и несмотря на это затем преклоняется перед этим мнением. | |
| 9. | История того, что женщиной ощущается как неженское — в зависимости от народности и обычаев. | |
| 10. | Женская вера в некую высшую женскую добродетель, необходимую для достижения более высокой женской природы — и фактическая смена этих «высших добродетелей». | |
| 11. | Чувство совершенства и исполнения высшего предназначения (например в служении, послушании) | |
| 12. | Беременность как кардинальное состояние постепенно, на протяжении веков, определила сущность женщины. Связь с этим всех женских способов мышления и действия. | |
| 13. | Отрицание, разрушение, одиночество, презрение, месть: почему женщина проявляет во всем этом больше варварства, чем мужчина, и т.д. и т.п. |
1 [112]
Э. Мах Принцип сохранения работы. История и корень его
Лассвиц Атомизм и критицизм. (Брауншвейг 78)
К. Нейман о принципах теории Галилея-Ньютона
Фехнер физическое и философское учение об атоме, 2-е издание, Лейпциг, 1864 г.